{"id":183,"date":"2013-04-22T07:41:49","date_gmt":"2013-04-22T07:41:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gulis.at\/schreiben\/?p=183"},"modified":"2024-06-21T08:29:25","modified_gmt":"2024-06-21T08:29:25","slug":"entsteht-eine-migrationsgesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/entsteht-eine-migrationsgesellschaft\/","title":{"rendered":"Entsteht eine Migrationsgesellschaft?"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><span style=\"text-decoration: underline\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Folgendes Interview mit Wolfgang Gulis erschien im Zebratl 4\/2012:<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Entsteht eine Migrationsgesellschaft?<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Analyse des Migrationsdiskurses in \u00d6sterreich<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">&nbsp;<\/span><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Dieser Frage ging Wolfgang Gulis<a title=\"\" name=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;font-family: 'Times New Roman','serif'\" lang=\"DE\">[1]<\/span><\/strong><\/span><\/span><\/span><\/a> in seiner Master Arbeit nach, die er im Rahmen seines Studiums \u201eInterkulturelle Kompetenzen\u201c<a title=\"\" name=\"_ftnref2\" href=\"#_ftn2\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;font-family: 'Times New Roman','serif'\" lang=\"DE\">[2]<\/span><\/strong><\/span><\/span><\/span><\/a> an der Donau Uni Krems vorlegte. Die Zebratl Redaktion bat ihn zum Interview.<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">&nbsp;Zebratl: Du hast in Deiner Arbeit einen diskursanalytisch-historischen Blickwinkel gew\u00e4hlt. Warum?<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Gulis: <\/span><\/strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">A<\/span><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">us meiner Zeit bei Zebra hatte ich oft den frustrierenden Verdacht, dass sich in der Asyl- und Migrationspolitik fast nichts \u00e4ndert und wir uns im Kreise bewegen und immer \u00fcber das gleiche diskutieren\u2026 <span>&nbsp;<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Zebratl: \u2026 und dem ist nicht so? <\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Gulis:<\/span><\/strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\"> Nein, wenngleich alles viel l\u00e4nger dauert und das nicht so linear verl\u00e4uft, wie man es sich erhofft. Aber es hat sich viel ver\u00e4ndert. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Zebratl: Wie bist du bei der Arbeit vorgegangen? <\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Gulis: <\/span><\/strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Zum Ersten, ich habe mich auf die Suche nach markanten, historisch bedeutsamen Situationen gemacht; gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen, Gesetze, \u00f6ffentlich-brisante Auseinandersetzungen. Dann bin ich der Frage nachgegangen, ob es innerhalb dieser Marksteine \u00c4hnlichkeiten gibt und man damit Anfang und Ende markieren kann.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Zebratl: Und gibt es die<\/span><\/strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">?<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Gulis:<\/span><\/strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\"> Ja, ich habe vier ausgemacht. Wobei die letzte Phase, noch nicht abgeschlossen ist und man nicht sagen kann, wann<span>&nbsp; <\/span>sie abgeschlossen sein wird.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Zebratl: Was kennzeichnet sie?<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Gulis:<\/span><\/strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\"> Von Phase zu Phase kommen immer mehr Akteure und Akteurinnen hinzu, die an den Diskursen teilnehmen, dadurch mehr Positionen, Kritik und Vorschl\u00e4ge einbringen und damit auch immer mehr Themenfelder erschlossen werden.<span>&nbsp; <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Zebratl: Also ist demnach am Anfang nicht dar\u00fcber debattiert worden?