{"id":426,"date":"2015-09-22T15:29:04","date_gmt":"2015-09-22T15:29:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gulis.at\/schreiben\/?p=426"},"modified":"2025-11-03T14:32:51","modified_gmt":"2025-11-03T14:32:51","slug":"diversitat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/diversitat\/","title":{"rendered":"Diversit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<h3><strong> Kommentare zu einem in Mode gekommenen Begriff in zwei Teilen.<\/strong><\/h3>\n<p><strong>In den letzten Jahren gibt es eine vermehrte \u00f6ffentliche und politische Aufmerksamkeit f\u00fcr den Begriff \u201eDiversit\u00e4t \u2013 Diversity\u201c. Einschl\u00e4gige Management Seiten und Profile sind voll davon, kein Betriebswirtschafts &#8211; Managementkurs, der ohne auskommt. Doch neben zahlreichen, oberfl\u00e4chlich bis banalen Wirtschaftswohlf\u00fchlbeschreibungen wissen die wenigsten, was sich hinter der neuen \u201emodernen Zauberformel\u201c verbirgt. In zwei Teilen werde ich die theoretischen, sozialen, politischen und historischen Hintergr\u00fcnde zu Diversity Management und \u2013politics etwas n\u00e4her beleuchten. Im ersten Teil besch\u00e4ftige ich mich ein wenig mit der ideologischen und theoretischen Vielfalt der &#8222;Diversity Bewegung&#8220;, sowie den drei Hauptstr\u00f6mungen wie &#8222;Diversity Management\/ &#8211; politics&#8220; in der Praxis wieder zu finden ist.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0Teil 1:<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Wie so oft in \u00f6ffentlichen Diskursen wird eine Menge vermischt, unter den Tisch fallen gelassen und vereinfacht. Die Diversity Idee, manche sagen auch Bewegung dazu, ist eine relativ junge, aus den USA kommende. Ihre Attraktivit\u00e4t ist mitunter darin begr\u00fcndet, dass im Zuge der Globalisierung und dem konfliktbehafteten Umgang mit Migration in Europa Teile der Gedankenwelt, die darin stecken, attraktiv erschienen sind und aufgegriffen wurden. Etwa, dass Staaten\/Gesellschaften kein homogenes, einheitliches Staatsvolk besitzen, vielmehr heterogene Zusammensetzung vorzufinden ist. Umso mehr, als das Globalisierung und die Ausw\u00fcchse des ungerechten Wirtschafts- und Politiksystem zu verschiedensten Formen der Migration f\u00fchren. Die einen, die aufgrund ihrer Herkunft, Ausbildung und ihres sozialen Kapitals als internationale Arbeitsnomaden (Expads) quer \u00fcber den Globus jetten, die anderen, die die Auswirkungen der Ungleichheit durch Armut, Hunger, Ausbeutung (Sklaverei) und Kriegen zu sp\u00fcren bekommen. Als eine der gro\u00dfen Herausforderungen und Aufgaben von Politik, Wirtschaft und Managements stellt sich daher der Umgang mit Vielfalt\/Heterogenit\u00e4t und Transnationalit\u00e4t dar.<img decoding=\"async\" class=\"wp-image-1106 alignright\" src=\"http:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Metro-in-der-Stadt-300x209.jpg\" alt=\"\" width=\"237\" height=\"165\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Metro-in-der-Stadt-300x209.jpg 300w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Metro-in-der-Stadt-1024x712.jpg 1024w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Metro-in-der-Stadt-768x534.jpg 768w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Metro-in-der-Stadt-1536x1069.jpg 1536w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Metro-in-der-Stadt.jpg 1719w\" sizes=\"(max-width: 237px) 100vw, 237px\" \/><\/p>\n<p>Dass dies auch wirtschaftliche Vorteile besitzt \u2013 also n\u00fctzlich ist und daher in das Konzept einer \u201emodernen \u2013 neoliberalen\u201c Welt gut einzupassen ist, verdankt der Bewegung die Attraktivit\u00e4t. Das gilt im \u00fcbrigen nicht nur f\u00fcr die reichen, global t\u00e4tigen Arbeitskr\u00e4fte, sondern auch f\u00fcr die unterpriviligierten, armen ArbeitsmigrantInnen.