{"id":729,"date":"2019-03-25T12:56:51","date_gmt":"2019-03-25T12:56:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gulis.at\/schreiben\/?p=729"},"modified":"2021-02-19T09:44:33","modified_gmt":"2021-02-19T09:44:33","slug":"verschwundene-orte-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/verschwundene-orte-1\/","title":{"rendered":"Verschwundene Orte 1: Liebenauer Hauptstra\u00dfe 44"},"content":{"rendered":"<p>Oma war klein, vielleicht 150 cm, als sie \u00e4lter wurde und schrumpfte, ging sie eher auf 140 cm zu. Sie trug Tag f\u00fcr Tag eine gebl\u00fcmte Kittelsch\u00fcrze \u2013 so wie Omas in den 1950-80er das eben trugen. Seit ich mich an sie erinnern kann, hatte sie grau-blau meliertes Haar. Als ich bei den Gro\u00dfeltern lebte, waren beide noch gar nicht so alt. Mitte &#8211; Ende ihrer 40er Jahre. J\u00fcnger auf jeden Fall, als ich es jetzt bin.\u00a0 Trotzdem schienen sie f\u00fcr mich uralt und sie sahen &#8212; bei Betrachtung alter Fotos &#8212; auch so aus; Oma und Opa m\u00e4\u00dfig eben.<\/p>\n<p>Oma hatte so etwas wie einen Tick. Wenn sie arbeitete und das tat sie bis auf die \u201eSiesta Zeit\u201c immer. Da sa\u00df sie dann am K\u00fcchentisch, l\u00f6ste Kreuzwortr\u00e4tsel und trank einen Kaffee. Wobei das eher Milch mit ein wenig Kaffee drinnen war und nicht selten war der Kaffee von gestern und l\u00e4ngst abgestanden, aber das machte ihr nichts.\u00a0 Sie blies immer aus dem Mundwinkel heraus eine tats\u00e4chliche oder imagin\u00e4re Haarstr\u00e4hne aus der Stirn. Das war so typisch und ich habe das eigentlich von niemanden anders gesehen, bis auf Franco Foda, der Fu\u00dfballtrainer \u2013 fr\u00fcher bei Sturm Graz, dann \u00d6FB Teamtrainer \u2013 der tat das auch.<\/p>\n<p><strong>Oma war Hausmeisterin in dem Mehrparteienhaus.<\/strong><\/p>\n<p>Sie wohnte in der ersten Wohnung des Hauses im Parterre, die einen Holzerker besa\u00df. Sp\u00e4ter \u2013 Opa war bereits gestorben \u2013 siedelte sie in die zweite Wohnung im Parterre, gleich daneben.<\/p>\n<p>Auf die Stra\u00dfe vorne raus, Richtung Osten war das Haus unscheinbar, einfach strukturiert. Die Fenster in jedem Stockwerk symmetrisch angeordnet. Nur ein Giebel in der Mitte unterbrach die Ordnung. Wollte man zu den Wohnungen, musste man um das Haus herumgehen. Auf der R\u00fcckseite, im Innenhof gelangte man zu einem Torbogen und ins Stiegenhaus. Da lagen dicke, breite, abgetretene Bohlen, die fasrig und br\u00fcchig waren. F\u00fcr das beliebte Barfu\u00df laufen im Sommer schlecht geeignet. Wir zogen uns immer Speile ein. Wenn man auf die Bretter stieg, knarzten die meisten. Anschleichen und die Freunde hinter einer Ecke \u00fcberraschen und schrecken, ging schlecht, die Bohlen verrieten einen.<img decoding=\"async\" class=\"wp-image-900 alignright\" src=\"http:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_20180430_225815-168x300.jpg\" alt=\"\" width=\"130\" height=\"232\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_20180430_225815-168x300.jpg 168w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_20180430_225815-575x1024.jpg 575w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_20180430_225815-768x1368.jpg 768w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_20180430_225815-863x1536.jpg 863w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_20180430_225815-1150x2048.jpg 1150w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_20180430_225815-scaled.jpg 1438w\" sizes=\"(max-width: 130px) 100vw, 130px\" \/><\/p>\n<p>Oma m\u00fchte sich mit dem alten W\u00e4nden und Stiegen ab. Sie mussten einmal in der Woche geputzt werden. Bei normalen Wochen fiel der Unterschied nicht wirklich auf. Es sah immer abgewohnt und alt aus, auch die W\u00e4nde. Manche Schlieren, Kratzer und Kerben waren nicht wegzuwaschen. Im Winter bei Schnee und Matsch war das Reinigen des Stiegenhauses eine richtige Schufterei. Denn dann war Oma jeden Tag besch\u00e4ftigt. Obwohl sie unten im Parterre Vorsorge traf und f\u00fcr die schneematschigen Schuhe Abstreifm\u00f6glichkeiten auflegte, waren die Stufen an solchen Tagen reif f\u00fcr einen Putz. Den Parteien war das egal, denn die sahen ja nur die dreckigen Stiegen und regten sich auf, wenn es \u201eaussah\u201c; wie die Kritik verklausuliert angebracht wurde. Dann musste sich Oma rechtfertigen, dass sie eh erst heute Morgen geputzt habe. Half aber nichts, es musste wieder sauber gemacht werden.<\/p>\n<p>Das Haus geh\u00f6rte der Konsumgenossenschaft. Rechts im Parterre, wenn man von der Stra\u00dfe aus davor stand, gab es eine Konsumfiliale, mit zwei gro\u00dfen Auslagenscheiben und einem Eingang. Wissen Sie noch, was der Konsum war? Die gr\u00f6\u00dfte Einzelhandelskette \u00d6sterreichs nach dem Zweiten Weltkrieg. Entstanden und entwickelt aus der sozialdemokratischen Genossenschaftsbewegung! Deren Ziel war es, die Nahversorgung der \u00f6sterreichischen Bev\u00f6lkerung sicher zu stellen. Nach einer Reihe von Expansionsschritten und Fusionen sowie fatalen Fehlentscheidungen kollabierte der \u201erote Riese\u201c, wie er oft genannt wurde, 1995.<\/p>\n<p>Insgesamt waren 15.000 Mitarbeiter*innen davon betroffen. Dass das einmal passieren k\u00f6nnte, konnte sich niemand vorstellen, war doch der Konsum mit der Bawag \u2013 der \u201eArbeiterbank\u201c \u2013 die institutionelle St\u00fctze der Sozialdemokratie. Konsumjobs galten als so sicher wie Beamtenjobs: Denkste! Mein Vater war einer davon, der in diesem Glauben aufwuchs. Sein gesamtes Arbeitsleben war er stolz, Konsumangestellter zu sein. Bis auf die Lehrjahre, die er bei einem kleinen Greissler in der Triester Siedlung absolvierte, war er immer beim Konsum, mehr als 30 Jahre, bis zum Ende. Als er dann nach dem Konkurs zum Arbeitsamt gehen musste, wie es damals noch hie\u00df; dort, wo er gleich ums Eck einmal eine Konsumfiliale geleitet hatte und alle vom Arbeitsamt kannte, die zu ihm \u201eJausen kaufen\u201c kamen, brach eine Welt f\u00fcr ihn zusammen. Aber das w\u00e4re eine andere Geschichte.