<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Gulis:<\/span><\/strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\"> Genau, 1961 als das Sozialpartnerabkommen<a title=\"\" name=\"_ftnref3\" href=\"#_ftn3\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 12.0pt;font-family: 'Times New Roman','serif'\" lang=\"DE\">[3]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a>, ein so ein Meilenstein, vereinbart wurde, waren nur die Spitzen der Sozialpartner damit befasst. Sie haben nicht nur geregelt, dass Arbeitskr\u00e4fte nach \u00d6sterreich kommen sollten, sie haben auch gleich das \u201eWie\u201c organisiert. Damit waren die sogenannten Gastarbeiter geboren! Diese erste Phase habe ich mit \u201edie Unsichtbaren\u201c betitelt, weil es nahezu keinen \u00f6ffentlichen Diskurs \u00fcber die \u201eGastarbeiter\u201c gab und nicht einmal die Politik<span>&nbsp; <\/span>dar\u00fcber sprach. Dass dies Gastarbeiter vielleicht auch Rechte haben, daran dachte damals keiner. Die Phase dauerte bis 1974<a title=\"\" name=\"_ftnref4\" href=\"#_ftn4\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 12.0pt;font-family: 'Times New Roman','serif'\" lang=\"DE\">[4]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a>. Da kam die Politik drauf, da brauchen wir ein Gesetz: das Ausl\u00e4nderbesch\u00e4ftigungsgesetz, das uns ja uns\u00e4glicherweise bis heute begleitet.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Zebratl: Danach wurde etwas anders? <\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Gulis: Mit den Ausl\u00e4nderbesch\u00e4ftigungsgesetz (1975) geht eine \u00c4ra des Stillschweigens zu Ende, der Gesetzlosigkeit m\u00f6chte man fast sagen. Die Phase zwei ist davon gepr\u00e4gt, dass die \u201eGastarbeiterInnen\u201c in der Gesellschaft \u2013 in Schule, am Arbeitsmarkt, beim Wohnen usw. \u2013 wahrgenommen werden; allerdings auch zum Problem gemacht werden. Also nicht die Strukturen, sondern die anwesenden Menschen wurden problematisiert. Daraus enstanden in den 1980er neue AkteurInnen, wie etwa Hilfsorganisationen, Ausl\u00e4nderberatungsstellen und die ersten Selbstorganisationen.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Zebratl: Wann endet die Phase 2?<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Gulis:<\/span><\/strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\"> Mit einer weltpolitischen Umw\u00e4lzung 1989\/90. <span>&nbsp;<\/span>Der Zusammenbruch des sogenannten Ostblocks stellte alles auf den Kopf, was bisher so einigermassen funktionierte. Ab 1990 ist die dritte Phase \u201eDer Integrationsclash\u201c auszumachen,<span>&nbsp; <\/span>in dieser Phase geht es hoch her und Weltgeschichte verdichtet sich mit lokalen, nationalen Ereignissen und \u00d6sterreich ist da mittendrin. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Zebratl: Gerade aus deiner aktiven Zeit bei Zebra betrachtet, ist das doch eine d\u00fcstere Zeit; Haiders Anti-Ausl\u00e4ndervolksbegehren, Briefbombenterror, Gesetzesversch\u00e4rfungen, Asylabwehr usw.?<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Gulis: <\/span><\/strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Stimmt, das war eine gruselige Zeit. Doch n\u00fcchtern betrachtet, war es eine Phase, in der hart um Positionen gerungen wurde, in der gegen all das, was du richtigerweise aufz\u00e4hlst, dagegen gehalten wurde: Das Lichtermeer, die politischen Plattformen, die Aufkl\u00e4rungskampagnen, die Unzahl an Veranstaltungen\/ Konferenzen. \u00d6sterreich ist in dieser Zeit auch der EU beigetreten. Der Rahmen und die Diskussionen haben sich damit <span>&nbsp;<\/span>nachhaltig ver\u00e4ndert. Neue AkteurInnen kommen hinzu, verschiedene wissenschaftliche Disziplinen beginnen sich mit dem Thema intensiver auseinanderzusetzen. Der Begriff der Integration wird eingef\u00fchrt und sehr kontroversiell und zeitweise exzessiv benutzt und manchmal mi\u00dfbraucht. Aber das ist gleichzeitig auch ein deutliches Zeichen, dass wiederum neue Werte und Rechte geschaffen werden.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Zebratl: Welche?<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Gulis: <\/span><\/strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">In Phase 1 ging es noch um das Recht auf Existenz<strong>, <\/strong>mittlerweile wird der Diskurs dar\u00fcber kaum mehr gef\u00fchrt. Das ist eine rechtsradikale Minderheitenposition, jetzt geht es um das Recht auf Bildung, auf Teilhabe und auf Chancengerechtigkeit.