{"id":2386,"date":"2025-09-15T09:05:13","date_gmt":"2025-09-15T09:05:13","guid":{"rendered":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/?p=2386"},"modified":"2025-09-15T09:05:16","modified_gmt":"2025-09-15T09:05:16","slug":"massiver-angriff-auf-den-sozialstaat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/massiver-angriff-auf-den-sozialstaat\/","title":{"rendered":"Massiver Angriff auf den Sozialstaat"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Eine Einordnung zum Thema Mindestsicherung\/Sozialhilfe<\/h3>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gerade wieder ist die Debatte zum Thema der Mindestsicherung\/Sozialhilfe sowie weiteren staatlichen F\u00f6rderungen wie der Familienbeihilfe und Wohnungsunterst\u00fctzung zum \u00f6ffentlichen Politikum gewor-den. Nicht zuletzt aufgrund immer wieder auftauchender Einzelf\u00e4lle von Familien, die hohe monatliche Gelder erhalten. Dies wird insbesondere durch Boulevardmedien anhand von Einzelf\u00e4llen aufgebracht und skandalisiert.<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"378\" height=\"320\" src=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/kinder-sozialhilfe.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2391\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/kinder-sozialhilfe.jpg 378w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/kinder-sozialhilfe-300x254.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 378px) 100vw, 378px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"> (Photo by JOE KLAMAR \/ AFP) (Photo by JOE KLAMAR\/AFP via Getty Images)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Sowohl die SP\u00d6 in Wien (j\u00fcngste Aussagen des B\u00fcrgermeisters Ludwig und des Soziallandesrates Hacker) als auch die steier-m\u00e4rkische Landesregierung &#8211; wie j\u00fcngst im ORF (<a href=\"https:\/\/steiermark.orf.at\/stories\/3321356\/\">https:\/\/steiermark.orf.at\/stories\/3321356\/<\/a>) verk\u00fcndet &#8211; planen Gesetzes\u00e4nderungen, die tiefe Einschnitte in die Soziale Landschaft \u00d6sterreichs vorsehen und die Spirale der Armut weiter vorantreiben wird. Andere Bundesl\u00e4nder, die von FP\u00d6 und\/oder \u00d6VP regiert werden, haben bereits Versch\u00e4rfungen durchgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei diesen Themenkomplex, der ja nicht nur die sozialstaatlichen Regelungen und Unter-st\u00fctzungsleistungen betrifft, sondern auch mit dem Thema Migration und Zuwanderung verkn\u00fcpft wird, erfolgt in der Regel mit einem migrationsfeindlichen-rassistisch konnotier-ten Grundton und Narrativen, die den Sozial-staat diskreditieren. Daher halte ich es f\u00fcr notwendig, die \u00f6ffentlich-politische Kom-munikation mit ins Auge zu fassen und dazu einige grunds\u00e4tzliche Anmerkungen zu t\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zur Erl\u00e4uterung der Sachlage:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Mindestsicherung ist das unterste soziale Ab-sicherungsnetz, das f\u00fcr \u00d6sterreicherinnen und \u00d6sterreicher ebenso greift, wie f\u00fcr Migrantinnen und Migranten, darunter eben auch Asylberech-tigte. Das Netz existiert parallel zur Arbeitslosen-versicherung. Zun\u00e4chst erwerbst\u00e4tig gewesen zu sein, ist keine Voraussetzung f\u00fcr den Bezug. Doch muss man f\u00fcr die Arbeitsmarktvermittlung bereitstehen, sonst wird Geld gestrichen<\/em><a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Mindestsicherung k\u00f6nnen jene Menschen beziehen,<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>die sonst keine M\u00f6glichkeit haben, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Vorhandenes Verm\u00f6gen darf eine bestimmte Wertgrenze nicht \u00fcberschreiten (2025: 7.254,06 \u20ac pro anspruchsberechtigter vollj\u00e4hriger Person). Ersparnisse m\u00fcssen daher zun\u00e4chst verbraucht werden. Auch Autos z\u00e4hlen grunds\u00e4tzlich zum Verm\u00f6gen \u2013 au\u00dfer das Gef\u00e4hrt ist berufs- bzw. behinderungs-bedingt notwendig.<br>Weitere Ausnahmen gelten zum Beispiel f\u00fcr die als Hauptwohnsitz genutzte Eigentums-Wohnung und die Wohnungseinrichtung.