<\/p>\n<p>Auf der R\u00fcckseite des Gesch\u00e4ftes waren nach und nach eine Warenhalle, ein Aufenthaltsraum f\u00fcr die Bediensteten, ein K\u00fchlraum und die LKW-Zufahrt, f\u00fcr die Lieferung der Waren, angebaut worden. Von oben betrachtet war das ganze L-f\u00f6rmig. In dem rechtwinkeligen Dreieck, das ein L fabriziert, lag der Hof. Ein abgez\u00e4unter Bereich, zuerst nur geschottert und mit ein wenig Gras ausgestattet, sp\u00e4ter betoniert; zuerst ein Holz-, sp\u00e4ter eine Betonm\u00e4uerchen mit Maschendrahtzaun und Tor. Das musste Oma abends zusperren.<\/p>\n<p><strong>Ich steckte sie mir in den Mund.<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber den Tag hinweg kamen die Lieferwagen, brachten die Waren f\u00fcr den Verkauf. Fr\u00fchmorgens der wei\u00dfe Milchwagen. Meist war ich da noch im Bett. Aber riechen konnte ich ihn schon, den unangenehmen typisch s\u00e4uerlichen Milchgeruch, der dann durchs Haus zog.\u00a0 Sp\u00e4ter folgte der kleine, braune Kastenwagen, der das Gep\u00e4ck brachte. Auch den roch man sofort. Der ganze Wagen schien den Geruch von frisch gebackenem Brot zu verstr\u00f6men. Manchmal stand er mit offenen T\u00fcren im Hof, der Fahrer erledigte den Papierkram und plauderte mit dem Filialleiter, dem Walland Karli, der im Haus im ersten Stock wohnte. Das war der Moment, an dem ich mich an den Wagen ran schlich und Brotkr\u00fcmel und runter gefallenen Krusten von Semmeln aufsammelte, die auf der Ladefl\u00e4che gelandet waren. Ich steckte sie mir in den Mund. Ein Genuss.<\/p>\n<p>Als das Oma einmal sah, schimpfte sie mit mir. Schlie\u00dflich sei das ein dreckiger Boden und was ich mir da alles holen k\u00f6nnte. Aber ich hatte nie das Gef\u00fchl, dass die Brotkrumen dreckig waren. Nur wenn ich ein altes, schon l\u00e4nger liegendes, versehentlich aufnahm, kamen in mir leichte Bedenken auf. Aber ich bekam ein gutes Gesp\u00fcr, f\u00fcr die frischen, gerade erst abgefallenen Krusten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-901 alignleft\" src=\"http:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Mona-5-komp-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"134\" height=\"101\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Mona-5-komp-300x225.jpg 300w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Mona-5-komp.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 134px) 100vw, 134px\" \/>Im Laufe des Vormittags fuhr der gro\u00dfe LKW des Konsums vor. Er brachte Paletten voll Lebensmittel und war mit sonstigem Zeug, was so ein Konsumladen alles verkaufte, beladen. Manchmal, wenn wir im Hof spielten, bekamen wir einen kleinen Bensdorp Riegel vom Fahrer zugeworfen. Leider viel zu selten. Eine meiner Lieblingskatzen d\u00fcrfte den Ger\u00fcchen der Lieferwagen auch erlegen sein und verschwand mit einem von ihnen. Das war zumindest Opas \u201eoffizielle\u201c Erkl\u00e4rung. M\u00f6ge sie gestimmt haben. Denn dann h\u00e4tte sie \u00fcberlebt. Viele andere Katzen, die wir und die Nachbarn im Haus hatten, erlagen dem Autounfalltod, auf der damals schon stark befahrenen Liebenauer Hauptstra\u00dfe.<\/p>\n<p>Linker Hand des Hauses war ein kleiner Park, gesch\u00e4tzte 10 mal 10 Meter, mit einer wadenhohen Steinmauer eingefasst. Auf einer Seite war er abgerundet. Da f\u00fchrte die Einfahrt zum Hof vorbei. Hinter dem Park, auf der gegen\u00fcber liegenden Seite der Zufahrt begann das Firmengel\u00e4nde der Fa. Prochaska. Die hatten Getreidespeicher, einen Mais Silo und Lagerhallen auf dem Gel\u00e4nde. Autos, Traktoren und LKWs kamen und fuhren. Das Geb\u00e4ude \u2013 anfangs noch ein alter Fabrik-Ziegelbau, der dann sukzessive\u00a0 renoviert und ausgebaut wurde \u2013 stand von der Stra\u00dfe und dem 44er Haus aus gesehen, vertikal in 90 Grad und reichte weit nach hinten, Richtung Westen; von der Stra\u00dfe weg. Ein B\u00fcrotrakt und einige Wohnungen geh\u00f6rten dazu. Richtung Norden, f\u00fcr uns Kinder war das eigentlich die Vorderseite, gab es Unterst\u00e4nde f\u00fcr Maschinen und landwirtschaftliche Ger\u00e4te. Da standen M\u00e4hmaschinen, mit Messern vorne dran, M\u00e4hdrescher und -wender, Anh\u00e4nger mit runden kaminartigen Aufs\u00e4tzen und einem kleinen F\u00f6rderband darunter. Vermutlich um das Geschnittene auf den daneben fahrenden Traktoranh\u00e4nger zu werfen. Die lie\u00dfen allerlei Gruselszenarien in Bezug auf Verletzungen bei uns hochkommen; abgeschnittene F\u00fc\u00dfe, in die Scheren eingeklemmte H\u00e4nde, Messer, die wir uns durch den Bauch rammten, und vieles mehr, was einem so einfallen konnte. Alle Familienmitglieder warnten praktisch t\u00e4glich davor, dass wir dort zwischen den Maschinen nicht spielen sollten. Was uns nat\u00fcrlich nicht davon abhielt, genau das zu tun. Soweit ich mich erinnere, ist aber bei den Maschinen nie etwas Schlimmeres passiert; blessuren, blaue Flecken, Aufsch\u00fcrfungen waren normal.<\/p>\n<p><strong>Eine halbrunde Fu\u00dfballarena.<\/strong><\/p>\n<p>Stand man vor dem Torbogen des 44er Haus, im Hof und in der Zufahrt zum Konsum, erstreckte sich dahinter ein staubig-erdiger Platz, der rechts (n\u00f6rdlich) und an der R\u00fcckseite (westlich) von Einfamilienh\u00e4uschen mit kleinen G\u00e4rten davor, ges\u00e4umt wurden. Links (s\u00fcdlich) stand das Prochaska Haus bzw. die \u00fcberdachten offenen Unterst\u00e4nde, unterbrochen von Geb\u00e4udeteilen. Durch das Ensemble entstand so etwas wie eine l\u00e4ngliche halbrunde Arena \u2013 unser Spiel- und Fu\u00dfballplatz. Der ganze staubige Sandplatz war unser Spielplatz, der geh\u00f6rte uns, f\u00fcr alles was wir tun wollten: Abfangen, verstecken, Fu\u00dfball, Cowboy und Indianer, Radrennen, Hindernislaufen, \u201eVoda leich ma d\u00b4 Scher\u00b4\u201c.