<span>&nbsp; <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Zebratl: Und auch aus dieser Phase sind wir deiner Meinung mittlerweile heraussen?<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Gulis:<\/span><\/strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\"> Ja, ab Mitte der 2000er Jahre ist der Strom der Teildiskurse so breit, dass es eine ausdifferenzierte Sicht auf das Thema gibt. Die makropolitischen Ver\u00e4nderungen spielen dabei auch eine gro\u00dfe Rolle. Antidiskriminierung, Anerkennungspolitik, Diversit\u00e4tsans\u00e4tze sind heute \u2013 zwar noch nicht Mainstream \u2013 aber diskursf\u00e4hig und politikwirksam, siehe etwa die Leitbildentwicklungen, Passagen des Charta Dokuments der Steirischen Landesregierung oder einige Teile des NAPI<a title=\"\" name=\"_ftnref5\" href=\"#_ftn5\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 12.0pt;font-family: 'Times New Roman','serif'\" lang=\"DE\">[5]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a>. Das sind immerhin offiziell beschlossene Regierungsdokumente. Und in manchen Bereichen \u2013 man denke ans Bleiberecht \u2013, ist die Bundesregierung gezwungen, Angebote jenseits von polizeilichen Zwangsma\u00dfnahmen anzubieten. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Zebratl: Besteht bei so einem Phasenmodell nicht die Gefahr, dass man sich die Geschichte sch\u00f6nredet und dem Mythos einer<span>&nbsp; <\/span>best\u00e4ndig voranschreitenden Entwicklung das Wort redet?<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Gulis:<\/span><\/strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\"> Nat\u00fcrlich, die Gefahr besteht. Daher habe ich auch ExpertInnen interviewt und meine Analyse kritisch beleuchten und reflektieren lassen. Was KritikerInnen betonen und wo ich v\u00f6llig \u00fcberein stimme, ist, dass wie in allen Wissenschaften Kategorisierungen grobe Einteilungen sind, die Unsch\u00e4rfen, Auslassungen haben; und daher muss man vorsichtig sein, etwa zu denken, dass mit der neuen Phase die Alte einfach verschwunden sei. Das ist nat\u00fcrlich nicht der Fall. All das, was f\u00fcr die Phasen 1-3 typisch war, gibt es heute auch noch. Staatssekret\u00e4r Kurz etwa wollte k\u00fcrzlich Ausl\u00e4nderklassen errichten. Ein Modell, das in Phase zwei als \u201eAusl\u00e4nderp\u00e4dagogik\u201c aufgetaucht ist. Aber der Unterschied ist, dass vor zwanzig Jahren das einfach umgesetzt worden ist, heute regt sich breiter fachlicher Protest.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Zebratl: Wer sind deiner Meinung nach die wichtigsten AkteurInnen, von denen du so oft sprichst?<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Gulis: <\/span><\/strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Der<strong> <\/strong>Migrationsdiskurs ist durch Vielstimmigkeit und Differenziertheit gekennzeichnet, was ja in Phase 1, 2 und teilweise 3 schmerzlich abging. Besonders wichtig ist dabei die Rolle der NGOs und MigrantInnenorganisationen, denn sie nehmen mitunter zukunftsweisende Positionen ein. 1992 etwa wurde in einem Buch<a title=\"\" name=\"_ftnref6\" href=\"#_ftn6\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 12.0pt;font-family: 'Times New Roman','serif'\" lang=\"DE\">[6]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a> bereits ein Staatssekretariat eingefordert. Es dauerte zwar lange, aber heute haben wir es. Diese Avantgarde Funktion nimmt auch die Wissenschaft ein, die heute ein breites Diskurselement darstellt und Positionen der Politik hinterfragt und kritisch beleuchtet. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Zebratl: Eine Abschlu\u00dffrage, was heisst das f\u00fcr die Zukunft?<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Gulis: <\/span><\/strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Wir haben eine breite Beteiligung von Wissenschaft am Migrationsdiskurs, aber es besteht zunehmend die Gefahr, dass dieser sich auf wenige Personen konzentriert, das ist hegemonial. Daher ist der alternative ExpertInnenrat<a title=\"\" name=\"_ftnref7\" href=\"#_ftn7\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 12.0pt;font-family: 'Times New Roman','serif'\" lang=\"DE\">[7]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a> eine gute Sache, weil er als zus\u00e4tzlicher Player auftritt. Wir haben ein