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wer hat Anspruch?<\/h4>\n\n\n\n<p><em>Anspruch haben Personen,&nbsp;die&nbsp;&#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>hilfsbed\u00fcrftig sind, d.h. deren Haushaltseinkommen unter den Mindeststandards der jeweiligen f\u00fcr die L\u00e4nder festgelegten Mindestsicherung liegen\u00a0\u00a0<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>ihren Bedarf nicht durch eigene Mittel decken k\u00f6nnen<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>bereit sind, ihre Arbeitskraft einzusetzen<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>ihren Hauptwohnsitz im jeweiligen Bundesland haben. Nicht\u00f6sterreicher*innen m\u00fcssen au\u00dferdem besondere Voraussetzungen zu erf\u00fcllen.\u00a0<\/em><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><em>Wer nicht arbeitsbereit sein muss, sind\u2026<\/em><\/h4>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>Personen, die nicht arbeitsf\u00e4hig sind<\/em><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>Personen, die das Regelpensionsalter erreicht haben&nbsp;<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Menschen mit Betreuungspflichten f\u00fcr Kinder, die&nbsp;das 3. Lebensjahr (bzw. das 4.Lebensjahr bei Pflegebedarf) noch nicht vollendet haben, sofern keine geeignete Betreuungsm\u00f6glichkeit vorhanden ist<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Personen, die Betreuungsleistung gegen\u00fcber Angeh\u00f6rigen haben, die ein Pflegegeld mindestens der Stufe 3 beziehen&nbsp;&nbsp;<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Personen, die Sterbebegleitung oder Begleitung von schwerstkranken Kindern leisten<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Personen, die in einer zielstrebig verfolgten Erwerbs- oder Schulausbildung stehen (ein Studium z\u00e4hlt hier nicht dazu)<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\"><strong>[2]<\/strong><\/a><\/em><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Es bestehen also eine Reihe von Voraus-setzungen und Regeln, die den Bezug von Sozialhilfe\/Mindestsicherung regeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Grundlage daf\u00fcr ist das Sozialhilfe-Grund-satzgesetz, das am 1. Juni 2019 in Kraft trat. Im f\u00f6deralen \u00d6sterreich gibt es dazu neun L\u00e4ndergesetze, die die Sozialhilfe im Detail regeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem neuen Sozialhilfegesetz wurde ein neues Leistungsrecht etabliert, das anstelle von Mindeststandards nun&nbsp;<strong>H\u00f6chsts\u00e4tze (Maximalbetr\u00e4ge)<\/strong>&nbsp;vorsieht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die neuen Sozialhilfe-Gesetze der L\u00e4nder sehen dar\u00fcber Detailregelungen vor, die in den L\u00e4ndergesetzen extra geregelt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dies kann betreffen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>die Bemessung der&nbsp;<strong>Leistungen f\u00fcr Paare,<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>die H\u00f6he der Leistung f\u00fcr Alleinerziehende und -lebende<\/li>\n\n\n\n<li>die Leistungsh\u00f6he f\u00fcr minderj\u00e4hrige Kinder<\/li>\n\n\n\n<li>die H\u00f6he des Zuschlages je nach Kinderzahl<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Die einzelnen Bundesl\u00e4ndersozialhilfegesetze k\u00f6nnen Zusatzleistungen vorsehen, wie dies etwa in Wien, Vorarlberg, Tirol oder Salzburg bei den Wohnkosten, die in diesen Bundes-l\u00e4ndern in der Regel erh\u00f6ht sind, der Fall ist<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a>https:\/\/www.derstandard.at\/story\/3000000230845\/4600-euro-mindestsicherung-fuer-grossfamilie-echtes-problem-oder-neiddebatte<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> https:\/\/wien.arbeiterkammer.at\/beratung\/arbeitundrecht\/arbeitslosigkeit\/Mindestsicherung.html<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> Ausf\u00fchrlichere Informationen liefert Ihnen die Seite des Bundesministeriums. https:\/\/www.sozialministerium.gv.at\/Themen\/Soziales\/Sozialhilfe-und-Mindestsicherung\/Leistungen.html<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kinder