{"id":1888,"date":"2024-05-27T06:41:33","date_gmt":"2024-05-27T06:41:33","guid":{"rendered":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/?p=1888"},"modified":"2024-10-10T12:18:15","modified_gmt":"2024-10-10T12:18:15","slug":"serie-rassismus-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/serie-rassismus-iii\/","title":{"rendered":"Serie Rassismus III:"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>The never ending story<\/strong><\/h4>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_4651.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1904\" style=\"width:413px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_4651.jpg 640w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_4651-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Rebellierende Selbstunterwerfung<\/strong>?<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir kommen zu einem weiteren Kapitel der Erkl\u00e4rungsversuche und der Analyse des Geflechtes von Rassismen und gesellschaftlichen Bedingungen und Umst\u00e4nden. Entwickelt und untersucht wurde das titelgebend Begriffspaar von Nora R\u00e4thzel, die das Konzept auch im Rahmen einer Tagung 1996 in Graz erl\u00e4uterte<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a>. Obwohl schon so lange her, dient das Konzept nach wie vor hervorragend, um die Verh\u00e4ltnisse, die Rassismus beg\u00fcnstigen, zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir leben bis auf wenige Ausnahmen auf der Welt in Nationalstaaten. Dieses Konstrukt &#8222;Staat&#8220; lebt vom Zusammenschluss, von der Einigkeit und Gemeinsamkeit und einer konstruierten Homogenit\u00e4t, dem Wir. Zu diesem Wir bildet sich automatisch auch das Gegenteil: die Anderen \u2013 die Nicht\u00f6sterreicher*innen (bzw. was wir als Nicht\u00f6sterreicher*innen definieren<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[2]<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir gehen mit dem Staat einen imagin\u00e4ren Vertrag ein. Wir unterwerfen uns den aufgestellten Regeln, daf\u00fcr erhalten wir eine Reihe von Vorteilen. Wir zahlen Steuern, daf\u00fcr erhalten wir Stra\u00dfen, Krankenh\u00e4user, Schulen etc. aber wir erhalten auch immaterielle Leistungen wie Sicherheit und Obsorge f\u00fcr unser Leben, Zusammengeh\u00f6rigkeit, Identit\u00e4t. Polizei bewacht uns, Justiz stellt sicher, dass Recht durchgesetzt wird, das Milit\u00e4r sch\u00fctzt uns vor Angriffen von au\u00dfen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele dieser Regeln und Normen sind f\u00fcr uns verst\u00e4ndlich und gut, wir unterst\u00fctzen sie. Was wir aber auf der anderen Seite verlieren, ist ein St\u00fcck weit Selbstbestimmung, Autonomie. Wir k\u00f6nnen nicht so tun, wie es uns passt. Unsere Freiheit ist ebenso reglementiert, wie unsere M\u00f6glichkeit zur Beteiligung und Entscheidung. Wir w\u00e4hlen Vertreter*innen, die f\u00fcr uns die politischen Dinge und Entscheidungen \u00fcbernehmen. Der Staat, die Politik nimmt uns einen Teil unserer staatsb\u00fcrgerlichen Aufgaben und Pflichten ab.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manche Normen schlucken wir, auch wenn sie uns insgeheim nicht passen oder wir den Sinn der Regel nicht verstehen. Da der Nutzen gr\u00f6\u00dfer ist, als der Schaden, lassen wir vieles zu, mit uns geschehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So nach dem Motto: \u201eDer Staat wird es schon richten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Je mehr und \u00f6fter der Vertrag, die \u00dcbereinkunft nicht gehalten wird, sich die Politik verselbst\u00e4ndigt, bestimmte Personen- und Lobbygruppen den Staat als Selbstbedienungsladen verstehen und sich mehr herausnehmen, als andere und das Versprechen auf einem einigerma\u00dfen gerechten System schwindet, desto mehr f\u00fchlt man sich als Einzelne\/r ignoriert, unverstanden, nicht informiert, nicht respektiert. Ein wohl oft geh\u00f6rter Spruch aus \u201eOmas Spr\u00fcche Schublade\u201c:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDagegen kannst du ja nix machen, die da Oben machen ja was sie wollen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade die letzten Jahre haben gezeigt, dass sich diese Entfremdung durch Fake-News und digitale Desinformationskampagnen und politische Bewegungen steuern und verst\u00e4rken lassen; noch schneller, als wir es fr\u00fcher \u2013 ohne der digitalen Revolution \u2013 erleben konnten. Je st\u00e4rker diese Entwicklung vorangetrieben wird, desto st\u00e4rker driften die \u201egemeinsamen \u00dcbereink\u00fcnfte und Wahrheiten\u201c auseinander. Dass ist eine Entwicklung der letzten 20 Jahre, die durch die digitalen Medien beschleunigt wurde. Auch das Selbstbewu\u00dftsein des\/der Einzelnen ist gr\u00f6\u00dfer geworden. Der Obrigkeitsstaat, der in \u00d6sterreich noch immer sp\u00fcrbar ist (etwa beim Thema Amtsgeheimnis versus Transparenz), verliert zunehmend an Legitimit\u00e4t. Die\/der Staatsb\u00fcrgerin l\u00e4sst sich nicht mehr alles gefallen und fordert Rechte ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die eigene Handlungsf\u00e4higkeit ist an den Staat\/die Politik delegiert, entl\u00e4dt sich jedoch an \u201ekleinen Rebellionen\u201c im Alltag. Wir wehren uns gegen die \u201eOhnmacht\u201c, gegen die Entfremdung. In \u00d6sterreich wird das durch das Schimpfen generell; und auf \u201edie Politik\u201c im Speziellen ausgedr\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun bieten zahlreiche Personen, Institutionen, politische Bewegungen und die Politik Erkl\u00e4rungen f\u00fcr diese Unzufriedenheit, f\u00fcr das Fremdheitsgef\u00fchl an: In Form von S\u00fcndenb\u00f6cken, durch \u201eAndere\u201c.  Seit vielen Jahrzehnten sind die \u201eAusl\u00e4nder\/Asylant\/Migrant\/Fremde<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[3]<\/a>\u201c ideale Projektionsfl\u00e4che daf\u00fcr. In der Ablehnung gegen\u00fcber ihnen, sind wir jedoch wieder vereint, ein \u201eWir\u201c. Die Vielzahl an innerpolitischen Problemen wird kanalisiert und nach Au\u00dfen verlagert: auf eine S\u00fcndenbockgruppe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sehr h\u00e4ufig passiert noch eine zweite Ebene der Unterwerfung in der rebellischen Haltung, n\u00e4mlich die Aneignung der jeweiligen Regel\/Norm\/Anweisung. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">R\u00e4thzel hat in ihrem Buch 1986<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[4]<\/a>, das 1997 neuaufgelegt wurde, das Beispiel des <em>\u201eGrillverbots in Parkanlagen\u201c <\/em>gebracht und den Diskurs dar\u00fcber in Medien und Leserbriefseiten analysiert. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damals wurde heftig gegen \u201edie T\u00fcrken\u201c polemisiert, die sich eben nicht an die Regel halten w\u00fcrden und einfach \u201eunsere sch\u00f6nen Parkanlagen mit ihrem Grillen von Schafen verschandeln w\u00fcrden&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Fu\u00dfnoten:<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Siehe auch: R\u00e4thzel, Nora: Einige Ursachen und Wirkungsweisen von Rassismus. In: Tagungsband \u201eAus der Geschichte lernen, die Zukunft gestalten.\u201c Zebratl Sondernummer 1996.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[2]<\/a> Etwa Menschen mit dunkler Hautfarbe, die einfach nicht als \u00d6sterreicher*innen gesehen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[3]<\/a> Hier wurde bewu\u00dft auf die Genderform verzichtet. Die Versuche, zu verhindern, dass die unterschiedlichen Begriffen nicht abwertende Bedeutungen zugeschrieben werden, sind mannigfaltig und scheiterten bisher. Siehe auch: Sprung, Annette, Zwischen Diskriminierung und Anerkennung. S. 22-25<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[4]<\/a> Kalpaka, Annita, R\u00e4thzel, Nora (Hg.) Die Schwierigkeit, nicht rassistisch zu sein. Mundo Verlag, 1990. Neuauflage, Argumente Verlag,&nbsp; 2017.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Auftreten der Gro\u00dffamilien, das Picknicken von dutzenden Leuten im Park und der Geruch des Grillens wurden h\u00e4ufig als bel\u00e4stigend beschrieben und oft generell der Niedergang der Kultur und des Landes (in diesem Fall war es Deutschland), das vor die Hunde gehen w\u00fcrde, angef\u00fchrt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Erkenntnisse aus der Analyse der Argumente und Wortmeldungen sind:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Diejenigen, die sich gegen das Grillen im Park aussprachen, \u00fcbernahmen die Regel: Grillverbot im Park \u2013 und eigneten sie sich als \u201eihre Regel\u201c an. Damit unterwarf man sich einer gesellschaftlichen Norm, ohne genauer zu hinterfragen, ob diese Regel Sinn ergibt.<\/li>\n\n\n\n<li>Aber nicht nur das. Sie stellten nicht die Regel in Frage, sondern verteidigte diese und das mit Heftigkeit. Die Rebellierenden begehrten jedoch nicht gegen staatliche Autorit\u00e4ten oder fehlgeleitete Politik auf, sondern gegen\u00fcber einer bestimmten Gruppe: den Fremden, den Anderen.<\/li>\n\n\n\n<li>Damit unterwarf man sich einer allgemein g\u00fcltigen Norm und formte die Unterwerfung zu einer Rebellion. <\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man kann vermuten, dass auch ein innerer Stachel dabei ist. Denn f\u00fcr viele, w\u00e4re im Park zu picknicken und zu grillen, durchaus ebenso attraktiv. Die Unterwerfungshaltung ist jedoch st\u00e4rker, als dass sie sich getrauen w\u00fcrden, es den &#8222;T\u00fcrken&#8220; gleich zu tun und einfach im Park zu picknicken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein gewisser Neid spielt m\u00f6glicherweise auch eine Rolle, nach dem Motto: Ich w\u00fcrde auch gerne, getraue mich aber nicht und die T\u00fcrken scheren sich einfach nicht darum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Definitiv bin ich jedoch mit der Haltung \u201eWir gegen die Anderen\u201c als Verteidiger*in der Regel wieder mit im Boot der Mehrheit, dem \u201eWir\u201c und f\u00fchle mich weniger fremd im System.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Halten wir also fest:<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Rassismus ist eine wirkm\u00e4chtige soziale und politische Konstruktion, die die politische Geschichte der Menschheit begleitete.<\/li>\n\n\n\n<li>Sie ist Teil einer eingeschriebenen \u00f6ffentlich-politischen Kultur der Ordnungen, Hierarchien und asymmetrischen Machtverh\u00e4ltnisse.<\/li>\n\n\n\n<li>Dazu geh\u00f6ren Abgrenzungen und Ausschl\u00fcsse, die Herstellung von Unterscheidungsmerkmale, die die Unterdr\u00fcckung legitimiert und plausibel erscheinen lassen.<\/li>\n\n\n\n<li>Auch Mitglieder oder Gruppen einer marginalisierten (u.a. selbst von Rassismus betroffenen) Gruppe k\u00f6nnen rassistisch argumentieren\/handeln. Ihr Rassismus wird jedoch nicht im gleichen Ma\u00dfe gesellschaftlich wirkm\u00e4chtig.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Unterschied: F\u00fcr Rassismus braucht es die Macht (Vormachtstellung), die jeweiligen Argumente, Bilder und Narrative durchzusetzen, um die Spaltung voranzutreiben.<\/li>\n\n\n\n<li>In allen Epochen der Vergangenheit und Gegenwart bot Rassismus immer eine einfache, aber plausible und funktionierende Legitimation zur Aussonderung, Unterdr\u00fcckung, Versklavung, Ausrottung und Ausbeutung und zur Sicherung der eigenen Privilegien und Vorteile an. Daher ist Rassismus eine sehr erfolgreiche \u201e<strong>Legitimationslegende.\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Von den tauglichen und untauglichen Mitteln der Gegenwehr<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In allen Epochen und bei Politischen Ver\u00e4nderungen gab es auch Widerstand gegen den Rassismus, gegen die Vorstellung einer \u201eMenschenrasse\u201c, von denen alle anderen abstammten, als auch der Kategorisierung und Unterteilung, wie sie etwa in den fr\u00fchen Kantschriften zu finden sind. Auch dagegen gab es bereits lauten Widerspruch.