{"id":1857,"date":"2024-04-02T13:34:46","date_gmt":"2024-04-02T13:34:46","guid":{"rendered":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/?p=1857"},"modified":"2024-10-10T12:16:57","modified_gmt":"2024-10-10T12:16:57","slug":"serie-rassismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/serie-rassismus\/","title":{"rendered":"Serie Rassismus I:"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">The never ending story, Part One<\/h3>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Legitimationslegende<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\"><strong>[1]<\/strong><\/a><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Rassismus \u2013 eine Geisel der Menschheit! Ihn auszurotten, vielfach versucht, zumeist gescheitert. Gelungen ist, ihn global einzud\u00e4mmen, durch V\u00f6lkerrecht, durch Gerichtsh\u00f6fe, durch Parlamente und Politische Leitlinien von demokratisch verfassten Gesellschaften; aber auch das ist nicht selbstverst\u00e4ndlich, immer wieder neu zu erarbeiten. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Rahmen der mehrteiligen Serie \u201eDie Legitimationslegende\u201c wird Rassismus aus mehreren \u2013 zumeist zu kurz kommenden \u2013 Seiten beleuchtet und analysiert. Auch die Gegenstrategien und antirassistischen Aktivit\u00e4ten und Ma\u00dfnahmen sowie die \u00f6ffentlichen Diskurse \u00fcber Rassismus werden einer kritischen Betrachtung unterzogen<\/strong><a href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1857&amp;action=edit#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[2]<\/a>. \u00a0<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_20220313_142751-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1863\" style=\"width:480px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_20220313_142751-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_20220313_142751-300x300.jpg 300w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_20220313_142751-150x150.jpg 150w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_20220313_142751-768x768.jpg 768w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_20220313_142751-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_20220313_142751-2048x2048.jpg 2048w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_20220313_142751-750x750.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was ist Rassismus?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Viele m\u00f6gen sich fragen, warum so eine Frage \u00fcberhaupt am Beginn stehen muss? Was das ist, ist doch eigentlich klar, oder? Okay, bei den alltagsrassistischen Beschimpfungen, \u00dcbergriffen auf der Stra\u00dfe, bei denen zumeist Black, Indiginous and People of color (BiPoC) die Opfer sind, funktioniert die Zuordnung \u201erassistisch\u201c wohl noch an einfachsten. Aber da der Rassismus anpassungsf\u00e4hig ist und war, wird die unmenschliche Ideologie und das grausame Prinzip bei vielen anderen Gruppen, die andere \u00e4u\u00dferliche Merkmale tragen, ebenso angewandt, geschweige denn von den strukturellen und institutionellen Rassismusformen, die viel schwieriger zu durchblicken und zu erkennen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Analysiert man die rassistischen \u00dcbergriffe (Postings, Reden, Aussagen, Angriffe etc.), die bei den diversen Anlaufstellen<a href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[3]<\/a> gemeldet und die als rassistisch eingestuft werden und nimmt man schlie\u00dflich noch die politischen &#8211; \u00f6ffentlichen Aussagen zu Rassismus, Migration, Diskriminierung mit in die Analyse, so wird rasch deutlich, dass wenig Konsens dar\u00fcber herrscht, was der Begriff Rassismus tats\u00e4chlich alles umfasst und wie weit er geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Was wir wissen ist, Rassismus wirkt auf fatale Weise, sowohl auf der individuellen, auf der organisationalen, gesellschaftlichen aber auch auf der politischen Ebene; und er hat sich als wandlungsf\u00e4hig erwiesen. Allen wissenschaftlichen, faktenbasierten Angriffen hat er getrotzt und blieb dennoch ein wichtiges, zerst\u00f6rerisches, gesellschaftliches Kontinuum. Dem gehen wir nun eingehender auf den Grund.