{"id":367,"date":"2015-02-03T10:36:27","date_gmt":"2015-02-03T10:36:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gulis.at\/schreiben\/?p=367"},"modified":"2024-06-21T08:27:29","modified_gmt":"2024-06-21T08:27:29","slug":"angebote-der-osterreichischen-erwachsenenbildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/angebote-der-osterreichischen-erwachsenenbildung\/","title":{"rendered":"Angebote der \u00f6sterreichischen Erwachsenenbildung"},"content":{"rendered":"<p><em><span style=\"font-size: 12pt; line-height: 150%; font-family: 'Arial','sans-serif';\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-1057 alignright\" src=\"http:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/K_ein_Hindernis-197x300.jpg\" alt=\"\" width=\"140\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/K_ein_Hindernis-197x300.jpg 197w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/K_ein_Hindernis.jpg 394w\" sizes=\"(max-width: 140px) 100vw, 140px\" \/>Der Beitrag ist im Buch<\/span><a href=\"http:\/\/www.gulis.at\/schreiben\/buchneuerscheinung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><b><span style=\"font-size: 12pt; line-height: 150%; font-family: 'Arial','sans-serif';\"> &#8222;(K)ein Hindernis!? Fachkr\u00e4ft mit Migrationsgeschichte in der Erwachsenenbildung&#8220; von Brigitte Kukovetz, Ariane Sadjed, Annette Sprung <\/span><\/b><\/a><span style=\"font-size: 12pt; line-height: 150%; font-family: 'Arial','sans-serif';\">beim<\/span><span style=\"font-size: 12pt; line-height: 150%; font-family: 'Arial','sans-serif';\"> L\u00f6cker Verlag im Dezember 2014 <\/span><span style=\"font-size: 12pt; line-height: 150%; font-family: 'Arial','sans-serif';\">erschienen<\/span><b><span style=\"font-size: 12pt; line-height: 150%; font-family: 'Arial','sans-serif';\">.<\/span><\/b><\/em><\/p>\n<h4><strong>7.4 Angebote der \u00f6sterreichischen Erwachsenenbildung<\/strong><\/h4>\n<p><strong>Wolfgang Gulis<\/strong><\/p>\n<p>Im folgenden Beitrag wird ein ausf\u00fchrlicher Blick auf die Angebote der Erwachsenenbildung gerichtet und der Frage nachgegangen, ob, in welchem Ausma\u00df und wie die Themen Migration, Diskriminierung und Rassismus in Kursma\u00dfnahmen der Erwachsenenbildungseinrichtungen platziert sind. Dies ist deswegen relevant, weil f\u00fcr interkulturell-institutionelle und antidiskriminatorische \u00d6ffnungsprozesse in Organisationen gut ausgebildete Mitarbeiter_innen und F\u00fchrungskr\u00e4fte vonn\u00f6ten sind, wof\u00fcr diese Kurse und Studieng\u00e4nge die Grundlagen schaffen. Insbesondere waren daher Ausbildungslehrg\u00e4nge und universit\u00e4re Angebote von Interesse, die in das Feld der Erwachsenenbildung f\u00fchren. Die folgende Untersuchung der Lehrgangs- und Kurslandschaft wurde von Herbst 2012 bis Februar 2014 durchgef\u00fchrt und vervollst\u00e4ndigte die Erhebungen und Recherchen im Rahmen des Projekts mig2eb \u2013 Angeh\u00f6rige der 2. Generation von Migrant_innen als Fachkr\u00e4fte in der Erwachsenenbildung.<\/p>\n<p>Bei der Recherche und Analyse wurde auf Materialien f\u00fcr jene Ma\u00dfnahmen zur\u00fcckgegriffen, die \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich und verf\u00fcgbar waren. Dies waren etwa Webauftritte der jeweiligen Organisationen, die zumeist f\u00fcr die Bewerbung ihrer Kurse \u00fcber Folder bzw. Webapplikationen verf\u00fcgen, in denen die Ma\u00dfnahmen beschrieben werden.<\/p>\n<p>Folgende Daten wurden erhoben:<\/p>\n<ul>\n<li>Selbstbezeichnung der Ma\u00dfnahme (Kurs, Lehrgang, Ausbildung etc.)<\/li>\n<li>Laufzeit (Umfang) der Ma\u00dfnahme<\/li>\n<li>Form(en) (Seminare, Module, E-Learning-Einheiten, Pr\u00e4senzzeiten, Praktika usw.)<\/li>\n<li>Lehrinhalte<\/li>\n<li>Zielgruppen und Voraussetzungen<\/li>\n<li>Gibt es einen thematischen Bezug?<sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/li>\n<li>Ziele der Ma\u00dfnahme<\/li>\n<li>Quellen<\/li>\n<li>Tr\u00e4gerverein(e) und Kooperationen<\/li>\n<li>Zertifizierung(en)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Angesichts der F\u00fclle und des Umfangs des Angebots im Feld der Erwachsenenbildung musste die Erhebung auf folgende Aspekte eingeschr\u00e4nkt werden: Das Augenmerk wurde ausschlie\u00dflich auf bereits mehrfach erprobte Lehrg\u00e4nge und Studieng\u00e4nge gelegt, die aufgrund ihrer Zielsetzungen in die berufliche Erwachsenenbildung f\u00fchren (Kategorien 1 und 3) bzw. Zusatzqualifikationen f\u00fcr Personen anbieten, die bereits in der Erwachsenenbildung t\u00e4tig sind (Kategorien 2 und 4).<\/p>\n<p>Es wurden <strong>vier Kategorien<\/strong> unterschieden:<\/p>\n<p><strong>Kategorie 1:<\/strong> Ausbildungen, die im Spektrum der Erwachsenenbildung mit einem am Arbeitsmarkt nachgefragten Berufsbild verbunden sind. Zum Beispiel: Ausbildung zum\/zur Berufs- und Sozialp\u00e4dagogen bzw. -p\u00e4dagogin, Coach oder (Sprach-)trainer_in.