{"id":1802,"date":"2023-06-06T12:58:41","date_gmt":"2023-06-06T12:58:41","guid":{"rendered":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/?p=1802"},"modified":"2024-06-21T08:15:03","modified_gmt":"2024-06-21T08:15:03","slug":"spiel-mit-dem-leben-anderer-teil-2-kapitel-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/spiel-mit-dem-leben-anderer-teil-2-kapitel-8\/","title":{"rendered":"Spiel mit dem Leben Anderer, Teil 2, Kapitel 8"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Und zu guter Letzt: Ein Ausblick<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Wir sind beim letzten Kapitel im Teil 2 der Serie \u201eSpiel mit dem Leben Anderer\u201c angekommen und darin setze ich zwei Schwerpunkte, die wir etwas n\u00e4her beleuchten sollten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Zum einen kann und muss man sich dem Thema Migration auch auf einer globaleren Ebene \u2013 \u00fcber dem Tellerrand \u00d6sterreichs, ja selbst der EU hinaus \u2013 n\u00e4hern. Denn immerhin leben gesch\u00e4tzt mehr als 280 Millionen au\u00dferhalb ihres Heimatlandes, das sind 3,6% der Weltbev\u00f6lkerung<a href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[1]<\/a>. Hierin sind die innerstaatliche Migrationsformen, die zwischenzeitlichen Pendel- und Transmigrationen, sowie die Tourismusbewegungen nicht mit inbegriffen. Es ist also eine nicht unerhebliche Daseinsform von Menschen, zwischenzeitlich und\/oder l\u00e4ngerfristig nicht in derem Ursprungsland zu leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit h\u00e4ngt eng zusammen \u2013 zweitens \u2013 dass \u00a0wir auch \u00fcber das globale Wirtschaftssystem reden m\u00fcssen, was absurd ist, aber extra betont werden muss, denn in den aktuellen, \u00f6ffentlichen Debatten kommen die eigentlichen Ursachen und Hintergr\u00fcnde f\u00fcr Migration ja kaum vor. Die Dynamisierung der globalen Wirtschaft, die Deregulierungen, die Globalisierung, der finanzmarktge-triebene Turbokapitalismus, die weltweiten Produktions- und Lieferketten, die durch Forschung, Innovation und Entwicklung erzielten Ergebnisse und deren Umsetzungen; all diese und einige mehr Faktoren \u00a0f\u00fchren zu immer schnellerer und engerer Vernetzung, zu immer gr\u00f6\u00dferen Umweltverschmutzung, zu einem radikalen Raubbau an Natur und Ressourcen und zu einem zutiefst unfairen System des Mi\u00dfverh\u00e4ltnisses von Besitz und Gewinn. Die immer niedrigeren Kosten von Dienstleistungen, Telekommunikation und Transport sind weitere Parameter, die Migration beeinflussen<a href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[2]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>\u201eIt\u00b4s the economy, stupid\u201c, k\u00f6nnte man also den Spruch des damalig wahlk\u00e4mpfenden Bill Clinton<a href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[3]<\/a>, der sich um das\u00a0 US-Pr\u00e4sidentenamt erfolgreich bewarb, auch f\u00fcr die Migration anwenden. Unser aller System bedingt, f\u00f6rdert und braucht Migration; und das in all seinen \u201epositiven wie negativen\u201c Formen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu guter Letzt zum Abschlu\u00df des 2. Teiles der Serie ist auch noch ein Ausblick m\u00f6glich, der mit einigen Skizzen, einen konstruktiven und gelingenden Weg aufzeigen soll, um nicht allzu sehr in der tristen Analyse der \u00f6sterreichischen Migrationspolitik verhaftet zu bleiben. Perspektiven und Alternativen aufzuzeigen ist wichtig, um die Hoffnung auf konstruktive L\u00f6sungen beim Thema nicht zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Weltweit gedacht<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Wie schon im ersten Kapitel des 2. Teils erw\u00e4hnt, gibt es durch die Fortschritte der Globalisierung, der Technisierung und der Vernetzung immer \u00f6fter hybride Formen der Migration. Das fr\u00fcher bestehende Bild, der Einmaligkeit von Migration \u2013 also Menschen entscheiden sich f\u00fcr die Auswanderung und lassen ihr Heimatland \u00a0dauerhaft zur\u00fcck \u2013 ist vielf\u00e4ltigen Formen von verschiedenartigen Migrationsformen gewichen (siehe auch Gulis 2022b).<\/p>\n\n\n\n<p>Migration von Hochqualifizierten hat dabei ebenso seine Bedeutung, wie eine zeitweilige Pendelmigration oder eine Transmigration zwischen verschiedenen neuen L\u00e4ndern (etwa bei Montagen, Projektauftr\u00e4gen u.v.m.) sowie mit anschlie\u00dfender R\u00fcckkehr ins Ursprungsland; und mittlerweile gibt es viele weitere Varianten, wie etwa die Expats<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\">[4]<\/a> oder die \u201edigital nomads\u201c<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn2\" target=\"_blank\">[5]<\/a>. <\/p>\n\n\n\n<p>Aber die grunds\u00e4tzliche leichte Verf\u00fcgbarkeit von billigen Arbeitskr\u00e4fte ist ebenso ein nicht unerhebliches \u2013 zutiefst kapitalistisches \u2013 Element bei der Frage, waum es Migration gibt. Darauf wurde im Zuge der Serie schon mehrmals hingewiesen (siehe auch Parnreiter, 1992).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Die Motive f\u00fcr diese Entwicklungen sind vielf\u00e4ltig. Das Zusammenwachsen des europ\u00e4ischen Kontinents unter dem Label der EU hat einen wesentlichen Anteil daran. Die Harmonisierungen der verschiedenen Systeme (etwa durch den Bologna Prozess<a href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[6]<\/a>) und den Abbau von Schranken und B\u00fcrokratie, die innerhalb der EU erfolgten, haben ebenso zu Vereinfachungen und bessere Bedingungen f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Wanderungsbereitschaft gef\u00fchrt wie die IT-Revolution und die sozialen Medien, die Eindr\u00fccke, Information und Austauschm\u00f6glichkeiten quer \u00fcber den Globus erleicherten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig schritt in den letzten Jahrzehnten die wirschaftliche Entwicklung nicht immer so gleichm\u00e4ssig voran, wie dies gedacht war. Die L\u00e4nder des EU-Raumes und des gesamteurop\u00e4ischen Raumes zeichnet doch noch immer erhebliche \u00f6konomische Unterschiede aus. In einem kapitalistischen Gesamtsytem ist das nicht verwunderlich, widerspricht jedoch dem Narrativ der Angleichung der L\u00e4nder in der EU. Zwischen Deutschland und Bulgarien oder \u00d6sterreich und Griechenland bestehen nach wie vor erhebliche Einkommens-, Arbeitsmarkt-, Technologie- und soziale Sicherungssystemunterschiede.