sind von K\u00fcrzungen gravierend betroffen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Diese bereits alles andere als einfache gesetzliche Ausgangslage macht es vielen Menschen in \u00d6sterreich nicht leicht, das System zu durchschauen; zumal ja dieses Sozialhilfe-Mindestsicherungssystem mit dem Arbeitslosengeld und Notstandshilfesystem, das \u00fcber das Arbeitsmarktservice (AMS)<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> abgewickelt wird und anderen Gesetzen (Familienbeihilfe, Wohnungsunterst\u00fctzung, Mietkostenzusch\u00fcssen u.a.) korrespondiert und abgeglichen werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher gibt es an der Gesetzgebung reichlich Kritik, die sachlich gerechtfertigt ist und von den Gesetzgebern l\u00e4ngst ber\u00fccksichtigt h\u00e4tte werden m\u00fcssten. Die Kritik richtet sich dabei nicht nur gegen die einzelnen inhaltlichen Passagen und Ausformulierungen, sondern vor allem auch an den administrativen \u2013 b\u00fcrokratischen H\u00fcrden des Gesetzes.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier sei auf die Armutskonferenz verwiesen, die im Februar 2023 eine ausf\u00fchrliche Kritik der Sozialhilfegesetzgebung verabschiedete und das in einem 19 Punkte Verbesserungs-programm der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentierte<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a>. Die Kernaussagen der Kritik lauten:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Die Folgen f\u00fcr Menschen mit Behinderungen, Wohnen, Frauen in Not, Gesundheit, Kinder und Familien sind massiv. Die Verschlechterungen treffen alle. Zu besonders drastischen K\u00fcrzungen kommt es bei Menschen mit Behinderungen, deren Unterhaltsforderungen jetzt \u00f6sterreichweit als Einkommen gewertet werden. Kinder sind von K\u00fcrzungen gravierend betroffen und vielfach in ihrer Entwicklung eingeschr\u00e4nkt. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Ungleichbehandlung und Diskriminierung von Menschen ohne \u00f6sterreichische Staatsb\u00fcr-gerschaft hat sich mit der Sozialhilfeeinf\u00fchrung stark erh\u00f6ht. Eine weitere massive Verschlecht-erung betrifft die Leistungen f\u00fcrs Wohnen, auch die Wohnbeihilfe wird jetzt von den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden einbehalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Diskussion wird jedoch in der \u00d6ffent-lichkeit kaum wahrgenommen und f\u00fchrt ein stiefm\u00fctterliches Dasein. Vielmehr tauchen in der \u00d6ffentlichkeit in den letzten Jahren regel-m\u00e4\u00dfig Einzelf\u00e4lle auf, die von rechten Krawall- und Boulevardmedien breitgetreten und skandalisiert wurden. Kern der Einzelf\u00e4lle stellt immer eine \u201eausl\u00e4ndische Familie\u201c mit vielen Kindern \u2013 im zuletzt \u00f6ffentlich gemach-ten Fall handelt es sich um ein syrisches Ehe-paar mit elf Kindern, die aus der Sozialhilfe und den verschiedenen sonstigen sozialen Bezugsquellen (Familienbeihilfe etwa), Anspruch auf mehr als \u20ac 9.000 pro Monat haben \u2013 dar.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu ist festzuhalten, dass eine \u00f6ffentlich politische Debatte, die anhand eines aktuellen Einzelfalles gef\u00fchrt wird, immer als popu-listisch und unseri\u00f6s zu qualifizieren ist. Nicht umsonst wird im \u00f6ffentlichen politisch-juri-stischen Sprachgebrauch auch vor \u00f6ffent-licher Anlassgesetzgebung gewarnt. Das Aufkommen eines (vermeintlich skandal\u00f6sen, au\u00dfergew\u00f6hnlichen) Einzelfalles stellt in der Regel auch eine \u00f6ffentliche Debatte mit einer \u201ehidden Agenda<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[6<\/a>]\u201c dar.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Boulevard und die daran Beteiligten wollen damit eine bestimmte Meinung erzeugen, nicht selten im Dienste einer Gruppierung oder politischen Partei, um Druck auf die \u00f6ffentliche Meinung auszu\u00fcben.