{"id":1632,"date":"2022-02-22T10:29:41","date_gmt":"2022-02-22T10:29:41","guid":{"rendered":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/?p=1632"},"modified":"2024-06-21T08:16:33","modified_gmt":"2024-06-21T08:16:33","slug":"spiel-mit-dem-leben-anderer-teil-1-kapitel-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/spiel-mit-dem-leben-anderer-teil-1-kapitel-6\/","title":{"rendered":"Spiel mit dem Leben Anderer, Teil 1, Kapitel 6"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\">Im vorhergehenden Kapitel 5 der Serie \u201eSpiel mit dem Leben Anderer\u201c besch\u00e4ftigten wir uns mit dem EU- Beitritt \u00d6sterreichs, dessen Auswirkungen und der Europ\u00e4ischen Asylarchitektur (GEAS), die \u2013 soviel l\u00e4sst sich nunmehr nach vielen Jahren sagen \u2013 weder effektiv noch effizient ist und nicht nur eine katastrophale Spirale der Militarisierung (Grenzschutz und Frontex) nach sich zog, sondern auch enorme Kosten verschlang und weiter verschlingen wird; ohne dass nachhaltige und funktionale Verbesserungen eingetreten sind. Daher richten wir unseren Blick im Kapitel 6 noch etwas tiefer auf die Mechanismen und Abfolgen von Flucht und Migration f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20210604_133747-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1642\" width=\"326\" height=\"244\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20210604_133747-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20210604_133747-300x225.jpg 300w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20210604_133747-768x576.jpg 768w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20210604_133747-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20210604_133747-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20210604_133747-750x563.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 326px) 100vw, 326px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Alle Fl\u00fcchtlingskrisen, die in den letzten Jahrzehnten stattfanden und \u00d6sterreich mehr oder weniger nah und direkt ber\u00fchrt haben, waren Ergebnisse von politischen Prozessen, von Entscheidungen der jeweiligen Machthaber (sic!) und Machteliten, seien es in \u2013 mehr oder weniger \u2013 \u201edemokratischen\u201c Regierungen (etwa dem ehemaligen Jugoslawien oder der Ukraine) oder Despotien (Syrien, Saudi Arabien, Afghanistan oder Pakistan).<\/p>\n\n\n\n<p>Imperiale Welt- und koloniale M\u00e4chte (USA, Russland, China, Gro\u00dfbritannien, Frankreich\u2026) sowie regionale M\u00e4chte (Iran, T\u00fcrkei, Saudi Arabien, \u00c4gypten, Israel) spielen dabei wesentliche Rollen; die ihre Interessen auf Kosten der Menschen und der lokalen Gegebenheiten in der Vergangenheit durchsetzten und dies \u2013 wenn auch mitunter mit anderen Mitteln \u2013 weiter tun. Der Krieg in Syrien ist daf\u00fcr aktuelles Beispiel und dient uns im Folgenden immer wieder als Beispiel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weltweite Fluchtbewegungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Noch nie gab es soviele Fl\u00fcchtlinge nach dem 2. Weltkrieg wie jetzt. Der UNHCR<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> registrierte 83 Millionen Fl\u00fcchtlinge weltweit im Jahre 2020. Ein Sinken der Zahlen ist nicht in Sicht, da eine Vielzahl von Konflikten mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit weiter gehen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur ein geringer Teil der weltweiten Fl\u00fcchtlingspopulation findet den Weg au\u00dferhalb des Landes, wagt sich in andere L\u00e4nder und schafft es, sich in Sicherheit zu bringen. Der weitaus gr\u00f6\u00dfere Teil, n\u00e4mlich rund 48 Millionen sind \u201eBinnenvertriebene\u201c, also Fl\u00fcchtlinge im eigenen Land. 26,6 Millionen wurden als Fl\u00fcchtlinge au\u00dferhalb des Landes registriert und 4,4 Mio. stehen als sogenannte Asylwerber*innen in einem Verfahren zur Anerkennung der Fl\u00fcchtlingseigenschaft. Dazu kommen noch 5,7 Mio. pal\u00e4stinensische Fl\u00fcchtlinge, die unter dem UNRWA \u2013 Mandat<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> stehen, die jedoch in dieser Gsamtzahl nicht mit gerechnet werden. Neuerdings scheinen auch 3,9 Mio. Vertriebene aus Venezuela auf (siehe auch UNHCR 2021).<\/p>\n\n\n\n<p>68% der Fl\u00fcchtlinge unter UNHCR Mandat kommen aus nur 5 L\u00e4ndern:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Syrien (6,8 Mio.),<\/li><li>Venezuela (4,1 Mio.),<\/li><li>Afghanistan (2,6 Mio.),<\/li><li>S\u00fcdsudan (2,2 Mio.), <\/li><li>Myanmar (1,1 Mio.).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Betrachet man die gr\u00f6\u00dften Hauptaufnahme-l\u00e4nder, so f\u00e4llt dabei auf, dass seit der Flucht- bewegung 2015-2016 erstmals seit vielen Jahrzehnten ein europ\u00e4ischen Land unter den 5 st\u00e4rksten Aufnahmel\u00e4ndern aufscheint. Denn in der Regel sind die Hauptaufnahmel\u00e4nder nicht in Europa. Angef\u00fchrt wird diese Liste von: <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>T\u00fcrkei (3,5 Mio.),<\/li><li>Kolumbien (1,7 Mio.),<\/li><li>Uganda (1,5 Mio.),<\/li><li>Pakistan (1,4 Mio.), <\/li><li>Deutschland (1,2 Mio.).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die folgenden L\u00e4nder liegen im Nahen und Mittleren Osten wie etwa der Libanon (1 Mio.) und der Iran (979.000) bzw. in Afrika (\u00c4thiopien)<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders erschreckend ist der Anstieg des Anteils von Kindern (unter 18 Jahre) an der globalen Fl\u00fcchtlingsbewegung. Nahezu 35 Mio., also 42% der knapp 83 Mio. Fl\u00fcchtlinge sind Kinder und Jugendliche. Pro Jahr werden zwischen 290.000 und 340.000 Kinder als Fl\u00fcchtlinge geboren. 85% der Fl\u00fcchtlinge befinden sich in Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4nder und 73% der Fl\u00fcchtlinge leben in benachbarten und angrenzenden Staaten. (Siehe UNHCR 2021)<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Pro Jahr werden zwischen 290.000 und 340.000 Kinder als Fl\u00fcchtlinge geboren.  <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>In der Europ\u00e4ischen Union (EU) spiegeln sich diese Zahlen in abgewandelter aber \u00e4hnlicher Weise wider. Die Asylwerber*innen und Fl\u00fcchtlinge, die es nach EU-Europa schaffen, stammen \u00fcberwiegend aus Syrien, Afghanistan, Venezuela, Kolumbien, Irak, Pakistan, T\u00fcrkei, Bangladesch. Wobei die Fl\u00fcchtlingsbewe-gungen von EU-Land zu Land unterschiedlich sind. Von Fl\u00fcchtenden aus Syrien, Afghanistan, Irak, Iran, Pakistan sind Griechenland, Kroatien, Slowenien, \u00d6sterreich, Deutschland und die \u00f6stlicher gelegenen L\u00e4nder st\u00e4rker betroffen. Spanien ist traditionell aus ihrer kolonialen Verbindung mit spanischsprachigen Fluchtbewegungen (Venezuela, Kolumbien)<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> konfrontiert; die beiden letzteren sind erst in den letzten Jahren stark angestiegen. Italien, Spanien, Malta sind traditionellerweise mit afrikanischen Migrationsbewegungen besch\u00e4ftigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Innerhalb der EU-Staaten ist Zypern jenes Land, das in den letzten Jahren am meisten Asylwerber*innen beherbergt hatte. Im Jahr 2020 waren das 8,446 Personen pro einer Million Einwohner, gefolgt von Malta (4.683), Griechenland (3.532) und Luxemburg (2.068).