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" style=\"list-style-type:1\">\n<li><strong>Rassismus ist eine Erfindung<\/strong>, die besagt, es g\u00e4be bei Menschen unterschiedliche Rassen. Dass, was als \u00e4u\u00dferliche und physisch-sichtbare Merkmale \u2013 wie etwa Hautfarbe oder Haarstruktur \u2013 ausgew\u00e4hlt wurde und wird, sind willk\u00fcrlich Kategorien.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><em>Diese Aussage ist wissenschaftlich unumstritten, best\u00e4tigt und erh\u00e4rtet. Es gibt keinen Zweifel dar\u00fcber, denn d<\/em><em>ie <strong>biologischen Unterschiede zwischen allen heute lebenden Menschen sind winzig<\/strong>, das haben weltweit angelegte, genetische Studien gezeigt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Im menschlichen Erbgut gibt es 3,2 Milliarden Basenpaare \u2013 aber bei keinem einzigen Basenpaar gibt es einen einzigen fixierten Unterschied, der zum Beispiel Afrikaner* von Nichtafrikaner*innen trennt. Es gibt also nicht nur <strong>kein einziges Gen<\/strong>, das solche angeblichen &#8222;rassischen&#8220; Unterschiede begr\u00fcndet, sondern noch nicht mal ein einziges Basenpaar.<\/em> Eine Einteilung in &#8222;Rassen&#8220; ist daher <strong>willk\u00fcrlich<\/strong> und <strong>unwissenschaftlich.<\/strong><a href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1857&amp;action=edit#_ftn1\">[4]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>2. <strong>Rassismus ist daneben die M\u00e4r, dass diese \u201eRassen\u201c eine Ordnung und Hierarchie h\u00e4tten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Wahrnehmung eines \u00e4u\u00dferlichen Unterschiedes w\u00e4re an sich noch nicht problematisch. Die vermeintliche Vielfalt im Aussehen des Menschen und seiner Verhaltensweisen ist ja tats\u00e4chlich gro\u00df. Der wahrgenommene Unterschied im Aussehen oder ein bestimmtes Verhalten wird jedoch immer auch mit unserer eigenen \u201e<strong>kulturellen Brille<\/strong>\u201c angesehen und sofort bewertet. Unser Aussehen, unser Verhalten, unsere Rituale sind immer besser, h\u00f6herwertiger, als dass der \u201eAnderen\u201c.<a href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[5]<\/a> Damit wird eine Norm gesetzt, eine Normalit\u00e4t<a href=\"#_ftn2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[6]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Daraus entstehen Gegensatzpaare, wie etwa \u201eentwickelt\u201c vs. unterentwickelt\u201c, \u201ezivilisiert vs. unzivilisiert\u201c, \u201eUngl\u00e4ubige vs. Gl\u00e4ubige\u201c. Biologisch wahrnehmbare Unterschiede werden zu sozialen Eigenschaften bzw. Praktiken umgewandelt. \u00c4u\u00dferes wird mit innerem Ausdruck, Charakter, Gef\u00fchlen, Intelligenz etc. verschmolzen<a href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[7]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Weil es keine &#8222;Rassen&#8220; gibt &#8230;<\/h4>\n\n\n\n<p>Nun finden wir das seltsame Paradoxon vor, dass es keine Rassen gibt, aber sehr wohl Rassismus. Die Erkl\u00e4rung daf\u00fcr ist wohl, dass Rassismus eine <strong>soziale Praxis <\/strong>ist, die Unterscheidung und Bewertung bestimmter Gruppen erm\u00f6glicht.<a href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[8]<\/a> Es braucht den Begriff \u201eRasse\u201c nur als Vorwand, um bestimmte Diskurse und \u00f6ffentliche Kommunikationsstr\u00e4nge durchzusetzen, die von anderem ablenken sollen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00abDer Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tats\u00e4chlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Ankl\u00e4gers und zum Schaden seines Opfers.\u00bb<a href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1857&amp;action=edit#_ftn2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>[9]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<p>Wen \u00fcber das \u201eWir und die Anderen\u201c gesprochen wird, dann wird \u00fcber andere Missst\u00e4nde in der Gesellschaft nicht oder weniger gesprochen; etwa \u00fcber das Gegensatzpaar \u201eReiche und Arme, St\u00e4dter* vs. Landbewohner*innen, Bildungschancen etc.\u201c. Diesen Entfremdungsprozess nennt man auch <strong>Othering<\/strong>.<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[10]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Fu\u00dfnoten:<\/h4>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1857&amp;action=edit#_ftnref1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[1]<\/a> Der Titel der Serie ist den Ausf\u00fchrungen von Birgit Rommelspacher entnommen, die im Beitrag: \u201eWas ist eigentlich Rassismus?