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Meinungsmache verfolgt immer die gleichen Ziele<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Auf die in \u00d6sterreich besonders engen Verkn\u00fcpfungen zwischen Medien, Heraus-geber*, Journalist*innen, Politikwissenschaft und Meinungsforschungsinstitute wurde in den letzten Jahren des \u00d6fteren aufmerksam gemacht; insbesondere im Zuge der sogenan-nten Inseratenaff\u00e4re <a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[7]<\/a>, auch unter dem Titel \u201eBeinschab Tool\u201c bekannt, bei der neben der \u00f6ffentlichen Diskussion auch strafrechtliche Verfahren am Laufen sind <a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[8]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei verfolgt die \u00f6ffentliche Meinungs-mache immer die gleichen Muster und Ziele. Erstens ist es eine unterstellte Sozialmiss-brauchsdebatte \u2013 als w\u00fcrde die Familie dies rechtswidrig aus reiner Gro\u00dfz\u00fcgigkeit \u2013 in diesem Falle \u2013 der Wiener Verwaltung erhal-ten. Arbeitende \u00d6sterreicher*innen w\u00fcrden solche Summen nicht erhalten, wird in den Berichten ausdr\u00fccklich hervorgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der pr\u00e4sentierte Einzelfall stellt lediglich nur einen kleinen Teil der Wahrheit dar. Die anderen Informationen werden bewusst verschwiegen. Im konkreten Falle kann man einen arbeitenden alleinstehenden \u00d6ster-reicher, mit einer 13-k\u00f6pfigen Familie nicht vergleichen.<\/p>\n\n\n\n<p>[4] https:\/\/www.ams.at\/arbeitsuchende\/arbeitslos-was-tun\/geld-vom-ams\/mindestsicherung#steiermark<\/p>\n\n\n\n<p>[5]https:\/\/www.armutskonferenz.at\/aktivitaeten\/sozialrechtsnetz\/licht-ins-dunkel-der-sozialhilfe-die-sozialhilfe-versagt-in-der-krise-und-niemand-schaut-hin.html<\/p>\n\n\n\n<p>[6] Versteckte Interessen<\/p>\n\n\n\n<p>[7] https:\/\/science.apa.at\/power-search\/11975845961569146621<\/p>\n\n\n\n<p>[8] https:\/\/www.derstandard.at\/story\/3000000240328\/republik-will-von-thomas-schmid-co-rund-drei-millionen-euro-zurueck<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" width=\"496\" height=\"284\" src=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Screenshot-2025-09-12-at-12-04-23-Sozialhilfe-Was-ist-das-und-wer-bekommt-sie.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2387\" style=\"width:450px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Screenshot-2025-09-12-at-12-04-23-Sozialhilfe-Was-ist-das-und-wer-bekommt-sie.png 496w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Screenshot-2025-09-12-at-12-04-23-Sozialhilfe-Was-ist-das-und-wer-bekommt-sie-300x172.png 300w\" sizes=\"(max-width: 496px) 100vw, 496px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Aus weggelassenen und lediglich selektiv ausgew\u00e4hlten Informationsteilen wird in zahlreichen Artikel ein Sozialmissstand suggeriert<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[9]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso wird \u2013 abgesehen von wenigen Aus-nahmen \u2013 der gesamte Hintergrund und die Zusammenh\u00e4nge des Falles nicht berichtet; wie etwa im erw\u00e4hnten Fall die Arbeits-situation des Vaters, die Wohnversorgung der Familie u.v.m. <a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[10]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Zweitens wird ein rassistischer Diskurs wiederholt, im Sinne des fremdenfeindlichen Narrativs \u201eAusl\u00e4nder w\u00fcrden bevorzugt werden\u201c und sich am \u00f6sterreichischen \u201e(Sozial-)Staat\u201c bereichern.<\/p>\n\n\n\n<p>Es muss ausdr\u00fccklich betont werden, dass die F\u00e4lle, die \u00f6ffentlich diskutiert werden, keinen einzigen Hinweis liefern, dass dieses Geld unrechtm\u00e4\u00dfig erworben worden w\u00e4re. Die Auszahlung der Betr\u00e4ge erfolgt aufgrund der geltenden Gesetze und Bestimmungen.