<\/p>\n<p>In westliche Richtung dehnten wir mit zunehmenden Alter unser Revier aus und stie\u00dfen bis an den Bahndamm, der das Gel\u00e4nde begrenzte. Da donnerte der Zug Richtung S\u00fcdosten vorbei, Richtung Feldbach &#8211; Fehring. Als wir schon gr\u00f6\u00dfer waren und ich nur mehr sporadisch bei Oma war, war das beliebte \u201eSpiel\u201c, die Grenze zu \u00fcberschreiten, durch den Zaun hindurch und auf den Bahndamm zu klettern. Dann legten wir uns hin und warteten auf einen Zug. Die Trasse machte dort eine langgezogene Kurve, sodass die Zugf\u00fchrer uns eigentlich kaum sehen konnten. Wenn sie aus dem Norden vom Ostbahnhof kamen, sah man sie schon auf der Geraden, die am Liebenauer Stadion und der Eishalle vorbei f\u00fchrte. Die Z\u00fcge kamen nicht mit H\u00f6chstgeschwindigkeit vorbei, weil es ging ja Stadtgebiet war.<\/p>\n<p>Aber wenn ein Zug mit 80 Km\/h vorbei braust, dann bleibt einem ein bisserl der Atem stehen. Im Laufe der Zeit wurde wir immer k\u00fchner und standen auf und pirschten uns so nahe wie nur m\u00f6glich an. Bis uns ein Lokf\u00fchrer einmal sah und das Horn blies, was uns derma\u00dfen erschreckte, dass wir r\u00fccklings runter sprangen und unter dem Zaun hindurch und uns im hohen Gras versteckten, mit pochendem Herzen und angstvollem Blick. Dem gef\u00e4hrlichen Treiben wurde ein Ende gesetzt, als uns eines Tages die Mutter vom Karli gesucht hatte und von anderen Kindern, den kleineren, auf die Spur gesetzt wurde, dass wir uns da am Bahndamm rumtrieben. Das Donnerwetter habe ich verdr\u00e4ngt, muss aber gewaltig gewesen sein.<\/p>\n<p>Kinder gab es genug, sowohl im 44er Haus als auch in den umliegenden H\u00e4usern, die sich regelm\u00e4\u00dfig auf der Arena einfanden. Auch aus den Prochaska Wohnungen lief immer eine Schar in die Arena ein. Wenn wir Buben unter uns waren, wurde eigentlich immer Fu\u00dfball gespielt. Waren die M\u00e4dchen dabei, dann lie\u00dfen wir uns \u201ehalt meinetwegen\u201c zu irgendeinem anderen Spiel erweichen, um sie nicht vollends zu vergraulen. \u201eCowboy und Indianer\u201c war beliebt, bei allen. Wir Buben konnten dann um \u201edie Squaws k\u00e4mpfen\u201c, sie entf\u00fchren und an den Marterpfahl fesseln. Die Strommasten boten sich idealerweise an. Das fanden die Erziehungsbeauftragten nicht so toll, denn dann hatten die M\u00e4dchen Teerflecken und Holzsp\u00e4ne an den Blusen, Leiberln und Jacken und manchmal auch in der Haut. Aber was eine richtige Squaw sein wollte, musste auch den Marterpfahl \u00fcberstehen.<\/p>\n<p>Ich hatte alles, um einen richtig cooler Sheriff abzugeben \u00a0\u2013 Hut, Sheriffstern, Colt und -halfter, sogar Plastiksporen gab\u00b4s. Und trotzdem war ich immer lieber Indianer. Es gibt eine Fotografie, auf der ich im Hof vor dem Konsum in einem Indianer Dress posiere. Es bestand aus Hose und Jacke, einem braunen Wildlederimitat mit Franzen an den Armen und einen H\u00e4uptlingsschmuck am Kopf. In den H\u00e4nden hielt ich ein \u201eGewehr\u201c. Der gro\u00dfe Waschk\u00fcchenl\u00f6ffel, den Oma benutzte, um die Kochw\u00e4sche im Steinbecken umzur\u00fchren, war umfunktioniert worden.<\/p>\n<p><strong>Der Arena Boden war hart und steinig.<\/strong><\/p>\n<p>In der Arena lernte ich gehen, laufen, Fu\u00dfballspielen, Roller, Rad- und Auto fahren. Am Schoss vom Opa habe ich zum ersten Mal meine Runden gedreht. Ich musste lernen, mit meiner Eifersucht umzugehen, wenn die anderen ohne mich spielten, ich nicht der Mittelpunkt der Welt war und mit meinem Ehrgeiz immer der beste zu sein; was ich definitiv nicht war, auch wenn ich es mir glauben machte. Ich wurde sozial vertr\u00e4glich, auch wenn ich ein \u201eZornbinkerl\u201c war, wie Oma immer sagte, und mich schnell beleidigt zur\u00fcck zog. Diese Charaktereigenschaften hatte ich mir wohl von Opas Familienzweig geholt.<\/p>\n<p>Ich wurde seelisch und k\u00f6rperlich abgeh\u00e4rtet. Der Arena Boden war hart, steinig und staubig. Dort hinzufallen f\u00fchrte zu Blessuren, Sch\u00fcrfungen und blutenden Wunden. Wie oft das am Tag passierte, kann ich gar nicht z\u00e4hlen. Kaum ein Tag, wo ich nicht mit einer Absch\u00fcrfung\u00a0 in die Wohnung kam. Ich lernte, mich ans Dunkle zu gew\u00f6hnen, darin zu sehen und davor keine Angst zu haben, weil wir spielten solange bis uns die Erziehungsberechtigten in die Wohnungen riefen. \u00a0Manchmal war es dann schon finstere Nacht.<\/p>\n<p>Die Erwachsenen lie\u00dfen uns meistens in Ruhe. Nur der Harald, etwas j\u00fcnger, aber gro\u00df gewachsen, aus einem Haus, am westlichen Ende der Arena, \u00a0der wurde \u00f6fter barsch nach Hause zitiert. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass wir jemals im Haus der \u201eResch\u201c waren. Hm, wenn ich jetzt so dar\u00fcber nachdenke, war der ziemlich arm. Er wirkte immer geknickt, eingesch\u00fcchtert und \u00e4ngstlich. Er war ein unbeholfenes Kind, konnte schlecht Fu\u00dfballspielen und war auch sonst langsam und tollpatschig in allem, was wir taten. Und er durfte oft nicht raus in die Arena, obwohl wir sahen, dass er zu Hause war und hinter den Fenstervorh\u00e4ngen herauslugte. Er hatte aber auch etwas hinterh\u00e4ltiges, unterschwellig Aggressives. Meistens konnte er es kontrollieren, manchmal schoss es jedoch eruptiv aus ihm heraus. Dann stellte er einem Gegenspieler beim Vorbeilaufen einfach ein Bein oder schlug unvermutet wirklich zu, wenn er beim Cowboy und Indianer Spielen nur Schl\u00e4ge andeuten sollte.