\u201c im Band: Rassismuskritik. 1. Rassismustheorie und -forschung den Begriff erl\u00e4utert; siehe auch Melter\/Mecheril 2009.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1857&amp;action=edit#_ftnref1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[2]<\/a> Anlass zu dieser mehrteiligen Artikelserie war die am 20. M\u00e4rz 2024 im Grazer Rathaus stattfindenden Tagung unter dem Titel: \u201eRassismus &#8211; Quo Vadis?\u201c von der Antidiskriminierungsstelle Steiermark (https:\/\/adss.at\/veranstaltungen\/rassismus-quo-vadis\/).<\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1857&amp;action=edit#_ftnref1\" target=\"_blank\">[3]<\/a> Siehe etwa Antidiskriminierungsstelle Steiermark (https:\/\/adss.at\/) und ZARA (https:\/\/www.zara.or.at\/de)<\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1857&amp;action=edit#_ftnref1\" target=\"_blank\">[4]<\/a> https:\/\/www.quarks.de\/gesellschaft\/darum-ist-die-rassentheorie-schwachsinn\/<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1857&amp;action=edit#_ftnref1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[5]<\/a><a href=\"https:\/\/igkultur.at\/theorie\/des-kaisers-tiere\">https:\/\/igkultur.at\/theorie\/des-kaisers-tiere<\/a>. Hakan G\u00fcrses.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1857&amp;action=edit#_ftnref2\">[6]<\/a> Siehe auch die aktuelle Debatte \u00fcber Leitkultur, Anpassung und Staatsb\u00fcrgerschaft, wie etwa im Grundsatzprogramm von BM Karl Nehammer (\u00d6VP) https:\/\/www.deroesterreichplan.at\/<\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1857&amp;action=edit#_ftnref1\" target=\"_blank\">[7]<\/a> Vgl. Kalpaka, Annita; R\u00e4thzel, Nora: Wirkungsweisen von Rassismus und Ethnozentrismus. In: Die Schwierigkeit, nicht rassistisch zu sein. Argument Verlag. Neuauflage 2017. Hamburg.<\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftnref1\" target=\"_blank\">[8]<\/a> Hall, Stuart: Rassismus als ideologischer Diskurs. In: Was ist Rassismus. Kritische Texte. Reclam 2016.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn2\" href=\"#_ftnref2\">[9]<\/a> Albert Memmi, Rassismus, Frankfurt a.M. 1987<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1857&amp;action=edit#_ftnref3\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[10]<\/a> Spivak, Gayatri Chakravorty: The Rani Of Sirmur. In: Barker, F. et al. (1985): Europe and its others. Vol. 1: Proceedings of the Essex Conference on the Sociology of Literature July 1984. Essex.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Wie sonst k\u00f6nnte Rassismus \u00fcberall anzutreffen sein? Es ist ja kein Privileg der \u201ewei\u00dfen Rasse\u201c \u2013 der Europ\u00e4er\/Nordamerikaner, wie dies gerne, etwas vereinfacht \u201epostkolonial konstruiert\u201c dargestellt wird, rassistisch zu sein und Rassismus umzusetzen. Wir finden in der Menschheitsgeschichte in allen Teilen des Globus \u00e4hnlich Prozesse des Rassismus, ob in Afrika, Asien, Lateinamerika, im Mittlere Osten oder in Ozeanien und dies auch ohne \u201ewei\u00dfe Rasse\u201c. Immer schwingt sich dabei eine \u201eGruppe = Volk\/Nation\/Rasse\u201c \u00fcber einen andere und legitimiert seine \u00dcberlegenheit f\u00fcr Gr\u00e4uel, Verfolgung, Ausbeutung und Sklaverei.<\/p>\n\n\n\n<p>Die klassische Form des Rassismus lebt dennoch fort, unabh\u00e4ngig davon, ob es eine \u201eRasse\u201c gibt oder nicht. Das Konstrukt ist hartn\u00e4ckig und erfolgreich, auch und insbesondere unter wirtschaftlichen und N\u00fctzlichkeits\u00fcberlegungen betrachtet. Davon aber sp\u00e4ter noch mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber da die Legitimation immer wieder auch neu herausgefordert ist und bewiesen werden muss, wurde der Rassismus auch wandlungsf\u00e4hig. Da die Definition von \u201eRassen\u201c diskreditiert wurden \u2013 neben den Beweisf\u00fchrungen durch die Wissenschaft, war vor allem der Widerstand gegen die Sklaverei in den USA mit verantwortlich, die Verwerflichkeit der Ideologie in breite Schichten zu tragen. Sp\u00e4ter wurde gerade der vernichtende Siegeszug unter dem totalit\u00e4ren Nationalsozialismus, der zur Ausrottung der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung aufrief und ihn massenweise umsetzte, mit verantwortlich, dass  Rassismus diskreditiert war und sich das Konzept erneuern musste.