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese sind auf beiden Seiten wesentliche Triebfedern. Die Durchl\u00e4ssigkeit ist gr\u00f6\u00dfer geworden, die reichen L\u00e4nder brauchen Arbeitskr\u00e4fte und es gibt genug ausreisewillige, junge Menschen, die aufstiegsorientiert sind und nicht selten von ihrem Ursprungsland entt\u00e4uscht sind, weil \u201enichts weiter gehe\u201c. Denn auch die Information \u00fcber andere L\u00e4nder ist leichter zug\u00e4nglich, als dies vor 30-40 Jahren noch der Fall war; daher ein Vergleich m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher spielt Bildung generell und Ausbildung speziell oft eine gro\u00dfe Rolle. Das Studieren, l\u00e4ngerfristig oder vor\u00fcbergehend, im Ausland ist ebenso zur Normalit\u00e4t geworden, wie die Pendler*innen, die als Pflegekr\u00e4fte ins Land kommen, eine Zeitlang hier bleiben und anschlie\u00dfend wieder zur\u00fcck gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die reicheren EU-Staaten haben ihren Wohlstand in den letzten Jahrzehnten aufgrund von gen\u00fcgend billigen Arbeitskr\u00e4ften erhalten und manchmal auch weiter ausbauen k\u00f6nnen, ebenso wie die Arbeitsmigrant*innen aus den \u00e4rmeren L\u00e4ndern mit der Migration versucht haben, ihre pers\u00f6nliche wirtschaftliche und soziale Situation zu verbessern (siehe G\u00e4chter, 2008). Ob das rum\u00e4nische Pflegekr\u00e4fte in \u00d6sterreich waren oder polnische Handwerker* und LKW Fahrer*innen in Gro\u00dfbritannien, solange UK bei der EU war. Die Systematiken waren immer die gleichen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Laender-Regionen\/Internationales\/Thema\/bevoelkerung-arbeit-soziales\/bevoelkerung\/Migration.html<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1802&amp;action=edit#_ftnref1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[2]<\/a> https:\/\/www.bpb.de\/mediathek\/video\/274748\/zahlen-und-fakten-globalisierung-vernetzung\/<\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1802&amp;action=edit#_ftnref1\" target=\"_blank\">[<\/a>3<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1802&amp;action=edit#_ftnref1\" target=\"_blank\">]<\/a> https:\/\/politicaldictionary.com\/words\/its-the-economy-stupid\/<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[4]<\/a> https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Expatriate<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn2\" href=\"#_ftnref2\">[5]<\/a> https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Digitaler_Nomade<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1802&amp;action=edit#_ftnref1\">[6]<\/a> https:\/\/www.oesterreich.gv.at\/themen\/bildung_und_neue_medien\/universitaet\/Seite.160125.html<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Eine nationale Wirtschaft hat gro\u00dfes Interesse, die Kosten f\u00fcr das Personal zu senken. Eine aufstrebende Arbeiter*innenschaft hat Interesse, h\u00f6here L\u00f6hne zu erhalten, als dies in ihren Heimatl\u00e4ndern m\u00f6glich war. Eine billige Reservearmee war der Unternehmer* innenschaft immer schon recht. Daher fordern Arbeitgeber- und Unternehmer*inneninteressens-verb\u00e4nde regelm\u00e4\u00dfig \u201eleichtere Bedingungen f\u00fcr die Zuwanderung\u201c (siehe auch G\u00e4chter, 1992).<\/p>\n\n\n\n<p>Diesen Forderungen bedingungslos nachzugeben, w\u00e4re f\u00fcr die arbeits- und sozialrechtlichen Standards in \u00d6sterreich katastrophal und w\u00fcrde die Situation der arbeitenden Menschen weiter verschlechtern und die Standards unter Druck setzen, die die Gewerkschaften in den letzten hundert Jahren m\u00fchsam erk\u00e4mpft hatten. Doch dieses Schutzdogma der Gewerkschaften hat \u2013 zumindest in \u00d6sterreich \u2013 auch zu einer geteilten und ungleichen Arbeiter*innenschaft gef\u00fchrt (siehe auch Gulis, 2023); in jene, die Restriktionen unterliegen und daher benachteiligt sind und jenen, die sich frei am Arbeitsmarkt bewegen k\u00f6nnen (siehe auch Gulis 2022c, Teil 2, Kapitel 2).<\/p>\n\n\n\n<p>Noch sch\u00e4rfer und widerspr\u00fcchlicher wird es im Bereich der illegalen Migration, bzw. Besch\u00e4ftigung. Was ja nicht das gleiche darstellt, das sei an dieser Stelle betont, weil es auch oft vermischt wird. Zwar ist es in den EU-Staaten gang und g\u00e4be \u2013 man m\u00f6chte sagen \u2013 es &nbsp;ist Staatsdoktrin, dass Schwarzarbeit aber insbesondere vor allem illegale Migration Teufelswerk ist und vom Staat mit allen Mitteln unterbunden werden m\u00fcsse.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei n\u00e4herer Betrachtung beschleicht einem jedoch das Gef\u00fchl, dass hier das Motto: Je lauter gebr\u00fcllt wird, desto st\u00e4rker sind Gier und brutale Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse akzeptierter Teil des Wirtschaftskreislaufes, gilt. Quer durch den Kontinent gibt es einen Sockel an \u201eIllegalen\u201c, der erstens seit Jahrzehnten nicht kleiner wird und zweitens einen best\u00e4ndigen Strom an Neuen zul\u00e4\u00dft, die zur Verf\u00fcgung stehen<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[7]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter prek\u00e4rsten Lebensbedingungen, unter Plastikbehausungen und Wellblechh\u00fctten, ohne Strom und Wasser am Rande der Plantagen lebende Erntehelfer in S\u00fcditalien oder Spanien, sind ebenso Teil dieser \u201eWahrheit\u201c, wie aus dem unmittelbaren benachbarten L\u00e4ndern einpendelnde Erntehelfer*innen oder Saisonarbeiter*innen in \u00d6sterreich, die in abgewohnten Massenquartieren und Fremdarbeiter*innenheimen, Gemeinschaftsduschen, WCs und Mehrbettzimmern wohnen, zu horrenden Mieten, ja hausen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das zynische daran ist, dass niemand gro\u00dfes Interesse daran hat, irgendetwas an dem System zu \u00e4ndern, denn alle \u2013 zumindest nur hinter vorgehaltener Hand ge\u00e4u\u00dfert \u2013 profitieren davon. Selbst die unter prek\u00e4ren Bedingungen Lebenden erhalten mehr Lohn, als wenn sie zu Hause geblieben w\u00e4ren und selbst wenn ihnen durch Vermittler* und skruppellose Dienstgeber*innen allerlei vorenthalten bzw. abgekn\u00f6pft wird (Miete f\u00fcr Unterk\u00fcnfte, Transport, Schutz usw.).<\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen der Covid Pandemie und der verschiedenen Beschr\u00e4nkungen tauchte auch zeitweilig und kurzfristig die Lage der Erntehelfer*innen und Prostitutierten in den \u00f6ffentlichen Medien auf. Darin wurde deutlich, wieviele T\u00e4tigkeiten unter der Wahrnehmungsschwelle das Gesamtsystem am Laufen halten und das nicht selten als ein System der Rechtlosigkeit und Ausbeutung<a href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[8]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Brain Drain<\/h4>\n\n\n\n<p>Eine Systematik von Migration ist auch, vielfach untersucht, das der Wunsch von Migration auch mit den M\u00f6glichkeiten zusammenpassen muss. Um den Wunsch der Auswanderung und damit Verbesserung der Lebenssituation wahr werden zu lassen, brauchen die Auswanderungswilligen Ressourcen, Wissen, Netzwerke, Kapital und schlie\u00dflich auch die entsprechenden Ausbildungen. Dieses Ph\u00e4nomen \u2013 als Brain Drain bekannt<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[9]<\/a> \u2013 ist einer der besonders nachhaltig und negativen Entwicklungen f\u00fcr Staaten, die von Auswanderung bzw. Anwerbung aus anderen Staaten betroffen sind.