<\/p>\n<p>Jedenfalls spielen \u2013 wie so oft in solchen F\u00e4llen \u2013 Macht und Zugangsm\u00f6glichkeiten zu Medien eine gro\u00dfe Rolle, um ein Konzept oder eine Idee entsprechend zu pr\u00e4sentieren und zu positionieren. Und so ist es erkl\u00e4rbar, dass die urspr\u00fcngliche Diversity Politics \u2013 auf die sp\u00e4ter noch eingegangen wird \u2013 zu Diversity Management wurde und mittlerweile jene Teile besonders betont werden, die der Effektivierung, der N\u00fctzlichkeit und der Gewinnmaximierung dienen. Haupts\u00e4chlich wirtschafts- und managementorientierte F\u00e4cher und Einrichtungen besch\u00e4ftigen sich damit und verbreiten die Ideen weiter. Aus der urspr\u00fcnglich politischen und durchaus gesellschaftsver\u00e4ndernden Idee Diversit\u00e4tspolitik wurde im Laufe der Zeit Handlungsanleitungen (Tools), Pl\u00e4ne und Beispiele der praktischen Umsetzung. Diversity Politics war jedoch einmal wesentlich mehr.<\/p>\n<p>In den USA bereits in den 1960er als Gegenposition zu nationalistisch-homogenen Staatsdoktrinen etabliert und der US-amerikanischen B\u00fcrgerrechtsbewegung entstammend, wurde der Begriff in Europa in den 1980-1990er \u00fcber den angels\u00e4chsichen Raum eingef\u00fchrt. Breiter bekannt wurde er jedoch erst als eine Konzeption der Unternehmensf\u00fchrung, als Diversity Managament oder Managing Diversity.<\/p>\n<p>In traditionellen Einwanderungsl\u00e4ndern mit kolonialer Vergangenheit (USA, Canada, Australien, Gro\u00dfbritannien), die durch eine mulitkulturelle, -sprachliche und -religi\u00f6se Bev\u00f6lkerung gepr\u00e4gt sind, wurde diese Debatte \u2013 auch im Zusammenhang mit Rassismusdebatten und Antidiskriminierungsbestimmungen \u2013 schon viel l\u00e4nger gef\u00fchrt, insbesondere seit den 1950er. In nord-, mittel- und s\u00fcdeurop\u00e4ischen Staaten hingegen, wird Heterogenit\u00e4t der Gesellschaft erst seit den 1990er Jahren \u2013 seit sie selbst Ziell\u00e4nder von Migration geworden sind und seitdem die Globalisierung auch reale Auswirkungen zeitigte \u2013 in den Fokus genommen. Nicht selten wird sie von nationalistischen, rechtskonservativen Str\u00f6mungen heftig bek\u00e4mpft.<\/p>\n<h3><strong>Was meint nun Diversity? <\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Begrifflichkeit \u201eDiversity oder Diversit\u00e4t\u201c handelt es sich weniger um ein abgeschlossenes politisches oder ideologisches Konzept, sondern es ist viel mehr eine Haltung ausgedr\u00fcckt. Unter dem Begriff findet sich eine gro\u00dfe Bandbreite an Ideologien, gesellschaftlichen Vorstellungen und Umsetzungskonzeptionen unterschiedlichster Art. Diese reichen von neoliberal-wirtschaftsorientiert \u00fcber multikulturell \u2013 globalisierungs-bis zu wohlfahrtsstaatlich \u2013 links orientiert<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>. Je nach Themenfeld (Handel, Produktion, Dienstleistungen,\u2026) und Organisationsform (Verwaltung, NPO<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, Unternehmen\u2026) werden Diversity Strategien, und -politiken unterschiedlich interpretiert und oft unter den jeweiligen Bedingungen vor Ort adaptiert angewandt und ausgehandelt.<\/p>\n<p>Als eine der wenigen Gemeinsamkeiten aller Diversity Str\u00f6mungen ist die Anerkennung, dass Gesellschaften heterogen sind und Bev\u00f6lkerungen von Staaten keinem homogenen, nationalstaatlichen, einheitlichen Bild<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> (mehr) entsprechen. Daraus ergibt sich, dass eine Vielzahl von individuellen, sozialen, politischen, famili\u00e4ren \u2013 um nur einige davon zu nennen \u2013 Einflu\u00dffaktoren Menschen pr\u00e4gt und deren Leben beeinflusst und man daher nicht von \u201eden \u00d6sterreichern, den Amerikanern usw.