<\/p>\n<p><strong>Kategorie 2<\/strong>: Ma\u00dfnahmen, die eine unspezifische Weiterbildung darstellen. Es werden keine neuen Berufsfelder er\u00f6ffnet, sondern zus\u00e4tzliche Kompetenzen bzw. h\u00f6here Qualifikationen f\u00fcr Personen angeboten, die in der Erwachsenenbildung t\u00e4tig sind. Als Beispiele seien hier etwa Kurse zur sozialen Kompetenz oder zum\/zur Gruppenleiter_in erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p><strong>Kategorie 3:<\/strong> Universit\u00e4re Studieng\u00e4nge, die in das Feld der Erwachsenenbildung f\u00fchren. Ein Beispiel daf\u00fcr ist das Masterstudium \u201eWeiterbildung \u2013 Lebensbegleitende Bildung\u201c an der Karl-Franzens-Universit\u00e4t Graz\/Institut f\u00fcr Erziehungs- und Bildungswissenschaft.<\/p>\n<p><strong>Kategorie 4:<\/strong> Ma\u00dfnahmen, die sich explizit mit dem Schwerpunkt \u201eMigration\/Interkulturalit\u00e4t\u201c befassen und sich an Personen richten, die im Feld der Erwachsenenbildung t\u00e4tig sind, wie etwa der Kurs \u201eMeviel\u201c<sup><sup>[2]<\/sup><\/sup>.<\/p>\n<p>Nach Abschluss der Recherchen im Rahmen von mig2eb (Februar 2014) waren 73 Bildungsma\u00dfnahmen erhoben worden. Aufgrund der Schnell- und Kurzlebigkeit des Marktes kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass mittlerweile neue Ma\u00dfnahmen hinzugekommen sind bzw. manche zum Zeitpunkt der Ver\u00f6ffentlichung dieses Bandes bereits nicht mehr bestehen. Aufgrund des Forschungsdesigns und der Organisationskonstellation im Projekt wurde vor allem nach Ma\u00dfnahmen gesucht, die auf der geografischen Achse Wien\u2013Graz\u2013Strobl lagen, da dies den Regionen der Partner_innenorganisationen entsprach und hier wichtige Ausbildungsorte zu finden sind (Wien als Bundeshauptstadt, Graz aufgrund des universit\u00e4ren Masterstudiums \u201eWeiterbildung \u2013 Lebensbegleitende Bildung\u201c und Strobl als Ort der Ausbildungsst\u00e4tte des Bundesinstituts f\u00fcr Erwachsenenbildung). Die Angebote aus anderen Bundesl\u00e4ndern wurden zwar mit einbezogen, jedoch lediglich zur Vervollst\u00e4ndigung des Kursma\u00dfnahmenbildes in \u00d6sterreich.<sup><sup>[3]<\/sup><\/sup> Die hier in die Untersuchung eingeflossenen Ma\u00dfnahmen (insbesondere der Kategorien 1 und 2) konnten daher \u00fcberwiegend als pars pro toto identifiziert werden. Sie werden oftmals in gleicher oder \u00e4hnlicher Form in mehreren Bundesl\u00e4ndern von verschiedenen Anbieter_innen angeboten.<\/p>\n<p><strong>7.4.1. Ergebnisse<\/strong><\/p>\n<p><em>Kategorie 1: Ausbildungen, die direkt mit einem am Arbeitsmarkt nachgefragten Berufsbild verbunden sind und in das Arbeitsfeld der Erwachsenenbildung f\u00fchren. <\/em><\/p>\n<p>Kurse der etablierten Erwachsenenbildung<sup><sup>[4]<\/sup><\/sup> stellen das Gros der Angebote dar. In der Regel sind diese zertifiziert und mit G\u00fctesiegel ausgezeichnet. F\u00fcr die Teilnehmer_innen gibt es \u00fcberwiegend ein Abschlusszertifikat.<sup><sup>[5]<\/sup><\/sup> Am Weiterbildungsarbeitsmarkt finden Absolvent_innen solcher Lehrg\u00e4nge h\u00e4ufig Besch\u00e4ftigung.<sup><sup>[6]<\/sup><\/sup><\/p>\n<p>Die meisten der Ausbildungen richten sich an Personen, die zuk\u00fcnftig im Umfeld von AMS-finanzierten Kursma\u00dfnahmen<sup><sup>[7]<\/sup><\/sup>als Sprach- bzw. Basisbildungstrainer_innen, aber auch als Berufs- und Sozialp\u00e4dagog_innen arbeiten werden. Aufgrund des zuk\u00fcnftigen Arbeitsgebietes der Kursabsolvent_innen ist davon auszugehen, dass das Migrationsthema \u2013 entweder in Form eines relevanten Anteils an Migrant_innen in den Kursen oder\/und als Thema in den Kursen \u2013 die zuk\u00fcnftigen Lehrenden besch\u00e4ftigen wird.<\/p>\n<p>Explizit wird das Thema Migration in den Curricula nur selten genannt. In etwa einem Drittel (13 von 41) der Kursbeschreibungen werden die Themen Interkulturalit\u00e4t, Diversit\u00e4t und Migration im Rahmen eines Moduls bearbeitet. Zumeist sind es Seminareinheiten, die mit \u201eGender Mainstreaming\/Diversity Management\u201c \u00fcbertitelt werden. Vier weitere Kurse k\u00f6nnen durch Zusatzangebote zu Diversit\u00e4t und Gender Mainstreaming erg\u00e4nzt werden, also durch Einheiten, die zus\u00e4tzlich zu den verpflichtenden Kursmodule besucht werden k\u00f6nnen. Sieben der dreizehn Lehrg\u00e4nge erw\u00e4hnen das Thema unter anderen in ihren Lehrinhalten, was durch die Nennung von kulturellen Unterschieden\/Konflikten oder Begriffen wie \u201eInterkulturelles\u201c oder \u201eDiversity Management\u201c kenntlich gemacht ist. Ob darin Fragen zu Diskriminierung, Ausschluss, Machtdifferenzen, Rassismus und mangelnder Partizipation Raum geboten wird, kann nicht festgestellt werden. Ebenso wenig kann eine Aussage dar\u00fcber getroffen werden, wie die Themen im Detail behandelt bzw. reflektiert werden.<\/p>\n<p>Zwei der sieben Kurse weisen in Modulen auf interkulturelle Mediation bzw. Kulturtheorien hin. Ein Kurs erw\u00e4hnt Migrant_innen als zuk\u00fcnftige Zielgruppe (Problem) im Arbeitsfeld.