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[5]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht zuletzt ist der amerikanische B\u00fcrgerkrieg \u2013 neben anderen wichtigen Gr\u00fcnden \u2013 wegen der Abschaffung der Sklaverei gef\u00fchrt worden. Der Widerstand gegen den rassistisch-antisemitischen Nationalsozialismus ist ebenso legend\u00e4r wie schmerzhaft und f\u00fchrte mit unermesslichen Opfern schlie\u00dflich zu einer Niederlage der Ideologie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist wohl ein Treppenwitz der Geschichte, dass ausgerechnet der Holocaust und das Ende des 2. Weltkrieges auch die Geburtsstunde der gr\u00f6\u00dften menschen- und grundrechtlichen Errungenschaften sind, die es in der Menschheitsgeschichte gab. Die Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenrechte (AEMR), die Europ\u00e4ische Menschenrechtskonvention (EMRK) und in Folge die Genfer Fl\u00fcchtlingskonvention (GFK); Meilensteine und echte Fortschritte der Zivilisierung und Einhegung von Rassismus, Gewalt und Antisemitismus w\u00e4ren wohl so nicht zustande gekommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute ist der \u201eKampf gegen Rassismus\u201c noch immer auch ein tats\u00e4chlich gewaltvoller Kampf. In allen Teilen der Welt werden B\u00fcrgerkriege und Auseinandersetzungen aufgrund von ethnischen, religi\u00f6sen und rassistischen Motiven mit Waffengewalt ausgefochten. Aber \u2013 und das ist das erfreuliche daran \u2013 antirassistische Initiativen und Bewegungen finden auf vielen verschiedenen politischen, sozialen, juristischen Ebenen statt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Empowerment-, Bildungs- und Aufkl\u00e4rungsarbeit kam in den letzten 40 Jahren immer gr\u00f6\u00dfere Bedeutung zu. Diese sind weit gestreut und unterschiedlich. Im Folgenden gibt es einen \u00dcberblick, an welchen Ebenen gegen Rassismus mit Bildungsinhalten und \u2013programmen vorgegangen wird, wie erfolgreich diese sind und an welchen weiteren \u201eStellschrauben\u201c \u2013 unter den Vorzeichen, die in den Teilen der Serie zuvor ausgearbeitet wurden \u2013 gearbeitet werden m\u00fcsste.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Fu\u00dfnoten:<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\"><strong>[5]<\/strong><\/a> Wie dies etwa von<em> Georg Forster \u00fcberliefert ist. Nachzulesen bei: https:\/\/www.philomag.de\/artikel\/kant-und-der-rassismus-0<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_4354.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1889\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_4354.jpg 640w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_4354-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anbei ein \u00dcberblick, \u00fcber die EU-weit h\u00e4ufigsten Aktivit\u00e4ten und Aktionen, sowie Programmen, die vorzufinden sind<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[6]<\/a>:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Demonstrationen und Kundgebungen (z.b. Black Lives Matters)<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim ersten Punkt handelt es sich zumeist um Reaktionen auf Vorkommnisse, die einerseits eine weltweite und\/oder die eine lokale oder nationale Aufmerksamkeit erlangten; wie dies etwa bei rassistischen \u00dcbergriffen oder Ermordungen geschehen ist. Besonders die Ermordung von PoC\u00b4s<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[7]<\/a> in den USA durch polizeiliche \u00dcbergriffe erregen bundesstaatliche Bedeutung in den USA und schwappen oftmals auch auf Europa \u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gab und gibt aber auch zahlreiche \u201eSkandale\u201c in n\u00e4herer Umgebung selbst, die zu Protesten und Kundgebungen f\u00fchren. Eine der ersten, gr\u00f6\u00dferen Protestaktivit\u00e4ten, die Rassismus in \u00d6sterreich zum Thema machte, fand nach dem Tod durch Marcus Omofuma statt.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[8]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Derartige Aktivit\u00e4ten finden in Verbindung von rassistischen Skandalen kurzzeitig immer wieder erhebliche Aufmerksamkeit und Breitenwirksamkeit. Es konnte jedoch bisher nicht beobachtet werden, dass diese \u201eBewegungen\u201c \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum Relevanz erhalten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Flaut die \u00f6ffentliche, mediale Aufmerksamkeit ab, was regelm\u00e4\u00dfig der Fall ist, zerf\u00e4llt die jeweilig entstandene Bewegung auch. \u00dcbrig bleiben dann kleine Initiativgruppen und Foren, manchmal auch Vereine, wie etwa SOS Mitmensch, die sich im Zuge des Lichtermeeres<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[9]<\/a> gegr\u00fcndet hatte. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie sind es zumeist, die jedoch die Kontinuit\u00e4t aufrechterhalten und bei n\u00e4chster Gelegenheit wieder zur Aktivierung aufrufen k\u00f6nnen. Viele Aktionsgruppen zerfallen aber auch, im Zuge des Nachlassens der \u00f6ffentlichen Aufmerksamkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Auseinandersetzung mit Rassismus und Diskriminierung bleibt in den hei\u00dfen Phasen der Bewegung zumeist relativ plakativ. Der Bezug zum Skandal bleibt ein Kontinuum. Slogans und einfache Statements dominieren. Rassismus wird nicht selten als eine individuelle Auseinandersetzung von \u201eSchwarz und Wei\u00df\u201c interpretiert und verk\u00fcrzt als \u201eOpfer \u2013 T\u00e4ter\u201c Debatte dargestellt. Was angesichts des \u201eVorfalles\u201c ja berechtigt und von der Emotion getragen ist und sehr viele Menschen bewegt. Ein umfassenderes und tiefer gehendes Problembewusstsein hinsichtlich der strukturellen Bedingungen kommt jedoch nur selten an die Oberfl\u00e4che. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2. <strong>Appellative Kampagnen (Aktionswochen, Petitionen)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter dem Punkt 2 werden europaweit Kampagnen, Aktionswochen und Petitionen zusammengefasst, die ebenfalls die breite Bev\u00f6lkerung, jedoch mit ausgesuchten Zielgruppen im Fokus haben. Dass sind etwa Aktivit\u00e4ten der UEFA, dem europ\u00e4ischen oder dem weltweiten Fu\u00dfballverband FIFA , die unter dem Titel \u201eNo to racism\u201c firmieren.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[10]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rassismus in den Fu\u00dfballstadien ist ein weit verbreitetes Ph\u00e4nomen. Die No to racism Aktionen erzeugen regelm\u00e4\u00dfige gro\u00dfe Aufmerksamkeit und sind einer der bekanntesten weltweiten Kampagnen. \u00dcber die Ergebnisse und den Erfolg solcher Kampagnen muss allerdings trefflich gestritten werden. Ist der Aufwand daf\u00fcr ja kein geringer. Der R\u00fcckgang von rassistischen, homophoben und sonstig diskriminierenden Spr\u00fcchen und Verhalten ist nicht signifikant nachweisbar und dort, wo er bemerkbar wird, ist er wohl eher den lokalen Fu\u00dfballfangruppen (Ultras, Hooligans) geschuldet, die vor Ort und im Stadion den meisten Einfluss auf das Verhalten haben, denn durch die Kampagnen selbst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber derartige Ma\u00dfnahmen dienen eher zur R\u00fcckenst\u00e4rkung f\u00fcr die Gruppen vor Ort und sind wohl als symbolische Grenzsetzung zu sehen. Diesbez\u00fcgliche Strafen durch Verb\u00e4nde und Gerichte sowie negative Berichterstattung tun ihr \u00dcbriges dazu<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[11]<\/a>. Auch Sponsoren und Werbetr\u00e4ger k\u00f6nnen den Aufbau eines Walls bef\u00f6rdern und Druck erzeugen, um Rassismus in die Defensive zu dr\u00e4ngen. Jedoch sind darunter oft auch vielfach Image \u2013 PR Aktionen zu finden, die vielmehr \u00fcberdecken sollen, dass auch die Werbetr\u00e4ger und Sponsoren nicht frei von Rassismen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Antidiskriminierungsstelle Steiermark (ADSS)<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[12]<\/a> startete 2013 die Kampagne \u201eZeig dein Gesicht gegen Diskriminierung\u201c. \u00c4hnlich wie die zuvor erw\u00e4hnte UEFA Kampagne richtet sie sich an die steirische Bev\u00f6lkerung und appelliert an die Zivilcourage der Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kampagnen sind also ein wichtiges Element der Bewusstseinsbildung und der \u00d6ffentlichmachung, st\u00e4rken das Problembewusstsein und erzeugen ein Stimmungsbild. Es darf aber nicht dazu verleiten, es dabei zu belassen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>3. Trainings, Workshops<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" style=\"list-style-type:lower-alpha\">\n<li>Awareness, Sensibilisierung: Tr\u00e4ger, Einrichtungen, Unternehmen, gerichtet an Mitarbeiter*, Sch\u00fcler*, Student*innen, Berufsgruppen etc.<\/li>\n\n\n\n<li>Training, Empowerment: Selbsthilfegruppen, Peergruppen, \u2026<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter dem Punkt 3a und b ist ein Gro\u00dfteil von zivilgesellschaftlichen Aktivit\u00e4ten gegen Rassismus zu verzeichnen. Dahinter steht ein breiter Konsens, dass Rassismus durch verschiedene Formen der Bildungsarbeit verringert, ja beseitigt werden k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Inwieweit diese These richtig ist, muss zumindest in Teilen bezweifelt werden und ben\u00f6tigt einer Erg\u00e4nzung, angesichts der Tatsache, dass Rassismus eine sozial-gesellschaftlich politisch motivierte Konstruktion ist. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Frage genauer nachzugehen, dies w\u00fcrde den Umfang der Serie jedoch bei weitem sprengen und es ist auch so, dass die daf\u00fcr notwendigen Daten und Auswertungen der Ma\u00dfnahmen und der erzielten Erfolge fehlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Palette der Angebote dazu ist sehr vielf\u00e4ltig und unterschiedlich. <\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Fu\u00dfnoten:<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[6]<\/a> Siehe auch: Forschungsarbeiten der European Union Agency for fundamental Rights (FRA) und des European Monitoring centre on Racism and Xenophobia (EUMC), Wrench, John: Diversity Management and Discrimination: Experiments in Diversity Management in the European Union (2008).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[7]<\/a> People of Color<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[8]<\/a> Siehe auch: https:\/\/hdgoe.at\/tod_von_marcus_omofuma<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[9]<\/a> N\u00e4heres: https:\/\/hdgoe.at\/lichtermeer_ausstellung<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[10]<\/a> Vereint gegen Rassismus. Handbuch f\u00fcr gute Verhaltensregeln. https:\/\/de.uefa.com\/newsfiles\/82792.pdf<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[11]<\/a> Siehe auch Vorkommnisse nach einem Wiener Derby, wobei es sich hier um homophobe Ges\u00e4nge handelte. https:\/\/www.derstandard.at\/story\/3000000209206\/homophobie-und-untergriffe-rapid-nach-derbysieg-ausser-kontrolle<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[12]<\/a> https:\/\/adss.at\/kampagnen\/zeig-dein-gesicht\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben Ma\u00dfnahmen in schulischen Einrichtungen ist auch die Erwachsenenbildung sowie der terti\u00e4re Sektor aktiv darin beteiligt.