&nbsp; \u00d6sterreich liegt mit 1.450 an 8. Stelle des EU internen Rankings. Am Ende der Statistik liegen wenig \u00fcberraschend Polen (39), Estland (33) und Ungarn (9). L\u00e4nder etwa, in denen die \u201eMigrationsdebatte\u201c besonders scharf gef\u00fchrt werden, wie etwa Gro\u00dfbritannien (Brexit) (663) oder Italien (355) liegen unter dem EU-Durchschnitt von 932 asylantragstellenden Personen.<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Vollst\u00e4ndigkeitshalber sei darauf hingewiesen, dass in vielen L\u00e4ndern diese Zahlen sich auch mit anderen migrationsbedingten Bewegungen \u00fcberschneiden; also etwa traditionellen \u201eGastarbeiterbewegungen\u201c, die oft in den 1960er bereits angeworben und in den letzten Jahren wieder reaktiviert wurden. So hat besonders Gro\u00dfbritannien in den 2010er Jahren polnische oder rum\u00e4nische Arbeitskr\u00e4fte verst\u00e4rkt auf die Insel geholt, die dann in den Auseinandersetzung um den Brexit, als Argument f\u00fcr \u00dcberfremdung von den Konservativen und rechten Kr\u00e4ften hervorgeholt worden sind. In \u00d6sterreich ist diese Vermischung von fr\u00fcherer Gastarbeiter-bewegung (Jugoslawien, ab 1964) mit der sp\u00e4teren Fl\u00fcchtlingsbewegung in den Jugosla-wien Kriegen (ab 1992) erfolgt. Viele Fl\u00fccht-linge hatten bereits Bekannte und Verwandte in \u00d6sterreich und fl\u00fcchteten daher zu ihnen nach \u00d6sterreich.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> UNHCR \u2013 United Nations High Commissioner for Refugees, Hochkommis\u00e4r f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> https:\/\/www.unrwa.org\/<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> https:\/\/www.unhcr.org\/refugee-statistics-uat\/#_ga=2.28266556.1812857945.1644572129-255817841.1644572129<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> https:\/\/www.migration-infografik.at\/eu-asylstatistiken-2020\/#herkunftsstaaten<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2020, siehe: https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/156549\/umfrage\/asylbewerber-in-europa-2010\/<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Die j\u00e4hrlichen Gesamtantragszahlen in den EU Staaten, spiegeln auch die au\u00dfergew\u00f6hnliche Situation von 2015\/2016 wider. Bis zum Jahre 2012 wurden nie mehr als 355.000 Asylan-tr\u00e4ge in den EU Staaten gez\u00e4hlt. Ab dem Jahr 2013 stiegen die Zahlen jedoch an: 2013 \u2013 401.000, 2014 &#8211; 594.000. Im Jahr 2015 sprangen die Zahlen auf 1,283 Mio. Asylantr\u00e4ge hoch. Im Jahr&nbsp; 2016 waren es noch einmal 1,2 Mio. Danach sanken die Zahlen wieder auf unter 700.000. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Betrachtung von absoluten Zahlen sticht Deutschland innerhalb der EU deutlich hervor. Die deutsche Bundesregierung nahm 441.900 im Jahr 2015, und 722.365 im Jahr 2016 die mit Abstand meisten Asylantr\u00e4ge entgegen. <\/p>\n\n\n\n<p>In diesen genannten Jahren waren auch die Aufnahmezahlen von \u00d6sterreich beachtens-wert. Mit 85.520 lag \u00d6sterreich 2015 unter den ersten vier EU-Aufnahmel\u00e4ndern, 2016 mit fast 40.000 immer noch an f\u00fcnfter Stelle, noch vor L\u00e4nder, wie UK<a href=\"#_ftn6\">[6]<\/a>, Spanien oder Polen, die um ein vielfaches gr\u00f6\u00dfer sind und mehr Bev\u00f6lkerung haben, als \u00d6sterreich. In den Jahren darauf lagen die Asylantragszahlen in \u00d6sterreich wieder im Normbereich zwischen 22.000 (2017) und 11.000 (2018)<a href=\"#_ftn7\">[7]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese au\u00dfergew\u00f6hnliche Aufnahmebereitschaft in den Jahren 2015\/16 dient mittlerweile jedoch den folgenden Bundesregierungen dazu, nahezu jegliche Hilfsleistungen einzustellen und sich nicht an Gemeinschaftsaktionen (Resettlement Programmen, Aufnahme von afghanischen Familien bei der Evakuierung w\u00e4hrend der Macht\u00fcbernahme der Taliban) zu beteiligen<a href=\"#_ftn8\">[8]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Anhand der in Europa am deutlichsten und \u00f6ftesten rezipierten Fl\u00fcchtlingsbewegung in der j\u00fcngsten Vergangenheit, des syrischen (B\u00fcrger-)Krieges l\u00e4sst sich eine immer wiederkehrende Systematik bei Fl\u00fcchtlingsbewegungen exemplarisch nachzeichnen. Sie kommt bei jeder bisher beobachtete gr\u00f6\u00dferen Fl\u00fcchtlingsbewegung vor.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auff\u00e4lligkeiten der aktuellen Fluchtbewegungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein Gender Gap!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ein auff\u00e4lliges und seit Jahrzehnten bestehendes Ungleichgewicht besteht, wenn wir die Zahlen von weiblichen Fl\u00fcchtlingen und Asylwerberinnen in Europa und insbesondere in der Europ\u00e4ischen Union (EU) und jenen, in Lagern und Notunterk\u00fcnften au\u00dferhalb der EU betrachten. Von den 1,26 Millionen Asylantr\u00e4gen, die 2015 in den EU Staaten gestellt wurden, waren lediglich rund 30% von Frauen. In \u00d6sterreich wurden 2018 13.400 Asylantr\u00e4ge registriert, davon waren 5.335 von Frauen. Das betr\u00e4gt einen Anteil von 39,81% (BMI, 2018). Im Jahr 2020 \u2013 die letzte derzeit verf\u00fcgbare vollst\u00e4ndige Jahresstatistik \u2013 war der Anteil gar nur 22,93% an weiblichen Fl\u00fcchtlingen (BMI, 2020). Dieser prinizpielle Trend \u2013 von etwa 1\/3 Frauenanteil bei Asylantr\u00e4gen \u2013 spiegelt sich in der gesamten EU wider<a href=\"#_ftn9\">[9]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Anteil von weiblichen Gefl\u00fcchteten weltweit liegt jedoch bei etwas \u00fcber 50%, je nach Fluchtphase und Region ist die Zusammensetzung jedoch \u00e4u\u00dferst unterschiedlich. Der weitaus geringere Teil der weiblichen Fl\u00fcchtenden macht sich auf den Weg au\u00dferhalb des unmittelbaren Konfliktraumes. Betrachtet man die Situation vor Ort, also in den Notlagern der betroffenen L\u00e4nder (Syrien, Irak oder Afghanistan, Iran, Pakistan) und in unmittelbarer N\u00e4he des Konfliktherdes Syrien (Libanon, T\u00fcrkei, Jordanien oder Iran), so sieht die Verteilung zwischen den Geschlechtern nahezu spiegelverkehrt aus. Die \u00fcberwiegende Zahl, die in den Lagern leben m\u00fcssen, sind Frauen, Kinder und alte, kranke Menschen, die den beschwerlichen Weg der Flucht sich nicht leisten k\u00f6nnen und\/oder nicht auf sich nehmen wollen\/k\u00f6nnen (siehe auch UNHCR, Fl\u00fcchtlingsfrauen).<\/p>\n\n\n\n<p>Warum dies so ist, werden wir im folgenden etwas n\u00e4her beleuchten. Der eine Aspekte dabei ist, dass Flucht in mehrere Phasen unterteilt werden kann. Diese werden im folgenden n\u00e4her erl\u00e4utert; davor m\u00fcssen wir uns mit dem zweiten Aspekt besch\u00e4ftigen, n\u00e4mlich jenem, der Bedingungen, wie wann und unter welchen Umst\u00e4nden Flucht erfolgt und mit einigen Mythen aufr\u00e4umen, die im Zusammenhang mit modernen gewaltt\u00e4tigen Konflikten erz\u00e4hlt werden.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Von den 1,26 Millionen Asylantr\u00e4gen, die 2015 in den EU Staaten gestellt wurden, waren lediglich rund 30% von Frauen.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>  <\/p>\n\n\n\n<p>Die folgende Darstellung ist generalisierend, sie zeichnet die zumeist vorherrschenden Bedingungen und Gr\u00fcnde nach, die in der \u00fcberwiegenden Mehrzahl in der Forschung und den Studien dazu, nachzulesen sind. Das heisst jedoch nicht, dass es nicht andere Formen und Erscheinungsweisen von Flucht und Migrationsbewegungen gibt. In der Regel stellen diese jedoch nicht den Mainstream dar.