{"id":359,"date":"2015-01-23T17:42:23","date_gmt":"2015-01-23T17:42:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gulis.at\/schreiben\/?p=359"},"modified":"2024-06-21T08:42:05","modified_gmt":"2024-06-21T08:42:05","slug":"das-gibt-broesel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/das-gibt-broesel\/","title":{"rendered":"Serie: Allen was gemeinsam Teil 3: Das gibt Br\u00f6sel"},"content":{"rendered":"<p><strong>In unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden erscheinen in der Serie \u201c<span style=\"text-decoration: underline;\">Allen was gemeinsam<\/span>\u201d Episoden, Beitr\u00e4ge, Kommentare aus dem Alltagsleben. Wie der Titel schon sagt, haben sie etwas gemeinsam. Doch, wenn Sie es nicht gleich erraten, macht das nichts, es geht ja von Episode und Episode weiter! Also urteilen sie nicht zu schnell und voreilig. Viel Spass beim Lesen und Denken und die Aufl\u00f6sung gibt es so nach und nach.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das gibt Br\u00f6sel<\/strong><\/p>\n<p>Ich wei\u00df es eh schon. Ich werd\u00b4 mich gleich \u00e4rgern. Wenn ich mich auf den Fahrradabstellraum in meinem Wohnhaus zu beweg\u00b4, gibt es in meinem psychischen Haushalt Br\u00f6sel. Aber es passiert einfach, ich kann nichts dagegen tun.<\/p>\n<p>Was waren das noch f\u00fcr Zeiten, als wir frisch eingezogen sind! Der Fahrradabstellraum war sauber und leer. Ich konnte mir den Standort aussuchen und hatte gen\u00fcgend Platz, um an das Fahrrad \u00b4ran zu kommen. Das ist l\u00e4ngst vorbei. Die Wohnungseigent\u00fcmer- und MieterInnen zogen nach und nach in das neue Haus ein. Es umfasst 36 Wohneinheiten.<\/p>\n<p>Der Fahrradraum ist mittlerweile voll, mehr als voll. Ich hab sie gestern gez\u00e4hlt. In einem Raum, der etwa 20 qm umfasst, stehen 25 R\u00e4der. Aufgrund der unertr\u00e4glichen Enge im Raum, haben mindestens 4 Leute ihre R\u00e4der an einem anderen Ort deponiert \u2013 im eigenen Kellerabteil oder an der Wand hinter ihrem Autoabstellplatz in der Tiefgarage. Einige von den Drahteseln, die da herum stehen, sind halb oder ganz kaputt. Ein weiteres Drittel der R\u00e4der ist zwar relativ neu und fahrt\u00fcchtig, aber kaum benutzt. Sie stehen seit Jahr und Tag am gleichen Platz \u2013 verbrauchen einfach Platz und verstauben. Zu den 25 R\u00e4dern hat es sich eingeb\u00fcrgert, den \u201eAbstellraum f\u00fcr Fahrr\u00e4der\u201c auch f\u00fcr Kinderw\u00e4gen, Buggys, Tretroller, Kinderfahrr\u00e4der zu nutzen. K\u00f6nnen Sie sich das Chaos darin vorstellen? Wohl kaum!<\/p>\n<p>Wirklich regelm\u00e4\u00dfig werden nur eine Handvoll der Fahrr\u00e4der benutzt. Das merkt man an den wenigen freien \u2013 immer gleichen \u2013 Fl\u00e4chen, in die man sein Fahrrad quetschen muss, die dadurch entstehen, weil jemand anderer gerade mit seinem Rad weg ist. Echt krass wird es, wenn ich Abends sp\u00e4ter nach Hause kommt, dann ist der Raum wirklich voll und ich bringe mein Rad \u00fcberhaupt nur mehr dadurch hinein, indem ich den letzten freien Platz vor der T\u00fcr versperre. Wohl wissend, dass das bedeutet, dass alle anderen, die am Morgen vor mir ihr Rad brauchen, meines zuerst auf den Gehsteig raus stellen muss, dann die anderen beiseite schieben m\u00fcssen, um zum eigenen Rad zu gelangen.<\/p>\n<p>Ich sperr\u00b4 also die eiserne T\u00fcre auf. Der \u00c4rger steigt hoch. Die T\u00fcr l\u00e4sst sich gar nicht ganz aufmachen. Dahinter ist ein Rad irgendwie verkeilt, hineingequetscht worden. Dann muss ich zwei R\u00e4der in ihrem Standplatz optimieren, damit ich zu meinem Rad gelange. Ein gro\u00dfer Fehler war, dass ich es gestern nicht gebraucht habe. Jetzt ist es eingekeilt zwischen anderen. Das dauert.<\/p>\n<p>Ich beuge mich \u00fcber mein Rad, um das Schloss aufzusperren. Ich sto\u00df mir den Kopf, weil ich den Korb des Nachbarrades falsch eingesch\u00e4tzt habe. Ein Tobsuchtsanfall wallt in mir auf. Als n\u00e4chsten Schritt muss ich es heraus bekommen. Denn es ist ja daneben, wie dahinter zugeparkt. Das gelingt erst nach mehreren Versuchen, bei denen ich die anderen R\u00e4der noch ein wenig weiter wegdr\u00fccken muss. Jenes eine, das dahinter gestanden ist, schiebe auf den Gehsteig raus; oder besser gesagt: trage ich, denn es ist nat\u00fcrlich versperrt. Schlie\u00dflich bekomme ich mein Rad \u2013 nachdem sich die linke Pedale in die Speichen des Nebenrades verheddert hat und ich es m\u00fchsam entwirren konnte, ohne sich in die Bremsseile des anderen auf der anderen Seite zu verheddern \u2013 endlich frei.<\/p>\n<p>Ich schiebe es r\u00fcckw\u00e4rts raus, stelle es am Gehsteig ab. Trage das andere Rad wieder hinein. Als ich auf den Boden des Raumes sehe, f\u00e4llt mir erst auf, dass viele Teile der Fahrr\u00e4der bereits am Boden liegen; abgebrochene Lichtreste, Teile der Kotfl\u00fcgel, abgeschlagene Plastikteile, die einmal eine Schutzfunktion hatten. Erhitzt und zornig \u00fcber den t\u00e4glichen Fahrradraumwahnsinn, schlage ich die T\u00fcr zu und schwinge mich aufs Rad. Das bl\u00f6de daran ist, dass ich mich \u00fcber die anderen und ihre bl\u00f6den R\u00e4der und Tretroller \u00e4rgere, bwohl die eigentlich nichts daf\u00fcr k\u00f6nnen und immer wenn ich durch die Tiefgarage im Haus gehe, bin ich beeindruckt, wie viel Platz den Autos in diesem Haus zur Verf\u00fcgung gestellt wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden erscheinen in der Serie \u201cAllen was gemeinsam\u201d Episoden, Beitr\u00e4ge, Kommentare aus dem Alltagsleben. Wie der Titel schon sagt, haben sie etwas gemeinsam. Doch, wenn Sie es nicht gleich erraten, macht das nichts, es geht ja von Episode und Episode weiter! Also urteilen sie nicht zu schnell und voreilig. 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