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[13]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auffallend ist dabei, dass derartige Schulungen im beruflichen Umfeld h\u00e4ufig als erste und gleichzeitig h\u00e4ufigste Ma\u00dfnahme eingesetzt werden, um \u201eProbleme\u201c mit Minderheitengruppen zu beheben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dahinter verbergen sich verklausuliert meist diskriminierende und rassistische Vorkommnisse bei den Mitarbeiter*innen oder im Kund*innenkontakt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Antwort auf diese &#8222;Probleme&#8220; sind Bidungsma\u00dfnahmen f\u00fcr die Mitarbeiter*innen. Der Fehler im Umkehrschluss wird also bei der fehlenden \u201eKompetenz\u201c und den Mitarbeiter*innen verortet, die nicht sensibel genug oder interkulturell kompetent sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Generell kann man diese Arten der Bildungsarbeit in zwei Gruppen unterscheiden, wobei sich sowohl Auftraggeber* als auch Auftragnehmer*innen in beiden Feldern finden lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielfach firmieren diese Angebote auch unter dem Titel \u201eDiversity Trainings\u201c, die Intention dieser Angebote ist zwar tendenziell eine andere, jedoch geht es in einigen Bereichen um die gleichen gesellschaftlichen Abl\u00e4ufe, die Rassismus genauso beg\u00fcnstigen, wie diskriminierendes Verhalten im organisationalen Zusammenh\u00e4ngen, um Wahrhenhmung der unterschiedlichen Kulturen, um die Sensibilisierung und St\u00e4rkung der Toleranz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausrichtung einer Vielzahl von derartigen Bildungsangeboten ist an die \u00f6sterreichische autochthone Bev\u00f6lkerung gerichtet, an Mitarbeiter*innen in Betrieben und in der Verwaltung oder eben an bestimmte Berufsgruppen (Sozialarbeiter*-, -p\u00e4dagog* innen, Pflege und Gesundheitspersonal etc.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ebenso werden Aktiv- und Aktivist* innengruppen in dem Feld aktiv, die Angebote zu Awareness- und Sensibilisierungstrainings anbieten. Diese richten sich aber oft an die eigene Community.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wesentlicher Aspekt dabei ist auch die Beauftragung, also wer verpflichtet wen zu derartigen Schulungen. Insbesondere bei Firmen, Unternehmen und Verwaltung wird dabei von der Leitungsebene der Fokus daraufgelegt, Mitarbeiter*innen im Umgang mit Migrant*innen einerseits zu schulen und andererseits Formen von Diskriminierung und Rassismus zu erkennen und diese entsprechend zu vermeiden, etwa auch wenn es sich um Menschen mit Kopftuch, anderer Hautfarbe oder \u00e4hnlichem handelt und diese jedoch keine Migrant*innen, sondern hier geboren sind; ein h\u00e4ufiges fast automatisiertes Stereotyp.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein wichtiger Teilaspekt dieser p\u00e4dagogischen Angebote ist auch die St\u00e4rkung von Personen und Gruppen, die von Rassismus und Diskriminierung betroffen sind und ihnen entsprechende Schutzr\u00e4ume bieten, aber auch die Gruppe f\u00fcr gemeinsames Auftreten und einstehen f\u00fcr ihre Rechte, zu st\u00e4rken.<br><br>In vielen Bereichen wird dabei etwas schablonenhaft nach \u201ePatentrezepten\u201c vorgegangen, eine umfassendere Besch\u00e4ftigung mit den Themen ist meist nicht vorgesehen. Die Auftraggeber*innen<br>trachten dabei nicht selten danach, dass \u201eTools\u201c vermittelt werden, um rasch reagieren zu k\u00f6nnen und bedenkliche oder problematische Situationen, Aussagen etc. zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sehr h\u00e4ufig liegt bei den Workshops der Schwerpunkt auch darauf, m\u00f6glichst \u201ewoke\u201c<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[14]<\/a> und politisch korrekt zu sein. Wobei in der urspr\u00fcnglichen Bedeutung Wokeness ja vielmehr die gesellschaftliche Unterdr\u00fcckung und auf das Bewusstsein der Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Unterdr\u00fcckung, also auf systemische Machtstrukturen rekurrierte. Durch die Black Lives Matter Bewegung<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[15]<\/a> wurde der Begriff weltweit popul\u00e4r.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man k\u00f6nnte diese Entwicklung als &#8222;moralisches -ethisch richtiges Gel\u00e4nder&#8220; das quasi installiert wird, verstehen. Ob diese der richtige Weg ist, Rassismus zu beseitigen, darf bezweifelt werden. Die indivduelle, aufrechte und moralisch einwandfreie Haltung und Meinung kann die gesellschaftlich-politischen Rahmenbedingungen nicht au\u00dfer Kraft setzen und die Idee des &#8222;neuen Menschen&#8220; f\u00fchrte bisher noch nie zum Ziel. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Entwicklungen, ausgehend von den USA f\u00fchrten zu einer konservativ-rechten Gegenbewegung, die den \u201eWoke\u201c Begriff politisch instrumentalisierte und zu einem links-identit\u00e4ren Kampfbegriff aufwertete und dagegen erfolgreich Stimmung machten.&#8220;Damit wurde er stark symbolisch aufgeladen und individualisiert.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">4. <strong>Organisationale Ma\u00dfnahmen zu Ver\u00e4nderung der Strukturen und des Alltags in Organisationen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die vierte Kategorie unterscheidet sich von den ersten drei deutlich. Erstens sind darunter kaum aktionistische Formen zu finden, die sich etwa an die \u00d6ffentlichkeit wenden und zweitens sind keine Bildungsaktivit\u00e4ten vorgesehen. Die Kategorie 4 richtet sich eher an die organisationale Mesoebene (Mittlere Ebene); also richtet den Blick auf strukturelle Bedingungen in Organisationen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dahinter stehen oft managementorientierte Fragen und f\u00fchrungstechnische Politiken und Strategien. Im Grunde geht es dabei nicht um die \u00dcberzeugung und das erarbeiten einer moralisch-richtige Position, sondern um Regeln in Organisationseinheiten, die Hegemonie, Homogenit\u00e4t und Transparenz auf der Basis von evidenzbasierten Fakten verhindern will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ma\u00dfnahmen sind etwa von der Frage geleitet, wie die Repr\u00e4sentanz von Minderheitengruppen hergestellt werden kann und ob es reicht, diese quantitativ zu reproduzieren? Wo es in Organisationen \u201egl\u00e4serne Decken\u201c<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[16]<\/a> gibt und warum es bei Bewerbungsverfahren immer zu \u00e4hnlichen Ergebnissen kommt; das n\u00e4mlich Angeh\u00f6rige von Minderheiten nicht die gleichen Chancen