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Zivilbev\u00f6lkerung ist das Opfer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zur \u00f6ffentlichen Darstellung tragen die Folgen von Kriegen und gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen, totalit\u00e4ren Regimen und innerstaatlichen Gewaltakten im \u00fcberwiegenden Ma\u00dfe die Zivilbev\u00f6lkerung. Amerikanische Gesundheitsexpert*innen (siehe Wiiest u.a., 2014) haben in Rahmen einer gro\u00dfangelegten Metastudie herausgefunden, dass 85-90% aller Get\u00f6teten in kriegerischen Konflikten Zivilist*innen waren. Frauen und deren Angeh\u00f6rigen sind \u00fcberproportional betroffen. Dies steht im krassen Gegensatz zum kolportierten Bild, das Milit\u00e4rs selbst die Hauptbetroffenen von Kriegen seien und es steht im Gegensatz zu den Bildern des modernen Krieges, in dem suggeriert wird, es g\u00e4be keine Kollateral-Sch\u00e4den<a href=\"#_ftn10\">[10]<\/a> mehr und die moderen Waffensysteme k\u00f6nnten punktgenau ihre Ziele ausmachen und treffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die neuen asymmetrischen Kriege<a href=\"#_ftn11\">[11]<\/a> haben die gewaltt\u00e4tigen Aktionen (Anschl\u00e4ge, Angriffe inmitten bewohnter Gebiete\/Vierteln) vielmehr zur Zivilbev\u00f6lkerung getragen \u2013 Zivilbev\u00f6lkerung wird oft als Schutzschild (Geiseln) benutzt. Die alte milit\u00e4rische Grundregel: hier k\u00e4mpfende Truppen, dort Zivilbev\u00f6lkerung gilt immer seltener.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> Damals noch zur Eu geh\u00f6rend.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> https:\/\/www.migration-infografik.at\/eu-asylstatistiken-2020\/#asylantragszahlen-pro-jahr-quartal-und-monat<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\">[8]<\/a> https:\/\/orf.at\/stories\/3239669\/<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\">[9]<\/a> https:\/\/www.migration-infografik.at\/eu-asylstatistiken-2021#asylsuchende-nach-geschlecht-und-alter<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\">[10]<\/a> Unbeabsichtigter, aber in Kauf genommener Schaden, um die Ziele der Aktion zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\">[11]<\/a> Siehe auch Teil II der Serie, Zwischentitel: Verfolgung durch einen Staat. https:\/\/gulis.at\/schreiben\/spiel-mit-dem-leben-anderer\/<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20181031_164620-1024x978.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1635\" width=\"345\" height=\"329\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20181031_164620-1024x978.jpg 1024w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20181031_164620-300x286.jpg 300w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20181031_164620-768x733.jpg 768w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20181031_164620-750x716.jpg 750w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20181031_164620.jpg 1194w\" sizes=\"(max-width: 345px) 100vw, 345px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p><strong>Frauen k\u00fcmmern sich um die Familie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die tief verwurzelten Rollenbilder sind in vielen Gesellschaften nicht au\u00dfer Kraft gesetzt, insbesondere nicht bei Krisen und gewaltt\u00e4tigen Konflikten. In den meisten F\u00e4llen gilt die Regel; Frauen k\u00fcmmern sich in Krisenzeiten um die ganze Familie und fliehen daher auch gemeinsam mit ihnen oder eben nicht. Sie sind immobiler und es bedarf gr\u00f6\u00dferer Anstrengungen, die Flucht mit Kindern, Gro\u00dfeltern usw. zu bewerk-stelligen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Frauen, die alleine nach Europa kamen, sind meist wesentliche Teile der Familie und Angeh\u00f6rige verschwunden oder get\u00f6tet worden. Ausnahmen sind dort zu finden, wo es Frauen auch als k\u00e4mpfende Truppe gibt, etwa bei den kurdischen Einheiten der YPG in Syrien<a href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[12]<\/a>. Darauf kommen wir noch sp\u00e4ter zu sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Familien entscheiden \u2013 als ein wesentlich breiterer Begriff als in Mitteleuropa \u00fcblich \u2013 zumeist gemeinsam dar\u00fcber, wer als erstes flieht. Nicht immer aber h\u00e4ufig sind solche Familien- oder Dorfsysteme von einer patriarchalen Struktur durchzogen. Daher ist es oft ein Patriarch, ein m\u00e4nnlich gepr\u00e4gter \u00c4ltestenrat oder gar ein Dorfvorsitzender, der diese f\u00fcr die Menschen vor Ort so wichtigen Entscheidungen trifft (siehe UNHCR, Fl\u00fcchtlingsfrauen).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Flucht basiert auf illegalen Wegen<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Die Organisation und Hilfe von Flucht ist zumeist illegal. Nicht nur im betroffenen Land selbst, sondern auch auf den weiteren Wegen, den einzelnen Etappen werden falsche Reisedokumente, Visa benutzt, Bestechungsgelder f\u00fcr Grenzpolizist*innen eingesetzt, Fluchthelfer*innen in Anspruch genommen, die \u00fcber nicht offizielle Wege die Genzen \u00fcberwinden. Es gab und gibt Strukturen des \u201eSchlepper- oder Schleuserwesens\u201c, die es Menschen erm\u00f6glichen, die Flucht zu organisieren<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn2\" target=\"_blank\">[13]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Grund daf\u00fcr liegt darin, dass kein Staat und keine Staatengemeinde (EU) es bisher geschafft hat, ein System dauerhaft zu etablieren, bei dem freies Geleit und eine sichere Zuflucht zugesichert werden konnte, obwohl die Innenminister*innen der EU Staaten st\u00e4ndig davon reden, dass man die illegale Migration wirksam bek\u00e4mpfen w\u00fcrde. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Ein System, das es bereits gegeben hat, das den Boden der illegalen Migration unterwandern w\u00fcrde, w\u00e4ren sogenannte Resettlement Programme<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>  <\/p>\n\n\n\n<p>Die Bandbreite der Betrachtungsweise auf die Fluchthilfe ist breit. Die offizielle Politik sagt dem Schlepperwesen seit Anfang der 1990er den bedingungslosen Kampf an, ohne irgendeinen sichtbaren Erfolg verzeichnen zu k\u00f6nnen<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn3\" target=\"_blank\">[14]<\/a>. Weder ist die Schlepperkriminalit\u00e4t insgesamt zur\u00fcckgegangen, noch konnten kriminelle Organisationsformen zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden. Es ist eher so, dass das EU-Asylregime, das auf Abwehr, Abschottung und milit\u00e4rische Antworten setzt, den Gesch\u00e4ften der Schlepper eher noch entgegen kommt (Goebel 2017, S. 206).<\/p>\n\n\n\n<p>Am anderen Ende des Spektrums werden sie  \u2013  die Fluchthelfer  \u2013  von vielen Fl\u00fcchtlingen zu Helden oder Samaritern stilisiert. Zwischen diesen Polen gibt es in der Realit\u00e4t eine gro\u00dfe Bandbreite; vom einfachen Familienvater, der auf der Heimreise aus dem Urlaub jemanden \u00fcber die Grenze mitnimmt, ebenso wie die skruppellose, durchorgani-sierte Mafiaorganisation, die wie eine Firma arbeitsteilig in jedem Land und international organisiert ist, die eine Dienstleistung anbietet und daf\u00fcr \u2013 oft nicht wenig \u2013 Geld kassiert (siehe BpB 2015).