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Nicht nur, dass besser ausgebildete Berufe, Wissenschaftler*, Akademiker*, Facharbeiter*innen das Land schneller und leichter verlassen, es ist auch ein enormer langfristiger Ressourcenverlust. Die Zuwanderungsl\u00e4nder erhalten oft fertig ausgebildete Fachkr\u00e4fte, m\u00fcssen f\u00fcr deren F\u00e4higkeiten also nur mehr wenig Aufwand betreiben; Sprach- und Orientierungskurse eventuell, das eine oder andere Update f\u00fcr neue Methoden\/Maschinen. Aber sonst trugen die Ursprungsl\u00e4nder die Ausbildungskosten. Viele der Zugewanderten erhalten trotz der Nichtanerkennung ihrer mit gebrachten Ausbildungen mehr Geld in den niedriger eingestuften Jobs, die sie in \u00d6sterreich dann aus\u00fcben, als w\u00e4ren sie zu Hause geblieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Und schlie\u00dflich bekommen die Arbeitgeber*innen h\u00f6her ausgebildete Kr\u00e4fte f\u00fcr weniger Geld. Ausgebildete Elektriker oder Maurer sind dann angelernte Hilfskr\u00e4fte, machen aber den Job der Fachkr\u00e4fte. Ein System, das schon seit Jahrzehnten funktioniert. Anhand dessen es eine nachhaltige Verweigerung von Aufstiegsschancen und Unterschichtung<a href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[10]<\/a> gegegeben hat (siehe Fassmann 1992).<\/p>\n\n\n\n<p>Wir kennen einige Aspekte dieser Debatten, anhand des \u00c4rzt*innenmangels. Obwohl \u00d6sterreich (aber auch etwa Belgien) ausreichend Ausbildungspl\u00e4tze f\u00fcr das \u00c4rzt*innenstudium zur Verf\u00fcgung stellt, leidet \u00d6sterreich unter der Abwanderung von \u00c4rzt*innen, insbesondere nach Deutschland. Ein \u00e4hnliches Ph\u00e4nomen gibt es in Belgien mit dem Nachbarn Frankreich. Die Sprachn\u00e4he, die Verdienstm\u00f6glichkeiten und der gr\u00f6\u00dfere Markt (f\u00fcr \u00c4rzt*innen) sind dabei wesentliche Triebfedern. Die gro\u00dfen L\u00e4nder ersparen sich erhebliche Kosten, f\u00fcr die Ausbildung von Mediziner*innen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sind diese Tendenzen nicht nur in einigen, kleinen Nischen der Wirtschaft vorhanden, sind sie langfristig f\u00fcr die L\u00e4nder ein immenses strukturelles Problem und mitunter die Ursache f\u00fcr eine nachhaltig r\u00fcckst\u00e4ndige Entwicklung der L\u00e4nder.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[7]<\/a> https:\/\/dsv-europa.de\/de\/news\/2020\/04\/europaeische-kommission-sagt-der-schwarzarbeit-den-kampf-an.html<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1802&amp;action=edit#_ftnref1\">[8]<\/a> https:\/\/www.hopeforthefuture.at\/de\/das-unsaubere-geschaeft-mit-dem-spargel-systematische-ausbeutung-von-erntehelfern-in-europa\/<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1802&amp;action=edit#_ftnref1\">[9]<\/a> https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Talentabwanderung<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[10]<\/a> https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Unterschichtung<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Indien-Strom-1024x789.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1803\" width=\"476\" height=\"367\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Indien-Strom-1024x789.jpg 1024w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Indien-Strom-300x231.jpg 300w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Indien-Strom-768x592.jpg 768w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Indien-Strom-1536x1183.jpg 1536w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Indien-Strom-2048x1578.jpg 2048w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Indien-Strom-750x578.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 476px) 100vw, 476px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Griechenland ist ein gutes Beispiel daf\u00fcr, hatte es doch mehrere Exodusse zu verkraften. Zuerst die Phase nach dem 2. Weltkrieg, als viele das Land aufgrund der tristen wirtschaftlichen Situation verliessen und um dem anhaltenden B\u00fcrgerkrieg<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[11]<\/a> zu entfliehen.\u00a0 Dann folgte der Putsch der Milit\u00e4rs (1967 \u2013 1973) und deren Diktatur<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn2\" target=\"_blank\">[12]<\/a>. Viele Oppositionelle \u2013 gerade Studierende, die gegen das Regime waren \u2013 fl\u00fcchteten nach Mitteleuropa. Nach einigen Jahren der Hoffnung und des Aufschwungs, der auch mit dem EU-Beitritt<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn3\" target=\"_blank\">[13]<\/a> in Verbindung stand, erwischte die Finanzkrise das Land heftig und neuerlich entschieden sich viele Griech*innen auszuwandern<a href=\"#_ftn4\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[14]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Ankn\u00fcpfungspunkte gab es ja genug, denn die alten Migrationslinien in andere L\u00e4ndern, waren ja von fr\u00fcheren Emigrationswellen noch intakt. So verlie\u00dfen viele ihr Land Richtung Deutschland, aber auch nach \u00dcbersee, USA und Australien. \u00c4hnliche Entwicklungen kann man auch in Kroatien oder etwa Polen nachverfolgen. Die Phasen m\u00f6gen unterschiedlich lang dauern, die Migrationszeiten unterschiedlich sein und auch die Migrationslinien nicht die gleichen, aber die Systematik blieb bei allen die Gleiche.