{"id":1483,"date":"2021-09-06T14:14:25","date_gmt":"2021-09-06T14:14:25","guid":{"rendered":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/?p=1483"},"modified":"2021-11-08T10:45:54","modified_gmt":"2021-11-08T10:45:54","slug":"spiel-mit-dem-leben-der-anderen-kapitel-1-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/spiel-mit-dem-leben-der-anderen-kapitel-1-teil-1\/","title":{"rendered":"Spiel mit dem Leben der Anderen Kapitel 1, Teil 1"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">Die Anf\u00e4nge <\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Beginnen wir chronologisch. Jede gute Geschichte hat nat\u00fcrlich auch einen Vorlauf, eine Entstehungsgeschichte, die weit zur\u00fcck reicht und nich selten die ganze Sache, die danach folgte, noch komplizierter macht. Aber die lassen wir vorerst einmal au\u00dfen vor. Unser Film beginnt mit dem Ende des 2. Weltkrieges (2.WK) im Mai 1945. Europa liegt in Tr\u00fcmmern. Der Nationalsozialismus wurde durch die Alliierten besiegt. Das gesamte Ausma\u00df der Katastrophe dringt nunmehr auch in die letzten Ecken der Gesellschaft vor, dort wo noch immer viele an den \u201eF\u00fchrer\u201c glaubten und \u201eden Endsieg\u201c herbei redeten; die das ganze Ausma\u00df des Holocaust und der Kriegsverbrechen, vor allem an der Ostfront einfach nicht wahrhaben wollten. Nahezu alles liegt in Tr\u00fcmmern, auch die geistig-moralischen, politischen-sozialen und wirtschaftlichen Grundlagen, auf die ein neues Europa aufgebaut werden k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Stellen wir uns kurz die Szenerie vor. Millionen von Menschen irren und wandern als <strong>Fl\u00fcchtlinge<\/strong> und <strong>displaced people<\/strong> durch Europa, insbesondere in Deutschland und \u00d6sterreich. Viele wurden aus Kriegsgefangenenlagern und KZ\u00b4s befreit, um wenig sp\u00e4ter wieder in Notlagern zu landen; weil sie nirgends anders wo hinkonnten, ansonsten in Gefahr waren, zu verhungern. Sie sind in der Not entstanden, um die hunderttausenden Fl\u00fcchtlinge ein Dach und Mindestrationen von Essen zu kommen zu lassen. Viele andere waren noch immer in Kriegsgefangenschaft und kehrten erst in den folgenden Jahren nach und nach heim. Es herrschte Hungersnot, die Alliierten hatten gro\u00dfe M\u00fche, die Millionen Menschen zumindest mit dem Notd\u00fcrftigsten zu versorgen. Die Menschen machten sich auf die Suche nach ihrer alten Heimat, die es aber h\u00e4ufig nicht mehr gab. Viele wurden vertrieben von ihren angestammten Sitzen (etwa in Ostpreussen \u2013 heute Polen oder der Tschechoslowakei, heutigen Tschechien und Slowakei). Die Landwirtschaft lag darnieder, St\u00e4dte waren zerbomt. Es dauerte Jahre, bis die unmittelbaren Folgen des Krieges einigerma\u00dfen \u00fcberwunden waren. Auf dem Gebiet von \u00d6sterreich sch\u00e4tzt man, dass sich nach dem Ende des 2. Weltkrieges mehr als 2 Mio. \u201edisplaced people\u201c befanden. Die letzten Lager schlossen erst 1957 (siehe auch Judt 2011, S. 29-155).<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch der Diplomatie und Politik wurde erst jetzt das volle Ausma\u00df derKatastrophe bewu\u00dft \u2013 als sie sich auf die Schaupl\u00e4tze des Krieges und des Holocausts begaben und sahen, was das NAZI-Regime auch in der Etappe, in der Gesellschaft angerichtet hatte.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p><strong>Auf der einen Seite \u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aus diesem Entsetzen und Schrecken entstand ein gemeinsames politisches Bewusstsein, ein Bekenntnis, das man in \u00d6sterreich mit dem Slogan: \u201eNie wieder\u201c<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> (der konsensuale Geist der Lagerstrasse) zusammenfasste (siehe Rathkolb 2015, S. 76). Ein Besinnen darauf, dass eine derartige Katastrophe nicht mehr passieren d\u00fcrfe und dass dies nur dann verhindert werden k\u00f6nne, wenn man zusammenarbeite, den Konsens suche und auf der Basis von gemeinsamen Regeln die Weltpolitik ordne. Dies ist die Geburtsstunde der zivilisatori-schen, demokratischen, v\u00f6lkerrechtlichen Meilensteine, die in den folgenden Jahren (1946 \u2013 1955) verhandelt, geschrieben und beschlossen worden sind. Diese bilden nach wie vor das Fundament f\u00fcr unsere demokratische, liberale, rechtsstaatliche und auf Grund- und Menschen-rechten basierende Ordnung. (siehe auch C.E.D.R.I. 1987).