<\/p>\n\n\n\n<p>Ein System, das es bereits gegeben hat, das den Boden der illegalen Migration unterwandern w\u00fcrde, w\u00e4ren sogenannte Resettlement Programme, die von L\u00e4ndern wie USA, Kanada, Australien und Neuseeland immer wieder aufgelegt worden sind. Jedoch in den letzten Jahren sehr selten zur Anwendung kamen und immer nur f\u00fcr eine bestimmte Region oder einen Konflikt galten (so etwa das Programm der USA f\u00fcr die vietnamesichen und kambodschanischen Boat People)<a href=\"#_ftn4\">[15]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dieses System<\/strong> <strong>bevorzugt junge M\u00e4nner<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Wahl in den Familien und R\u00e4ten vor Ort f\u00e4llt daher in der Regel auf junge M\u00e4nner aus der Familie\/aus dem Dorf. Sie seien f\u00fcr die Strapazen einer illegalen Flucht besser geeignet, so eine der Argumentationen. In der Tat sind die Gefahren f\u00fcr sie geringer, als f\u00fcr Frauen (siehe auch BIM 2016), denn das Schleppergesch\u00e4ft ist m\u00e4nnlich dominiert und von knallharten Gesch\u00e4ftsinteressen gepr\u00e4gt. Die Menschen, die sich den Netzwerken anvertrauen sind Ware f\u00fcr Gesch\u00e4fte aller Art. Daher ist die Gefahr von Gewalt, Vergewaltigungen und Zwangsprostitution auf der oft langen Reise eminent. <\/p>\n\n\n\n<p>Man traut den jungen M\u00e4nnern auch mehr Durchsetzungskraft im Zielland zu. Und schlie\u00dflich sind die Aufnahmebedingungen und Chancen in EU-Europa f\u00fcr junge M\u00e4nner besser, die selbst, wenn es legal nicht klappt, am illegalen Schwarzmarkt Einkommensm\u00f6glichkeiten finden und sich durchschlagen k\u00f6nnen. Der Bedarf an billiger Arbeitskraft ist im legalen wie auch im informellen Sektor best\u00e4ndig vorhanden.<a href=\"#_ftn5\">[16]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr diese jungen M\u00e4nner werden die Mittel aufgebracht, die ganze Familie legt zusammen. Auch hier gibt es einen patriarchalen Vorteil, da der Besitz der Familien oft in m\u00e4nnlicher Hand liegt. Diesen jungen M\u00e4nnern wird damit auch ein innerfamili\u00e4rer Auftrag mitgegeben. Sie sollen \u2013 sobald es ihre Lage erlaubt \u2013Teile der Familie nach holen, denn schlie\u00dflich wird auch die \u201eR\u00fcckzahlung\u201c des geliehenen Geldes erwartet.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Prinzip der Familieneinheit ist zwar eher aus der Migrationsforschung bekannt, gilt aber f\u00fcr alle Fluchtbewegungen ebenso und ist durch die GFK und dem Asylgesetz im \u201eRecht auf Familienzusammenf\u00fchrung\u201c auch nochmal extra betont.<\/p>\n\n\n\n<p>In nahezu allen Gesellschaften sind Frauen verst\u00e4rkt von Armut betroffen bzw. verdienen deutlich weniger oder haben gar keinen eigenen Besitz, sodass ihnen eine Flucht ohne Zustimmung des Dorfes oder des Familienrates meist gar nicht m\u00f6glich w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>(Junge) M\u00e4nner werden aber auch deswegen oft au\u00dfer Landes gebracht, weil sie sich im Zuge von kriegerischen Auseinandersetzungen in einer Double Bind Situation<a href=\"#_ftn6\">[17]<\/a> befinden. Entweder werden sie rekrutiert \u2013 f\u00fcr die eine oder andere Konfliktpartei und sind damit in Gefahr zu T\u00e4tern zu werden \u2013 oder wenn sie sich dem entziehen, werden sie selbst verfolgt und als \u201eVerr\u00e4ter\u201c denunziert. Es gibt bei jungen M\u00e4nnern (in der Phase der Milit\u00e4rzeit) ein erh\u00f6htes Bedrohungsszenario.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[12]<\/a> https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Volksverteidigungseinheiten<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[13]<\/a> Siehe auch: https:\/\/gulis.at\/schreiben\/serie-wir-mussen-die-illegale-migration-bekampfen-mussen-wir\/<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[14]<\/a> https:\/\/www.fluter.de\/sites\/default\/files\/flucht_28bis32.pdf<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[15]<\/a> https:\/\/gulis.at\/schreiben\/schluss-mit-scheinlosungen\/<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[16]<\/a> Das gilt jedoch mittlerweile auch f\u00fcr jene, Sektoren in denen Frauen arbeiten (d\u00fcrfen\/m\u00fcssen), wie etwa Pflege, Haushaltshilfen, pers\u00f6nliche Dienstleistungen aber auch Prostituion.<\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftnref6\" target=\"_blank\">[17]<\/a> In diesem Fall ist gemeint, dass die M\u00e4nner, wie sie sich auch entscheiden, Gefahr laufen von der anderen Seite als Feind identifiziert zu werden und in Kampfhandlungen verwickelt werden.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p><strong>Die Phasen der Flucht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kommen wir nun zu den Phasen, Abl\u00e4ufen und Mechanismen der Flucht. Dabei bleiben wir beispielhaft beim Konflikt in Syrien und den darauffolgenden Fl\u00fcchtlingsbewegun-gen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Phase 1<\/strong><br><br>Das UNHCR sch\u00e4tzt, dass mindestens 7.0 Millionen Syrer*innen innerhalb der (ehemaligen) Landesgrenzen auf der Flucht waren bzw. sind. Das kann man als die Phase 1 der Flucht bezeichnen. Die von Verfolgung und Krieg Betroffenen, versuchen sich in Sicherheit zu bringen. Das passiert dadurch, dass man in die n\u00e4chst sichere Stadt\/Region\/Provinz fl\u00fcchtet. Oft ist das auch die Rettung der Betroffenen zu Verwandten und Freunden, die in anderen Regionen leben. Das nennt man im Zuge des Asylantragsbegutachtungsverfahrens auch die Pr\u00fcfung einer innerstaatlichen Fluchtalternative<a href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[18]<\/a>. Enden die Auseinandersetzungen, die Kampfhandlungen, die Verfolgungen, dann setzt bald eine R\u00fcckkehrbewegung ein.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>H\u00e4ufig beruhigt sich die Lage jedoch nicht, wie in Syrien geschehen. Die Gefl\u00fcchteten und Vertriebenen k\u00f6nnen nicht zur\u00fcck, m\u00fcssen dort bleiben, wo sie vorerst in Sicherheit waren. H\u00e4ufig weiten sich Konflikte aber aus und es erfolgt eine r\u00e4umliche Eskalation der Verfolgung und Gewalt. Neben den bereits einmal Gefl\u00fcchteten werden dann auch jene zu Fl\u00fcchtlingen, die bis dahin sicher waren. Dies ist der Beginn der Phase 2.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Phase 2<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Weitere gesch\u00e4tzte 7.0 Millionen Syrer*innen (siehe Statistik und Zahlen) sind in die benachbarten L\u00e4nder T\u00fcrkei, Libanon, Jordanien, Irak, Iran, \u00c4gypten und anderen L\u00e4ndern in Nordafrika gefl\u00fcchtet. Das sind jene Menschen, die bereits aus einem vermeintlich sicheren Gebiet erstmals vertrieben worden sind und nunmehr in eines der Nachbarstaaten gefl\u00fcchtet sind, weil ihnen etwa der Weg in ihr angestammtes Gebiet oder in eine andere Region Syriens<a href=\"#_ftn2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[19]<\/a> versperrt worden ist oder es schlichtweg keine sichere Region mehr gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir kennen die TV- Bilder und Dokumentationen \u00fcber die Aufnahme von Fl\u00fcchtlingen in derartige Notlager. Sie werden in den Nachbarstaaten rasch aufgebaut und sind mit grundlegender Infrastruktur ausgestattet. Die Unterk\u00fcnfte sind h\u00e4ufig erstmal Zelte, manchmal nicht einmal winterfest. Die Aufgenommen erhalten Essensrationen, es gibt Toiletten und Sanit\u00e4ranlagen, sowie eine \u00e4rztliche Basisversorgung. Das alles jedoch unter prek\u00e4ren Bedingungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Notlager werden von den jeweiligen L\u00e4ndern, dem UNHCR und internationalen Hilfsorganisationen \u2013 wie etwa Rotes Kreuz\/Roter Halbmond, Caritas, Diakonie, \u00c4rzte ohne Grenzen usw. \u2013 aufgebaut und betrieben. Das UNHCR registriert in den Lagern auch die Fl\u00fcchtlinge und stellt sie unter ihren Fl\u00fcchtlingsschutz \u2013 das sogenannte UNHCR Mandat. Im Falle des Syrien Konfliktes f\u00fcllten sich diese Lager rasch, sodass nicht nur die Kapazit\u00e4ten bald an ihr Limit gelangten, sondern auch die Aussicht auf ein Ende des Krieges in Syrien schwand.