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Des einen Freud, des anderen Leid<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Der Vollst\u00e4ndigkeit halber m\u00fcssen wir auch einen noch etwas genaueren Blick auf die Abh\u00e4ngigkeiten und wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse richten. Diese f\u00fchren dazu, dass reiche und mit viel Geld ausgestattete Ketten und multinationale Betriebe, lokale M\u00e4rkte und kleinere Produzenten in den Ruin treiben, oder einfach aufkaufen und danach liquidieren. Insbesondere die europ\u00e4ische Agrarpolitik (GAP) und der Internationale W\u00e4hrungsfonds (IWF) \u00fcbten im Zuge der Liberalisierungspolitik und der Deregulierung, erheblichen Druck auf L\u00e4nder des afrikanischen Kontinents und anderer Regionen, aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter dem Titel der Strukturreformen werden g\u00fcnstige Bedingungen f\u00fcr Importe aus dem Westen (der EU) ausverhandelt; etwa Zollsenkungen. Viele sprechen dabei auch von erpresserischen Methoden, weil die Macht bei den wirtschaftlich potenten Staaten liegt<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\">[15]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Reportage von Mathilde Auvillain und Stefano Liberti, die in der Le Monde Diplomatique im Jahre 2014<a href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[16]<\/a> erschienen ist, zeugt von den zerst\u00f6rerischen Praktiken und der fehlgeleiteten EU-Agrarpolitik, die mit ein Grund f\u00fcr die Entstehung von Armutsmigration ist. Sie zeichnen das auf Ausbeutung beruhende Desaster anhand eines ghanaischen Migranten, im Artikel Prince Bony genannt, \u00a0nach, der zum damaligen Zeitpunkt seit 7 Jahren in S\u00fcditalien (Kampanien) als Erntehelfer, illegal, im Akkord, ohne Versicherung, ohne Arbeitsschutz, ohne Rechte arbeitete; unter anderem, um Tomaten zu ernten. Italien ist der zweitgr\u00f6\u00dfte Produzent von konservierten Tomatenprodukten; vieles davon ist Tomatenmark.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gesamte System sagte der interviewte Yvan Sagnet, ein Kameruni, der mittlerweile als Gewerkschafter f\u00fcr die Rechte der afrikanischen Immigranten t\u00e4tig war, beruhe \u201eauf der Ausbeutung dieser Leute, die ohne Vertrag und unterbezahlt arbeiten\u201c. Die Tomatenverarbeitung ist ein italienisches Riesengesch\u00e4ft. Es ist nach Kalifornien der zweitgr\u00f6\u00dfte Produzent und \u00fcberwiegend Exporteur. Die Steigerungsraten beliefen sich damals auf +8,3% pro Jahr. <\/p>\n\n\n\n<p>Mithilfe der oben erw\u00e4hnten Unterst\u00fctzung der EU und des IWFs sind die Produkte f\u00fcr M\u00e4rkte in Afrika, wie etwa Ghana, um ein Vielfaches billiger, als jene, die in Afrika selbst produziert werden. Also haben die konservierten und billigeren Tomatendosen den ghanaischen Markt\u00a0 geflutet, die Preise gedr\u00fcckt und den lokalen Bauern ihre Existenz zerst\u00f6rt. Zwischen 1998 und 2003 war eine Zunahme der Tomatenimporte nach Ghana um 650% zu verzeichnen und der Marktanteil der heimischen Tomaten ging von 92 auf 57% zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser fatale Kreislauf produziert in den L\u00e4ndern Arbeitslosigkeit, Schulden und Hoffnungslosigkeit. Die j\u00fcngeren versuchten oft ihr Gl\u00fcck im Ausland und endeten auf Feldern in Italien oder Spanien. Nur die Spirale geht noch um eine Drehung weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun steckt Prince Bony aber erst recht in der Zwickm\u00fchle, denn nach vorne ging es nicht. Er verdiente zuwenig, um sich eine neuerliche Reise, in ein anderes europ\u00e4isches Land zu leisten, in der Hoffnung dort eine legale Arbeit zu ergattern. Seine Familie konnte er auch nicht nachholen; ohne Papiere h\u00e4tten sie keine Chance und die Lebensbedingungen, unter denen er hauste, waren alles andere als besser, als in Ghana. <\/p>\n\n\n\n<p>Bony konnte aber auch nicht zur\u00fcck, denn im Heimatland hat sich seitdem vieles ver\u00e4ndert. Die lokalen M\u00e4rkte waren zusammengebrochen. Er w\u00fcrde dort ebenso ohne Arbeit da stehen, wie Tausende andere. Und das bittere und zynische daran ist, dass Prince Bony indirekt mit seiner Arbeit in Kampanien mitgewirkt hatte, dass der Tomatenmarkt in Ghana den Bach runter ging.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Beispiel ist als Teil des Ganzes nur eines von vielen. Solche Beispiele gibt es dutzende, ja hunderte und sie fu\u00dfen auf einem zutiefst unfairem System des internationalen Kapital- und Warenaustausches, in dem die L\u00e4nder des reichen Norden ihre Macht und Geld gnadenlos ausgenutzt haben, um sich Profitvorteile zu verschaffen und dies nach wie vor tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist also insgesamt mehr als zynisch und insbesondere auch kurzsichtig den Blick nur auf einen kleinen Ausschnitt der Symptome zu richten, wenn doch das Geflecht an politischen Handlungen, Vertr\u00e4gen, Marktungleichheiten und ausbeuterischen Machen-schaften das System eigentlich bestimmen. Die Dysfunktionalit\u00e4ten des Kapitalismus werden verschleiert und ignoriert. Die das ausbaden m\u00fcssen, sind arbeitende Menschen des S\u00fcdens und Migrant*innen, die sich in den L\u00e4ndern, in denen sie sich aufhalten schlie\u00dflich auch noch rassistisch beschimpfen lassen m\u00fcssen und Opfer von politischen Kampagnen werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[11]<\/a> https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Griechischer_B%C3%BCrgerkrieg<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[12]<\/a> https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Griechische_Milit%C3%A4rdiktatur<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn3\" href=\"#_ftnref3\">[13]<\/a> https:\/\/european-union.europa.eu\/principles-countries-history\/country-profiles\/greece_de<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn4\" href=\"#_ftnref4\">[14]<\/a> https:\/\/www.derstandard.at\/story\/2000095052708\/360-000-griechen-sind-wegen-der-finanzkrise-ausgewandert<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1802&amp;action=edit#_ftnref1\">[15]<\/a> https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/freihandel-eu-importe-torpedieren-afrikas-wirtschaft-1.3314106-2<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1802&amp;action=edit#_ftnref1\">[16]<\/a> https:\/\/monde-diplomatique.de\/artikel\/!313481<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><span lang=\"DE\" style=\"font-family:\n&quot;Tahoma&quot;,sans-serif;mso-ansi-language:DE\">Zu guter Letzt: Die Perspektiven<\/span> <\/h4>\n\n\n\n<p>Es w\u00e4re wohl fatal, wenn wir die zweiteilige Serie \u201eSpiel mit dem Leben Anderer\u201c derart enden lassen und die M\u00f6glichkeiten von Ver\u00e4nderungen nicht noch einmal komprimiert ins Auge fassen w\u00fcrden. Selbstverst\u00e4ndlich sind Systemver\u00e4nderungen alles andere als einfach und sie lassen sich nicht von heute auf morgen umsetzen. Dennoch gibt es auf den verschiedenen Ebenen der Migrationspolitik eine Vielzahl an Einflu\u00dfm\u00f6glichkeiten und Vorschl\u00e4gen, die es umzusetzen g\u00e4lte, um eine menschengerechtere und sozialere Migrationspolitik umzusetzen. Diese etwas n\u00e4her zu skizzieren, darum wird es im Abschlu\u00df gehen.