<img decoding=\"async\" class=\"wp-image-904 alignright\" src=\"http:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_20190816_162953-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"117\" height=\"156\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_20190816_162953-225x300.jpg 225w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_20190816_162953-768x1024.jpg 768w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_20190816_162953-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_20190816_162953-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_20190816_162953-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 117px) 100vw, 117px\" \/><\/p>\n<p>Zu den Erwachsenen; manchmal schrie einer aus dem Haus, dass wir nicht so laut sein oder den Ball nicht dauernd gegen die Wand knallen oder die Autos in Ruhe lassen sollten. Nur einmal erinnere ich mich, dass mein Opa wutentbrannt, mit hochrotem Kopf in die Arena st\u00fcrmte und einen Jungen \u2013 der nicht direkt aus den Arena H\u00e4usern stammte, sondern aus dem Nachbarsgarten und etwas \u00e4lter als wir waren \u2013 r\u00fcde von mir wegriss und laut schreiend nach Hause schickte. Ich wei\u00df nicht, ob mich meine Erinnerung t\u00e4uscht, aber es konnte sogar sein, dass er dem Jungen eine runter gehaut hatte. Wir waren ineinander verkeilt und rauften; wie halt Buben das oft taten. Vielleicht war ich im Schwitzkasten und br\u00fcllte oder was wei\u00df ich, was los war. Mir war der cholerische Anfall und die r\u00fcde Intervention Opas etwas peinlich.<\/p>\n<p>Aber so waren die M\u00e4nner in meiner Familie insgesamt, lange Zeit ziemlich herzensgute und umg\u00e4ngliche Genossen, ein wenig proletarisch, ein wenig derb und ungehobelt, aber die meiste Zeit friedlich. Aber wenn sie in Rage gerieten, dann ging die Post ab, dann konnte man sie mit einem Stier vergleichen. Dann war kein Halten mehr. Besonders Onkel Rudi \u2013 eigentlich war er der kleine Bruder von Opa, also mein Gro\u00dfonkel, war ein Hei\u00dfsporn, speziell auf dem Fu\u00dfballplatz. Der war nicht einmal in Raufh\u00e4ndel verwickelt. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.<\/p>\n<p><strong>Ein Koloss von Zugmaschine.<\/strong><\/p>\n<p>Die Fa. Prochaska hatte bei ihren Lagerhallen eine Rampe in Kinderschulterh\u00f6he, um die Materialien leichter ein- und ausladen zu k\u00f6nnen. Davor, parallel dazu, waren im Boden Gleise eingelassen. Etwa einmal im Monat kam ein riesiger LKW, der einen langen, flachen Schlepper zog, auf dem ein gedeckter Waggon verankert war. Die Anlieferung des Waggons erzeugte Aufruhr. Der Spezial-LKW, der den G\u00fcterwaggon brachte, war selbst ein Koloss von Zugmaschine. Man h\u00f6rte sein schweres, tiefes Dieselaggregat schon von weitem die Liebenauer Hauptstra\u00dfe entlang kommen. Ein Zugbegleiter h\u00fcpfte vom LKW runter, winkte mit einer roten Fahne, um den entgegen kommenden Verkehr anzuhalten, damit der LKW ausscheren und einbiegen konnte.<\/p>\n<p>Dann fuhr der LKW mit dem Waggon auf das Prochaska Gel\u00e4nde und brachte den Waggon am Beginn der Schienen an der Rampe zum Stehen. Das Kunstst\u00fcck war, den Waggon in die verlegten Schienen im Boden hinein gleiten zu lassen. Der G\u00fcterwaggon wurde losgezurrt und langsam runter gelassen. Der LKW hatte ein gro\u00dfes Zugseil an der R\u00fcckseite der Kabine, mit dem konnten sie ihn langsam \u00fcber die Rampe hinunter in die eingelassenen Geleise lassen. Mittels Zugseil und Bremskl\u00f6tzen r\u00fcckten die Arbeiter ihn dann an die richtige Stelle.<\/p>\n<p>Der Waggon stand zwei-drei Tage zum be- und entladen. Neben Maschinen wurden auch gro\u00dfe S\u00e4cke geliefert. Vermutlich Getreide, aber es waren auch Baumaterialien dabei. Zements\u00e4cke, Ziegel, Holz. Schlie\u00dflich wurde er wieder abgeholt, das Prozedere verlief umgekehrt. Der LKW mit dem Waggon Huckepack drauf, scherte in die f\u00fcr ein paar Minuten gesperrte Liebenauer Hauptstra\u00dfe ein und verschwand Richtung Bahnhof.<\/p>\n<p>Die erste Wohnung bestand genau genommen aus zwei Zimmern, war rechteckig angelegt, ohne WC und ohne Badezimmer. Nur ein Spiegel und ein kleines Waschbecken in der \u201eK\u00fcche\u201c, f\u00fcr die kleine W\u00e4sche, das Z\u00e4hneputzen und das Rasieren von Opa. Es war ein unbequemer, nicht selten bitterkalter Gang mit dem gro\u00dfen WC Schl\u00fcssel \u00fcber den Hof (20 Meter?) Man musste eine alte verwitterte Holzt\u00fcre \u00f6ffnen, dahinter zwei Stufen hochsteigen, den Schl\u00fcssel in ein altes Schloss stecken. In einem hohen, schmalen, kahlen und kalten Raum stand die Toilette. Die eisige Klobrille, die auf den Oberschenkeln anzufrieren schien, bleibt mir immer in Erinnerung. Das Gesch\u00e4ft so schnell wie m\u00f6glich erledigen, die Kette ziehen und nichts wie raus und zur\u00fcck ins Warme.<\/p>\n<p>Auf die Liebenauer Hauptstra\u00dfe mit zwei Fenstern ausgestattet, Richtung Osten war der eine Raum. Richtung Westen, mit einem Fenster und einem Erker, zu dem ein paar Stufen hinauff\u00fchrten, der andere. Der Erker war Opas kleine Werkstatt. Links von der T\u00fcr stand ein Kastl, mit zwei Schubladen und darunter Stauraum f\u00fcrs Werkzeug. S\u00e4gen, Schraubenzieher, Rohrklemmen, Franzosen, Zangen aller Art und es gab einen Schraubstock, auf dem Opa arbeitete und reparierte. Eine Holzbank, die auch gleichzeitig die Kohlen beherbergte, stand unter dem Fenster, auf der man sitzen und ich als ich noch klein war, stehen konnte, um aus dem Fenster und auf den Hof und die Arena zu schauen, um jederzeit zu wissen, was l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Das vordere Zimmer, jenes Richtung Westen, war von den Gro\u00dfeltern unterteilt worden, in einen Wohnzimmerbereich im \u00f6stlichen Teil und einer K\u00fcche im westlichen Teil. F\u00fcr mich schien das normal, dass das gef\u00fchlte zwei Zimmer waren. In Wahrheit war der Raum nur durch einen Vorhang getrennt, der in etwa 2 Meter H\u00f6he endete. Die Halterung \u00fcbrigens, hat mein Opa selbst gebastelt, aus Wasserinstallationsrohren, die er an den W\u00e4nden und im Boden verankert hatte.