Serie: Allen was gemeinsam Teil 3: Das gibt Brösel

In unregelmäßigen Abständen erscheinen in der Serie “Allen was gemeinsam” Episoden, Beiträge, Kommentare aus dem Alltagsleben. Wie der Titel schon sagt, haben sie etwas gemeinsam. Doch, wenn Sie es nicht gleich erraten, macht das nichts, es geht ja von Episode und Episode weiter! Also urteilen sie nicht zu schnell und voreilig. Viel Spass beim Lesen und Denken und die Auflösung gibt es so nach und nach.

Das gibt Brösel

Ich weiß es eh schon. Ich werd´ mich gleich ärgern. Wenn ich mich auf den Fahrradabstellraum in meinem Wohnhaus zu beweg´, gibt es in meinem psychischen Haushalt Brösel. Aber es passiert einfach, ich kann nichts dagegen tun.

Was waren das noch für Zeiten, als wir frisch eingezogen sind! Der Fahrradabstellraum war sauber und leer. Ich konnte mir den Standort aussuchen und hatte genügend Platz, um an das Fahrrad ´ran zu kommen. Das ist längst vorbei. Die Wohnungseigentümer- und MieterInnen zogen nach und nach in das neue Haus ein. Es umfasst 36 Wohneinheiten.

Der Fahrradraum ist mittlerweile voll, mehr als voll. Ich hab sie gestern gezählt. In einem Raum, der etwa 20 qm umfasst, stehen 25 Räder. Aufgrund der unerträglichen Enge im Raum, haben mindestens 4 Leute ihre Räder an einem anderen Ort deponiert – im eigenen Kellerabteil oder an der Wand hinter ihrem Autoabstellplatz in der Tiefgarage. Einige von den Drahteseln, die da herum stehen, sind halb oder ganz kaputt. Ein weiteres Drittel der Räder ist zwar relativ neu und fahrtüchtig, aber kaum benutzt. Sie stehen seit Jahr und Tag am gleichen Platz – verbrauchen einfach Platz und verstauben. Zu den 25 Rädern hat es sich eingebürgert, den „Abstellraum für Fahrräder“ auch für Kinderwägen, Buggys, Tretroller, Kinderfahrräder zu nutzen. Können Sie sich das Chaos darin vorstellen? Wohl kaum!

Wirklich regelmäßig werden nur eine Handvoll der Fahrräder benutzt. Das merkt man an den wenigen freien – immer gleichen – Flächen, in die man sein Fahrrad quetschen muss, die dadurch entstehen, weil jemand anderer gerade mit seinem Rad weg ist. Echt krass wird es, wenn ich Abends später nach Hause kommt, dann ist der Raum wirklich voll und ich bringe mein Rad überhaupt nur mehr dadurch hinein, indem ich den letzten freien Platz vor der Tür versperre. Wohl wissend, dass das bedeutet, dass alle anderen, die am Morgen vor mir ihr Rad brauchen, meines zuerst auf den Gehsteig raus stellen muss, dann die anderen beiseite schieben müssen, um zum eigenen Rad zu gelangen.

Ich sperr´ also die eiserne Türe auf. Der Ärger steigt hoch. Die Tür lässt sich gar nicht ganz aufmachen. Dahinter ist ein Rad irgendwie verkeilt, hineingequetscht worden. Dann muss ich zwei Räder in ihrem Standplatz optimieren, damit ich zu meinem Rad gelange. Ein großer Fehler war, dass ich es gestern nicht gebraucht habe. Jetzt ist es eingekeilt zwischen anderen. Das dauert.

Ich beuge mich über mein Rad, um das Schloss aufzusperren. Ich stoß mir den Kopf, weil ich den Korb des Nachbarrades falsch eingeschätzt habe. Ein Tobsuchtsanfall wallt in mir auf. Als nächsten Schritt muss ich es heraus bekommen. Denn es ist ja daneben, wie dahinter zugeparkt. Das gelingt erst nach mehreren Versuchen, bei denen ich die anderen Räder noch ein wenig weiter wegdrücken muss. Jenes eine, das dahinter gestanden ist, schiebe auf den Gehsteig raus; oder besser gesagt: trage ich, denn es ist natürlich versperrt. Schließlich bekomme ich mein Rad – nachdem sich die linke Pedale in die Speichen des Nebenrades verheddert hat und ich es mühsam entwirren konnte, ohne sich in die Bremsseile des anderen auf der anderen Seite zu verheddern – endlich frei.

Ich schiebe es rückwärts raus, stelle es am Gehsteig ab. Trage das andere Rad wieder hinein. Als ich auf den Boden des Raumes sehe, fällt mir erst auf, dass viele Teile der Fahrräder bereits am Boden liegen; abgebrochene Lichtreste, Teile der Kotflügel, abgeschlagene Plastikteile, die einmal eine Schutzfunktion hatten. Erhitzt und zornig über den täglichen Fahrradraumwahnsinn, schlage ich die Tür zu und schwinge mich aufs Rad. Das blöde daran ist, dass ich mich über die anderen und ihre blöden Räder und Tretroller ärgere, bwohl die eigentlich nichts dafür können und immer wenn ich durch die Tiefgarage im Haus gehe, bin ich beeindruckt, wie viel Platz den Autos in diesem Haus zur Verfügung gestellt wurde.