\u201c reden kann. Man m\u00fcsse also immer wieder neue Zusammensetzungen von kulturellen Ausdrucksformen vornehmen, um Gemeinsamkeiten zu erkennen. Am deutlichsten wird dies am Begriff: &#8222;Ausl\u00e4nder&#8220;. Darunter werden schnell alle verstanden, sind jedoch im Detail h\u00f6chst unterschiedlich (deutsche Kellnerin, amerikanischer Diplomat, chinesische Musikerin, t\u00fcrkischer Sozioge, syrischer Arzt, afghanischer unbegleitet minderj\u00e4hriger Asylwerber usw.)<\/p>\n<p>Die zweite Gemeinsamkeit ist, dass alle \u201eStr\u00f6mungen\u201c einen politischen und operativen (managende) Auftrag darin sehen, Angebote, Dienstleistungen und politische Entscheidungen auf diese gesellschaftliche \u201eRealit\u00e4t\u201c abzustellen und zu ver\u00e4ndern. Je nach Schwerpunkt und Sichtweise geht es den AkteurInnen dann schwerpunktm\u00e4\u00dfig um das Unternehmen, Organisationen des gemeinwesenorientierten Sektors oder um die politische Sp\u00e4hre (Gesetzgeber, Verwaltung). Je nach ideologischer Grundausrichtung ist eine st\u00e4rkere politische Diskussion intendiert oder das Augenmerk ist st\u00e4rker oder ausschlie\u00dflich auf die rasche und konkrete Umsetzung von Ma\u00dfnahmen direkt vor Ort\/im Unternehmen gelegt.<\/p>\n<p>Demgem\u00e4\u00df gibt es auch eine gro\u00dfe Varianz der Aktivit\u00e4ten im Feld der Diversit\u00e4tsagenda. Nicht unwesentlich dabei ist, ob sich die Aktivit\u00e4ten darauf richten, \u201eNeue Kundinnen\u201c, \u201eneue M\u00e4rkte\u201c zu erschlie\u00dfen und damit zielgruppengerechter zu agieren oder ob \u2013 ein anderes Ziel \u2013 die MitarbeiterInnenstruktur der Organisation zu ver\u00e4ndern und Heterogenit\u00e4t auch durch Repr\u00e4sentanz sichtbar zu machen, als Ziel gesetzt wird.<\/p>\n<p>Eine dritte Sto\u00dfrichtung w\u00e4re unter diversity politics zu sammeln. Dabei ist das Augenmerk auf strukturelle-politische \u00c4nderungen gerichtet. Diversit\u00e4t wird mit Fragen der Ungleichheit, der Diskriminierung und strukturellen Exklusion verkn\u00fcpft. Das Augenmerk richtet sich dabei ma\u00dfgeblich auf makropolitische Ver\u00e4nderungen.<\/p>\n<p>Viele Jahre wurde bei der Diversit\u00e4tsdebatte unter den wenigen europ\u00e4ischen ExpertInnen immer wieder die \u201eEntweder \u2013 oder Frage\u201c gestellt. Ist Diversity von oben herab einzuf\u00fchren (Top down) oder soll dies eine \u201eBewegung von unten\u201c (bottom up) darstellen? An dieser Frage kann man ablesen, dass h\u00f6chst unterschiedliche Ziele und Umsetzungsstrategien darin vereint sind. In den meisten F\u00e4llen kann die Frage wohl damit beantwortet werden, dass es beide Ebenen braucht. Insbesondere wenn es sich um l\u00e4ngerfristige Ma\u00dfnahmen und Prozesse in einer Organisation handelt, ist es notwendig, dass die betroffenen MitarbeiterInnen auch beteiligt werden, bzw. im g\u00fcnstigsten Falle von ihnen auch die oder zumindest wesentliche Initiativen ausgehen. F\u00fcr die Praxis kann dieser Befund nicht so klar abgegeben werden und top down Strategien sind durchaus keine Seltenheit.<\/p>\n<h5><strong><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1033 alignleft\" src=\"http:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Medellin-Metro-300x202.