haben, wie Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurzum eine Reihe von Fragen werden in dieser Kategorie behandelt, die strukturrelevant sind, die jedoch nicht so offensichtlich und leicht zu entdecken sind, f\u00fcr die weitere diskriminierungsfreie und rassismusarme Organisation jedoch wichtig sind. Einige Ma\u00dfnahmen seien dazu aufgef\u00fchrt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Affirmative Actions (Quotensystem)&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Bewerbungsverfahren \u00e4ndern<\/li>\n\n\n\n<li>Antidiskriminatorische Betriebsvereinbarungen<\/li>\n\n\n\n<li>Gleichbehandlungsstelle (Ombudsmann\/-frau)<\/li>\n\n\n\n<li>Gleichstellungspl\u00e4ne \u2026<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Welche Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die jeweilige Organisation die richtigen sind, h\u00e4ngt sehr von einer genauen Analyse der Problemstellungen und den effektivsten Mitteln daf\u00fcr ab.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Fu\u00dfnoten:<\/h5>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[13]<\/a> Siehe auch: Gulis, Wolfgang: Angebote der \u00f6sterreichischen Erwachsenenbildung. In: Kukovetz, Sprung, Sadjed: (K)ein Hindernis, Fachkr\u00e4fte mit Migrationsgeschichte in der Erwachsenenbildung. L\u00f6cker Verlag, Wien, 2014.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[14]<\/a> https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Woke<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[15]<\/a> https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Black_Lives_Matter<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[16]<\/a> https:\/\/www.uni-paderborn.de\/gleichstellung\/genderportal\/gender-glossar\/glaeserne-decke<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_4900.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1891\" style=\"width:525px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_4900.jpg 640w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_4900-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"wp-block-heading\">5. <strong>Entwicklung und Adaption von Mission Statements und Leitbildern<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein wichtiger Aspekt dabei ist auch das breiter gefasste gesellschaftliche Umfeld, in dem Organisationen t\u00e4tig werden und welchen Grundprinzipien sie folgen. Bei sogenannten NGO\u00b4s <a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[17]<\/a> und mit einigen Einschr\u00e4nkungen auch bei NPO\u00b4s <a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[18]<\/a> ist das zumeist relativ klar. Ihr moralisch, ethischer Wertekatalog ist ihr Gesch\u00e4ftsfeld und steht bei all ihrem Tun im Vordergrund. \u201eDen Menschenrechten, der \u201eHilfe f\u00fcr die Menschen\u201c, der Wohlt\u00e4tigkeit, der \u201echristlichen Soziallehre\u201c usw.&nbsp; verpflichtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Firmen, die produzieren und verkaufen oder ein Handwerk zur Grundlage haben, steht nat\u00fcrlich die Ware oder Dienstleistung im Vordergrund.  Da der gesellschaftliche Druck in diese Richtung erheblich gestiegen ist, m\u00fcssen sich produzierende Organisationen, Firmen, Unternehmen deklarieren, was ihre Werte sind, wie sie ihrer Verantwortung in der Gesellschaft nachkommen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben dabei die paradoxe Situation, dass sich einerseits ein radikal marktwirtschaftlich orientierter, globaler, kapitaler Markt durchgesetzt hat und gleichzeitig aber die gesellschaftliche Verantwortung \u2013 der wohlfahrtsstaatliche Mehrwert \u2013 besonders wichtig geworden ist. Das spiegelt wohl auch den Trend ab, dass nahezu alles einem Marktdenken unterworfen wurde, so auch die Werte einer Organisation.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mittlerweile ist es fast undenkbar, dass eine Organisation sich nicht ein Leitbild erarbeitet hat, in einem Mission Statement, in der die Grundprinzipien wof\u00fcr sie arbeiten und mit welchen Mitteln sie arbeiten, \u00f6ffentlich macht. Selbst rein profitorientierte Unternehmen und Konzerne haben in der Regel mittlerweile \u00e4hnliche Dokumente vorzuweisen. Daran zeigt sich auch, dass es fast niemanden gibt, keine Firma, kein Unternehmen, dem die moralisch-ethische Ebene egal sein darf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle wollen gut sein und das auch zur Schau stellen; mitunter wird das mit aufwendigen Werbe- und PR Ma\u00dfnahmen begleitet. Alle m\u00fcssen jetzt \u201ebio, fair, vegan und nachhaltig\u201c sein. \u00c4hnliches gilt auch f\u00fcr den Bereich der Diskriminierung. Niemand will rassistisch sein, niemand will diskriminieren, alle wollen m\u00f6glichst divers, bunt und vielf\u00e4ltig sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daher haben auch Unternehmen, mit einer gewissen Gr\u00f6\u00dfe so etwas wie eine Diversity-\/Genderabteilung, die aufgrufen ist, innerhalb der Organisationen die Umsetzung  von derartigen Leitlinien voranzutreiben. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Inwieweit die Praxis und Realit\u00e4t diesen Zielen n\u00e4herkommt oder eben nur Schlagworte bleiben, h\u00e4ngt ganz wesentlich von den Mitteln und der Ausstattung solcher &#8222;Stabstellen&#8220; ab und von der F\u00fchrung und Leitung ab, die die entsprechenden Prozesse, Regeln und Kontrollma\u00dfnahmen einzuf\u00fchren hat, um entsprechende diskriminierende Routinen zu durchbrechen und damit eine andere Organisations-\/Unternehmenskultur einzuf\u00fchren imstande ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn eines ist klar, die erarbeiteten Leitbilder und Grunds\u00e4tze sind immer eine Zielbestimmung, zu der es gilt von Seiten des Managements hin zu kommen. Wieviel es der Leitung tats\u00e4chlich wert ist, zeigt sich an der Umsetzung, sprich Realit\u00e4t. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">6. <strong>Diversity Management \u2013 Interkulturelle \u00d6ffnungsprozesse<\/strong> <\/h4>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">(Langfristige strukturelle und pr\u00e4ventive Ma\u00dfnahmen)<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die 6. und letzte Kategorie greift auf den Punkt 5 zur\u00fcck und stellt eigentlich das prozessorientierte, bestimmten Zielen verpflichtete, Umsetzungsprogramm dar, wie eine Organisation Rassismus bzw. rassistisches Verhalten minimieren und verhindern kann und damit Diskriminierung vermeidet und unterbindet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter Diversity Management<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[19]<\/a> versteht man grob gesagt eine Vielzahl von unterschiedlichen Modellen, die eine gro\u00dfe Bandbreite von ideologischen Versatzst\u00fccken, gesellschaftlichen Modellen und Ausrichtungen beinhaltet. Was ihnen allen gemeinsam ist, ist \u201edie Anerkennung, dass Gesellschaften heterogen sind und Bev\u00f6lkerungen von Staaten keinem homogenen, nationalstaatlichen, einheitlichen Bild entsprechen\u201c. Das hat erhebliche Auswirkungen auf das Handeln im Staate und stellt das homogene, herk\u00f6mmliche nationalistisch-chauvinistische Bild in Frage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDie zweite Gemeinsamkeit ist, dass alle \u201eStr\u00f6mungen\u201c einen politischen und operativen (managende) Auftrag darin sehen, Angebote, Dienstleistungen und politische Entscheidungen auf diese gesellschaftliche \u201eRealit\u00e4t\u201c abzustellen und zu ver\u00e4ndern. Je nach Schwerpunkt und Sichtweise geht es den Akteur*innen schwerpunktm\u00e4\u00dfig um das Unternehmen, Organisationen des gemeinwesenorientierten Sektors oder um die politische Sph\u00e4re (Gesetzgeber, Verwaltung).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht unwesentlich dabei ist, ob sich die Aktivit\u00e4ten darauf richten, \u201eNeue Kund*innen\u201c<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[20]<\/a>, \u201eneue M\u00e4rkte\u201c zu erschlie\u00dfen und damit zielgruppengerechter zu agieren oder ob \u2013 ein anderes Ziel \u2013 die Mitarbeiter*innenstruktur der Organisation zu ver\u00e4ndern und Heterogenit\u00e4t auch durch Repr\u00e4sentanz sichtbar zu machen, als Ziel gesetzt wird.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Fu\u00dfnoten:<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[17]<\/a> Non Governmental Organisation &#8211; Nichtregierungsorganisation, wichtiger Teil einer funktionierenden Zivilgesellschaft<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[18]<\/a> Non Profit Organisationen, nicht profitorientierte Organisation, gemeinn\u00fctzige, nicht auf Gewinn orientierte Organisationen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[19]<\/a> Siehe auch ausf\u00fchrlichen Hintergrundbeschreibung in: https:\/\/gulis.at\/schreiben\/diversitat\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[20]<\/a> Was deutlich an Werbe- und Imageprogrammen abzulesen ist, in dem die dort Vorkommenden divers zusammengesetzt werden, um Repr\u00e4sentanz herzustellen bzw. zu suggieren.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine dritte Sto\u00dfrichtung w\u00e4re unter\u201c diversity politics\u201c zusammenzufassen. Bei dieser Sto\u00dfrichtung liegt das Augenmerk auf strukturelle-politische \u00c4nderungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diversit\u00e4t wird mit Fragen der Ungleichheit, der Diskriminierung, des Rassismus und den strukturellen Exklusionsmechanismen verkn\u00fcpft. Was bei den beiden ersten Richtungen eher vernachl\u00e4ssigt wird. Das Augenmerk richtet sich dabei ma\u00dfgeblich auf makropolitische Ver\u00e4nderungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fakt ist jedoch, dass Diversity Management viele verschiedene Einzelma\u00dfnahmen darstellen, die die \u201eKultur\u201c und die \u201eRegeln\u201c der Organisation ver\u00e4ndern. Daher k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen, die unter den Punkten 2-4 beschrieben worden sind, in ein Diversity Management Programm fallen. Wichtig ist, dass es ein laufendes, strukturiertes Programm in einer Organisation ist, dass einen immer \u00e4hnlichen Ablauf besitzt und in Zyklen verl\u00e4uft (Ziele definieren, Umsetzung, Evaluieren, neue Ziele definieren usw.)&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Begriff der <strong>Interkulturellen \u00d6ffnung (IK\u00d6) <\/strong>ist mit Diversity Management nicht synonym zu verwenden. Es sind zwei verschiedene Agendas. Was ihnen jedoch gemeinsam ist, dass ein strukturierter, organisierter Prozess dahintersteckt, der in die Organisation implementiert wird und laufend evaluiert und begleitet wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">IK\u00d6 legt den Fokus auf tats\u00e4chliche Migrant*innengruppen, die entweder durch Flucht (Asyl) und\/oder durch anderweitige Formen der Migration nach \u00d6sterreich gekommen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wolfgang Hinz Rommel (1995) und Stefan Gaitanides (1995) <a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[21]<\/a> haben den Begriff&nbsp;im Zusammenhang mit der mangelnden Bereitschaft von \u00f6ffentlichen Einrichtungen (im speziellen Falle der deutschen Jugendwohlfahrt) entwickelt, die nicht imstande waren und sind, auf die neue(n) Zielgruppen(n) etwa von Jugendlichen mit Migrationserfahrung einzugehen. Sie konstatierten eine konsequente Exklusion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Folglich kommen statistisch Migrant*innen \u00fcberproportional in \u201eSonder- und Notdiensten\u201c (Frauenh\u00e4user, Notschlafstellen, Jugendheime, Notfallambulanzen usw.) vor. Mit der, oft nur notd\u00fcrftigen, strukturellen und finanziellen Versorgung von Migrant*innen, wurden und werden (nichtstaatliche) Hilfsorganisationen und NGOs betraut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Probleme der Klient*innen wurden damit \u201eprivatisiert\u201c und \u201eausgelagert\u201c. Eine Folge dieser Haltung war auch, dass die Institution