<\/p>\n<p><em>Kategorie 2: U<\/em><em>nspezifische Weiterbildung <\/em><\/p>\n<p>In der zweiten Kategorie wurden Ma\u00dfnahmen zusammengefasst, die sich \u00fcberwiegend an Menschen richten, die bereits in der Erwachsenenbildung t\u00e4tig sind und mit der Teilnahme an der Weiterbildung zus\u00e4tzliche Kompetenzen, Fertigkeiten, Qualifikationen erwerben wollen \u2013etwa f\u00fcr eine T\u00e4tigkeit als Trainer_in, Gruppenleiter_in oder Coach. Insgesamt wurden in dieser Kategorie 17 Ma\u00dfnahmen untersucht.<\/p>\n<p>Die Zielgruppen dieser Kurse sind je nach Themenspezialisierung unterschiedlicher Natur: Sie reichen von in der Erwachsenenbildung T\u00e4tigen \u00fcber Mitarbeiter_innen von NGOs und politischen Parteien bis zu Fach- und F\u00fchrungskr\u00e4ften in verschiedenen Organisationen, die in ihren Aufgabenfeldern zentral oder am Rande mit Erwachsenenbildung zu tun haben.<\/p>\n<p>Sechs Kurse dieser Kategorie erw\u00e4hnen die Themen Multikulturelles Zusammenleben oder Cross Culture in ihren Modulpr\u00e4sentationen, vier davon enthalten das Thema auch als Teil ihrer Lehrinhalte.<\/p>\n<p><em>Kategorie 3: Hochschulangebote, die ins Feld der Erwachsenenbildung f\u00fchren<\/em><\/p>\n<p>Zu dieser dritten Kategorie z\u00e4hlen das Masterstudium \u201eWeiterbildung \u2013 Lebensbegleitende Bildung\u201c am Institut f\u00fcr Erziehungs- und Bildungswissenschaft der Karl-Franzens-Universit\u00e4t Graz, des Weiteren das Masterstudium \u201eErwachsenen- und Berufsbildung\u201c am Institut f\u00fcr Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung der Alpen Adria Universit\u00e4t Klagenfurt sowie der Universit\u00e4tslehrgang (ULG) \u201eErwachsenenbildung\/Weiterbildung\u201c mit Master-Abschluss, der am selben Institut der Universit\u00e4t Klagenfurt angeboten wird. Der ULG in Klagenfurt ist der einzige universit\u00e4re Studiengang im Fach Erwachsenenbildung in \u00d6sterreich, der berufsbegleitend zu absolvieren ist.<\/p>\n<p><em>Alpen Adria Universit\u00e4t Klagenfurt \u2013 Universit\u00e4tslehrgang Erwachsenenbildung\/Weiterbildung<\/em><\/p>\n<p>Der ULG an der Alpen Adria Universit\u00e4t Klagenfurtrichtet sich an \u201ePraktiker_innen und im Feld t\u00e4tige Personen\u201c (Alpen Adria Universit\u00e4t, 2013, S.11). Aus den Lehrgangsunterlagen geht jedoch nicht hervor, dass der ULG sich dem Thema Migration im Besonderen widmen w\u00fcrde. Auch in den Pr\u00e4sentationsmaterialien finden sich keine Hinweise darauf (bifeb)\/Alpen Adria Universit\u00e4t Klagenfurt, S. 2\u20133).<\/p>\n<p>Im Curriculum wird das Thema als eine von vielen \u201eHerausforderungen\u201c an die Erwachsenenbildung in Form von Trends der Erwachsenenbildungsforschung benannt, n\u00e4mlich als \u201eInterkulturalit\u00e4t\u201c, allerdings ohne dies n\u00e4her zu spezifizieren.<\/p>\n<p><em>Karl-Franzens-Universit\u00e4t Graz \u2013 P\u00e4dagogikstudium\/Masterlehrg\u00e4nge<\/em><\/p>\n<p>Im Kapitel 4 wurde die Repr\u00e4sentationsfrage vom Menschen mit Migrationsbiografie in den Studieng\u00e4ngen der Karl-Franzens-Universit\u00e4t Graz, die in das Feld der Erwachsenenbildung f\u00fchren, bereits n\u00e4her beleuchtet. Im Folgenden wird der Fokus auf die Repr\u00e4sentation der Themen Migration, Migrationsgesellschaften, Diskriminierung und Diversit\u00e4t in den Studieng\u00e4ngen gelegt, da es sich bei den Absolvent_innen derselben um Personen handelt, die durch ihr Studium Aufgaben und leitende Funktionen im Feld der Erwachsenenbildung \u00fcbernehmen und daher auch in der Praxis mit dem Thema der Migrationsgesellschaft konfrontiert sein werden. Daher wurde der Frage nachgegangen, ob die M\u00f6glichkeit besteht, sich schon im Rahmen des Studiums mit dem Thema Migrationsgesellschaft auseinanderzusetzen und entsprechende Kompetenzen aufzubauen. Da die Forschungsfragen zum Projekt am Grazer Institut f\u00fcr Erziehungs- und Bildungswissenschaft entwickelt und bearbeitet wurden, war es naheliegend, die Studieng\u00e4nge P\u00e4dagogik\/Bachelor und \u201eWeiterbildung \u2013 Lebensbegleitende Bildung\u201c als Masterstudium einer n\u00e4heren Analyse zu unterziehen.<\/p>\n<p>Im Grazer Bachelorstudium ist laut Curriculum eine Vorlesung zu internationaler und interkulturelle P\u00e4dagogik im Lehrplan vorgesehen (vgl. Karl-Franzens-Universit\u00e4t, 2011 und 2013). Dies ist im Bachelorstudium der einzige strukturell verankerte Verweis auf das Thema. Im Sommersemester 2013 und 2014 wurde jedoch unter dem Themenbereich D \u2013 Analyse und Organisation p\u00e4dagogischer Handlungs- und Berufsfelder im Modul: \u201eMethoden P\u00e4dagogischer Handlungsfelder\u201c je ein Auswahlseminar (als ein Angebot unter mehreren) zum Thema Migrationsgesellschaften angeboten.