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Lager, die bei solchen Krisen entstehen, sind nur f\u00fcr den Notfall gedacht. Damit wird eine schnelle Erstversorgung gesichert. F\u00fcr einen l\u00e4ngeren Aufenthalt sind diese eigentlich nicht geeignet. Die Praxis zeigt, dass diese Annahme jedoch meist falsch ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Ehemalige Notlager durch das Internationale Rotes Kreuz\/Halbmond und UNHCR bestehen oft viele Jahre, ja mittlerweile Jahrzehnte (wie etwa die UNRWA Lager der Pal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlinge im Libanon und anderen Nachbarl\u00e4ndern Syriens). Ans\u00e4tze, diese Strategie (Notlager) zu ver\u00e4ndern gibt es,&nbsp; aber sie stecken noch in den Kinderschuhen<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn3\" target=\"_blank\">[20]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen verbringen einen Gro\u00dfteil ihres Lebens in solchen Lagern. Seit dem offenen, gewaltt\u00e4tigen Ausbruch des Syrien Konfliktes im Jahre 2011 sind etwa in den Libanon mehr als 1 Mio. Menschen gefl\u00fcchtet und in Lager aufgenommen worden. Dazu muss erw\u00e4hnt werden, dass der Libanon, dzt. etwa 7 Mio. Einwohner*innen, nicht viel gr\u00f6\u00dfer als das deutsche Bundesland Hessen ist und bereits seit vielen Jahrzehnten ca. 500.000 Pal\u00e4stinensische Fl\u00fcchtlinge unter UNRWA Mandat aufgenommen hat<a href=\"#_ftn4\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[21]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit mittlerweile 11 Jahren hat sich die \u00e4u\u00dferst triste Situation von syrischen Fl\u00fcchtlingen in den Lagern weiter verschlechtert. Nach wie vor leben der Gro\u00dfteil in Lagern, die nicht viel mehr als Notbehelfe sind; oftmals von den Bewohner*innen selbst notd\u00fcrftig befestigt und ausgebaut<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn5\" target=\"_blank\">[22]<\/a>. Der Libanon als Staat ist in den letzten Jahren selbst in die Krise gekommen und steht vor einem totalen politischen, sozialen und \u00f6konomischen Zusammenbruch<a href=\"#_ftn6\">[23]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Je l\u00e4nger dieser Zustand andauert, desto belastender wurde es f\u00fcr die Beteiligten. Dazu kam, dass in den Jahren nach 2011 die Hilfsgelder immer enger wurden. Das Nahrungsmittelprogramm der UNO<a href=\"#_ftn7\">[24]<\/a> Ende 2014 bekannt geben musste, dass die Lebensmittelzuteilungen f\u00fcr die Aufnahmel\u00e4nder, die syrische Fl\u00fcchtlinge untergebracht hatten, eingeschr\u00e4nkt werden musste. Die Geberl\u00e4nder des UNO Nahrungsmittelprogramms, insbesondere die USA hatten&nbsp; ihre Mittel verz\u00f6gert aus- bzw. gar nicht gezahlt. F\u00fcr die Betroffenen stellte das eine Katastrophe dar. Waren die Rationen bzw. die Geldmittel f\u00fcr den Kauf von Essen und Nahrung schon davor nicht \u00fcppig, so kam mit der Situation existenzielle Bedrohung durch Hunger hinzu und die Gefahr, in den Lagern zu verhungern, stieg (FAZ, 2015).<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>Und nun auch noch die K\u00fcrzung der Gelder und Rationen<\/em>.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Dies war der Ausl\u00f6ser f\u00fcr viele Fl\u00fcchtlinge, aus der Situation auszubrechen. <\/p>\n\n\n\n<p>Sie m\u00fcssen sich bitte die Lage damals vorstellen:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Seit mehreren Jahren (von 2011 bis Ende 2014\/Anfang 2015) in einem zeltartigen Notbehelf leben, Toiletten und Sanit\u00e4ranlagen f\u00fcr hunderte Menschen, Wasser nur an reglementierten Wasserstellen und von Essensrationen und Zuwendungen der internationalen Gemeinschaft abh\u00e4ngig zu sein, die nicht satt machen; keine Aussicht, dass der Krieg im Heimatland aufh\u00f6rt, \u2013 im Gegenteil \u2013 es kamen immer mehr aus der alten Heimat in den Lagern an. Und nun auch noch die K\u00fcrzung der Gelder und Rationen <a href=\"#_ftn8\"><strong>[<\/strong><\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn8\" target=\"_blank\"><strong>25]<\/strong>.<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1632&amp;action=edit#_ftnref1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[18]<\/a> https:\/\/www.bfa.gv.at\/201\/Begriffsbestimmungen\/start.aspx#pk_160<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[19]<\/a> Wie dies etwa in manchen nordwestlichen Gegenden Syriens der Fall war.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[20]<\/a> Etwa im Fl\u00fcchtlingslager Zaatari in Jordanien wurde dies versucht. http:\/\/oe1.orf.at\/artikel\/642560<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[21]<\/a> https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Libanon<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[22]<\/a> https:\/\/www.caritas-international.de\/hilfeweltweit\/naherosten\/syrien\/fluechtlinge-libanon<\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftnref6\" target=\"_blank\">[23]<\/a> https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2022-01\/libanon-wirtschaftskrise-internetausfall-treibstoffmangel-benzinkrise-armut<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[24]<\/a> https:\/\/de.wfp.org\/ueberblick<\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftnref8\" target=\"_blank\">[25]<\/a> https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/fluechtlingskrise\/wie-der-fluechtlingsandrang-aus-syrien-ausgeloest-wurde-13900101.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20210130_172342-1024x471.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1639\" width=\"474\" height=\"217\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20210130_172342-1024x471.jpg 1024w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20210130_172342-300x138.jpg 300w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20210130_172342-768x353.jpg 768w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20210130_172342-1536x707.jpg 1536w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20210130_172342-2048x942.jpg 2048w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20210130_172342-750x345.