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Auf der lokalen Ebene<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Auf dieser Ebene w\u00e4ren wahrscheinlich die Auswirkungen von Ver\u00e4nderungen als erstes zu sp\u00fcren und am einfachsten zu bewerkstelligen. Dabei geht es vor allem einmal um eine quantitative Aufstockung der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden, die f\u00fcr Aufenthaltstitel, die fremdenrechtliche und die staatsb\u00fcrgerschaftlichen Agenda zust\u00e4ndig sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Chronisch unterbesetzt ist der Arbeitsanfall in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer gr\u00f6\u00dfer geworden; unter anderem auch deswegen, weil die Gesetzesmaterien und deren Umsetzungen nicht einfacher, sondern durch permanente Gesetzesbeschl\u00fcsse und Verordnungen \u00a0immer schwieriger geworden sind. Das gilt vor allem f\u00fcr den gesamten Komplex der Asylverfahren, wirkt aber auch in die Aufenthaltsberechtigungs- und Nieder-lassungsverfahren hinein, von den umst\u00e4ndlichen, schikan\u00f6sen, teuren und langwierigen Staatsb\u00fcrgerschaftsverfahren, wurde an anderer Stelle bereits berichtet (siehe auch Gulis 2023a).<\/p>\n\n\n\n<p>Eng damit zusammenh\u00e4ngt die Tatsache, dass die Abteilungen generell in der Verwaltung unbeliebt waren und sind. Viele Mitarbeiter*innen empfanden die Fremdenrechts- Staatsb\u00fcrgerschafts- und Einwanderungs-abteilungen als \u201eStrafversetzung\u201c und wenig attraktiv. Es war daher schwer, qualitativ gut geschultes Personal bei so wichtigen und komplexen Materien zur Verf\u00fcgung zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur wenn die Mitarbeiter*innen gerne in der Abteilung arbeiten, wird eine pers\u00f6nliche Karriere- und Aufstiegschance ins Auge gefasst und wird Weiterbildung in Anspruch genommen. Wenn Mitarbeiter*innen das Telefon nicht mehr abheben, um nicht noch mehr Arbeitsanfall zu haben, wie in der Wiener MA 35<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\">[17]<\/a> geschehen, dann wird es auch schwierig, gut geschultes Personal in der Abteilung zu behalten<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn2\" target=\"_blank\">[<\/a>18<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn2\" target=\"_blank\">]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Kultur\u00e4nderung geht nat\u00fcrlich eng mit den \u00f6ffentlichen Diskursen einher. Wenn \u201eAusl\u00e4nder\u201c als S\u00fcndenb\u00f6cke und als nicht zugeh\u00f6rig wahrgenommen werden, diskriminiert und rassistisch beschimpft werden, f\u00e4llt das auch auf eine generelle Stimmung und grunds\u00e4tzliche Haltung zur\u00fcck, die dazu f\u00fchrt, dass sich auch Mitarbeiter*innen in diese Kultur der Ablehnung, des Mi\u00dftrauens, der Verd\u00e4chtigungen\u00a0 miteinf\u00fcgen<a href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[19]<\/a>; ja sich sogar rechtfertigen m\u00fcssen, wenn sie Klient*innenorientiert t\u00e4tig werden. Wenn \u00fcberall in der B\u00fcrokratie Serviceorientierung und ein Dienstleistungsgedanke Einzug h\u00e4lt oder zumindest Einzug halten sollte, bei den \u201eAusl\u00e4nderbeh\u00f6rden\u201c ist das nie als wichtig empfunden worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wesentliche beh\u00f6rdliche Vorgaben aber auch gesetzliche Vorschriften sind von pauschalen Unterstellungen, Ausl\u00e4nder w\u00fcrden betr\u00fcgen, bel\u00fcgen, hintergehen und den (Sozial)-Staat mi\u00dfbrauchen, durchwirkt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Dieses Credo und Anleitung f\u00fcr die Praxis, in weiten Teilen der Gesellschaft verankert, hindert auch, die Dinge einfach zu halten und Serviceorientierung, Verfahrenseffizienz und Transparenz herzustellen. Dies behindert seit Jahrzehnten das Thema nachhaltig, ob es das AMS ist, die B\u00fcrgerservicestellen, die Sozialversicherungseinrichtungen \u2013 um nur einige aus der Vielzahl zu nennen \u2013 oder die f\u00fcr Zuwanderung relevanten Einrichtungen bei den Beh\u00f6rden.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist offensichtlich eine M\u00e4r, dass die Politische Ebene und die \u00f6ffentlich gef\u00fchrten Debatten keine Auswirkungen auf die beh\u00f6rdliche Praxis und in weiterer Folge auf die expliziten und impliziten Abl\u00e4ufe in den Beh\u00f6rden haben. Wenn die Stimmung aufgeheizt gegen Migrant*innen ist und Hass und Zwietracht gesch\u00fcrt werden kann, so schl\u00e4gt sich das auch im Umgang mit den Klient*innen in der Beh\u00f6rde nieder und wird zur impliziten Handlungsanweisung und Richtschnur.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. Die Bundesebene<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die zweite und schon wesentlich schwierigere Ebene f\u00fcr Umsetzungen ist die der \u00f6sterreichischen Innenpolitik, die f\u00fcr Gesetzesneuordnungen verantwortlich ist. Hier ist leider in den n\u00e4chsten Jahren auf wenig Fortschritt zu hoffen. Nichstestotrotz gibt es gerade auf dieser Ebene den gr\u00f6\u00dften Hadlungsbedarf. Eine Neuregelung, welche die legale und gewollte Einwanderung erleichtern und erm\u00f6glichen sollte, w\u00e4re dringend geboten. Aufenthaltsrecht, Rot-Wei\u00df-Rot Karte, Visa Bestimmungen, alles juristische Bereiche, die es in \u00d6sterreich schwer machen, Fu\u00df zu fassen<a href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[20]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittelfristig w\u00e4re eine gro\u00dfe und gemeinsame Reform aller relevanten Gesetzesbereiche dringend erforderlich, um den juristischen und b\u00fcrokratischen Aufwand zu verringern und den Gesetzesgesamtkontext miteinander besser zu gestalten; das gilt etwa auch f\u00fcr die Digitalisierung und den notwendigen Unterlagen, die f\u00fcr Verfahren notwendig sind. Denn Migration betrifft ja nicht alleine den aufenthaltsrechtlichen Aspekt, sondern h\u00e4ngt eng mit Sozial-, Arbeitsmarkt-, Bildungs-, Gesundheits- und Familienpolitik zusammen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Die Grundintentionen der Gesetze sollten nicht auf Abschreckung, sondern auf ein wohlwollendes Willkommen ausgerichtet werden, sodass Fachkr\u00e4fte und Spezialist*innen aus den verschiedensten Bereichen gerne nach \u00d6sterreich kommen w\u00fcrden. \u00d6sterreich ist derzeit im Raking von beliebten L\u00e4ndern, in denen Menschen mit Auswanderungswillen kommen wollten, weit abgeschlagen und wenig attraktiv<a href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[21]<\/a>.