<\/p>\n\n\n\n<p> Ebenso ist zu betonen, dass Fl\u00fcchtlinge im Sinne der Genfer Fl\u00fcchtlingskonvention das Recht auf Familienzusammenf\u00fchrung haben <a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[11]<\/a> und weiters im Sinne einer Nichtdiskri-minierung, aufgrund ihres besonderen Schutzstatus, von den allermeisten innerstaatlichen Regeln nicht ausgeschlossen werden d\u00fcrfen, daher sind sie \u00f6sterreich-ischen Staatsb\u00fcrger*innen fast gleichge-stellt<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[12]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine qualit\u00e4tsvolle, faire und ausgewogene Berichterstattung m\u00fcsste also den gesamten Kontext des Themas darstellen und beleuchten. Etwa dass es sich lediglich um ein Randph\u00e4nomen handle, da es nur wenige Familien betrifft. Laut Aussagen des zust\u00e4n-digen Wiener Stadtrates Peter Hacker handle es sich lediglich um vier Familien, mit elf Kindern und sechs Familien mit zehn Kindern. <\/p>\n\n\n\n<p>Eine faire Berichterstattung m\u00fcsste darauf hinweisen, dass es gerade f\u00fcr anerkannte Fl\u00fcchtlinge schwer ist, auf dem Arbeitsmarkt sich festzusetzen und alle beteiligten Erwachsenen sich bem\u00fcht haben, die Integration in den Arbeitsmarkt voranzu-treiben, etwa durch den Besuch von Sprachkursen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Massiver Angriff auf den Sozialstaat<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Das alles macht deutlich, dass es weniger um jene konkreten &#8211; in die \u00d6ffentlichkeit gezerrten &#8211; F\u00e4lle geht, sondern vielmehr um innenpolitische Auseinandersetzungen. Da ist einerseits der Angriff auf den \u00f6sterreich-ischen Sozialstaat insgesamt auf der Agenda. Neoliberale, Konservative, rechtspopuli-stische und rechtsextreme Parteien, Verb\u00e4nde und Medien gehen mit solchen Beispielen gegen den Sozialstaat vor, um ihr Theorem zu verbreiten, dass die Sozial-leistungen in \u00d6sterreich zu hoch w\u00e4ren und es sich viele in einer \u201esozialen H\u00e4ngematte\u201c gem\u00fctlich machen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>[9] Als Beispiel siehe https:\/\/www.krone.at\/3793337<\/p>\n\n\n\n<p>[10] https:\/\/www.profil.at\/oesterreich\/syrische-familie-sozialhilfe-integration-wien\/402931442<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[11]<\/a> Die Europ\u00e4ische Menschenrechts-konvention (EMRK) spricht in ihrem Artikel 8 von der Achtung des Privat- und Familien-lebens. In der Europ\u00e4ischen Sozialcharta verpflichten sich die Mitgliedstaaten, den wirtschaftlichen, gesetzlichen und sozialen Schutz des Familienlebens zu f\u00f6rdern. Die \u00f6sterreichische Verfassung garantiert jedem Kind Schutz und F\u00fcrsorge und eine regel-m\u00e4\u00dfige pers\u00f6nliche Beziehung zu beiden Elternteilen. (siehe auch Asylkoordination: https:\/\/www.asyl.at\/de\/wir-informieren\/kompakt\/familienzusammenfuehrung<\/p>\n\n\n\n<p>[12] https:\/\/help.unhcr.org\/austria\/de\/rights-and-obligations-2\/recognized-refugees-or-beneficiaries-of-subsidiary-protection\/<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Wenn Ausl\u00e4nder dazu als Beispiel herangezogen werden, umso besser um den populistischen Diskurs anzuheizen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere verdeckte politische Diskussion betrifft die, seit vielen Jahrzehnten immer wieder gef\u00fchrte Auseinandersetzung zwischen der Bundeshauptstadt Wien und den restlichen Bundesl\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier wird insbesondere die strukturelle und au\u00dfergew\u00f6hnliche Stellung Wiens negiert und zum Nachteil der einzigen Gro\u00dfstadt in \u00d6sterreich ausgelegt, sondern auch ein parteipolitisches Spiel gespielt; das Rote Wien gegen das konservative, schwarze \u2013 mittlerweile auch blaue \u2013 restliche Land.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zersplitterte f\u00f6derale Landschaft des, im Verh\u00e4ltnis dazu kleinteiligen \u00d6sterreich, f\u00fchrt eben in vielen Themenbereichen zu \u2013 zum Teil absurden \u2013 gesetzlichen und politischen Aus-einandersetzungen. Das Sozialhilfegesetz und die Grundversorgungsverordnung mit jeweils neun eigenen Landesgesetzen bzw. -verord-nungen, die f\u00fcr die Versorgung von Asylan-tragssteller*innen und in weiterer Folge f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge\/Subsidi\u00e4r Schutzberechtigte zust\u00e4ndig sind, sind lediglich zwei Beispiele dazu, die das Dilemma in der Praxis ver-deutlichen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Vorgaben und Regeln des Staates sind unterschiedlich geregelt und f\u00fchrt in konkre-ten F\u00e4llen zu Ungleichbehandlungen und Diskriminierungen. Weil in einem Bundesland dieser Betrag besser gestaltet ist und im anderen jene Regel den Zugang zu einer Leistung verhindert.