<\/p>\n<p>Im Masterstudium \u201eWeiterbildung \u2013 Lebensbegleitende Bildung\u201c findet sich im zweiten Semester ebenfalls ein im Lehrplan verankertes, verpflichtendes Seminar mit dem gleichen Titel \u201eInternationales \u2013 Interkulturelles\u201c (vgl. Karl-Franzens-Universit\u00e4t, 2007). Im Sommersemester 2013 gab es au\u00dferdem ein Doktorandenseminar \u201eWeiterbildung und Diversit\u00e4t\u201c. Im Wintersemester 2013 wurde im Masterstudium im Bereich \u201ePraxisfelder\u201c das Seminar \u201ePolitische Bildung in der Migrationsgesellschaft\u201c angeboten sowie in anderen Seminaren im Sommersemester 2014 \u2013 wie etwa in \u201eBildung und Gesellschaft\u201c und \u201eBildungskonzeptionen\u201c \u2013 das Thema Rassismus bearbeitet. W\u00fcrde man nur dem Lehrplan folgen, so st\u00fcnde Studierenden im Grazer Studienprogramm lediglich je eine verpflichtende Lehrveranstaltung im Bachelor- und im Masterstudium zur Verf\u00fcgung, die sich mit \u201eInterkulturalit\u00e4t\/Migration\/Rassismus\u201c befasst. Die detaillierte Durchsicht der Angebote ergab jedoch ein wesentlich h\u00e4ufigeres Vorkommen dieses Themenfeldes. Dass diese Bereiche implizit in weiteren Seminaren und Vorlesungen des Bachelor- und Masterstudiums relevant sind und behandelt werden, zeigt sich in Form von \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten (Pr\u00e4sentationen, Publikationen, Theateraktionen<sup><sup>[8]<\/sup><\/sup> u. a.) des Lehrpersonals und von Studierendengruppen, die aber nicht weiter systematisch erhoben wurden.<\/p>\n<p><em>Kategorie 4: Ma\u00dfnahmen mit migrationsspezifischem\/interkulturellem Schwerpunkt<\/em><\/p>\n<p>In der vierten Kategorie wurden 10 Kursma\u00dfnahmen und universit\u00e4re Studieng\u00e4nge analysiert, die sich speziell mit dem Themenfeld \u201eMigration\/Interkulturelles\u201c auseinandersetzen und Angebote f\u00fcr in der Erwachsenenbildung T\u00e4tige anbieten. Derartige Kurse und Lehrg\u00e4nge sind auch deshalb f\u00fcr das Praxisfeld von Bedeutung, da ein Bedarf an kompetentem Ausbildungspersonal, aber auch an Mitarbeiter_innen, in jenen Organisationen zutage trat, die migrationsthematisch versiert und interkulturell kompetent sind. Dies w\u00e4re auch f\u00fcr die interkulturelle Umgestaltung und \u00d6ffnung von Organisationen auf institutioneller Ebene (siehe auch Kap.7.1 und 7.2) von Nutzen.<\/p>\n<p>Darin finden sich unterschiedliche Anbieter_innen wie Universit\u00e4ten, meist in Kooperation mit anderen, nichtuniversit\u00e4ren Einrichtungen, und dar\u00fcber hinaus Einrichtungen der Erwachsenenbildung oder private Dienstleistungsbetriebe \u2013 NPOs sowie NGOs oder SOMs.<sup><sup>[9]<\/sup><\/sup>Ein thematischer Schwerpunkt kristallisierte sich unter den \u00dcberschriften \u201eMigrationsmanagement\u201c bzw. \u201eLeben in der Migrationsgesellschaft\u201c heraus (vier Kurse). Ein zweiter Schwerpunkt (ebenfalls vier Kurse) konnte mit dem Oberbegriff \u201eInterkultur\u201c erfasst werden. In diesen Angeboten werden Erwachsenenbildner_innen (Trainer_innen, Seminarleiter_innen, Vortragende) mit interkulturellen Kompetenzen ausgestattet. Auch interkulturelle Sozialp\u00e4dagogik wird als Schwerpunkt solcher Ma\u00dfnahmen genannt. Ein Kurs besch\u00e4ftigt sich mit \u201eIdentit\u00e4t und Interkulturalit\u00e4t\u201c, insbesondere im Zusammenhang mit Interreligiosit\u00e4t.<\/p>\n<p>Jene Kurse, die Migration bereits im Titel tragen (4 Kurse), sind nachvollziehbarerweise besonders fokussiert auf das Thema Migration und tragen migrationsgesellschaftlichen Fragestellungen deutlich Rechnung. Das l\u00e4sst sich auch an der Modulgestaltung der Kurse ablesen. Bei jenen Kursen, die unter dem Begriff \u201eInterkultur\u201c zusammengefasst wurden, geht das nicht so eindeutig hervor. Als Beispiel sei hier etwa der Masterlehrgang \u201eInterkulturelle Kompetenzen\u201c an der Donau-Universit\u00e4t Krems erw\u00e4hnt, der drei \u2013 wesentlich weiter und unterschiedlicher gefasste \u2013 Aspekte zur Ausrichtung des Masterstudiums nennt. Erstens: das Wachsen der EU; zweitens: die Globalisierung und globalisierte Weltm\u00e4rkte und drittens: die Herausforderungen f\u00fcr Politik und Gesellschaft durch Einwanderung und der damit einhergehende Bedarf, L\u00f6sungen f\u00fcr die Integration zu finden (siehe auch Donau-Universit\u00e4t Krems, 2007). Diese breitere Ausrichtung dr\u00fcckt sich auch im Curriculum aus, in dem weniger ein \u00f6sterreichspezifischer Fokus als vielmehr eine internationale bzw. transnationale Perspektive in den Mittelpunkt ger\u00fcckt wird (vgl. Donau-Universit\u00e4t Krems, 2011). In den untersuchten Curricula fand sich eine Einheit (ein Tag in Modul 3) zum Thema Internationale Migration, insbesondere mit dem Schwerpunkt EU und rechtlichen Grundlagen, internationalen Antidiskriminierungsgesetzen und -strategien<sup><sup>[10]<\/sup><\/sup>. Ebenfalls in Modul 3 gibt es einen Abschnitt zu globaler Migration mit einem Schwerpunkt \u201eGender\u201c.<\/p>\n<p>Ein Kurs dieser Kategorie sei noch hervorgehoben: Unter dem Titel \u201eMeviel\u201c wurde in einem Wiener Kooperationsverbund ein mehrteiliges Programm umgesetzt. Darunter befand sich auch ein berufsbegleitender Lehrgang, der sich an Menschen richtete, die mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen unterschiedlicher Herkunft und Sprachen arbeiten. Der Lehrgang richtete sich an bereits im Feld der Erwachsenenbildung t\u00e4tige Personen, die zus\u00e4tzliche Qualifikationen im Bereich Migration, Diversit\u00e4t, Mehrsprachigkeit, Inter- bzw. Transkulturalit\u00e4t erlangen wollten.