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[17]<\/a> https:\/\/www.wien.gv.at\/kontakte\/ma35\/<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn2\" href=\"#_ftnref2\">[18]<\/a> https:\/\/kurier.at\/chronik\/wien\/ma-35-stadtrechnungshof-kritisiert-bekannte-vorwuerfe\/402293120<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1802&amp;action=edit#_ftnref1\">[19]<\/a> https:\/\/www.wienerzeitung.at\/nachrichten\/politik\/wien-politik\/2153699-Drei-Jahre-Verfahrensdauer-bei-der-MA-35.html<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1802&amp;action=edit#_ftnref1\">[20]<\/a> https:\/\/www.sosmitmensch.at\/oesterreich-schlusslicht-beim-zugang-zur-staatsbuergerschaft<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1802&amp;action=edit#_ftnref1\">[21]<\/a> https:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/gesellschaft\/einwanderungs-serie-teil-2-_welches-land-hat-die-meisten-der-weltweit-244-millionen-einwanderer\/42441706<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/P1000241-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1804\" width=\"500\" height=\"333\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/P1000241-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/P1000241-300x200.jpg 300w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/P1000241-768x512.jpg 768w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/P1000241-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/P1000241-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/P1000241-750x500.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Aber die Gesetze zu vereinfachen und klar zu machen, ist das eine, das andere ist auch die politische Kultur zu ver\u00e4ndern und nicht den Hasspredigern der Rechtsextreme zu folgen. Nicht zuletzt herrscht in \u00d6sterreich eine Anla\u00dfgesetzgebungskultur und eine Tendenz, jedes einzelne Detail in Gesetzen zu regeln, sodass jede Novelle und \u00c4nderung die Sachlage nur noch weiter verkompliziert. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zu diesem Themenkomplex geh\u00f6rte auch eine breite Diskussion aller beteiligter und relevanter Einrichtungen und Organisationen (Bund, Land, Gemeinde, Sozialpartner, Interessensvertreter*innen, Vereine), die verschiedenen Ministerien, die damit befasst sind (Arbeits- und Sozial-, Bildungs-, Familien- Jugendministerien) und die die Vor- und Nachteile von einer mittlerweile dringend ben\u00f6tigten Zuwanderung sachlich diskutieren m\u00fcssten und das jenseits der primitiven \u201eFreund-Feind\u201c Argumente, die derzeit abgehalten werden und zur L\u00f6sung nichts beitragen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00d6sterreich br\u00e4uchte dringend einen \u201eZielkatalog und einen Fahrplan f\u00fcr eine Migrationstrategie \u00d6sterreichs\u201c, der in enger Abstimmung mit der EU-Politik erarbeitet wird.\u00a0 Migration ist in \u00d6sterreich so genuin normal und allt\u00e4glich,\u00a0 dass es absurd ist, einen anderen Zustand herbei f\u00fchren zu wollen. Abgesehen davon, dass es faktisch nicht m\u00f6glich ist, ist es auch in vielen Belangen zum Schaden \u00d6sterreichs. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir brauchen verschiedene Gruppen von Arbeitskr\u00e4ften, im Gesundheits- und Pflegebereich, in der Gastronomie und im Tourismus, in international t\u00e4tigen Organisationen und Unternehmen, die Mehrsprachigkeit und Netzwerkkenntnisse in den verschiedenen L\u00e4ndern besitzen; und vieles mehr. Wir brauchen junge Menschen, die vielsprachig sind, bildungshungrig und aufstiegsorientiert sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Jene Formen der Migration sind von N\u00fctzlichkeits\u00fcberlegungen gepr\u00e4gt; die inbesondere wirtschaftliche Aspekte beinhaltet. Diese sind ganz n\u00fcchtern betrachtet, ein wichtiger Teil der Migrationsdebatte. Aber welche Form der Wirtschaft und wie diese Wirtschaft aussieht und wie sie umgestaltet werden kann, etwa in Richtung eines ressourcenschonenden, nachhaltigen und sozialen Weges, l\u00e4sst sich auch anhand von Migration beeinflussen; etwa wenn es um \u00f6kologische und innovative Forschung, um international vernetzte Entwicklungen und deren konkreten praxisbezogenen Umsetzung geht.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Strikte Trennung ist absurd<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>In \u00d6sterreich herrscht das Dogma, das es eine fluchtrelevante und eine arbeitsbezogene Migration gibt und diese beiden Bewegungen geh\u00f6rten getrennt, so die in der Praxis nahezu undurchf\u00fchrbare Leitlinie und ideologisch, einzementierte Position, die \u201eauf Teufel komm\u00b4 raus\u201c umgesetzt werden soll. Die Fluchtbewegung wird \u00fcber die Genfer Fl\u00fcchtlingskonvention (GFK) und die nationalen Asylgesetze abgewickelt; das ist richtig und die Migrationsbewegung, die \u00fcber anderer Gesetze geregelt wird, etwa \u00fcber die Rot-Wei\u00df Rot Karte oder \u00fcber den neu zustande gekommenen UN-Migrationspakt. Auch das ist richtig: Beides dem V\u00f6lkerrecht und den international geschuldeten Pakten und Entwicklungen geschuldet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nur was in der Theorie richtig ist, f\u00fcr das Recht eine notwendige Unterscheidung darstellt und zur wissenschaftlichen Untersuchung und Einteilung n\u00fctzlich ist, erweist sich in der Praxis als bei weitem nicht so klar und streng, wie vorgesehen. Dementsprechend haben wir es mit dem Paradoxon zu tun, dass die tats\u00e4chlichen realen Verh\u00e4ltnisse auf das Recht und die juristische und politische &nbsp;Praxis angepasst werden soll, \u201ekoste es, was es wolle\u201c. Und genau das ist es, was nicht funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Das f\u00e4ngt schon bei der Beurteilung, was Verfolgung ist, an. Inwieweit etwa der Entzug der \u00f6konomischen Grundlagen durch B\u00fcrgerkrieg, durch Naturzerst\u00f6rung, durch gezielte ethnische Vertreibung von Grund und Boden nicht ebenso zur Flucht f\u00fchrt. Wenn ein*e Asylwerber*in aus Afghanistan im Asylverfahren angibt, dass die Taliban der Familie alle wirtschaftlichen Grundlagen vernichtet haben, so ist das Ergebnis der Asylpr\u00fcfung vohersehbar: Negativ.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf die kompliziertere Recherche der Zusammenh\u00e4nge l\u00e4sst sich die \u00f6sterreichische Asylbeh\u00f6rde gar nicht mehr ein. Wir erleben es auch auf den Fluchtrouten. Da sind pl\u00f6tzlich Migrant*innen aus der T\u00fcrkei, Indien und Marokko Seite an Seite mit syrischen und afghanischen Fl\u00fcchtlingen unterwegs. Politisch motiviert nennen die einen diesen Treck, also ist alles weitere \u201eillegale Migration\u201c. Die anderen nennen sie Fl\u00fcchtlinge und schutzbed\u00fcrftig, wohlwissend dass darunter auch viele sind, f\u00fcr die diese Kategorisierung nicht zutreffend ist. Damit stecken wir in starren \u201eSchwarz-wei\u00df\u201c Denken fest, das praktikablere, flexiblere L\u00f6sungen ausschlie\u00dft. Der Beton ist anger\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu kommt auch die v\u00f6llig verfehlte Asylpolitik der EU hinzu, die diese Trennung deshalb auch mit Z\u00e4hnen und Klauen verteidigt und vor Toten und milit\u00e4rischen Kampfma\u00dfnahmen gegen Zuwanderer nicht zur\u00fcckschreckt, weil das Eingest\u00e4ndnis des Scheiterns auch weit reichende Folgen h\u00e4tte. <\/p>\n\n\n\n<p>Es w\u00e4re ein neuer Kurs zu bestimmen, einer, der den tats\u00e4chlichen realen Verh\u00e4ltnissen besser entspr\u00e4che und die tausenden Toten auf den illegalen Migrationsrouten unterbindet und die prek\u00e4ren ausbeuterischen illegalen Arbeitsverh\u00e4ltnisse unterbindet. Denn und das w\u00e4re eines der schnell umsetzbaren Ma\u00dfnahmen und ist einer der schwerwiegendsten Vers\u00e4umnisse der EU-Staaten: Es gibt keine legalen bzw. keine relevanten Migrationsm\u00f6glichkeiten nach Europa.