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p><strong>Phase 3<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist der Moment, in dem die Phase 3 beginnt. Jene, die Reserven zur Verf\u00fcgung haben, kratzen all ihre Mittel zusammen, bitten ihre Verwandten und Familienmitglieder, die zum Teil bereits in der Welt verstreut sind, um Hilfe und machten und machen sich mittels illegaler Fluchthelfer\/Schlepper auf, um aus der gef\u00e4hrlichen und verzweifelten Situation zu kommen. <\/p>\n\n\n\n<p>Antonio Guterres UN-Hochkommissar f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge, sagte damals, dass die K\u00fcrzungen der \u201eAusl\u00f6ser\u201c der Fl\u00fcchtlingswelle in diesem Sommer 2015 gewesen seien. Der damalige deutsche Au\u00dfenminister Walter Steinmeier (jetziger deutscher Bundespr\u00e4sident) sprach von einem \u201ehumanit\u00e4ren Skandal\u201c und das man sich nicht wundern d\u00fcrfe, \u201ewenn sich weitere Menschen aus den Fl\u00fcchtlingslagern auf den Weg nach Europa machen\u201c.<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\">[26]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Folgen sind bekannt. Hunderttausende syrische Fl\u00fcchtlinge machten sich auf den Weg, das Mittelmeer mittels waghalsiger Man\u00f6ver und v\u00f6llig \u00fcberladener Boote zu \u00fcberqueren, um nach Europa \u2013 \u00fcberwiegend nach Schweden, Deutschland und \u00d6sterreich \u2013 zu gelangen und in weiterer Folge auch in andere L\u00e4nder weiter zu wandern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Phasen 1 und 2 dieser Fluchtbewegung stellten sich \u00fcberwiegend als Einzel- bzw. Kleingruppenbewegungen dar; bestehend aus Familien oder Teile von Familien, die fliehen. Oftmals sind diese Gruppen in Phase 2 bereits gr\u00f6\u00dfer; etwa wenn ein ganzes Dorf oder ein Stadtteil gemeinsam \u00fcber die Grenze flieht.<\/p>\n\n\n\n<p>In Phase 3 zerf\u00e4llt diese Bewegung wieder in viele kleine Gruppen. Da ihre Ziele aber \u00e4hnlich sind, treten sie oft als Massenfluchtbewegung, wie dies dann zu Zehntausenden \u00fcber T\u00fcrkei, Griechenland und dem Balkan der Fall war, auf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Selektion nach \u00f6konomischen Kriterien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jene syrischen Fl\u00fcchtlinge, die sich nach Europa aufmachten, waren \u00fcberwiegend jene, die innerhalb ihrer Gesellschaften, dem Mittelstand, auf jeden Fall nicht den untersten, armen Schichten, angeh\u00f6rten. Dieses Ph\u00e4nomen geh\u00f6rt ebenfalls zur Systematik von Flucht und Migration. Jene, die den unteren, armen Schichten angeh\u00f6ren, haben nicht die Mittel, Ressourcen und Netzwerke daf\u00fcr, um nach Europa zu gelangen, ihnen gelingt h\u00f6chstens die Flucht als Binnenvertriebene im Land oder in Notlagern in den benachbarten L\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Jene syrischen Fl\u00fcchtlinge, die sich nach Europa aufmachten, waren \u00fcberwiegend jene, die innerhalb ihrer Gesellschaften, dem Mittelstand, auf jeden Fall nicht den untersten, armen Schichten, angeh\u00f6rten.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p> <\/p>\n\n\n\n<p>Ein Teil davon schafft es in der neuen Gesellschaft (T\u00fcrkei, Jordanien), Arbeit, Wohnung zu finden, sich unabh\u00e4ngig zu machen, den Lager den R\u00fccken kehren zu k\u00f6nnen. Wenn es von Seiten des Staates auch Unterst\u00fctzung und Programme \u2013 etwa auch durch Mittel der EU an die T\u00fcrkei \u2013 zur Integration gibt, wird dies erleichtert und kann gelingen. Wenn die Staaten jedoch selbst in der Krise stecken, wie etwa der Libanon aber auch mittlerweile die T\u00fcrkei, dann f\u00e4llt das f\u00fcr Neuank\u00f6mmlinge und Fl\u00fcchtlinge entsprechend schwerer. Sie verlieren als Erstes die Arbeit wieder und sind nicht selten rasch auch rassistischen Anfeindungen ausgesetzt und werden Spielball von innenpolitischem Populismus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Versagen auf allen Ebenen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Anhand der syrischen Fluchtbewegung l\u00e4sst sich leider auch das v\u00f6llige Versagen der demokratischen Staatengemeinde zeigen. Nicht nur, dass sie es nicht geschafft hat, den Krieg in Syrien zu verhindern und schon gar nicht zu beenden, es gelang ihnen auch nicht die viel ger\u00fchmte und vor allem von der \u00f6sterreichischen Bundesregierung propagierte, \u201eHilfe vor Ort\u201c zu leisten. Im Gegenteil, die Hilfe blieb immer nur im Status der Ersthilfe, des Notbehelfes stecken<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn2\" target=\"_blank\">[27]<\/a>. Die kurz zuvor beschriebene Mittelk\u00fcrzung f\u00fcr das UN-Nahrungsmittelprogramm zeugte davon, dass das Problem einfach weg geblendet wurde und an einer nachhaltigen L\u00f6sung kein Interesse bestand.<\/p>\n\n\n\n<p>Die n\u00e4chste Ebene des Versagens ist, dass die EU wenigstens eine sichere Reise organisieren h\u00e4tte k\u00f6nnen, um den Menschen die lebensgef\u00e4hrliche Route mittels Schlepper zu ersparen. Weder damals noch heute gibt es legale Fluchtm\u00f6glichkeiten, die der Staat\/die Staaten organisiert h\u00e4tten<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn3\" target=\"_blank\">[28]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gegenteil war \u2013 w\u00e4re es alleine nach der Politik gegangen \u2013 der Fall. Man reagierte mit Nichtstun (Bis zum Sommer 2015) und anschlie\u00dfender milit\u00e4rischer H\u00e4rte (Grenzsicherung und Fl\u00fcchtlingsabwehr). Erst als die Zivilgesellschaft sich im Sommer 2015 lautstark einmischte, \u00e4nderte sich f\u00fcr einige Monate die Lage. Die Fl\u00fcchtlinge wurden aufgenommen, versorgt und erhielten freies Geleit in das Land, in das sie wollten. <\/p>\n\n\n\n<p>Dass es dann auch kein innereurop\u00e4isches Verteilungssystem gab, wonach die Fl\u00fcchtlinge auf die europ\u00e4ischen Staaten nach einem bestimmten Schl\u00fcssel aufgeteilt werden sollten<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn4\" target=\"_blank\">[29]<\/a>, ist aus der dysfunktionalen Politik eigentlich nur verst\u00e4ndlich und kann \u2013 traurigerweise \u2013 gar nicht mehr sonderlich verwundern<a href=\"#_ftn5\">[30]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine der wenigen positiven Lichtblicke sei hier auch noch erw\u00e4hnt. Das Lager Zaatari, in Jordanien gelegen, wenige Kilometer von der syrischen Grenze entfernt, ist eines der wenigen Lager, die in den Jahren zu einer festen Stadt und Siedlung umgebaut wurde<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn6\" target=\"_blank\">[31]<\/a>. Hier gibt es befestigte H\u00e4user, Wasser und Strom. Die mittlerweile zur Stadt gewordene Siedlung beherbergt ca. 80.000 Menschen, hat Bezirke, eine eigene Stadtverwaltung und die Strassen haben Namen. Es entstanden Gesch\u00e4fte, es gibt Handwerker; also alles was man zum Leben braucht<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn7\" target=\"_blank\">[32]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[26]<\/a> Ebda.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[27]<\/a> Eine Ausnahme stellte tats\u00e4chlich das vielkritiserte EU-T\u00fcrkei Abkommen dar, das den Aufenthalt der 3,5 Mio. Fl\u00fcchtlinge durch Programme zur Bildung und Integration erleichterte.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[28]<\/a> https:\/\/gulis.at\/schreiben\/tag-des-fluchtlings-tag-des-widerspruchs\/<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[29]<\/a> siehe dazu auch Teil 5 der Serie, Zwischen\u00fcberschrift: Die Asylarchitktur der EU-GEAS. https:\/\/gulis.at\/schreiben\/spiel-mit-dem-leben-anderer-teil-1-kapitel-5\/<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[30]<\/a> Tagesanzeiger: Nur 1 von 10 Fl\u00fcchtlinge verteilt \u2013 EU stellt Ultimatum. Z\u00fcrich 2017.