<\/p>\n\n\n\n<p>In den konkreten \u00f6ffentlichen Diskussionen wird jedoch nicht dieser strukturelle Missstand thematisiert \u2013 man m\u00fcsste eine Diskussion \u00fcber die Angleichung von Leistungen im ganzen Bundesgebiet f\u00fchren, schlie\u00dflich gibt es ja ein Bundessozialhilfe-gesetz \u2013 sondern es wird eine Kampagne gegen Menschen er\u00f6ffnet, die lediglich versuchen, sich eine Existenz aufzubauen und daf\u00fcr die besten Optionen nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist bei jedem anderen \u2013 nicht mit Ausl\u00e4ndern konnotierten \u2013 Thema ein v\u00f6llig legitimes Vorgehen. All die vorher aufge-f\u00fchrten Aspekte haben mit dem Thema \u201eEinzelfall syrische Gro\u00dffamilie\u201c wenig zu tun, der Fokus wird jedoch bewusst daraufgelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Qualit\u00e4tsvoller und seri\u00f6ser Journalismus d\u00fcrfte sich daf\u00fcr nicht hergeben, ebenso wenig wie Politik, die sich f\u00fcr das Staatsganze und das Gemeinwohl einzusetzen h\u00e4tte und nicht auf dem R\u00fccken von einzelnen Personen (-gruppen) Stimmung in der Bev\u00f6lkerung anheizt und L\u00f6sungen von tats\u00e4chlich anstehenden Problemen verhindert, ja noch vielmehr verschleiert.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Sinne w\u00e4re es dringend an der Zeit, dass politisch Verantwortliche und als Interessensverb\u00e4nde und Sozialpartner sowie Verwaltung Beteiligte, diese f\u00fcr jede L\u00f6sung dysfunktionale \u00f6ffentliche Debatte zu beenden und an konstruktiven L\u00f6sungen von \u2013 in der Praxis bestehenden Problemen, wie bereits angedeutet \u2013 zu arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00d6ffentliche Stimmung gegen Gruppen zu erzeugen, um seine eigene Ideologie durch-zusetzen, stellt ein gef\u00e4hrliches, antidemo-kratisches Spiel dar, das Gef\u00fchle anheizt, die wahren Ursachen daf\u00fcr verschleiert und damit Extremismus und Hass f\u00f6rdert.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau dagegen, wird immer wieder betont, m\u00fcsse das offizielle \u00d6sterreich Ma\u00dfnahmen ergreifen. Daher ist es ein Gebot der Stunde und politischer Auftrag, diese Missst\u00e4nde aus der Welt zu schaffen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Einordnung zum Thema Mindestsicherung\/Sozialhilfe Gerade wieder ist die Debatte zum Thema der Mindestsicherung\/Sozialhilfe sowie weiteren staatlichen F\u00f6rderungen wie der Familienbeihilfe und Wohnungsunterst\u00fctzung zum \u00f6ffentlichen Politikum gewor-den. Nicht zuletzt aufgrund immer wieder auftauchender Einzelf\u00e4lle von Familien, die hohe monatliche Gelder erhalten. Dies wird insbesondere durch Boulevardmedien anhand von Einzelf\u00e4llen aufgebracht und skandalisiert. Sowohl die SP\u00d6 &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/massiver-angriff-auf-den-sozialstaat\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[362,377,403],"tags":[491],"class_list":["post-2386","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fachbeitraege","category-oeffentlichkeit","category-rassismus-diskriminierung","tag-sozialhilfe-mindestsicherung-verschaerfungen-existenzgefaehrdung-spoe-wien-steiermaerkische-landesregierung-sozialstaat-angriff","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2386","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2386"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2386\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2394,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2386\/revisions\/2394"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2386"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2386"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2386"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}