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"202\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Medellin-Metro-300x202.jpg 300w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Medellin-Metro-1024x691.jpg 1024w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Medellin-Metro-768x518.jpg 768w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Medellin-Metro.jpg 1183w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Drei in der Praxis beobachtbare Str\u00f6mungen<\/strong><\/h5>\n<p>Die internationalen wie nationalen Erfahrungen und die begleitenden Studien und Forschungen dazu zeigen, dass die Bandbreite der Umsetzungen gro\u00df ist und die Diskussionen und kritischen Einw\u00e4nde dazu ebenso. Man kann die Diversity Aktivit\u00e4ten in drei Kategorien einteilen.<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Die N\u00fctzlichkeitsdiversity-Managament Kategorie <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Das Interesse an raschen und schnellen Ergebnissen steht im Vordergrund. Der Prozess, die Prozesse werden h\u00e4ufig Top down initiiert. Die Diversity Prozesse sind \u00fcberwiegend singul\u00e4re Zielsetzungen. Grundlegendere, l\u00e4ngerfristige, strukturelle \u00c4nderungen der Organisation sind nicht vorgesehen (etwa Leitbilder, Antidiskriminierungsbestimmungen und strukturelle Ver\u00e4nderungsprozesse). Merkmal ist, dass es wenig Institutionalisierung des Diversit\u00e4ts Managements innerhalb der Organisation gibt. Zumeist werden mittels Diversity Beauftragtensystem und externen BeraterInnen Ma\u00dfnahmen implementiert. Das Beauftragtensystem erfolgt \u00fcberwiegend durch \u2013 ausserhalb der Organisationhierarchie liegende \u2013 Stabstellen. Eine Durchdringung der klassischen Hierarchien und damit Machtkonstellationen der Organisation erfolgt in den seltensten F\u00e4llen.<\/p>\n<p>Merkmal dieser Kategorie ist es, dass es wenig bottom up (von der Basis her) Aktivit\u00e4ten gibt, die MitarbeiterInnen werden in der Regel informiert, sind jedoch nicht aktive AkteurInnen des Prozesses.<\/p>\n<p>Der unschlagbare Erfolg dieser Kategorie liegt in der raschen, sichtbaren Umsetzung von einzelnen Diversit\u00e4tsaktivit\u00e4ten; etwa dass die Produkte auf den jeweiligen Markt angepasster sind, dass das Erscheinungsbild der Organisation (Unternehmen) sich heterogener darstellt und dass neue Zielgruppen angesprochen werden konnten. Dementsprechend ist diese Kategorie 1 auch f\u00fcr den Erfolg des Begriffes mit verantwortlich.<\/p>\n<p>Die Schwach- und Kritikpunkte der Kategorie 1 Ma\u00dfnahmen sind:<\/p>\n<ul>\n<li>die Organisationen ver\u00e4ndern ihre Grundstrukturen kaum oder gar nicht,<\/li>\n<li>es fehlt in der Regel an langfristigen Zielsetzungen (Ver\u00e4nderungsziele)<\/li>\n<li>die Organisationskulturen (mit ihrem monokulturellen Habitus und ihren subtilen Ausgrenzungsmechanismen) bleiben unangetastet.<\/li>\n<li>Selten werden weiterf\u00fchrende Weiterbildungsangebote angeboten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>KritikerInnen werfen dieser Strategie einen neoliberalen und n\u00fctzlichkeitsorientierten Impetus vor, der unter dem Deckmantel von Modernit\u00e4t und Liberalit\u00e4t gegen\u00fcber anderen Kulturen auftritt. Diversity Management in dieser Kategorie verstanden, wird nicht in einen gesamtpolitischen \u2013 organisationalen Rahmen gesehen, sondern Augenmerk darauf gelegt, das sich das Erscheinungsbild der Organisation an wirtschafliche Rahmenbedingungen anpasst, bzw. Instrumente gefunden werden, um Diversit\u00e4t f\u00fcr unternehmerischen Erfolg, Effizienz bei interner Kommunikation, Verbesserung der MitarbeiterInnenf\u00fchrung und Gewinnmaximierung einzusetzen.