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[31]<\/a> https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zaatari<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[32]<\/a> https:\/\/www.unicef.de\/spenden\/fluechtlingscamp-zaatari-jordanien<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p><strong>Frauenspezifische Fluchtgr\u00fcnde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Frauen in vielen L\u00e4ndern dieser Erde sind spezifischen Regeln, Normen und Gesetzen unterworfen, die lediglich bestehen, um Frauen vom \u00f6ffentlichen Leben oder einfach nur der \u201enormalen\u201c Teilhabe an der Gesellschaft auszuschlie\u00dfen. Man denke dabei an Kleidervorschriften, Moralcodices (au\u00dfereheliche Beziehungen, Jungfrauenheirat), Diskriminierung und Ausschlu\u00df im Bildungs- und Arbeitsfeld, oder an Zwangsverheiratung und Genitalverst\u00fcmmelung (siehe Vorarlberger Landesregierung 2016, S. 3). Frauenspezifische Fluchtgr\u00fcnde sind in der GFK nicht erw\u00e4hnt, haben erst in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen und werden unter der Kategorie Soziale Gruppe in der GFK verhandelt<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\">[3<\/a><a href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">3<\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn1\" target=\"_blank\">]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Sexualisierte Gewalt und Folter sind ebenso Teil einer gezielt, eingesetzten Kriegsf\u00fchrung gegen Frauen und richten sich aber auch in einer patriachalen Logik des Besitzes von Frauen gegen deren M\u00e4nner (Erpressung, Geiseln). In vielen Konflikten (nachgewiesen etwa im Bisnoen Krieg) werden Massenvergewaltigungen auch gezielt eingesetzt, um die ethnische Zusammensetzung der Bev\u00f6lkerung zu ver\u00e4ndern (siehe auch Birck, 2002).<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Verfolgungshandlungen, die nur Frauen betreffen, wie etwa \u00f6ffentliche Z\u00fcchtigung aufgrund fehlender Kopfbedeckung, werden h\u00e4ufig \u201eals zu gering f\u00fcr ein Asyl\u201c angesehen. <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Frauen, die selbst politisch aktiv sind, werden h\u00e4rter verfolgt und bestraft. Nicht nur wegen der oppositionellen Haltung, sondern auch wegen ihres nicht konformen Rollenverhaltens. Frauen sind weiters von gesellschaftlicher Unterdr\u00fcckung aufgrund patriarchaler Strukturen betroffen (siehe auch Vorarlberger Landesregierung 2016, S. 5). Damit gehen materielle Benachteiligung, geringer sozialer Status und Abh\u00e4ngigkeit vom Mann (oder M\u00e4nner aus der Familie, dem Dorf) einher.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich wird Verfolgung meist als \u00f6ffentlicher politischer Akt gesehen, die Unterdr\u00fcckung in privater famili\u00e4rer Sp\u00e4hre, die bei Frauen sehr h\u00e4ufig auftritt, wird oft nicht sichtbar und auch von allen Seiten geleugnet. (Siehe auch Suchy, 2015)<\/p>\n\n\n\n<p>Sexualisierte Gewalt, insbesondere Vergewaltigung und sexualisierte Folter wird in nahezu allen Kriegen und bewaffneten Konflikten, als Teil eines Unterdr\u00fcckungs- und Unterwerfungssystems angewandt. Das gilt sowohl innerhalb \u2013 also gegen die eigene Truppe \u2013 der jeweiligen Streitkr\u00e4fte (staatliches Milit\u00e4r, Milizen, Paramilit\u00e4rs usw.) als auch gegen\u00fcber der feindlichen Armee oder Milizen, aber sie werden auch gegen\u00fcber der Zivilbev\u00f6lkerung systematisch eingesetzt. Sie wird seit 2008 als \u201eKriegswaffe\u201c definiert und ist daher auch international ge\u00e4chtet. Ungeachtet dessen ist sie in allen aktuellen Konflikten registriert und in Anwendung<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn2\" target=\"_blank\">[3<\/a><a href=\"#_ftn2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">4<\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn2\" target=\"_blank\">]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Frauenspezifische Fluchtschwierigkeiten<\/h4>\n\n\n\n<p>Die aktuellen illegalen Fluchtwege selbst sind strapazi\u00f6s, k\u00f6rperlich herausfordernd und gef\u00e4hrlich. Nicht nur aufgrund der illegalen Bef\u00f6rderungswege und Grenz\u00fcbertritte, sondern auch aufgrund der Abh\u00e4ngigkeiten von Fluchthelfern (Schleppern) (siehe auch Mobashi 2016). Das Leben in Lagern und Zeltst\u00e4dten bzw. den Asylwerber* innenunterk\u00fcnften birgt eine Reihe von Gefahren f\u00fcr Frauen (BIM, 2016). Sie brauchen daher auf der Flucht oft m\u00e4nnliche \u201eBesch\u00fctzer\u201c, denn \u00dcbergriffe, Vergewaltigungen, Menschenhandel und Zwangsprostitution stellen keine Seltenheit dar, auch in den oben beschriebenen Lagern (siehe auch Kroisleitner, 2015). Ja sogar in Fl\u00fcchtlingsheimen und Unterk\u00fcnften in den EU Staaten ist die Gefahr nicht gebahnt<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn3\" target=\"_blank\">[3<\/a><a href=\"#_ftn3\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">5<\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn3\" target=\"_blank\">]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Frauenspezifische Asylprobleme<\/h4>\n\n\n\n<p>Frauen, die diese Hindernisse \u00fcberwunden haben und einen Asylantrag in \u00d6sterreich stellen konnten, sind dann mit der letzten H\u00fcrde konfrontiert, der Anerkennung ihrer Fluchtgr\u00fcnde. Frauenrelevante Verfolgungshandlungen werden oft nicht anerkannt, bagatellisiert und herunter gespielt. Nicht zuletzt deswegen, weil sie oft im vermeintlich \u201eprivaten Rahmen\u201c vorgefallen sind (Vergewaltigung in der Ehe, Bestrafung durch den Familienrat\u2026). In der Tat ist es schwierig, diese Tatbest\u00e4nde mit der GFK in Deckung zu bringen. Da die GFK immer von einer (klassischen) staatlichen Verfolgung ausgeht. Hier w\u00e4re im Sinne eines umfangreicheren Schutzes, die Ausweitung der GFK-Regeln w\u00fcnschenswert und die Verfolgung aufgrund des Geschlechtes zu akzeptieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die mangelnde Besch\u00e4ftigung mit dem Thema zu seltsamen Bl\u00fcten f\u00fchren kann, wurde in einer Studie von Terres des Femmes erhellt. Bei der Untersuchungen fanden sie unter anderem Argumente in Asylbescheiden vor, warum Frauen kein Asyl erhielten, da die Beh\u00f6rde argumentierte, dass bestimmte Verfolgungshandlungen wie etwa Genitalverst\u00fcmmelungen als kultur\u00fcblich und nicht asylrelevant seien (Terres des Femmes, Bern 2011<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn4\" target=\"_blank\">[3<\/a><a href=\"#_ftn4\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">6<\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn4\" target=\"_blank\">]<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Verfolgungshandlungen, die nur Frauen betreffen, wie etwa \u00f6ffentliche Z\u00fcchtigung aufgrund fehlender Kopfbedeckung, werden h\u00e4ufig \u201eals zu gering f\u00fcr ein Asyl\u201c angesehen. Schlie\u00dflich sind gerade sexualisierte Verfolgungshandlungen in Verbindungung mit Folter h\u00e4ufig auch den gesellschaftlichen Tabus ausgesetzt und werden von den Frauen bei den Einvernahmen aus Scham und Angst vor Ehrverlust nicht erz\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend sei noch darauf hingewiesen, dass die Konstruktion sehr wirkm\u00e4chtig ist, dass M\u00e4nner, die aktiven, die politischen, die Rebellen und Krieger sind; Frauen jedoch im Krieg