<\/p>\n<p>Das insgesamt ca. 300 Stunden umfassende und in 12 Modulen zusammengefasste Programm des Kurses weist einen Schwerpunkt auf Themen der Migrationsgesellschaft auf. Die Teilnehmer_innen erhalten nach Abgabe einer Abschlussarbeit ein Zertifikat. Der Kurs ist von der wba<sup><sup>[11]<\/sup><\/sup> akkreditiert und erf\u00fcllt die Kriterien bez\u00fcglich der Gendervorgaben, die seitens des AMS (AMS-Vorstandrichtlinie, 2013, S. 29\u201330) f\u00fcr die Vergabe von Bildungsma\u00dfnahmen aufgestellt worden sind. Vier verschiedene Module befassen sich dabei mit Diversit\u00e4t und Diversit\u00e4tspolitik sowie Multi- und Transkultur, Mehrsprachigkeit, Integration und Fremdenrecht sowie Gender und Migration. Nebenbei wurden auch in anderen Modulen relevante Fragestellungen zum Thema aufgeworfen, etwa interkulturelle Kommunikation, Traumata und deren Auswirkungen auf Lernprozesse sowie unterschiedliche Erstsprachen und Lernformen. Der Kurs begann im August 2013 und dauerte zum Zeitpunkt der Erhebungen<sup><sup>[12]<\/sup><\/sup> noch an. Durchgef\u00fchrt wurde \u201eMeviel\u201c vom Wiener Integrationshaus, dem Frauentreff sowie der Volkshochschule Ottakring. Wissenschaftlich begleitet wurde der Kurs von der Universit\u00e4t Wien\/Fachdidaktisches Zentrum. Da dieser Kurs jedoch im Rahmen eines zeitlich begrenzten Projekts<sup><sup>[13]<\/sup><\/sup>angeboten wurde, ist fraglich, ob eine Weiterf\u00fchrung dieser thematisch innovativen Ma\u00dfnahme gesichert ist.<\/p>\n<p><strong>7.4.2. Zusammenfassung<\/strong><\/p>\n<p>Die Erwachsenenbildungslandschaft ist st\u00e4ndigen Ver\u00e4nderungen unterworfen. Damit verbunden sind neue Fragestellungen, Themen und didaktische Herausforderungen, die das Umfeld der Erwachsenenbildungsinstitutionen und die Arbeit der Institutionen in diesem Feld kennzeichnen. Die Thematisierung der Migrationsgesellschaft steht nicht zuletzt deswegen auf der \u201eVer\u00e4nderungsagenda\u201c dieser Organisationen, weil Erwachsenenbildung in die Vorstellung des lebenslangen Lernens eingepasst ist und die Teilnehmer_innen und deren Lebenswelten damit ins Zentrum der Betrachtung r\u00fccken. Demzufolge stehen weniger Wissensvermittlung oder gar erzieherische Fragen im Vordergrund, sondern vielmehr ist Erwachsenenbildung genuin mit Auseinandersetzung, Reflexion und Erlernen des Lernens befasst und damit gepr\u00e4gt von gesellschaftlich relevanten Fragen, Themenstellungen und -zusammenh\u00e4ngen (siehe auch Gudjons,2012, S. 338\u2013342).<\/p>\n<p>Die Ausbeute an migrationsrelevanten, thematisch klar zuordenbaren Seminaren bzw. Seminarteilen, Modulen und Lehrveranstaltungen in den untersuchten Angeboten, die in die Erwachsenenbildung f\u00fchren, f\u00e4llt gering aus. Ausbildungslehrg\u00e4nge, die bereits seit Jahren angeboten werden und als etabliert angesehen werden k\u00f6nnen, haben bisher auf Themen der Migrationsgesellschaft nur geringf\u00fcgig reagiert. Zumeist handelt es sich bei den mit dem Thema in Zusammenhang stehenden Kursteilen (Modulen) um Gesamtpaketl\u00f6sungen, die Diversit\u00e4t in Verbindung mit Gender Mainstreaming bearbeiten. Der Begriff Diversit\u00e4t l\u00e4sst in diesem Zusammenhang einen breiten Spielraum an Themenbearbeitungen zu. Ob darunter migrationsrelevante, rassismuskritische und diskriminierungssensible Aspekte miteinflie\u00dfen, kann im Detail nicht beantwortet werden und m\u00fcsste einer genaueren Analyse unterzogen werden.<\/p>\n<p>In den Studieng\u00e4ngen der Universit\u00e4ten wird das Thema bereits st\u00e4rker bearbeitet, auff\u00e4llig ist allerdings die fehlende strukturelle Verankerung der Angebote. Wenngleich das Thema in den letzten Jahren und Jahrzehnten durch Wissenschaftler_innen und Lehrpersonal deutlicher positioniert und entwickelt wurde, so ist die derzeit bestehende Repr\u00e4sentation nach wie vor auf das Engagement und die Beharrlichkeit Einzelner zur\u00fcckzuf\u00fchren. W\u00fcrde man daher nur die institutionalisierten Voraussetzungen betrachten, so w\u00fcrden die Studienpl\u00e4ne es nicht rechtfertigen, von einer Kompetenzsteigerung f\u00fcr die Erwachsenenbildung zu sprechen. Die Untersuchung zeigte jedoch, dass die Praxis \u2013 zumindest im Bachelor- und Masterstudium \u2013 an der Karl-Franzens-Universit\u00e4t Graz bereits weiter fortgeschritten ist. Eine entsprechende Anpassung der Grundlagen in den Studienteilen w\u00e4re daher dringend erforderlich.