die Probleme gar nicht sehen konnten, da im Inneren der Organisationen die Problemlagen von Migrant*innen nicht auftauchten und sich \u201edrau\u00dfen vor der T\u00fcr\u201c abspielten, bei den Hilfseinrichtungen und NGOs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus dieser Analyse ergaben sich die Forderungen nach einer \u201e\u00d6ffnung\u201c, nach der Entwicklung eines Problembewusstseins innerhalb der Organisationen und der verantwortlichen Politik, sich der Themen anzunehmen. <a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[22]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Ausdruck dieser IK\u00d6 Strategien waren vermehrt Leitbildprozesse, die auf kommunaler (Dornbirn 2002 fertiggestellt<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[23]<\/a>) und Landesebene (Tirol<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[24]<\/a>, Ober\u00f6sterreich<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[25]<\/a>) durchgef\u00fchrt worden sind bzw. Chartas des Zusammenlebens und Vielfalt in der Steiermark<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\">[26]<\/a> und in Wien<a href=\"#_ftn5\" id=\"_ftnref5\">[27]<\/a> beschlossen wurden. Diese Chartas sind durchaus \u00e4hnlich den Leitbildern, als Grundsatzbeschl\u00fcsse und -positionen zur Zuwanderung, zur Integration und zur Diversit\u00e4t gedacht. In den letzten Jahren ist aber der Drang nach solchen Grundsatzbeschl\u00fcssen auf breiter politischer Basis deutlich gesunken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Begriff \u00d6ffnung vermittelt ein Bild der geschlossenen T\u00fcren und in diesem Sinne ist diese \u00d6ffnung tats\u00e4chlich ein gesellschaftlicher Auftrag. Alles andere w\u00fcrde sich mit Integrations-\/Inklusionsbestrebungen nicht vertragen. Mit \u00d6ffnung ist die Vorstellung einer inklusiven Gesellschaft verbunden, die diskriminierungsarm, barrierefrei und Rassismus sensibel \u2013 in Anlehnung an Sprung<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[28]<\/a>\u2013 ist, sich zumindest eindeutig in diese Richtung bewegt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00d6ffnung bedeutet aber auch, dass es nicht alleine reicht, Bekenntnisse abzugeben, Chartas zu beschlie\u00dfen und politische Prozesse einzuleiten. \u00d6ffnung hei\u00dft auch, ganz konkret vor Ort (in den Institutionen, an den Regeln, bei den Strukturen) einwirken beginnen und Ver\u00e4nderungsprozesse zu starten, die diese \u00d6ffnung erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Fu\u00dfnoten:<\/h5>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[21]<\/a> Beide sind deutsche Wissenschaftler und Sozialp\u00e4dagogen, die sich in mehreren B\u00fcchern und Artikeln mit dem Thema der Interkulturellen \u00d6ffnung und der Migrationsgesellschaft besch\u00e4ftigten. Stefan Gaitnaides ist 78- j\u00e4hrig im Jahre 2023 in Frankfurt verstorben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[22]<\/a> https:\/\/gulis.at\/schreiben\/interkulturelle-oeffnung-und-diversity-management\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[23]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.okay-line.at\/file\/656\/leitbild-dornbirn-2002.pdf\">https:\/\/www.okay-line.at\/file\/656\/leitbild-dornbirn-2002.pdf<\/a>; erneuert und evaluiert 2017: https:\/\/www.staedtebund.gv.at\/fileadmin\/USERDATA\/themenfelder\/integration\/Dornbirn_Leitbild_Zusammenleben_2017_onineversion.pdf<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[24]<\/a> https:\/\/www.tirol.gv.at\/gesellschaft-soziales\/diversitaet\/leitbild-zum-zusammenleben-in-tirol\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[25]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.integrationsstelle-ooe.at\/Integrationsleitbild_DEU_HTML.htm\">https:\/\/www.integrationsstelle-ooe.at\/Integrationsleitbild_DEU_HTML.htm<\/a>, evaluiert und angepasst, 2017. https:\/\/www.integrationsstelle-ooe.at\/Mediendateien\/Evaluationsbericht%20_2018.pdf<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[26]<\/a> https:\/\/www.soziales.steiermark.at\/cms\/beitrag\/11562700\/103650128\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref5\" id=\"_ftn5\">[27]<\/a> https:\/\/www.geschichtewiki.wien.gv.at\/Wiener_Charta<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[28]<\/a> Sprung, Annette: Zwischen Diskriminierung und Anerkennung. Weiterbildung in der Migrationsgesellschaft, Waxmann: M\u00fcnster 2011<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The never ending story Rebellierende Selbstunterwerfung? Wir kommen zu einem weiteren Kapitel der Erkl\u00e4rungsversuche und der Analyse des Geflechtes von Rassismen und gesellschaftlichen Bedingungen und Umst\u00e4nden. Entwickelt und untersucht wurde das titelgebend Begriffspaar von Nora R\u00e4thzel, die das Konzept auch im Rahmen einer Tagung 1996 in Graz erl\u00e4uterte[1]. Obwohl schon so lange her, dient das &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/serie-rassismus-iii\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[376,374,377,403,467,368],"tags":[461],"class_list":["post-1888","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-diversitaet","category-migration-flucht","category-oeffentlichkeit","category-rassismus-diskriminierung","category-rassismus","category-serien","tag-rassismus-diskriminierung-leigitmationslegende-strukturellerrassismus-institutionellerrassismus-rebellierendeselbstunterwerfung-amitrassistischemassnahmen","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1888","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1888"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1888\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1905,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1888\/revisions\/1905"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1888"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1888"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1888"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}