Das aktuelle Sturm Echo #342 beschäftigt sich in seinem Schwerpunkt „Überleben in dunkler Zeit“ anläßlich des 70. Jahrestages des Zusammenbruchs des Nationalsozialismus mit den Verflechtungen von SK Sturm in das Terrorregime. Walter Iberer vom Ludwig Boltzmann Inst.f. Kriegsfolgen-Folgen hat dazu ein Buch verfasst: „Erst der Verein, dann die Partei.“ (Leykam Verlag, 2015). Bereits in der Zwischenkriegszeit wurde Fußball zum Zuschauermagnaten und daher auch für das Regime interessant. Wie der Verein die dunkle Zeit überleben konnte, zwischen Anpassung, Opportunismus und subtiler Obstruktion, das fasst Walter Iberer in seinem Artikel zusammen.
Komplettiert wird der Schwerpunkt mit einem Interview mit Alfred Gerth (93) der als Zeitzeuge Auskunft gibt und der Historiker Heimo Halbrainer berichtet über die unmittelbare Zeit danach, als man so rasch als möglich wieder versuchte, Fußball zu spielen und Wettbewerbe zu organisieren.
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In den Schwarz-weißen Protokollen geht es um erfreulicheres: Mandi Steiner – Rauhbein und mit dem Spitznamen Eisenfuß ausgestattet, bereichtet vom Jahr 1975, das nach seinen eigenen Aussagen ein „super Jahr war“.
Sturm Protokollant: Wolfgang Gulis
Foto: Herbert Sündhofer
Gesprächspartner: Manfred „der Eiserne“ Steiner
Thema: Europacup gegen Haladas
„Den Ball, den wollt ich immer haben“
1975 war ein super Jahr, einer der Höhepunkte meiner Karriere. Zuerst im Juni im österreichischen Cup-Finale; leider gegen Wacker Innsbruck verloren. Dann beginnt im Herbst der Lauf im Europapokal der Cupsiege
r[1]. Zuerst hauen wir Slavia Sofia raus. Das war noch Ostblock – richtiger. Wir waren in einem Hotel untergebracht, das war zwar schön, aber lag auf der Sonnenseite und es war furchtbar stickig und heiß, ohne Kühlung, nicht zu schlafen. Die mitgereisten Fans mussten von der Polizei geschützt werden, so wütend waren die Slavia Fans, als wir aufgestiegen sind. Wüste Szenen haben sich da abgespielt.
Dann hatten wir Haladas Szombathely – damals vorne mit dabei in der ungarischen Liga. Das erste Spiel in Graz war im Oktober ´75. Es lief gut für uns. Stendal hat irgendwann nach der Halbzeit das 1:0 gemacht, in der 87. Minute gibt es Elfer für uns. Hubsi Kulmer wird gelegt vom Libero der Ungarn. Ich denk mir net viel dabei, nimm den Ball und schieß das 2:0. Zwei Wochen später in Szombathely das Rückspiel, es ist nasskaltes Novemberwetter. Die Ungarn haben Ankick, sie spielen den Ball zurück, zu ihrem Spielmacher. Als Manndecker war ich auf den besten von ihnen angesetzt. Ich geh auf ihn drauf. Ihm springt der Ball etwas weiter weg. Ich seh die Chance, rutsch´ auf dem nassen Boden rein, erwisch´ den Ball und leider ihn am Knöchel auch. Bumm, verletzt, raus aus dem Spiel. Die Aufregung war groß.
Nachher haben viele gemeint, das war Absicht. Aber da stimmt nicht. Ich bin einfach auf den Ball, den wollt ich immer haben. Wir haben gefightet – und wie – haben 1:1 gespielt und sind aufgestiegen. Der Jurtin hat wieder ganz spät das Tor gemacht. Die Fans haben mich auf den Händen rausgetragen. Wir waren damit im Viertelfinale. Zwei Wochen später spiel ich im Team gegen Wales. Branko Elsner hat mich einberufen. Leider verlieren wir 1:0. Da kommt der berühmte Spruch von ihm: „Hätten wir elf Steiner gehabt, hätten wir nicht verloren.“ Dann im März gings nach Frankfurt und da ist dann mein Beiname „der Eiserne“ enstanden. Sturm war ja ein völlig unbeschriebenes Blatt und so hat die Bild Zeitung angefangen zu recherchieren und ist auf mich gekommen – als beinharter Verteidiger. Und dann haben sie mich abgebildet, wie ich gegen die Torstange trete. Er hat dann geschrieben, dass ich in Graz immer so trainiere (lacht). Aber gegen Frankfurt war Schluß, wir haben beide Spiele verloren.
Im April 1976 wurde ich dann von den Zuhörern und -sehern des ORF Steiermark zum beliebtesten steirischen Sportler des Jahres gekürt. Bin vom Robert Seeger auf der Bühne interviewt worden – vor dem hab ich mehr geschwitzt, als wie vor einem Europa Pokal Match – und vom Intendanten Emil Breisach habe ich einen Riesenpokal in die Hand gedrückt bekommen. Allerdings bin ich da schon mit Gipshaxn raufgehumpelt, meine Achillessehne war gerissen. Sechs Monate in Gips. Wenn das nicht gewesen wäre, wäre ich sicher im Nationalteam geblieben.
Zuerst war Sturm, dann die Familie und dann kam meine Gesundheit. Klingt blöd ist aber so. Ein Wesenszug von mir: Ich kann nicht verlieren. Wurscht gegen wen, ich hab immer alles gegeben. Selbst wenn es nur ein Freundschafts- oder Aufbauspiel war. Das war nicht immer gesund, weder für mich noch für die Gegner. Manche roten Karten, die ich bekommen hab, hab ich gar nicht gesehen, weil ich schon auf dem Weg zur Dusche war. Wenn es sich nicht ausgegangen ist und der Gegner im hohen Bogen abhebt, weiß man schon, was es geschlagen hat. Die Schmerzen, die ich zugefügt hab, tun mir leid, aber es war nie absichtlich. Und schließlich hab ich auch einiges abbekommen, niemanden geschont. So war ich.
In den schwarz-weißen Protokollen erinnern sich Protagonisten und Statisten der Geschichte des Sportklubs Sturm an herausragenden Leistungen und legendäre Momente.