Staatssekretariat, das wichtig ist und einiges ver\u00e4ndert hat, aber das auch kritische Begleitung und Korrektur braucht. Es gibt Grundsatzpapiere, die wir noch in der Phase 3 nicht hatten, aber es bedarf eine Aneignung und strategische Nutzung der Papiere f\u00fcr die Praxis, das w\u00fcrde auch eine Repolitisierung von kritischen Stimmen bedeuten, die mitunter ziemlich leise geworden sind; um die Aneignung der Werte voranzutreiben und ich hoffe, dass die Partizipation und Selbst\u00e4u\u00dferung von MigrantInnen und Selbstorganistionen voranschreitet und sie sich von den paternalistischen Stellvertreterdiskurs befreien k\u00f6nnen. Dieser Player fehlt noch weitgehend.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%\"><strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\">Zebratl:<\/span><\/strong><span style=\"font-size: 12.0pt;line-height: 150%\" lang=\"DE\"> Wir danken f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/span><\/p>\n<div><a title=\"\" name=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 10.0pt;font-family: 'Times New Roman','serif'\">[1]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a>Wolfgang Gulis ist ZEBRA Mitbegr\u00fcnder, ehemaliger Gesch\u00e4fsf\u00fchrer und Chefredakteur des ZEBRATLs, dzt. an der Universit\u00e4t Graz besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<div><\/div>\n<div>\n<p class=\"MsoFootnoteText\"><a title=\"\" name=\"_ftn2\" href=\"#_ftnref2\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 10.0pt;font-family: 'Times New Roman','serif'\">[2]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a> Gulis, Wolfgang: Migrationsdiskurs in \u00d6sterreich. Analyse der Entstehung des Migrationsdiskurses in der zweiten Republik mithilfe eines Phasenmodell, Master These zum Studium \u201eInterkulturelle Kompetenzen\u201c an der Donau Uni Kems, Graz 2012.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"MsoFootnoteText\"><a title=\"\" name=\"_ftn3\" href=\"#_ftnref3\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 10.0pt;font-family: 'Times New Roman','serif'\">[3]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a> Das sogenannte Raab-Olah Abkommen, benannt nach den Pr\u00e4sidenten der Wirtschaftskammer und des Gewerkschaftsbundes legte die Anwerbung von \u201eGastarbeitern\u201c fest.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"MsoFootnoteText\"><a title=\"\" name=\"_ftn4\" href=\"#_ftnref4\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 10.0pt;font-family: 'Times New Roman','serif'\">[4]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a> Durch den \u00d6lschock wuchs die Wirtschaft nicht mehr und Gastarbeiter \u2013 so wie urspr\u00fcnglich geplant \u2013 wurden abgebaut.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"MsoFootnoteText\"><a title=\"\" name=\"_ftn5\" href=\"#_ftnref5\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 10.0pt;font-family: 'Times New Roman','serif'\">[5]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a> Nationaler Aktionsplan f\u00fcr Integration<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"MsoFootnoteText\"><a title=\"\" name=\"_ftn6\" href=\"#_ftnref6\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 10.0pt;font-family: 'Times New Roman','serif'\">[6]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a> \u201eModerne Sklaven\u201c \u2013 Thomas Prader, Promedia Verlag<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"MsoFootnoteText\"><a title=\"\" name=\"_ftn7\" href=\"#_ftnref7\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 10.0pt;font-family: 'Times New Roman','serif'\">[7]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/a> Ende Oktober 2012 wurde von SOS Mitmensch ein neugegr\u00fcndeter unabh\u00e4ngiger ExpertInnenrat pr\u00e4sentiert, der ein alternatives Ma\u00dfnahmenpapier vorlegte. www.sos.mitmensch.at\/stories\/6811\/<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Folgendes Interview mit Wolfgang Gulis erschien im Zebratl 4\/2012: Entsteht eine Migrationsgesellschaft? Analyse des Migrationsdiskurses in \u00d6sterreich &nbsp;Dieser Frage ging Wolfgang Gulis[1] in seiner Master Arbeit nach, die er im Rahmen seines Studiums \u201eInterkulturelle Kompetenzen\u201c[2] an der Donau Uni Krems vorlegte. 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