<\/p>\n<p>Es funktionierte. In meinen Kopf und wohl auch in denen der ganzen Familie waren das immer zwei Zimmer. Die waren auch dementsprechend unterschiedlich eingerichtet. Hinten stand der Fernseher, eine Couch, ein kleiner Tisch und zwei bequeme Wohnzimmersessel. Im Eck verbreitete ein Kohleofen nicht nur Gestank, sondern auch W\u00e4rme.<\/p>\n<p>Der vordere Teil war die K\u00fcche mit einem Ofen\/Herd, einem K\u00fcchenschrank, einem ausziehbaren Tisch, zwei Sesseln, einer Holzbank und einem Waschbecken, sowie einer Abwasch. Da wurden die Familienessen abgehalten, sa\u00df die Familie zu Weihnachten zusammen, bis drinnen im Schlafzimmer die Glocke l\u00e4utete und das Christkind kam.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-903 alignleft\" src=\"http:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_2846-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"145\" height=\"193\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_2846-225x300.jpg 225w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_2846.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 145px) 100vw, 145px\" \/><strong>Farb TV f\u00fcr Arme.<\/strong><\/p>\n<p>Opa hatte schon fr\u00fch auf einen &#8222;Fernseher gespitzt&#8220; und sobald er das Geld zusammen hatte, stand ein solcher im &#8222;Wohnzimmer&#8220;. Doch bald kam die Farbe in die Bildschirme. Aber die Ger\u00e4te waren noch ein bisserl zu teuer f\u00fcr den Opa. Also beschloss er, sich eine f\u00e4rbige Glasplatte zu kaufen, die vor dem Bildschirm verankert wurde. Die gab\u00b4s damals zu kaufen, als TV Zubeh\u00f6r. Die Glasplatte barg Farben in sich; von Blau (oben)\u00a0 \u00fcber rot-orange-braun T\u00f6ne in der Mitte bis gr\u00fcn unten. Das war Farb-TV f\u00fcr Arme. Es sollte Farb-TV imitieren, sah aber eher komisch aus, denn nur in den seltensten F\u00e4llen passte die Farbabstufung auf der Glasplatte mit dem tats\u00e4chlichen Geschehen am Bildschirm zusammen.\u00a0 Wenn einer Person etwa am unteren Bildrand im Bett lag, so war das Gesicht gr\u00fcn.<\/p>\n<p>Das Haus hatte einen recht tief gelegenen Keller. Der Abgang \u2013 mit einer Doppelt\u00fcre ausgestattet \u2013 war neben dem breiten Torbogen und es ging steil hinunter, gesch\u00e4tzte 30 Stufen.\u00a0 Es war ein nicht verputzter Ziegelabgang mit B\u00f6gen. Unten angekommen kamen rechts die jeweiligen Abteile der Hausparteien, die dort meist ihre Kohlen und das Holz gelagert hatten. Solange sie in dem Haus wohnte, hatte Oma immer nur Holz-Kohle\u00f6fen. Das Material daf\u00fcr schleppte sie bis zum Schluss vom Keller herauf. Oft halfen ihr die S\u00f6hne, einen Vorrat rauf zu transportieren, sodass sie nicht mehr so oft gehen musste, bis wieder einer sie besuchen kam. Wobei Onkel Andi wesentlich konstanter war, der hatte einen fixen Nachmittag, an dem er sie besuchte.<\/p>\n<p>Am Ende des Ganges war die Waschk\u00fcche. Eine dunkle und kalte Angelegenheit \u2013 auch aufgrund des groben Beton- und Terrazzobodens und der dunklen Fliesen. Das besondere war ein gro\u00dfer Waschtrog, im Raum einbetoniert, der f\u00fcr die W\u00e4sche diente, aber auch f\u00fcr das Kinderbaden geeignet war. Als ich klein war, wurde ich in einem Blechschaffel gebadet, das im Sommer auch drau\u00dfen im Hof stand, in dem ich planschen konnte. Die W\u00e4sche in dem Trog zu waschen, war ein schwerer Job. F\u00fcr uns Kinder war das zwar aufregend und interessant, aber Oma sch\u00f6pfte den ganzen Tag und war am Abend erledigt, es tat ihr alles weh. Dann kam auch mein &#8222;Indianer Gewehr&#8220; zu seinem eigentlichen Einsatz und verwandelte sich in einem gro\u00dfen Waschl\u00f6ffel, mit dem hei\u00dfe W\u00e4sche im Trog umger\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>Dass ich bei den Gro\u00dfeltern meine ersten sechs Jahre verbrachte, erschien mir so normal, dass ich keinerlei Gedanken verschwendete, dass es anders sein k\u00f6nnte. Dienstagnachmittag verpackte mich der Opa und brachte mich zur Mama. Er holte sie vom Frisiersalon in der Innenstadt ab und brachte uns beide ins Stiftingtal. Mama hatte n\u00e4mlich am Mittwoch ihren freien Tag; nicht wie man annehmen m\u00f6chte den Montag, an denen der Legende nach alle Frisiersalons geschlossen hielten. Bei meinen Eltern blieb ich bis Mittwochabend, dann holte mich Opa wieder. Dasselbe spielte sich Samstagmittag ab.\u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-906 alignright\" src=\"http:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Mona-4-komp-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"167\" height=\"223\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Mona-4-komp-225x300.jpg 225w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Mona-4-komp.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 167px) 100vw, 167px\" \/><\/p>\n<p>An ein Ereignis kann ich mich erinnern, wenn es nicht \u00fcberhaupt eine meiner fr\u00fchesten Erinnerungen ist. Mama sollte mit Opa im Auto kommen und ich wartete, hatte meinen Posten im Erker auf der Bank bezogen. Ich war schon ungeduldig. Da bog ein Auto ein, hatte eine \u00e4hnliche Farbe wie Opas Auto und ich war \u00fcberzeugt, dass sie das w\u00e4ren sie. Das Auto blieb im Hof stehen. Eine Frau stieg aus; ich los, runter von der Bank, die T\u00fcr aufgerissen, die paar Stiegen hinunter und auf die Frau los und ihr in die Arme. Und da erst bemerkte ich, dass es weder Opa mit seinem Auto noch Mutter war, die ich inniglich umarmt hatte. Die Scham brachte mich zum Weinen, sie sagte irgendetwas Nettes zu mir, aber da war schon alles passiert. Ich lief zur\u00fcck in die Wohnung und versteckte mich im Bett.