<\/p>\n<p><strong>2. Die Meso-Mix Diversity Management Kategorie<\/strong><\/p>\n<p>In dieser zweiten Kategorie finden wir eine gr\u00f6\u00dfere Auswahl an Mischformen des Diversity Managements; mitunter entstanden aus der kritischen Reflexion der Kategorie 1 und aus der Tatsache, dass im Gegensatz zu den USA, in Europa und speziell in \u00d6sterreich staatliche oder halbstaatliche Einrichtungen eine wesentlich gr\u00f6\u00dfere Bedeutung und damit mehr Einflu\u00df auf gesellschaftliche Ver\u00e4nderungsprozesse im sozialen, politischen und wirtschaftlichen Leben haben.<\/p>\n<p>Die Meso-Mix Kategorie finden wir h\u00e4ufig in nicht profitorientierten Unternehmen, staatlichen Verwaltungseinheiten oder staatsnahen Einrichtungen, deren Bedingungen sich von profitorientierten Unternehmen erheblich unterscheiden. Markteroberung, Produktionseffizienz oder Zielgruppenerschlie\u00dfungen stehen nicht im Vordergrund. Hier treten andere Herausforderungen zu Tage.<\/p>\n<p>Organisationen dieser Art stellen sich die Frage; oft werden die Fragen auch von Au\u00dfen an sie von Politik und Zivilgesellschaft herangetragen: Inwieweit sind sie f\u00fcr alle B\u00fcrger und B\u00fcrgerinnen ge\u00f6ffnet und tragen nicht aufgrund ihres Auftritts, ihrer Dienstleistungen, ihrer organisationskulturellen Traditionen und ihrer physischen und psychischen Barrieren dazu bei, dass Teile der Gesellschaft implizit und explizit ausgeschlo\u00dfen werden und inwieweit ihre Dienstleistungen f\u00fcr alle B\u00fcrgerInnen zug\u00e4nglich sind oder nicht Ausschl\u00fcsse erfolgen; oder inwieweit Aufstiegsm\u00f6glichkeiten von \u201eMinderheitengruppen\u201c innerhalb der Organisation durch Machtungleichgewichte<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> verhindert werden.<\/p>\n<p>Die klassische US-amerikanisch inspirierte Diversity Managament Tradition gibt dazu nur ungen\u00fcgende Antworten, dessen Hauptaugenmerk liegt auf Konzerne, Firmen, Unternehmen. Non Profit Bereiche kommen in der US-Amerikanischen Literatur kaum vor. Hier bildet sich erst eine europ\u00e4ische Tradition heraus.<\/p>\n<p>Damit einhergehend mussten neue Antworten auf neue Fragen gegeben werden.<\/p>\n<ol>\n<li>Die MitarbeiterInnenzufriedenheit r\u00fcckt in den Vordergrund und stellt f\u00fcr die Diversity Politics eine Herausforderung dar (insbesondere in Dienstverh\u00e4ltnissen die aufgrund der rechtlichen Struktur<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> gro\u00dfteils stabil sind).<\/li>\n<li>In Non Profit Bereichen ist der KundInnenbegriff oftmals fehl am Platz \u2013 sehr wohl ist jedoch die Frage der Behandlung des B\u00fcrgers, der B\u00fcrgerin von Belang. Gerade in gro\u00dfen b\u00fcrokratischen Einheiten (Verwaltung, Versicherungen, \u00f6ffentliche Dienstleistungen) steht erstens die Frage der Gleichbehandlung aller B\u00fcrgerInnen im Zentrum von Management Aufgaben. Zweitens wird dem Zugang zu den jeweiligen Dienstleistungen immer \u00f6fter Augenmerk geschenkt. Wie diese Gleichbehandlung unter ungleichen Bedingungen zu organisieren ist, ohne nicht wieder Ungleichbehandlung herzustellen, stellt eine h\u00e4ufige Frage in derartigen Einrichtungen dar.<\/li>\n<li>Je hierarchischer und b\u00fcrokratischer Organisationen strukturiert sind, desto st\u00e4rker r\u00fcckt die \u201etop down Strategie\u201c in den Vordergrund. MitarbeiterInnen von Verwaltung etwa ben\u00f6tigen einen expliziten Auftrag (von oben) f\u00fcr ihre Beteiligung und sie brauchen einen expliziten Aufgaben- und Handlungskatalog (Zust\u00e4ndigkeiten), in dessen Rahmen sie sich f\u00fcr bestimmte Belange (eben Diversit\u00e4t) besch\u00e4ftigen d\u00fcrfen\/m\u00fcssen.