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies tat es dadurch, dass die Definition der Rasse von der biologischen Auffassung der \u201eRasse\u201c auf alle Arten von Abstammungsgruppen, die als andersartig dargestellt werden k\u00f6nnen, insbesondere auf die \u00abethnischen Gruppen\u00bb oder \u00abV\u00f6lker\u00bb oder auch als kulturell oder religi\u00f6s definierte Eigenschaften, abgewandelt und erweitert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist insbesondere in der \u201ewestlichen Welt\u201c (USA\/Europa) erfolgt, wo im Windschatten der Polarisierungen<a href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[11]<\/a> auch der Islam als \u201eFeindbild\u201c herangezogen worden ist. Dies unter dem Label des antimuslimischen Rassismus.<a href=\"#_ftn2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[12]<\/a> Aber auch in Indien ist antimuslimischer Rassismus stark im Aufwind, insbesondere seit Narendra Modi <a href=\"#_ftn2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[13]<\/a> mit seiner religi\u00f6s-fanatischen und nationalischen Partei BJP <a href=\"#_ftn2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[14]<\/a> an die Macht gelangt  und Indien zunehmend in einen Gotteststaat verwandelte, ebenso in Myannmar, in der die autorit\u00e4ren Milit\u00e4rs nach einem Putsch 2021 <a href=\"#_ftn2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[15]<\/a>  noch sch\u00e4rfer gegen die muslimische Minderheit der Rohingya<a href=\"#_ftn2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[16]<\/a>  vorging. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u2026ersetzt eben Kultur den Begriff<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Element der Rassismusdebatte und -praxis war die Substitution des inkriminierten Begriffes durch den Begriff der Kultur. Bereits Theodor Adorno bemerkte diesen Wandel im Jahre 1955<a href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[17]<\/a>, ausgedr\u00fcckt in seinem Zitat:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDas vornehme Wort Kultur tritt an die Stelle des verp\u00f6nten Ausdrucks Rasse, bleibt aber ein blo\u00dfes Deckbild f\u00fcr den brutalen Herrschaftsanspruch.\u201c <\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Damit etablierte sich der Begriff \u201ekultureller oder kulturalistischer Rassismus\u201c. Der Einsatz des Begriffes \u201eKultur\u201c in seinem Absolutheitsanspruch und seiner vermeintlichen ideologischen Reinheit in der Definition (was Kultur ist und wie Kultur zu sein hat) kann als synonyme Verwendung zu \u201eRasse\u201c verstanden werden. Damit er\u00f6ffnet sich ein neues, breites Feld f\u00fcr Rassismen und Rassismus, der politisch-gesellschaftlich eingesetzt werden konnte und kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Fortan k\u00f6nnen in der gleichen Systematik des Rassismus auch in den 1960er ff als \u201eGastarbeiter*innen\u201c bezeichnete Migrationsbewegung zu \u201eAnderen\u201c gemacht werden, indem sie eben eine andere Kultur h\u00e4tten, in dem sie als unzivilisiert tituliert wurden, indem sie als d\u00fcmmer und zu h\u00f6heren Aufgaben nicht f\u00e4hig befunden wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Best\u00e4tigt wurde das Stereotyp schlie\u00dflich durch die hohe Anzahl von \u201eGastarbeiterkinder\u201c in Sonderschulen, in die sie vom herrschenden System \u201eausgesondert wurden\u201c <a href=\"#_ftn2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[18]<\/a>. Von Rasse war da selten die Rede, sehr wohl aber von Kultur. Vielfache Beispiele lie\u00dfen sich hier anf\u00fchren, insbesondere in der politischen Debatte aktuell (Leitkultur und Staatsb\u00fcrgerschaft) zeugen von dieser Wandlung hin zum kulturalistischen Rassismus. Die Systematik indes bleibt die gleiche.<\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle m\u00fcsste man n\u00e4her auf den Begriff und die Verwendung von Kultur eingehen, was den Rahmen dieses Beitrages erheblich sprengen w\u00fcrde. Fakt ist aber, dass Kultur ein sehr h\u00e4ufig und weit aufgef\u00e4cherter, sogenannter \u201eContainerbegriff\u201c geworden ist, der \u2013 je nach Kontext und Sprechendem \u2013 alles M\u00f6gliche hei\u00dfen und bedeuten kann<a href=\"#_ftn3\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[19]<\/a>. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr trivial aber h\u00e4ufig wird Kultur etwas mit Nationalstaaten (\u201edie T\u00fcrken\u201c) verbunden und wie ein Rucksack verstanden wird, den jede\/r mit sich tr\u00e4gt und nicht abgelegt aber auch nicht ver\u00e4ndert werden kann<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\">[20]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Im Teil II der Serie wird es um Rassismus als Spurenelement im Recht, in Politik und Alltag sowie als Kontinuum unserer Menschheitsgeschichte gehen; folgt in K\u00fcrze; stay tuned.<\/h5>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Fu\u00dfnoten:<\/h4>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftnref1\" target=\"_blank\">[11]<\/a> Wesentliche Bestandteile daf\u00fcr war die Eskalation nach den Anschl\u00e4gen 9\/11 und das Pamphlet \u201eKampf der Kulturen\u201c von Samuel Huntington.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[12]<\/a> Siehe zu antimuslimischer Rassismus auch: Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung. https:\/\/www.bpb.de\/themen\/infodienst\/302514\/was-ist-antimuslimischer-rassismus\/<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[13]<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Narendra_Modi\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Narendra_Modi<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[14]<\/a> <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Bharatiya_Janata_Party\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Bharatiya_Janata_Party <\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[15]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/hintergrund-aktuell\/327681\/militaerputsch-in-myanmar\/\">https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/hintergrund-aktuell\/327681\/militaerputsch-in-myanmar\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[16]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.unicef.de\/informieren\/projekte\/asien-4300\/bangladesch-19362\/wer-sind-die-rohingya-\/256276\">https:\/\/www.unicef.de\/informieren\/projekte\/asien-4300\/bangladesch-19362\/wer-sind-die-rohingya-\/256276<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[17]<\/a>Adorno, Theodor W. (1975): Schuld und Abwehr, in: Gesammelte Schriften Band 9\/2, S. 276f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[18]<\/a> Siehe: Rana, Sabina, Laksmi. Migrantenkinder in Sonderschulen. Der Zusammenhang zwischen mangelnder Deutschkenntnisse und sonderp\u00e4dagogischem F\u00f6rderbedarf. Diplomarbeit, P\u00e4dagogik, Universit\u00e4t Wien, 2012<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[19]<\/a> https:\/\/kulturshaker.de\/kultur\/<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[20]<\/a> Siehe auch: <a href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/das-kreuz-mit-der-kultur\/\">https:\/\/gulis.at\/schreiben\/das-kreuz-mit-der-kultur\/<\/a>, der Beitrag liefert eine ausf\u00fchrlichere Besch\u00e4ftigung mit dem Begriff und den politischen Konzepten.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_20220406_130256-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1864\" style=\"width:444px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_20220406_130256-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_20220406_130256-300x300.jpg 300w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_20220406_130256-150x150.jpg 150w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_20220406_130256-768x768.jpg 768w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_20220406_130256-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_20220406_130256-2048x2048.jpg 2048w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_20220406_130256-750x750.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The never ending story, Part One Die Legitimationslegende[1] Rassismus \u2013 eine Geisel der Menschheit! Ihn auszurotten, vielfach versucht, zumeist gescheitert. Gelungen ist, ihn global einzud\u00e4mmen, durch V\u00f6lkerrecht, durch Gerichtsh\u00f6fe, durch Parlamente und Politische Leitlinien von demokratisch verfassten Gesellschaften; aber auch das ist nicht selbstverst\u00e4ndlich, immer wieder neu zu erarbeiten. 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