<\/p>\n<p><strong>Du, der Karli hat jetzt seine Karin geheiratet.<\/strong><\/p>\n<p>Ich hatte zwei Freunde im Haus, die etwa 2 Jahre \u00e4lter waren, als ich. Den Peter und den Karli. Im Nachhinein betrachtet, waren die beiden eigentlich sehr nett, denn\u00a0 sie waren sozusagen moralisch verpflichtet worden, mit mir zu spielen \u2013 der guten Nachbarschaft der Erwachsenen willen \u2013 und auf mich aufzupassen, obwohl 2 Jahre in dem Alter wirklich viel sind. Aber sie bem\u00fchten sich sehr und wir wurden auch wirklich Freunde.<\/p>\n<p>Das war auch der Impuls f\u00fcr mich, ihnen m\u00f6glichst bald und schnell ebenb\u00fcrtig zu sein und ihnen nicht zur Last zu fallen. Ich konnte bald Roller fahren, Radfahren, spielte Fu\u00dfball mit und war einer von den aufgeweckten, den Wilden; wohl um zu kompensieren, dass ich schmal und klein und 2 Jahre j\u00fcnger war. Als ich dann aus der Schule drau\u00dfen war und die Besuche bei der Oma immer seltener und sporadischer wurden, verlief sich die Freundschaft mit den Beiden auch. Klar, sie heirateten, gr\u00fcndeten eigene Familien, zogen weg. Oma war immer die \u00dcberbringerin der neuesten Nachrichten \u2013 \u201e\u2026Ja mei, du der Karli hat jetzt seine Karin geheiratet\u2026\u201c \u2013 und der lieben Gr\u00fc\u00dfe, die man sich gegenseitig schickte.<\/p>\n<p>Am Vorabend des 26. Oktobers musste Onkel Andi kommen, der Bruder meines Vaters, um mit Oma auf den Dachboden zu gehen und die gro\u00dfe Rot-Wei\u00df-Rote Fahne auszupacken und sie an einer langen runden Holzstange zu befestigen und durch einen Ausguck an der Vorderseite des Hauses rauszuh\u00e4ngen. Damit das Haus ordentlich beflaggt war, f\u00fcr den Nationalfeiertag. Das war immer der Tag, an dem ich auf den Dachboden kam und mit Staunen den Staub, den Duft, die schmalen Lichtstreifen durch die Ziegel und die Sachen, die da oben rum lagen, zu bestaunen.<\/p>\n<p>Opa war einer von der Sorte \u201erichtig zum lieb haben und knuddeln Opa\u201c. Er spielte mit mir, war lustig, immer zu einem Streich aufgelegt, lie\u00df mit sich ganz viel anstellen und brachte oft etwas mit, wenn er heimkam; entweder ein St\u00fcck von der Arbeit oder was zum Naschen oder spielen. Opa schenkte mir meinen ersten Teddy, da war ich 1 Jahr alt, er fast gleich gro\u00df, wie ich. Als ich ins Spital wegen eines Leistenbruches musste, bekam ich eine Ritterburg, als ich das \u00fcberstanden hatte und brav war. Der Teddy sitzt heute noch bei mir im Schlafzimmer. Dass Ritter, Cowboys, Autorennfahrer und Indianer wild durcheinander um die Vorherrschaft auf der Burg k\u00e4mpften und dass dies historisch und geografisch nicht ganz zusammen passte, wurde mir erst sp\u00e4ter klar. Hinderte mich aber nicht daran, einfach so weiter zu machen und es sch\u00f6n zu finden.<\/p>\n<p>Opa war Installateur bei der Fa. Brandl und die verschiedenen Rohre, mit denen er zu tun hatte, faszinierten mich, vor allem die Verbindungsst\u00fccke, mit denen die Rohre zusammengesteckt wurden, das Fett, mit denen er die Gewinde einschmierte und der Hanf, der um das Gewinde gewickelt wurde. Es war daher nicht verwunderlich, dass ich bald mehr mit dem Schraubstock, der im Erker stand, spielte und \u201earbeitete\u201c als er. Ich spannte Rohre ein, s\u00e4gte und schliff, fettete ein und steckte zusammen. Mein liebstes Spiel war, dass die Oma bei der Fa. Brandl anrufenmusste, weil in der Wohnung was kaputt war. Es musste dringend ein Installateur kommen. Ich kam und reparierte den Schaden. Dass ich in die Fu\u00dfstapfen von Opa treten und Installateur werden w\u00fcrde, war damals f\u00fcr die Familie v\u00f6llig klar. Doch mit Schulbeginn lie\u00df das Interesse nach. Es kam dann ganz anders.<\/p>\n<p>Und so waren meine ersten Jahre sehr okay. Dass ich die meiste Zeit bei Oma und Opa lebte, war f\u00fcr mich ganz normal, dass wir nicht reich waren und die Eltern und Gro\u00dfeltern beide hart arbeiteten, hinterfragte ich nicht. Die ganze Gegend rund um mich herum, war nicht reich.<\/p>\n<p><strong>Oma sprach ein wenig anders.<\/strong><\/p>\n<p>&#8230; und das fiel mir als kleiner Bub nat\u00fcrlich \u00fcberhaupt nicht auf. Erst sp\u00e4ter, als ich in die Schule ging. Sie schrieb in Kurrent, die alte Schreibschrift im deutschen Sprachraum. Das war ja damals in den 1960er bei den \u00e4lteren Menschen durchaus nicht un\u00fcblich. Als Kind und Halbw\u00fcchsiger konnte ich Kurrent lesen, nicht rasend schnell aber doch, so dass ich Briefe, die sie an ihre Schwester in Freiburg schrieb oder Postkarten, die sie von dort bekam, entziffern konnte. Oma konnte auch die lateinische Schrift, aber man merkte ihr an, dass sie die erst sp\u00e4ter, als Erwachsene erlernt hatte. So fl\u00fcssig ging ihr das nicht von der Hand. Aber Oma hatte auch spezielle Begriffe und Satzkonstellationen, die ich nur bei ihr h\u00f6rte. Es war eindeutig Deutsch, aber in Graz eben un\u00fcblich. Zum Beispiel sagte sie, wenn sich ein Unwetter zusammenbraute, \u201ewird a Wetter kemman\u201c.