<\/li>\n<li>Daher liegt der Fokus in der Kategorie 2 auf l\u00e4ngerfristige Umgestaltungsprozesse, die einen eindeutigen Auftrag der F\u00fchrungsebene f\u00fcr diese Umgestaltung erfordert. Nicht zuletzt liegt der Fokus auch darauf, die MitarbeiterInnen zu gewinnen und in partizipative Prozesse mit ein zu beziehen. Ein Unterfangen, das in streng hierarchischen Organisationen, in den Mitbestimmung nicht \u00fcblich ist, eine Herausforderung darstellt.<\/li>\n<li>Der Fokus in der Kategorie 2 erweitert sich um Felder und Themen, die durchaus organisationsver\u00e4ndernden Charakter besitzen (z.b. Umbau des internen Leitliniensystems, b\u00fcrokratische Abwicklungsprozesse, Formularwesen, bauliche Ma\u00dfnahmen udgl.), jedoch \u00fcber den Spielraum innerhalb einer Organisation nicht hinaus geht und meist durch den gesetzlichen Auftrag begrenzt ist. (Schulen, Universit\u00e4ten, einzelne Versicherungstr\u00e4ger).<\/li>\n<\/ol>\n<p>Nachteil dieser Kategorie 2 ist, die Erfolge stellen sich zumeist nicht gleich ein. Es sind l\u00e4ngere Prozesse vonn\u00f6ten, da die Diversity Aspekte bereits organisationsentwicklerische und ver\u00e4nderungsmanagende Aspekte anspricht und daher wesentlich komplexer und vernetzter sind.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\" wp-image-1035 alignright\" src=\"http:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/P1050423-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/P1050423-300x225.jpg 300w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/P1050423-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/P1050423-768x576.jpg 768w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/P1050423-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/P1050423-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/p>\n<p><strong>3. <\/strong><strong>Diversity politics und Intersektionalit\u00e4t <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[6]<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Die dritte Kategorie stellt in der Praxis die seltenste Form von Diversity dar. Sie k\u00f6nnte man als die politische &#8211; kritische Fassung der Diversit\u00e4tsbewegung bezeichnen. Czollek, Perko&amp;Weinbach pr\u00e4gten daf\u00fcr den Begriff des \u201epolitisierten Diversitys\u201c. Dabei geht es den ProtagonistInnen darum, den Diversit\u00e4tsbegriff von \u00f6konomischen Verwertungsanspr\u00fcchen zu befreien bzw. abzugrenzen. Im Zentrum des Blickes stehen Macht- und Ungleichheitsaspekte in den jeweiligen Organisationsformen. Insbesondere wird ein politischer Anspruch formuliert, der staatliche, gesetzliche und politische Regelungen ins Blickfeld nimmt und kritisiert.<\/p>\n<p>Bei den Trainings und Aktivit\u00e4ten der Kategorie 3 stehen Ma\u00dfnahmen im Vordergrund, die den Blick sch\u00e4rfen auf strukturelle und institutionalisierte Diskriminierungsformen und Ausschlu\u00dfmechanismen. Aktivit\u00e4ten der Kategorie 3 sind auch weniger prozesshafte Organisationsmanagementkonzeptionen sondern Gesellschafts- und Organisationsanalysen sowie Bewu\u00dftseinstrainings in Antirassismus und -diskriminierung und social justice.<\/p>\n<p>Handeln die Aktivit\u00e4ten der Kategorie 1 und 2 unter dem Label Diversity tats\u00e4chlich meist nur mit einer Dimension (Gender oder Migration oder Behinderung&#8230;), da aufgrund der Komplexit\u00e4t der intersektionalen Herangehensweise, rasch zu l\u00e4ngerfristigen Prozessen f\u00fchrt, so ist in der Kategorie 3 die Intersektionalit\u00e4t ein dezidierter und ausdr\u00fccklicher Anspruch, diese als Grundlage heranzuziehen. Vereinfacht gesprochen sollen m\u00f6glichst alle Dimensionen in Beziehung zueinander gestellt werden und in dieser Komplexit\u00e4t an strukturellen L\u00f6sungen gearbeitet werden.