nur als sch\u00fctzenswerte Opfer vorkommen. Dass sie jedoch auch Oppositionelle, Widerstandsk\u00e4mpferinnen und Aktivistinnen sein und daher verfolgt sein k\u00f6nnten, ist f\u00fcr viele Asylbeh\u00f6rden schwer denkbar und wird oft in Abrede gestellt. Frauen sind in Konflikten und politischen Auseinandersetzungen auch Akteurinnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Mitunter auch T\u00e4terinnen und Soldatinnen, etwa die kurdischen Frauenkampfeinheiten der YPG\/Syrien. Dass dies auch anders sein kann, haben Diessertori und Langegger in ihrer Arbeit beschrieben (siehe Diessertori, Langegger, 2014). Edit Schlaffer<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn5\" target=\"_blank\">[37]<\/a> stellte j\u00fcngst ein Wissenschaftsprojekt vor, das sich mit dem Widerstand der afghanischen Frauen gegen das patriachale System und zuletzt gegen die Taliban, die Afghanistan zur\u00fcck erobert haben, besch\u00e4ftigte<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftn6\" target=\"_blank\">[38]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[33]<\/a> Siehe auch Teil II: https:\/\/gulis.at\/schreiben\/spiel-mit-dem-leben-anderer\/<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[34]<\/a> https:\/\/sicherheitspolitik.bpb.de\/de\/m1\/articles\/sexual-violence-in-armed-conflict<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[35]<\/a> https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2015-09\/fluechtlinge-unterkunft-sexuelle-uebergriffe<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[36]<\/a> Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass die Schweizerischen Grundlagen sich im Detail unterscheiden, die Studie sich daher nicht ausschlie\u00dflich auf die \u00f6sterreichischen Verh\u00e4ltnisse umlegen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[37]<\/a> https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Edit_Schlaffer<\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftnref6\" target=\"_blank\">[3<\/a><a href=\"#_ftnref6\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">8<\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"#_ftnref6\" target=\"_blank\">]<\/a> https:\/\/sciencev1.orf.at\/news\/47727.html<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>BIM \u2013 Ludwig Boltzmann Institut f\u00fcr Menschenrechte: Frauen und M\u00e4dchen auf der Flucht. BIM Position Nr.7, Wien 2016<\/p>\n\n\n\n<p>Birck, Angelika: Verfolgung und Flucht von Frauen. In: MRM \u2013 Menschenrechtsmagazin, Heft 2\/2002, Potsdam, 2002<\/p>\n\n\n\n<p>Diessertori, Isabella; Langegger, Denise: Women at War. Journal. Kommunikation-medien, Universit\u00e4t Salzburg, 2014.<\/p>\n\n\n\n<p>Goebel Simon: Politische Talkshows \u00fcber Flucht. Wirklichkeitskonstruktionen und Diskurse. Transcript, Bielefeld, 2017<\/p>\n\n\n\n<p>Terres des Femmes (Hg.): Frauen im Asylverfahren. Die Anerkennung frauenspezifischer Fluchtgr\u00fcnde in der Schweizer Asylpraxis. Bern, 2011.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"575\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20150805_163833-575x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1643\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20150805_163833-575x1024.jpg 575w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20150805_163833-168x300.jpg 168w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20150805_163833-768x1368.jpg 768w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20150805_163833-863x1536.jpg 863w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20150805_163833-1150x2048.jpg 1150w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20150805_163833-750x1336.jpg 750w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_20150805_163833-scaled.jpg 1438w\" sizes=\"(max-width: 575px) 100vw, 575px\" \/><\/figure><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>BMI &#8211; Bundesministerium f\u00fcr Inneres: Asylwesen, Statistik 2018.<\/p>\n\n\n\n<p>BMI &#8211; Bundesministerium f\u00fcr Inneres: Asylwesen, Statistik 2020.<\/p>\n\n\n\n<p>BpB \u2013 Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung: Samariter, Schlepper, Straft\u00e4ter: Fluchthilfe und Migrantenschmuggel im 21. Jahrhundert. Bonn 2015.<\/p>\n\n\n\n<p>[http:\/\/www.bpb.de\/apuz\/208009\/fluchthilfe-und-migrantenschmuggel?p=all] (Zugriff am 14.02.2022)<\/p>\n\n\n\n<p>FAZ \u2013 Frankfurter Allgemeine: Wie der Hunger die Syrer in die Flucht trieb. [<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/fluechtlingskrise\/wie-der-fluechtlingsandrang-aus-syrien-ausgeloest-wurde-13900101-p2.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/fluechtlingskrise\/wie-der-fluechtlingsandrang-aus-syrien-ausgeloest-wurde-13900101-p2.html<\/a>], 2015. (Zugriff am 13.01.2022).<\/p>\n\n\n\n<p>Kroisleitner, Oona: Warum Flucht von Frauen anders ist. In: Der Standard, 19. September, Panorama, Gesellschaft, Integration. Wien 2015.<\/p>\n\n\n\n<p>Mobashi, Jessica: \u201eFluchtursachen und Fluchterfahrungen von Frauen und M\u00e4dchen\u201c. Vortrag im Rahmen der Fachveranstaltung \u201eFrauen und Flucht\u201c Mainz, 2016.<\/p>\n\n\n\n<p>Suchy, Irene: Genozid &#8211; Femizid. In: Journal Panorama, \u00d61. Wien, 2015<\/p>\n\n\n\n<p>UNHCR: Fl\u00fcchtlingsfrauen.<\/p>\n\n\n<p>[https:\/\/www.uno-fluechtlingshilfe.de\/fluechtlinge\/fluechtlingsschutz\/fluechtlingsfrauen.html]<\/p>\n\n\n\n<p>(Zugriff, 14.02.2022)<\/p>\n\n\n\n<p>UNHCR: Global Trends 2020. Genf, 2021.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorarlberger Landesregierung, Referat f\u00fcr Frauen und Gleichstellung: Frauen auf der Flucht. Vom gehen m\u00fcssen und ankommen wollen. If:faktum 2\/2016, Bregenz 2016 <\/p>\n\n\n\n<p>Wiiest H. William; Baker, Kathy; u.a.: The role of public health in the prevention of War. S.: 34 \u2013 47. In: American Journal of Public Health, New York, 2014.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im vorhergehenden Kapitel 5 der Serie \u201eSpiel mit dem Leben Anderer\u201c besch\u00e4ftigten wir uns mit dem EU- Beitritt \u00d6sterreichs, dessen Auswirkungen und der Europ\u00e4ischen Asylarchitektur (GEAS), die \u2013 soviel l\u00e4sst sich nunmehr nach vielen Jahren sagen \u2013 weder effektiv noch effizient ist und nicht nur eine katastrophale Spirale der Militarisierung (Grenzschutz und Frontex) nach sich &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/spiel-mit-dem-leben-anderer-teil-1-kapitel-6\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[374,403,368,427],"tags":[438],"class_list":["post-1632","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-migration-flucht","category-rassismus-diskriminierung","category-serien","category-spiel-mit-dem-leben-der-anderen","tag-fluchtursachen-weltweite-fluchtbewegung-frauenspezifische-gruende-gfk-resettlement-programme-versagen-der-staatengemeinde","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1632","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1632"}],"version-history":[{"count":21,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1632\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1657,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1632\/revisions\/1657"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1632"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1632"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1632"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}