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter als ich gr\u00f6\u00dfer wurde, l\u00f6ste sich das R\u00e4tsel auf. Ich erfuhr, dass Oma aus Ostpreu\u00dfen-Vorpommern, aus dem Gebiet um Stettin, kam. Damals in den 1930er Jahren geh\u00f6rte das zum deutschen Staatsgebiet, heute liegt das in Polen. Wie es sie hier nach Graz verschlagen hatte, war gar nicht so leicht rauszukriegen und es war keine lustige Geschichte. Alles begann Ende 1940 \u2013 Anfang 1941, mitten im Krieg. Opa war freigestellt, wegen wirtschaftlicher Interessen der Firma. Er war auf Montage nach Norden geschickt worden und da er kein Kind von Traurigkeit war, wie ich sp\u00e4ter nach und nach heraus fand, hat er meine sp\u00e4tere Oma, die ein junges, h\u00fcbsches M\u00e4del war, im Zug einfach angequatscht oder angebraten, wie wir heute sagen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Offensichtlich hat er ihr auch gefallen. Auf jeden Fall haben sie sich wieder getroffen. Naja und wie es so ist, haben sie ein \u201ePantscherl\u201c angefangen und prompt hat es \u2013 salopp gesagt \u2013 eingeschlagen. Mein Vater reifte in Omas Bauch. Oma arbeitete auf einem gro\u00dfen Gut in der N\u00e4he von Stettin in einem Nest namens Barminslow, als Arbeiterin, Haushaltshilfe oder Magd \u2013 so etwas in der Art. Ostpreu\u00dfen und Vorpommern wurde sp\u00e4ter von den Russen eingenommen und die deutsche Bev\u00f6lkerung musste nach Ende des Krieges verschwinden.\u00a0 Im Zuge des Zusammenbruches des deutschen Reiches zerriss es auch die Familie. Ihre Schwester und deren Mann fl\u00fcchteten nach Schle\u00dfwig-Holstein. Ein Bruder von ihr war nach Wittenberge gezogen. Dass war ja dann bald DDR. Zwei sind \u2013 meiner Erinnerung nach \u2013 im Krieg gefallen. Eine Schwester landete in Freiburg im Breisgau. Mit der hatte sie zeitweise Kontakt, die habe ich sogar kennengelernt.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-909 alignleft\" src=\"http:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_2854-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"138\" height=\"184\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_2854-225x300.jpg 225w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_2854.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 138px) 100vw, 138px\" \/><\/p>\n<p>Als die Montage-Zeit zu Ende ging, brachte er das schwangere M\u00e4del mit nach Graz. Die war aber todungl\u00fccklich, kannte keine Menschenseele hier und war h\u00e4ufig allein. Den Zwischent\u00f6nen zu entnehmen, war mein Opa auch nicht unbedingt ein Familienmensch und war h\u00e4ufig lieber unterwegs, als zu Hause bei einer Schwangeren zu sitzen. Mein Vater wurde in Graz geboren. Aber deswegen wurde es nicht besser. Oma litt an Heimweg, packte schlie\u00dflich ihre Sachen und das Kind und fuhr zur\u00fcck nach Barminslow, zu ihrer Mutter. Dass kam meinem Opa nicht ganz ungelegen. Das mit Familie und Kind war nicht seins. Da machte ihm aber seine Mutter \u2013 meine Urgro\u00dfoma \u2013 einen Strich durch die Rechnung und las ihm die Leviten. Es gab Rabatz. Sie machte ihm die H\u00f6lle hei\u00df und dr\u00e4ngte ihn, zu seinem Kind zu stehen und die beiden nach Graz zu holen.<\/p>\n<p>Er fuhr ihr wohl oder \u00fcbel nach und holte sie wieder nach Graz. So, jetzt sa\u00df die Oma, mit dem kleinen Joachim in Graz in dem 44er Haus und war noch immer einsam und todungl\u00fccklich. Die Uroma war zwar bem\u00fcht, aber die wohnte nicht dort und musste selbst arbeiten und schlie\u00dflich war Krieg und 1942 wurde es immer prek\u00e4rer.<\/p>\n<p><strong>Zusammen im Luftschutzbunker.<\/strong><\/p>\n<p>Die einzigen, mit denen sie Kontakt hatte, waren die Nachbarn. 1943 kam ein zweites Kind, der Onkel Andi. Danach musste Opa einr\u00fccken. Er wurde nach Jugoslawien beordert. Nachdem der Krieg in eine neue Phase eingetreten war und paranoide Durchhalteparolen den anf\u00e4ngliche Siegesrausch abl\u00f6sten, wurde das allt\u00e4gliche Leben immer anstrengender. Der erste Bombenangriff auf Graz fand bereits 1941 statt. Richtig los ging es aber ab 1944. Graz war eines der meist bombardierten Ziele \u00d6sterreichs. Also fand sich Oma mit ihren zwei kleinen Buben, h\u00e4ufig mit den anderen Frauen zusammen im Luftschutzbunker. Sie standen gemeinsam \u00c4ngste aus und halfen sich gegenseitig. Das war zwar furchtbar, aber es schwei\u00dfte die Frauengemeinschaft zusammen. Das Haus wurde gl\u00fccklicherweise nie direkt getroffen. Nach dem Krieg zerrte Oma von dieser Gemeinschaft und bekam sp\u00e4ter, nachdem sie zuvor in der Brauerei Puntigam als Arbeiterin t\u00e4tig war, den Hausmeisterposten im 44er Haus.<\/p>\n<p>Opa kam mit dem R\u00fcckzug und dem Zusammenbruch der S\u00fcdfront der Heimat immer n\u00e4her. Die offizielle Version lautete, dass er in Celje in Slowenien von der Truppe desertiert sei, mit einigen Kameraden gemeinsam und sie sich zu Fu\u00df nach Graz durchschlugen. Opa war die letzten Tage vor der Kapitulation bereits in Graz und wurde als U-Boot versteckt. Man erwartete sehns\u00fcchtig das Ende des Krieges.<\/p>\n<p>Eines Tages Anfang Mai 1945 verdichteten sich die Ger\u00fcchte, dass die Front bereits ganz nah war. Es war ein Wettrennen zwischen den Russen, aus dem Osten, den Tito-Partisanen aus dem S\u00fcden und den Engl\u00e4ndern aus dem Westen. Pl\u00f6tzlich \u2013 eines Tages \u2013 standen russische Kampftruppen im Hof. Oma sagt immer, dass sie so gehofft hatten, dass die Engl\u00e4nder als erstes kommen w\u00fcrden. Aber es war die Russen. Grimmig dreinschauende und ihre Waffen im Anschlag haltende, verdreckte und ersch\u00f6pfte ehemals junge Gesichter, schauten sie misstrauisch an. Das war k\u00e4mpfende Truppe, die schon alles hinter sich hatten und zu allem bereit waren.