<\/p>\n<p>Etwas anders verh\u00e4lt es sich in der Kategorie 4. Hier finden sich vielfach spezialisierte Programme und Einrichtungen bzw. Kooperationen von verschiedenen Einrichtungen, die das Thema Migration sowie die kritische Bearbeitung von gesellschaftlichem Rassismus und Diskriminierung dezidiert und manchmal sogar ausschlie\u00dflich auf ihrer Agenda haben. Mit der inhaltlichen Fokussierung einerseits und der organisationalen Kooperation andererseits gelingt es, dies in Lehrg\u00e4ngen und Programmen umzusetzen, die gute Aussicht auf eine Kompetenzsteigerung der Ausgebildeten im Hinblick auf die Herausforderungen der Migrationsgesellschaft haben. Ein Beispiel daf\u00fcr ist das Projekt \u201eMeviel\u201c, das auch einen Hinweis auf einen m\u00f6glichen Qualit\u00e4tsaspekt bei derartigen Projekten liefert. Dieser k\u00f6nnte in der kontinuierlichen Zusammenarbeit von verschiedenen Organisationen zu finden sein, die aus unterschiedlichen Themenfeldern stammen und l\u00e4ngerfristig an einer gemeinsamen Arbeits- und Themenkultur arbeiten. Derartige Formen der Zusammenarbeit erm\u00f6glichen es, die jeweiligen Potenziale einzubringen und mit der Heterogenit\u00e4t der Aufgabenstellungen und unterschiedlichen Anforderungen fertig zu werden sowie ihre Kompetenzen darin auszusch\u00f6pfen und auch weiterzuentwickeln. Gest\u00fctzt wurde diese These von Annita Kalpaka, die anl\u00e4sslich der Tagung von mig2eb<sup><sup>[14]<\/sup><\/sup>daf\u00fcr pl\u00e4dierte, eben diese Kooperationen gezielt zu forcieren und spezielle Themenorientierungen<sup><sup>[15]<\/sup><\/sup> von Organisationen zu n\u00fctzen, da diese oft f\u00fcr den sogenannten Mainstream der Erwachsenenbildung wertvolle Erfahrungen, Kompetenzen und Detailwissen einbringen k\u00f6nnten. Auch sei die \u2013 inzwischen weitverbreitete \u2013 Ablehnung von zielgruppenspezifischen Angeboten zu hinterfragen, denn gerade diese sind eben als Antworten auf die exkludierende Praxis zu sehen und w\u00fcrden den Beweis erbringen, dass Bildungsangebote nicht allen offenstehen.<\/p>\n<p><strong>7.4.3. Ausblick<\/strong><\/p>\n<p>Es gilt den Raum f\u00fcr innovativere Formen und experimentellere Ans\u00e4tzen in der Erwachsenenbildung zu erweitern. Zum Teil finden sich diese Ans\u00e4tze in den identifizierten Kooperationen der Kategorie 4 wieder und werden mitunter durch kleinere Initiativen, etwa durch NGOs und Selbstorganisationen, angesto\u00dfen. Aber auch traditionellere Einrichtungen tragen immer wieder dazu bei, wie dies etwa am Beispiel der Volkshochschule deutlich wurde.<\/p>\n<p>Aufgrund der strukturellen Rahmenbedingungen, die in der Erwachsenenbildung seit Jahren beobachtbar sind, werden die R\u00e4ume f\u00fcr experimentelle, innovative Entwicklungen einerseits und f\u00fcr den Aufbau langfristiger kooperativer Netzwerke andererseits zumindest nicht gr\u00f6\u00dfer. \u201eExperimente\u201c<sup><sup>[16]<\/sup><\/sup> im Kursbereich oder die \u00d6ffnung der eigenen Organisationen k\u00f6nnen oft nur im Rahmen von sonderfinanzierten, zeitlich begrenzten Projekten erprobt werden.<\/p>\n<p>Die Nachteile liegen auf der Hand: Zahlreiche hoffnungsvolle und entwicklungsf\u00e4hige Experimente (Kurse, Ausbildungen, Pilotprojekte) k\u00f6nnen nach Ende der Sonderfinanzierung<sup><sup>[17]<\/sup><\/sup> nicht weitergef\u00fchrt werden oder m\u00fcssen \u2013 in g\u00fcnstigeren F\u00e4llen \u2013 von der Projektlaufzeit bis zur n\u00e4chsten Finanzierungsperiode mit unsicheren und teilweise prek\u00e4ren Arbeitssituationen zurechtkommen. Ebenso zeugen die Angebote von einigen bereits erw\u00e4hnten SOMs und NGOs davon, dass sie unbequeme Herausforderinnen f\u00fcr die etablierten Organisationen darstellen, \u00fcberwiegend jedoch kompetente und konstruktive Partner_innen sind \u2013 wie die Kooperationen bei \u201eMeviel\u201c deutlich machen \u2013, sofern die Organisationen bereit sind, sich auf derartige Kooperationen einzulassen.<\/p>\n<p>Die Untersuchung macht deutlich, dass dort, wo gesetzliche Verpflichtungen oder\/und Vorgaben bestehen \u2013 wie etwa bei den vom AMS gef\u00f6rderten Ma\u00dfnahmen \u2013, sich diese in den Curricula widerspiegeln. So sind die meisten Nennungen von Modulen zu den Themen Gender und Diversit\u00e4t in Ma\u00dfnahmen der Kategorie 1 vor allem der Tatsache geschuldet, dass in den Richtlinien des AMS (AMS-Vorstandsrichtlinie, 2013, S. 29\u201330 und 57\u201358)die Besch\u00e4ftigung mit dem Thema vorgeschrieben ist sowie durch die allgemeinen Antidiskriminierungsbestimmungen der Europ\u00e4ischen Union gefordert wird (AMS-Vorstandsrichtlinie, 2013, S. 5). Dies w\u00fcrde die Annahme st\u00fctzen, dass durch gesetzliche Vorgaben und Richtlinienadaptierungen in Richtung der thematischen Hinwendung zu Migration, Diskriminierung und Rassismus sich in der Erwachsenenbildungslandschaft mittelfristig erhebliche Ver\u00e4nderungen in der Repr\u00e4sentation der Themen ergeben w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Ein wesentlicher Hebel f\u00fcr eine Ver\u00e4nderung der Angebotslandschaft in Richtung \u00d6ffnung der Kurse und Studieng\u00e4nge f\u00fcr die Migrationsgesellschaft k\u00f6nnte daher die vernetzte Kooperation und Zusammenarbeit der Akteur_innen der Erwachsenenbildungslandschaft sein. Durch inhaltlichen