{"id":384,"date":"2015-04-23T09:37:38","date_gmt":"2015-04-23T09:37:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gulis.at\/schreiben\/?p=384"},"modified":"2021-02-08T14:57:14","modified_gmt":"2021-02-08T14:57:14","slug":"den-ball-den-wollt-ich-immer-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/den-ball-den-wollt-ich-immer-haben\/","title":{"rendered":"Sturm Echo Nr. 342"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\" wp-image-1051 alignright\" src=\"http:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/titel-342.jpg\" alt=\"\" width=\"172\" height=\"237\" \/>Das aktuelle <strong>Sturm Echo #342<\/strong> besch\u00e4ftigt sich in seinem Schwerpunkt &#8222;\u00dcberleben in dunkler Zeit&#8220; anl\u00e4\u00dflich des 70. Jahrestages des Zusammenbruchs des Nationalsozialismus mit den Verflechtungen von SK Sturm in das Terrorregime. Walter Iberer vom Ludwig Boltzmann Inst.f. Kriegsfolgen-Folgen hat dazu ein Buch verfasst: &#8222;Erst der Verein, dann die Partei.&#8220; (Leykam Verlag, 2015). Bereits in der Zwischenkriegszeit wurde Fu\u00dfball zum Zuschauermagnaten und daher auch f\u00fcr das Regime interessant. Wie der Verein die dunkle Zeit \u00fcberleben konnte, zwischen Anpassung, Opportunismus und subtiler Obstruktion, das fasst Walter Iberer in seinem Artikel zusammen.<\/p>\n<p>Komplettiert wird der Schwerpunkt mit einem Interview mit Alfred Gerth (93) der als Zeitzeuge Auskunft gibt und der Historiker Heimo Halbrainer berichtet \u00fcber die unmittelbare Zeit danach, als man so rasch als m\u00f6glich wieder versuchte, Fu\u00dfball zu spielen und Wettbewerbe zu organisieren.<\/p>\n<p>======<\/p>\n<p>In den <strong>Schwarz-wei\u00dfen Protokollen<\/strong> geht es um erfreulicheres: Mandi Steiner &#8211; Rauhbein und mit dem Spitznamen Eisenfu\u00df ausgestattet, bereichtet vom Jahr 1975, das nach seinen eigenen Aussagen ein &#8222;super Jahr war&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Sturm Protokollant: Wolfgang Gulis<\/strong><\/p>\n<p><strong>Foto: Herbert S\u00fcndhofer<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gespr\u00e4chspartner: Manfred \u201eder Eiserne\u201c Steiner<\/strong><\/p>\n<p><strong>Thema: Europacup gegen Haladas<\/strong><\/p>\n<p><strong>&#8222;Den Ball, den wollt ich immer haben&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>1975 war ein super Jahr, einer der H\u00f6hepunkte meiner Karriere. Zuerst im Juni im \u00f6sterreichischen Cup-Finale; leider gegen Wacker Innsbruck verloren. Dann beginnt im Herbst der Lauf im Europapokal der Cupsiege<img decoding=\"async\" class=\" wp-image-1052 alignleft\" src=\"http:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/text-342.jpg\" alt=\"\" width=\"147\" height=\"202\" \/>r<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>. Zuerst hauen wir Slavia Sofia raus. Das war noch Ostblock \u2013 richtiger. Wir waren in einem Hotel untergebracht, das war zwar sch\u00f6n, aber lag auf der Sonnenseite und es war furchtbar stickig und hei\u00df, ohne K\u00fchlung, nicht zu schlafen. Die mitgereisten Fans mussten von der Polizei gesch\u00fctzt werden, so w\u00fctend waren die Slavia Fans, als wir aufgestiegen sind. W\u00fcste Szenen haben sich da abgespielt.