<\/p>\n<p>Die ersten Stunden waren sehr angespannt, die Frauen kamen aus den Luftschutzbunkern mit den Kindern und rotteten sich zusammen. Die Russen durchk\u00e4mmten jedes Haus, jede Wohnung und die Keller. Opa fanden sie nicht. Man hatte von den Russen schreckliches geh\u00f6rt, was die alles tun w\u00fcrden, wenn sie als erstes kommen und schlimme Rache nehmen w\u00fcrden. Aber zumindest in dem Hof des 44er Hauses geschah nichts, abgesehen von ein paar Unfreundlichkeiten und Handgreiflichkeiten. Nach ein paar Tagen kamen Nachschubtruppen, das war keine k\u00e4mpfenden mehr, das war f\u00fcr die Verwaltungsaufgaben ausgebildetes Personal. Es begann sich zu normalisieren, Opa tauchte irgendwann auf, wurde kontrolliert und \u00fcberpr\u00fcft und durfte sich dann frei bewegen. Nach ein paar Wochen r\u00fcckten die Engl\u00e4nder in Graz ein und \u00fcbernahmen die Verwaltung. Der Wahnsinn hatte ein Ende. Was blieb, war die materielle und soziale Not, von der ethischen und moralischen mal abgesehen.<\/p>\n<p><strong>Meine Eltern waren sehr jung, als ich unterwegs war.<\/strong><\/p>\n<p>Das war Anfang der 1960er. Ich war der Grund, warum sie heirateten. Ein Foto von der Trauung in der Kirche zeigte meine Mutter Ende J\u00e4nner und man sah kaum einen Bauch. Ich kam Anfang Mai bereits auf die Welt. Der Liaison gingen einige Dramen voraus. Als die Eltern meiner Mutter von der Beziehung erfuhren, wurde sie von meinem anderen Opa windelweich gepr\u00fcgelt. Als er erfuhr, dass sie schwanger war, warf er sie aus der Wohnung. Sie stand buchst\u00e4blich auf der Stra\u00dfe. Sie zogen in die Liebenauer Hauptstra\u00dfe. Mama erz\u00e4hlte, wie sie aus der Innenstadt \u2013 die anderen Gro\u00dfeltern wohnten in der Kaiserfeldgasse \u2013 mit dem Leiterwagen nach Liebenau schlichen. Da in der Wohnung zu wenig Platz war, schlie\u00dflich wohnte auch Andi \u2013 der \u00a0j\u00fcngere Bruder \u2013 noch zu Hause, bezogen sie notbehelfsm\u00e4\u00dfig eine Souterrainkammer, die eigentlich ein Heizungsraum war, in dem die Heizungsrohre verliefen.<\/p>\n<p>Papa war gerade erst von seinem Milit\u00e4rdienst abger\u00fcstet und bekam gl\u00fccklicherweise bald danach eine Anstellung beim Konsum. Mama war Friseurin und begann bald nach meiner Geburt beim Frisiersalon Dietmar zu arbeiten. Das war auch dringend notwendig, denn die junge Familie konnte nicht l\u00e4nger dort bleiben. Es musste eine Wohnung her. Das Gl\u00fcck f\u00fcgte sich, mein Vater wurde als Konsummitarbeiter in die Stiftingtalstra\u00dfe geschickt. Dort gab es eine kleine Filiale. Gl\u00fccklicherweise gab es im gleichen Haus dar\u00fcber auch eine Wohnung. Und so kamen meine Eltern ins Stiftingtal. Und ich blieb in Liebenau, bis ich in die Schule kam.<\/p>\n<p>Als Opa relativ fr\u00fch starb, Ende der 1970er \u2013 er wurde nur knapp 60 Jahre \u2013 war Oma wieder alleine. Sie machte die Hausmeisterei weiter, zog irgendwann einmal in die Nebenwohnung, im Parterre des Hauses, die nur unwesentlich anders war. Zwei relativ gro\u00dfe Zimmer, eine K\u00fcche, ein Wohn-Schlafzimmer. Der Vorteil war nur, dass ein Klo und Bad in der Wohnung waren. Sie hausmeisterte solange, bis sie das auch nicht mehr schaffte. Die Besitzer des Hauses wechselten auch. Es geh\u00f6rte nunmehr der Fa. Prochaska. Und die waren so nett und boten der Oma eine neue, kleinere Wohnung in einem der neuen H\u00e4user am s\u00fcdlich-westlichen Rand der Arena an.<\/p>\n<p>Als sie aus dem 44er Haus auszog, war ihr ums Herz schwer, sie hatte ihren gro\u00dfen Teil des Lebens darin verbracht, ihre S\u00f6hne und Enkeln aufgezogen, gute wie schlechte Zeiten erlebt und doch war es \u2013 schweren Herzens und erst nach einiger Zeit \u2013 ihre Heimat geworden. In der neuen Wohnung bliebt sie, bis sie am Ende ihres Lebens glaubte, in einem Altersheim gl\u00fccklicher zu werden und nicht so alleine zu sein, was sich als fataler Fehler erwies. Als sie diesen einsah, war es zu sp\u00e4t. Es gab kein Zur\u00fcck mehr. Nach etwas mehr als einem Jahr starb sie. Sie war im 86. Jahr.<\/p>\n<p>Die Fa. Prochaska zog sich vom Standort zur\u00fcck, verkaufte nach und nach die Geb\u00e4ude und Liegenschaften an eine Automobilverkaufsfirma. Anfangs war die ehemals alte Konsumfiliale noch der Schauraum f\u00fcr die neusten Automodelle. Dann wurde der Schauraum auf der ganzen Front des Hauses ausgebaut und schlie\u00dflich wurde das 44er Haus einfach dem Erdboden gleich gemacht. Das musste Oma aber gl\u00fccklicherweise nicht mehr erleben. Heute erinnert nichts mehr daran. Weder das Haus, noch der Park noch das Prochaska Haus, noch die Arena gibt es noch. Das alles sind Autoverkaufspl\u00e4tze und Schaur\u00e4ume. Ich w\u00fcsste heute nicht mal mehr, wo die Wohnung von Oma gewesen h\u00e4tte sein k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oma war klein, vielleicht 150 cm, als sie \u00e4lter wurde und schrumpfte, ging sie eher auf 140 cm zu. Sie trug Tag f\u00fcr Tag eine gebl\u00fcmte Kittelsch\u00fcrze \u2013 so wie Omas in den 1950-80er das eben trugen. Seit ich mich an sie erinnern kann, hatte sie grau-blau meliertes Haar. Als ich bei den Gro\u00dfeltern lebte, &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/verschwundene-orte-1\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[379,360,359,368,380,370],"tags":[11,12,13,96,196,318,327],"class_list":["post-729","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erinnerungen","category-essays-kurzgeschichten","category-literarisches","category-serien","category-themen","category-verschwundene-orte","tag-1950er","tag-1960er","tag-1970er","tag-fa-prochaska","tag-liebenauer-hauptstrasse-44","tag-verschwundene-orte","tag-wolfgang-gulis","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/729","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=729"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/729\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1411,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/729\/revisions\/1411"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=729"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=729"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=729"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}