Austausch, organisationale Vernetzung und bessere Nutzung der verschiedenen methodischen und didaktischen Erfahrungskulturen und der Entwicklung einer gemeinsamen Diskussions- und Arbeitskultur sollte es gelingen, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen \u2013 wof\u00fcr bereits bestehende Strukturen als Grundlage fungieren k\u00f6nnten. Beispiele, in denen traditionelle, gro\u00dfe und etablierte, aber auch weniger etablierte Erwachsenenbildungseinrichtungen das Thema Migrationsgesellschaft gemeinsam bearbeiten, zeigen, dass dies nicht nur f\u00fcr die gro\u00dfen Organisationen von Nutzen ist \u2013 etwa durch Detailwissen \u00fcber Migrationsprozesse, Zug\u00e4nge zu speziellen Zielgruppen, die Auseinandersetzungskultur mit den Themen Rassismus und Diskriminierung etc. \u2013, sondern auch den kleineren, weniger etablierten Institutionen n\u00fctzt (organisationale Erfahrung, Managementkompetenzen, Zug\u00e4nge zu neuen Netzwerken etc.).<\/p>\n<p>Solche tragf\u00e4higen Partnerschaften und Netzwerke k\u00f6nnten auch ein politisches Element der Zusammenarbeit st\u00e4rken, das angesichts der notwendigen institutionellen \u00d6ffnungsprozesse, aber auch aufgrund der immer prek\u00e4rer werdenden Au\u00dfenbedingungen in der Erwachsenenbildung dringend erforderlich ist. Ein m\u00f6gliches und bereits vorhandenes Instrument f\u00fcr diese zuk\u00fcnftige Entwicklung ist die Konferenz der Erwachsenenbildung \u2013 KEB\u00d6<sup><sup>[18]<\/sup><\/sup>. Als bereits seit vielen Jahren bestehender Zusammenschluss von Erwachsenenbildungseinrichtungen wird sie oft als die \u201eSozialpartnerschaft der Erwachsenenbildung\u201c bezeichnet \u2013 mit all den positiven wie negativen Assoziationen, die aus diesem Vergleich entstehen. Wenn es der KEB\u00d6 gelingt, diese Tr\u00e4gerfunktion der neuen Kooperationen und Netzwerke zu \u00fcbernehmen und Prozesse der interkulturellen \u00d6ffnung und Zuwendung zur Migrationsgesellschaft ihrer einzelnen Teilorganisationen zu forcieren sowie durch Beratung und Begleitung zu unterst\u00fctzen, w\u00e4ren inhaltliche und institutionelle Grundlagen daf\u00fcr geschaffen, dass die Migrationsgesellschaft in \u00d6sterreich nicht l\u00e4nger ein Schatten-(Nischen-)Dasein fristet. Als eines der zentralen Querschnittsthemen f\u00fcr die zuk\u00fcnftigen Entwicklungen st\u00fcnde es somit nicht nur auf der Agenda, sondern w\u00fcrde auch in der Praxis umgesetzt werden. Nachhaltige und strukturell verankerte Ver\u00e4nderungen k\u00f6nnten damit sichtbar werden \u2013 sowohl quantitativ als auch qualitativ. Ein Ansatzpunkt daf\u00fcr w\u00e4re jedoch auch, dass sich die KEB\u00d6 hinsichtlich neuer Organisationen und Organisationsformen \u00f6ffnet und sich mit der breiten Palette an NGOs und Selbstorganisationen, die wichtige \u2013 wenn auch manchmal unkonventionelle und kritische \u2013Beitr\u00e4ge abliefern, st\u00e4rker in Kontakt und Austausch begibt, womit sie ihre eigene Basis verbreitern und vertiefen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Als positive Ausnahme und Fingerzeig f\u00fcr diesen Ausblick sei hier auf das Beispiel der einzelnen Wiener Volkshochschulen verwiesen, die sowohl in ihrer Vernetzung, ihrer organisationalen und angebotsrelevanten Entwicklung sowie ihrer Beteiligung an Projekten und der Errichtung von Kompetenzzentren<sup><sup>[19]<\/sup><\/sup> aus dem traditionell-institutionellen Rahmen fallen. Sie sind Teil der KEB\u00d6, aber als Institutionen dem Thema gegen\u00fcber innovativer eingestellt, weswegen sie als gutes Beispiel f\u00fcr andere, etablierte KEB\u00d6-Mitglieder herangezogen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen:<\/strong><\/p>\n<p>[1] Wobei hier der thematische Bezug breit gefasst wurde: Migrations-, Asylpolitik, Zuwanderung, Interkulturelle Kompetenzen, Mehrsprachigkeit, multikulturelles Zusammenleben sowie die Erw\u00e4hnung von Diversit\u00e4tskategorien und -kompetenzen.<\/p>\n<p>[2] \u201eMeviel. Mehrsprachig \u2013 Vielf\u00e4ltig\u201c wurde im Rahmen einer Entwicklungspartnerschaft, gef\u00f6rdert durch ESF und BMBF, umgesetzt. Die Gesamtkoordination des Projekts obliegt dem Wiener Integrationshaus, Partnerorganisationen sind die VHS Ottakring\/Wien, Frauentreff und die Universit\u00e4t Wien. <a href=\"http:\/\/www.integrationshaus.at\/de\/projekte\/index.shtml?55\">http:\/\/www.integrationshaus.at\/de\/projekte\/index.shtml?55<\/a> [25.3.2014]<\/p>\n<p>[3] Im Hinblick auf die H\u00e4ufigkeit des Auftretens, des Designs, der bundesl\u00e4nder\u00fcbergreifenden \u00dcbernahme von Curricula und etwaigen Abweichungen zu den untersuchten Kursen.<\/p>\n<p>[4] Damit sind Organisationen gemeint, die in der \u00f6sterreichischen Erwachsenenbildungslandschaft seit langer Zeit Kurse der Aus-, Fort- und Weiterbildung anbieten. Eine gr\u00f6\u00dfere Zahl davon ist in der KEB\u00d6 -Konferenz der Erwachsenenbildung \u00d6sterreichs (<a href=\"http:\/\/erwachsenenbildung.at\/themen\/eb_in_oesterreich\/organisation\/keboe.php\">http:\/\/erwachsenenbildung.at\/themen\/eb_in_oesterreich\/organisation\/keboe.php<\/a>) zusammengefasst, siehe auch Bisovsky (2007).