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse mit Ma\u00dfnahmen der Kategorie 3 sind wohl am langsamsten sichtbar, weil sie auch am grunds\u00e4tzlichsten gesellschafts- und organisationspolitisch ver\u00e4ndernd wirken und daher langfristige Zielsetzung verfolgen. Dies ist auch der Hauptpunkt der KritikerInnen. Sie werfen diesem Ansatz \u00dcberorderung vor, da aufgrund der vielf\u00e4ltigen Zusammenh\u00e4nge der Dimensionen, Themenfelder und der Mikro-, Meso- und Makroebenen eine Komplexit\u00e4t der Prozesse erlangt wird, die in \u201e\u00fcblichen Prozessen\u201c nicht bew\u00e4ltigbar sind. \u00dcbliche Prozesse meint, dass in der Regel solche Ver\u00e4nderungsprozesse ja nebenbei in Organisationen durchgef\u00fchrt werden, da sie ja nicht die Kernprozesse und -aufgaben einer Organisation betreffen. Mit diesen begrenzten Ressourcen sind oft sowohl MitarbeiterInnen und F\u00fchrungskr\u00e4fte \u00fcberfordert.<\/p>\n<p>Im <strong>zweiten Teil<\/strong> besch\u00e4ftige ich mich mit den einzelnen Dimensionen, die hier schon immer wieder angef\u00fchrt worden sind und der daraus resultierenden Intersektionalit\u00e4t und den damit verbundenen praktischen Schwierigkeiten. Im zweiten Teil wird auch eine Literaturliste angef\u00fchrt sein, die f\u00fcr die beiden Teile verwendet wurde.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Diese Kategorien sind nur grob schematisch und \u00fcberschneiden sich in vielerlei einzelnen Fragen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> NPO \u2013 Non Profit Organisation, Nicht gewinnorientierte Organisationen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Fraglich ist, ob sie das in der tats\u00e4chlichen Zusammensetzung jemals waren.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vertikale Repr\u00e4sentanz<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Etwa durch Vertragsbedienstetenverh\u00e4ltnisse und erh\u00f6ht gesch\u00fctzte Arbeitsverh\u00e4ltnisse<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[6]<\/a> Die Intersektionalit\u00e4t wird im zweiten Teil noch etwas ausf\u00fchrlicher beschrieben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kommentare zu einem in Mode gekommenen Begriff in zwei Teilen. In den letzten Jahren gibt es eine vermehrte \u00f6ffentliche und politische Aufmerksamkeit f\u00fcr den Begriff \u201eDiversit\u00e4t \u2013 Diversity\u201c. Einschl\u00e4gige Management Seiten und Profile sind voll davon, kein Betriebswirtschafts &#8211; Managementkurs, der ohne auskommt. Doch neben zahlreichen, oberfl\u00e4chlich bis banalen Wirtschaftswohlf\u00fchlbeschreibungen wissen die wenigsten, was sich &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/diversitat\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[376,362,380],"tags":[75,76,159,200,206,219],"class_list":["post-426","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-diversitaet","category-fachbeitraege","category-themen","tag-diversitat","tag-diversity","tag-intersektionalitat","tag-makroebene","tag-mesoebene","tag-mikroebene","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/426","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=426"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/426\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2406,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/426\/revisions\/2406"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=426"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=426"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=426"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}