<\/p>\n\n\n\n<p>Das zu \u00e4ndern k\u00f6nnte man in k\u00fcrzester Zeit bewerkstelligen, in Form von Kontingenten, im Form von Wiederansiedlungs- oder in Form von gezielten Einwanderungsprogrammen. Auch die erstmals beim Russland-\u00dcberfall auf die Ukraine europaweit angewandte \u201eMassenvertreibungsrichtlinie\u201c (siehe auch Gulis 2022a), bietet hier sachdienliche Hinweise darauf, wie Flucht und mittel- bis langfristiger Aufenthalt in der EU unter einem Hut zu bringen w\u00e4ren und sie tut genau das. <\/p>\n\n\n\n<p>Sie akzeptiert die Realit\u00e4t und die hybriden Formen von Flucht, Migration, zeitweiser Vertreibung und zwischenzeitlichem (l\u00e4ngerdauerndem) Aufenthalt mit Integrationsm\u00f6glichkeiten, gew\u00e4hrt ukrainischen Fl\u00fcchtlingsfamilien, dorthin zu reisen, wo sie Ankn\u00fcpfungspunkte bereits besitzen, gew\u00e4hrt in einen Aufenthalt in EU-Europa und unterst\u00fctzt sie aber gleichzeitig, mit Sprachkursen, mit Arbeitsunterst\u00fctzung, mit Integration in die Schulen und den Arbeitsmarkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Trennung von Asyl und Migration geht aber auch in den jeweiligen L\u00e4ndern weiter. Ein Umstieg ist in \u00d6sterreich verp\u00f6nt. Jemand, der\/die als Asylwerber*in gekommen ist und in diesem Verfahren steckt und damit auch nicht arbeiten darf, darf nicht pl\u00f6tzlich eine Arbeit annehmen und so sich seinen Unterhalt verdienen und vielleicht auch das Asyl fr\u00fcher oder sp\u00e4ter einfach fallen lassen, weil der Aufenthalt \u00fcber Arbeitsmarktpolitische Integration erfolgt ist. Auch das ist in der Vergangenheit immer wieder der Fall und m\u00f6glich gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher kommen auch diese absurden F\u00e4lle von jahrelangem Aufenthalt dauernd, oft mit pl\u00f6tzlicher Abschiebung endend, vor, weil etwa das Asylverfahren rechtskr\u00e4ftig beendet ist, eine selbstt\u00e4tige Besch\u00e4ftigung jedoch verboten war und selbst wenn sie Arbeit hatten, wie unl\u00e4ngst eine Inderin mit zwei Kinern, die als K\u00f6chin gearbeitet hatte und als Fachkraft dringend ben\u00f6tigt wurde. Nein, da gilt das Wechselverbot. Sie musste aus \u00d6sterreich geschafft werden, weil ihr Asyl zu Ende ist &#8211; sprich ihr Asylverfahren letztinstanzlich negativ abgelehnt wurde. Vermutlich, ohne den genauen Inhalt des Antrages zu kennen, zu Recht. <\/p>\n\n\n\n<p>Damit werden H\u00e4rtef\u00e4lle en masse produziert, die aus keiner Betrachtungsweise irgendeinen Sinn ergeben. Nicht umsonst entsteht Widerstand aus der Bev\u00f6lkerung, von den Unternehmen, die die Leute ausgebildet haben und dringend gebrauchen k\u00f6nnen<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\">[22]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[22]<\/a> https:\/\/www.derstandard.at\/story\/2000145436607\/warum-eine-koechin-und-eine-altenpflegerin-vor-der-abschiebung-stehen<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Um es zu verdeutlichen, das besondere Schutzbed\u00fcrfnis von Fl\u00fcchtlingen zu pr\u00fcfen, ist absolute Notwendigkeit, denn so sieht dies auch die GFK vor und jene heraus zu trennen, davon, die diesen Schutz nicht bed\u00fcrfen. Das heisst aber nicht, dass man sich damit auf die Suche des absolut \u201eguten Fl\u00fcchtlings\u201c begegeben muss, der unsere Barmherzigkeit bedarf und alle anderen \u201eb\u00f6se\u201c sind, weil sie sich etwas erschlichen h\u00e4tten oder es versucht haben k\u00f6nnten. Neben dem sch\u00fctzenswerten Opfer von Verfolgung, gibt es dutzend andere, ebenso legitime Migrationsformen, auf die wir entsprechende Antworten finden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><span lang=\"DE\" style=\"font-family:\n&quot;Tahoma&quot;,sans-serif;mso-ansi-language:DE\">Anerkennung der Realit\u00e4t?<\/span> <\/h4>\n\n\n\n<p>Es w\u00e4re angebracht, etwas mehr k\u00fchlen Pragmatismus walten zu lassen und jenen Personen, die bereit sind, sich einem Assimilisations- bzw. Integrationsprozess zu unterwerfen, die M\u00f6glichkeit zu bieten, in \u00d6sterreich durch Arbeit und Eigenst\u00e4ndigkeit, eine Existenz aufzubauen. Ein bis dato v\u00f6llig ausgeschlossener Umstieg, wie das derzeit in Regierungskreisen genannt wird, sollte m\u00f6glich gemacht werden. Ein flie\u00dfender \u00dcbergang zwischen Asyl- und Arbeitsaufenthalt war in der Vergangenheit immer wieder m\u00f6glich und wurde auch praktiziert. Das ist also nichts absurdes oder verbotenes.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00f6sterreichische Politik und \u00d6ffentlichkeit arbeitet sich leidenschaftlich an der Asylpolitik ab. Das ist jedoch jener Teil, der nur im geringen Ma\u00dfe von der \u00f6sterreichischen Politik beeinflussbar ist; vielleicht auch gerade deswegen? Da kann man dann entsprechend auftreten und Forderungen erheben, die man selbst nicht umsetzen muss. F\u00fcr Asyl darf es weder Quoten noch H\u00f6chstbeschr\u00e4nkungen geben und die jeweils aktuellen Fl\u00fcchtlingsbewegungen k\u00f6nnen von \u00d6sterreich wenig beeinflusst werden. Wenn also wie im letzten Jahr mehr als 112.000 neue Asylantr\u00e4ge gestellt wurden, dann darf \u00d6sterreich dagegen nichts unternehmen (was jedoch immer wieder hintergangen wird; siehe Push Backs und Nichtannahme von Asylantr\u00e4gen, Zur\u00fcckweisungen und Unt\u00e4tigkeit bei der Aufnahme).