<\/p>\n<p>[5] In den meisten F\u00e4llen mit dem \u00d6-Cert und\/oder mit Zertifizierung der wba, in einigen F\u00e4llen durch ISO-Norm und manchmal von Ministerien (BM f\u00fcr Wirtschaft und Familie).<\/p>\n<p>[6] Wenn auch oft nur als geringf\u00fcgig Besch\u00e4ftigte, Teilzeittrainer_innen oder als freie Dienstnehmer_innen.<\/p>\n<p>[7] Das Arbeitsmarktservice (AMS) ist mit den Mitteln der aktiven Arbeitsmarktpolitik, die mitunter in Fort-, Weiter- und Ausbildungen sowie in Umschulungen von Arbeitssuchenden und arbeitslosen Menschen eingesetzt werden, ein ma\u00dfgeblicher Finanzier auf dem Erwachsenenbildungssegment.<\/p>\n<p>[8] Hier sei etwa auf Michael Wrentschur verwiesen, der als Mitglied der wissenschaftlich Bediensteten am Institut f\u00fcr Erziehungs- und Bildungswissenschaft Lehrveranstaltungen zu szenischem Spiel und Theaterp\u00e4dagogik anbietet und au\u00dferdem Leiter des sozialp\u00e4dagogischen Theater-Projekts InterACT (<a href=\"http:\/\/www.interact-online.org\/interact\">http:\/\/www.interact-online.org\/interact<\/a>) ist, das Rassismus und Migration immer wieder zum Thema ihrer Interventionen macht.<\/p>\n<p>[9] NPO: Non-Profit-Organisation (=nicht profitorientiert); NGO: Non-Governmental-Organisation (= \u201eNichtregierungsorganisation\u201c); SOM: Selbstorganisationen von und f\u00fcr Migrant_innen.<\/p>\n<p>[10] Europ\u00e4ische Grundrechteagentur, http:\/\/fra.europa.eu\/de.<\/p>\n<p>[11] wba \u2013 Weiterbildungsakademie (http:\/\/wba.or.at\/)<\/p>\n<p>[12] Das letzte Modul fand von 21.\u201322. M\u00e4rz 2014 statt.<\/p>\n<p>[13] Im Rahmen des ESF\/BMBF- (vormals: BMUKK-) F\u00f6rderprogramms 2007\u20132013.<\/p>\n<p>[14] N\u00e4heres unter <a href=\"http:\/\/www.mig2eb.at\/?page_id=63\">http:\/\/www.mig2eb.at\/?page_id=63<\/a> [14.05.2014]<\/p>\n<p>[15] Organisationen, die sich auf Migration, Antirassismus, Diskriminierung, Feminismus und anderes spezialisiert haben.<\/p>\n<p>[16]Erschlie\u00dfung neuer Zielgruppen, methodisch-didaktische neue Konzepte, Adaptierungen von bew\u00e4hrten, Kooperationen mit anderen Organisationen.<\/p>\n<p>[17] Hier sind speziell Mittel aus der Europ\u00e4ischen Union (Equal Programme, ESF u. a.) zu nennen.<\/p>\n<p>[18] http:\/\/erwachsenenbildung.at\/themen\/eb_in_oesterreich\/organisation\/keboe.php<\/p>\n<p>[19] Etwa durch den \u201elern.raum wien\u201c, das \u201eProjekt Mika\u201c, die Beteiligung an der Ma\u00dfnahme \u201eMeviel\u201c etc.<\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<p>Alpen Adria Universit\u00e4t Klagenfurt, Institut f. Erziehungs- und Bildungsforschung (2013, 1. Fassung). Curriculum. Universit\u00e4tslehrgang \u201eErwachsenenbildung\/Weiterbildung. Klagenfurt.<\/p>\n<p>Alpen Adria Universit\u00e4t Klagenfurt, Institut f. Erziehungs- und Bildungsforschung. Masterstudium Erwachsenen- und Berufsbildung. Klagenfurt.<\/p>\n<p>AMS \u2013 Arbeitsmarktservice \u00d6sterreich (2013). Vorstandsrichtlinie zur Vergabe von Bildungsma\u00dfnahmen. Wien.<\/p>\n<p>bifeb), Alpen-Adria Universit\u00e4t Klagenfurt (2010). Erwachsenenbildung\/Weiterbildung. Universit\u00e4tslehrgang, Werbefolder. Klagenfurt.<\/p>\n<p>Donau-Universit\u00e4t Krems (2007). \u201eInterkulturelle Studien\u201c. Brosch\u00fcre. Krems.<\/p>\n<p>Donau-Universit\u00e4t Krems (2011): Curriculum des Kurses 11, Interkulturelle Kompetenzen. Krems.<\/p>\n<p>Karl-Franzens-Universit\u00e4t Graz (2007). Curriculum f\u00fcr das Masterstudium \u201eWeiterbildung \u2013 Lebensbegleitende Bildung\u201c an der Karl-Franzens-Universit\u00e4t, Mitteilungsblatt, 53. Sondernummer. Graz.<\/p>\n<p>Karl-Franzens-Universit\u00e4t Graz (2011). Curriculum f\u00fcr das Bachelorstudium P\u00e4dagogik an der Karl-Franzens-Universit\u00e4t. \u00c4nderung bzw. Neuerstellung. Mitteilungsblatt, 45. Sondernummer. Graz.<\/p>\n<p>Karl-Franzens-Universit\u00e4t Graz (2013). Curriculum f\u00fcr das Masterstudium Sozialp\u00e4dagogik an der Karl-Franzens-Universit\u00e4t. \u00c4nderung. Mitteilungsblatt, 53. Sondernummer. Graz.<\/p>\n<p>Karl-Franzens-Universit\u00e4t Graz (2013). Curriculum f\u00fcr das Bachelorstudium P\u00e4dagogik an der Karl-Franzens-Universit\u00e4t. \u00c4nderung. Mitteilungsblatt, 54. Sondernummer. Graz.<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p>Bisovsky, Gerhard (2007). Wie zeitgem\u00e4\u00df sind Institutionen der Erwachsenenbildung? In Erwachsenenbildung.at\/magazin. 2\/2007. <a href=\"http:\/\/erwachsenenbildung.at\/magazin\/07-2\/meb07-2_10_bisovsky.pdf\">http:\/\/erwachsenenbildung.at\/magazin\/07-2\/meb07-2_10_bisovsky.pdf<\/a>, Wien. [22.05.2014]<\/p>\n<p>Gudjons, Herbert (2012). P\u00e4dagogisches Grundwissen. 11. Auflage. Bad Heilbrunn: Klinkhardt UTB.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Beitrag ist im Buch &#8222;(K)ein Hindernis!? 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