<\/p>\n<p>Dann hatten wir Haladas Szombathely \u2013 damals vorne mit dabei in der ungarischen Liga. Das erste Spiel in Graz war im Oktober \u00b475. Es lief gut f\u00fcr uns. Stendal hat irgendwann nach der Halbzeit das 1:0 gemacht, in der 87. Minute gibt es Elfer f\u00fcr uns. Hubsi Kulmer wird gelegt vom Libero der Ungarn. Ich denk mir net viel dabei, nimm den Ball und schie\u00df das 2:0. Zwei Wochen sp\u00e4ter in Szombathely das R\u00fcckspiel, es ist nasskaltes Novemberwetter. Die Ungarn haben Ankick, sie spielen den Ball zur\u00fcck, zu ihrem Spielmacher. Als Manndecker war ich auf den besten von ihnen angesetzt. Ich geh auf ihn drauf. Ihm springt der Ball etwas weiter weg. Ich seh die Chance, rutsch\u00b4 auf dem nassen Boden rein, erwisch\u00b4 den Ball und leider ihn am Kn\u00f6chel auch. Bumm, verletzt, raus aus dem Spiel. Die Aufregung war gro\u00df.<\/p>\n<p>Nachher haben viele gemeint, das war Absicht. Aber da stimmt nicht. Ich bin einfach auf den Ball, den wollt ich immer haben. Wir haben gefightet \u2013 und wie \u2013 haben 1:1 gespielt und sind aufgestiegen. Der Jurtin hat wieder ganz sp\u00e4t das Tor gemacht. Die Fans haben mich auf den H\u00e4nden rausgetragen. Wir waren damit im Viertelfinale. Zwei Wochen sp\u00e4ter spiel ich im Team gegen Wales. Branko Elsner hat mich einberufen. Leider verlieren wir 1:0. Da kommt der ber\u00fchmte Spruch von ihm: \u201eH\u00e4tten wir elf Steiner gehabt, h\u00e4tten wir nicht verloren.\u201c Dann im M\u00e4rz gings nach Frankfurt und da ist dann mein Beiname \u201eder Eiserne\u201c enstanden. Sturm war ja ein v\u00f6llig unbeschriebenes Blatt und so hat die Bild Zeitung angefangen zu recherchieren und ist auf mich gekommen \u2013 als beinharter Verteidiger. Und dann haben sie mich abgebildet, wie ich gegen die Torstange trete. Er hat dann geschrieben, dass ich in Graz immer so trainiere (lacht). Aber gegen Frankfurt war Schlu\u00df, wir haben beide Spiele verloren.<\/p>\n<p>Im April 1976 wurde ich dann von den Zuh\u00f6rern und -sehern des ORF Steiermark zum beliebtesten steirischen Sportler des Jahres gek\u00fcrt. Bin vom Robert Seeger auf der B\u00fchne interviewt worden \u2013 vor dem hab ich mehr geschwitzt, als wie vor einem Europa Pokal Match \u2013 und vom Intendanten Emil Breisach habe ich einen Riesenpokal in die Hand gedr\u00fcckt bekommen. Allerdings bin ich da schon mit Gipshaxn raufgehumpelt, meine Achillessehne war gerissen. Sechs Monate in Gips. Wenn das nicht gewesen w\u00e4re, w\u00e4re ich sicher im Nationalteam geblieben.<\/p>\n<p>Zuerst war Sturm, dann die Familie und dann kam meine Gesundheit. Klingt bl\u00f6d ist aber so. Ein Wesenszug von mir: Ich kann nicht verlieren. Wurscht gegen wen, ich hab immer alles gegeben. Selbst wenn es nur ein Freundschafts- oder Aufbauspiel war. Das war nicht immer gesund, weder f\u00fcr mich noch f\u00fcr die Gegner. Manche roten Karten, die ich bekommen hab, hab ich gar nicht gesehen, weil ich schon auf dem Weg zur Dusche war. Wenn es sich nicht ausgegangen ist und der Gegner im hohen Bogen abhebt, wei\u00df man schon, was es geschlagen hat. Die Schmerzen, die ich zugef\u00fcgt hab, tun mir leid, aber es war nie absichtlich. Und schlie\u00dflich hab ich auch einiges abbekommen, niemanden geschont. So war ich.<\/p>\n<pre>In den schwarz-wei\u00dfen Protokollen erinnern sich Protagonisten und Statisten der Geschichte des Sportklubs Sturm an herausragenden Leistungen und legend\u00e4re Momente.<\/pre>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das aktuelle Sturm Echo #342 besch\u00e4ftigt sich in seinem Schwerpunkt &#8222;\u00dcberleben in dunkler Zeit&#8220; anl\u00e4\u00dflich des 70. Jahrestages des Zusammenbruchs des Nationalsozialismus mit den Verflechtungen von SK Sturm in das Terrorregime. Walter Iberer vom Ludwig Boltzmann Inst.f. Kriegsfolgen-Folgen hat dazu ein Buch verfasst: &#8222;Erst der Verein, dann die Partei.&#8220; (Leykam Verlag, 2015). 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