<\/p>\n\n\n\n<p>Politik hat daf\u00fcr sorgen, dass die Aufnahme, Unterbringung, Versorgung und die Verfahren ordnungsgem\u00e4\u00df und einwandfrei ablaufen. Da gibt es in \u00d6sterreich wie mehrfach in der Serie ausgef\u00fchrt, erhebliche Mi\u00dfst\u00e4nde. Wo jedoch sehr wohl staatliche Eingriffe und ordnungspolitische Schritte gesetzt werden k\u00f6nnen, ist jene Migration, in der es nicht um Leib und Leben geht, bei der \u00d6sterreich ein Mitspracherecht hat, weil es um unsere Interessen geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die europ\u00e4ische Politik, \u00d6sterreich mit eingeschlossen, ist von der nahezu panikhaften Sicherheitsdebatte gepr\u00e4gt, die wie das Kaninchen auf die illegale Migration starrt. Seit 2015, das als Menetekeljahr umformuliert wurde, umso mehr. F\u00fcr den inner\u00f6sterreichischen Migrationsbedarf und den Arbeitsmarkt ist jedoch relativ unerheblich, wie die Leute nach \u00d6sterreich gekommen sind. Wichtig w\u00e4re vielmehr, ob sie Chancen der Ausbildung und der Berufsausbildung wahrnehmen k\u00f6nnen bzw. ob sie die entsprechenden Qualifikationen mit bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da gibt es durchaus berechtigte Zweifel bei bestimmten Gruppen. Warum das so ist, wurde im Rahmen der Serie (siehe auch Gulis 2022) und der Asylkoordination Aktuell (siehe Asylkoordination 2020) bereits n\u00e4her beleuchtet. Aber daraus zu folgern, dass dem ein Riegel vorgeschoben werden m\u00fcsse, um sie vom Arbeitsmarkt und einer Integration \u2013 wie auch immer diese im Detail definiert ist \u2013 fernzuhalten, ist unschl\u00fcssig und durch nichts zu rechtfertigen; au\u00dfer durch Rassismus, einer Ideologie der Ausbeutung und einem Wunsch nach reinem Blut und Angst vor Vermischung oder Bev\u00f6lkerungsaustausch (great reset)<a href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[23]<\/a>. Im Gegenteil nicht weniger Betreuung sondern mehr, muss die Devise sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Zahlreiche L\u00e4nder haben Einwanderungsregeln, um den geregelten und erw\u00fcnschten Zuzug zu organisieren. Ob das immer die besten Regeln sind, sei dahin gestellt, und ob sie manchmal nicht zu sehr den wirtschaftlichen Interessen unterliegen, w\u00e4re ebenso zu hinterfragen. Faktum ist jedoch, dass Gesellschaften und L\u00e4nder die Migration w\u00fcnschen, brauchen und organisieren, L\u00e4nder und Gesellschaften sind, die sich weiter entwickeln und prosperieren. Die Impulse durch eine junge, dynamische und aufstiegsorientierte Zuwanderungspopulation sind f\u00fcr Gesellschaften nicht hoch genug einzusch\u00e4tzen. Das l\u00e4sst sich historisch vielfach belegen (siehe auch G\u00e4chter 2012).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>All das betrachtend und analysierend, muss man n\u00fcchtern festhalten, dass es um die Bedingungen f\u00fcr ein zukunftsfittes und aufgeschlossenes \u00d6sterreich \u00e4u\u00dferst schlecht bestellt ist. Wenn sich nicht rasch etwas \u00e4ndert. Dass alleinige Jammern und Raunzen, was die Anderen (insbesondere Regierungen) alles zu h\u00e4tten, reicht nicht aus. Es w\u00e4re schon dringend, dass man es endlich anpackt und selbst macht. Politik ist nicht helfen und fordern, sondern entwickeln, planen und umsetzen. So das w\u00e4rs erstmal von meiner Seite.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[23]<\/a> https:\/\/www.beratungsstelleextremismus.at\/thema-rechtsextreme-mobilisierung-im-rahmen-der-proteste-gegen-die-corona-masnahmen\/<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Literatur:<\/h4>\n\n\n\n<p>Asylkoordination (Hg.): Von Afghanistan nach \u00d6sterreich. Asylkoordination Aktuell, Wien, 4\/2020.<\/p>\n\n\n\n<p>G\u00e4chter, August: (Un-)ordentliche Besch\u00e4ftigungspolitik. S. 48-69. In: Prader, Thomas (Hg.) Moderne Sklaven. Asyl- und Migrationspolitik in \u00d6sterreich. Promedia Verlag, Wien 1992.<\/p>\n\n\n\n<p>G\u00e4chter, August: &#8222;Migrationspolitik in \u00d6sterreich seit 1945\u201c. Arbeitspapiere Migration und soziale Mobilit\u00e4t, Nr.12. Wien 2008.<\/p>\n\n\n\n<p>G\u00e4chter, August: Was braucht eine Gesellschaft, die fit sein soll f\u00fcr Einwanderung? S. 42 \u2013 50. In: Ikemba (Hg.): \u201eFit f\u00fcr Vielfalt?\u201c Tagung anl\u00e4\u00dflich des 5-j\u00e4hrigen Bestehens des Vereins Ikemba, Tagungsdokumentation. Eigenverlag Graz, 2012<\/p>\n\n\n\n<p>Fassmann, Heinz: Funktion und Bedeutung der Arbeitsmigration nach \u00d6sterreich seit 1963. In: Hohenwarter, Andrea; Karl S. Althaler (Hg.) Torschluss, Wanderungsbewegungen und Politik in Europa.&nbsp; &nbsp;Verlag f. Gesellschaftskritik Wien, 1992<\/p>\n\n\n\n<p>Gulis, Wolfgang: \u201eSpiel mit dem Leben Anderer\u201c. Serie: Teil 1, Kapitel 7. Graz, 2022, online.<\/p>\n\n\n\n<p>Gulis, Wolfgang: \u201eSpiel mit dem Leben Anderer\u201c. Serie: Teil 1, Kapitel 8. Graz, 2022a, online.<\/p>\n\n\n\n<p>Gulis, Wolfgang: \u201eSpiel mit dem Leben Anderer\u201c. Serie: Teil 2, Kapitel 1. Graz, 2022b, online.<\/p>\n\n\n\n<p>Gulis, Wolfgang: \u201eSpiel mit dem Leben Anderer\u201c. Serie: Teil 2, Kapitel 2. Graz, 2022c, online.<\/p>\n\n\n\n<p>Gulis, Wolfgang: \u201eSpiel mit dem Leben Anderer\u201c. Serie: Teil 2, Kapitel 4. Graz, 2023, online.<\/p>\n\n\n\n<p>Gulis, Wolfgang: \u201eSpiel mit dem Leben Anderer\u201c. Serie: Teil 2, Kapitel 6. Graz, 2023a, online.<\/p>\n\n\n\n<p>Parnreiter, Christoph: \u2026Alle Arbeitskr\u00e4fte des Erdrunds. S. 70-91) In: Prader, Thomas (Hg.): Moderne Sklaven, Promedia Verlag, Wien 1992.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/friseurin-greece-771x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1806\" width=\"472\" height=\"628\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/friseurin-greece-771x1024.jpg 771w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/friseurin-greece-226x300.jpg 226w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/friseurin-greece-750x996.jpg 750w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/friseurin-greece.jpg 962w\" sizes=\"(max-width: 472px) 100vw, 472px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">dig<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und zu guter Letzt: Ein Ausblick Wir sind beim letzten Kapitel im Teil 2 der Serie \u201eSpiel mit dem Leben Anderer\u201c angekommen und darin setze ich zwei Schwerpunkte, die wir etwas n\u00e4her beleuchten sollten. Zum einen kann und muss man sich dem Thema Migration auch auf einer globaleren Ebene \u2013 \u00fcber dem Tellerrand \u00d6sterreichs, ja &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/spiel-mit-dem-leben-anderer-teil-2-kapitel-8\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[374,403,427],"tags":[451],"class_list":["post-1802","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-migration-flucht","category-rassismus-diskriminierung","category-spiel-mit-dem-leben-der-anderen","tag-migration-asyl-massenvertreibungsrichtlinie-migrationspolitik-steuerung-anerkennung-der-realitaet-theorie-praxis","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1802","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1802"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1802\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1807,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1802\/revisions\/1807"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1802"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1802"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1802"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}