{"id":22,"date":"2011-07-14T07:43:04","date_gmt":"2011-07-14T07:43:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gulis.at\/schreiben\/?p=22"},"modified":"2021-02-04T09:57:30","modified_gmt":"2021-02-04T09:57:30","slug":"hochhauser-in-graz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/hochhauser-in-graz\/","title":{"rendered":"Hochh\u00e4user in Graz"},"content":{"rendered":"<p>Ich erinnere mich noch dunkel. Es war in grauer Vorzeit. Da gab es einen Seite 1\u00a0 Aufmacher in einer bekannten Grazer Tageszeitung mit einer fingierten Grazer Wolkenkratzer &#8211; Skyline. Hochh\u00e4user, moderne B\u00fcrogeb\u00e4ude, futuristische Neubauten standen dicht an dicht an der Mur entlang und sollten New Yorker Flair vermitteln. Der damalige Planungsstadtrat Klaus Garter (SP\u00d6), also musste es zwischen 1983 und 1990 gewesen sein, ventilierte die Idee von einer Grazer Zukunft mit Hochh\u00e4usern und Wolkenkratzern im Zentrum. Dabei ging es ihm nicht um den Wohnbau. Graz brauche Hochh\u00e4user, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, sich modern zu geben und um sich als Standort attraktiv zu positionieren.<\/p>\n<p>Die meisten Thesen von damals sind Makulatur. Graz wurde das alles nicht, vieles wurde vers\u00e4umt und\/oder verhindert. Im Nachinein denke ich mir, das eine oder andere Mal war das gar nicht so schlecht. Graz wurde kein Drehkreuz in den S\u00fcdosten, erlebte keinen Boom und ist auch kein attraktiverer Standort als andere St\u00e4dte. Die \u00f6ffentliche nationale Verkehrsanbindung von Graz ist heute nicht besser als damals. Lange Zeit \u2013 bis 2001 \u2013 schrumpfte die Einwohnerzahl.<\/p>\n<p>Seit 1974 gibt es ein Hochhausbauverbot in Graz, das in den 1990ern f\u00fcr Einzelprojekte aufgeweicht wurde. Ein neues Konzept f\u00fcr etwaige Hochhausneubauten gibt es bis dato nicht. Der neue Stadtplanungschefs Heinz Sch\u00f6ttli, der seit 2010 im Amt ist, k\u00fcndigt ein derartiges an. Gut so, nur die Frage muss erlaubt sein, was tat die Stadtplanung die letzten 25 Jahre?<\/p>\n<p>Damals fand ich die Vorstellung, Graz lege seine Altstadtidylle und das Image der alternden, verstaubten, provinziellen Pensionistenstadt ab, attraktiv. Die Vorstellung mit ein paar Hochh\u00e4usern k\u00f6nne man das bewerkstelligen, war naiv und selbst provinziell gedacht, aber meiner euphorischen, jugendlichen Dumpheit geschuldet; bitte, das zu verzeihen.<\/p>\n<h5>Deja Vu<\/h5>\n<p>Am 9. J\u00e4nner 2011 prangte auf der Titelseite einer Stadtzeitung, eine \u00e4hnliche Skyline Idee wie damals; ich hatte ein Deja Vu! Der Eindruck wurde erweckt, in Graz g\u00e4be es eine Renaissence der Idee und der Diskussion. Doch nach der ersten Lesung des Beitrages hege ich den dringenden Verdacht, dass es viel mehr um die Interessen einiger Investoren geht (Styria Headquarter, Lyoness Turm). Die Wiederholung einer Idee, die vor zwanzig Jahren Reiz auf mich aus\u00fcbte, lese ich heute mit anderen Augen.<\/p>\n<p>Das eine oder andere Hochhausgeb\u00e4ude mit feiner, aufregender und interessanter Architektur w\u00e4re schon ein sichtbares Zeichen einer kulturell und politisch offenen, diskursf\u00e4higen Stadt und toll. Sollte Graz weiter wachsen und neben Wohnraum auch Betriebsansiedelungen und neue Unternehmen nach Graz kommen bzw. bleiben wollen, dann wird wohl auch der st\u00e4dtische Hochhausbau ein Thema sein; denn f\u00fcr eine menschengerechte und lebenswerte Stadt ist viel Gr\u00fcnraum ein unbedingtes Muss. Das Versiegeln von immer mehr Fl\u00e4chen in der Stadt kann der Weisheit alleiniger Schlu\u00df nicht sein. Also scheint ein Wachsen in die H\u00f6he durchaus bedenkenswert.<\/p>\n<p>Unbehagen stellt sich jedoch ein, wenn die Einzelinteressen hinter Hochhausbauten deutlich werden. Dass die gut ausschauen und \u201emodern und innovativ\u201c r\u00fcber kommen, ist einer guten \u00d6ffentlichkeitsarbeit geschuldet, und stellen selten die Interessen der B\u00fcrgerInnen und des Gemeinwohls in den Vordergrund. Ohne jemanden was unterstellen zu wollen, sind dahinter nicht selten hochriskante und spekulative Investoreninteressen versteckt und im Umfeld solcher Projekte tummeln sich nicht selten Gl\u00fccksritter. St\u00e4dteplanerisch, sozial und \u00f6kologisch ergeben sie selten Sinn.<\/p>\n<p>Hochh\u00e4user prinzipiell zu verbieten ist genauso Unfug, wie sie ausschlie\u00dflich mit Hurra zu begr\u00fc\u00dfen. In einem Gesamtstadtentwicklungskonzept und einem stringenten Hochhausbaukonzept f\u00fcr die Stadt sollte deutlich werden, was die Stadt Graz und ihre Einwohner wollen. Hochhausprojekte k\u00f6nnen meiner Ansicht nach Teil des Planes sein. Nur die gleiche Diskussion \u00fcber \u201egestutzte Wolkenkratzerpl\u00e4ne\u201c in\u00a0 zehn Jahren wieder f\u00fchren zu m\u00fcssen, dass w\u00e4re eine echte Niederlage.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich erinnere mich noch dunkel. Es war in grauer Vorzeit. Da gab es einen Seite 1\u00a0 Aufmacher in einer bekannten Grazer Tageszeitung mit einer fingierten Grazer Wolkenkratzer &#8211; Skyline. Hochh\u00e4user, moderne B\u00fcrogeb\u00e4ude, futuristische Neubauten standen dicht an dicht an der Mur entlang und sollten New Yorker Flair vermitteln. 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