<\/p>\n\n\n\n<p>Davor gab es bereits Grundlagen des multilateralen internationalen V\u00f6lkerrechts, Vorl\u00e4ufer von Menschenrechtsdeklarationen, die etwa zur Franz\u00f6sischen Revolution<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> zur\u00fcck reichen; \u00fcber die amerikanische Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung bis herauf zu den Vereinbarungen des V\u00f6lkerbundes. Aber sie waren nicht systematisiert und nicht gemeinsam beschlossen und so auch rasch br\u00fcchig und konnten von Despoten und Kriegstreibern (insbesondere vor und nach dem 1. Weltkrieg) leicht hinweggefegt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der totale Zusammenbruch ist die Geburtsstunde einer Nachkriegsordnung, die bis heute Bestand hat, die eine breite Zustimmung genossen und die trotz gro\u00dfer Verwerfungen bis heute Bestand hat. Auch wenn der R\u00fcckhalt daf\u00fcr bei weitem ncht mehr so gegeben ist, wie wir es uns w\u00fcnschen m\u00fcssen. Es hat sich ein Schutzmantel aus verschiedenen Pakten und Chartas gebildet, der vor Despotie, Autokratie, Willk\u00fcr und Diktatur sch\u00fctzen sollte \u2013 und es \u00fcberwiegend noch tut.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Viele ehemalige politische Gegner \u2013 Christlich-soziale, Sozialist* und Kommunist*innen traffen sich in den Lagern und KZ\u00b4s der Nazi als Gefangene wieder.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Viele Expert*innen ziehen diese Linien bis weit zur\u00fcck in die Zeit der griechischen Stadtstaaten.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/IMG_4069.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1484\" width=\"368\" height=\"275\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/IMG_4069.jpg 384w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/IMG_4069-300x224.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 368px) 100vw, 368px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p><strong>Die wertvollen Pakte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das sind die <strong>Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschen-rechte<\/strong> (AEMR), die <strong>Europ\u00e4ische Menschenrechts-konvention<\/strong> (EMRK), sowie die <strong>Genfer Fl\u00fcchtlings-konvention<\/strong> (GFK) und in weiterer Folge auch die Entwicklung der <strong>Europ\u00e4ischen Gemeinschaft<\/strong> (EG) und <strong>Europ\u00e4ischen Union<\/strong> (EU). Der <strong>Internationale Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte<\/strong> (IGH) geh\u00f6rt ebenso dazu und vieler anderer internationaler Einrichtungen (Europarat, OSZE\u2026). Sie alle haben sich aus diesem \u2013 damals entstandenen \u2013 Bekenntnis und der \u00dcbereinkunft, zuk\u00fcnftig gewaltfrei und im Aus-gleich der verschiedenen Interessen nach Kompro-missen zu suchen, entwickelt (siehe auch United Nation Organisation, 1948).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auf der anderen Seite\u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aber, mit dem Ende des 2. WK war auch gleichzeitig die Nachkriegsordnung des Kalten Krieges angelegt. Aus den Alliierten (USA, GB, FR, UdSSR<a href=\"#_ftn1\"> [3]<\/a>) wurden rasch ideologische Gegner (NATO vs. Warschauer Pakt, Kapitalismus vs. Kommunismus), die um Welt-einflu\u00df und -macht stritten. Die ehemaligen &#8222;Waffen-br\u00fcder&#8220; fochten ihre ideologischen Gegens\u00e4tze in Europa nicht mit Waffen aus, sondern mit Diploma-tie, Spionage, Junktimen und (Gegen-)gesch\u00e4ften aus. Die Gewalt wurde ausgelagert. Abseits des europ\u00e4ischen Kontinents entbrannten \u201eStellvertreter-, Befreiungs- und Antikolonialkriege&#8220; deren Gegnerschaften immer dem \u201eOst-West\u201c System unterworfen waren<a href=\"#_ftn1\">[4]<\/a>. \u00a0Dieser Zustand beherrschte die Welt bis 1989 und wirkt bis heute nach (siehe auch Judt 2011, S. 156-271). Unter diesen \u00e4u\u00dferen Bedingungen und \u201eIst Zust\u00e4nden\u201c wurden die genannten Pakte verhandelt und nieder geschrieben. <\/p>\n\n\n\n<p>Deutschland war von den Allierten besetzt und wurde in der zunehmend polarisierten weltpolitikstimmung schlie\u00dflich geteilt. Daraus entstand die sozialistische Deutsche Deomkratische Republik (DDR) \u2013 unter Einflu\u00df der UdSSR \u2013 und die westlich-kapitalistische BRD \u2013 unter Einflu\u00df der USA und den Alliierten Gro\u00dfbritannien und Frankreich. Um die einsetzende Massenflucht aus der DDR zu unterbinden, wurde von der DDR F\u00fchrung die \u201eMauer\u201c (1961) gebaut; der Ost-West Konflikt versch\u00e4rfte und verfestigte sich (siehe auch HDG Deutschland). <\/p>\n\n\n\n<p>\u00d6sterreich blieb bis 1955 unter alliierter Herrschaft und war in diesen zehn Jahren in vier Besatzungszonen unterteilt. Nach langen und z\u00e4hen Verhandlungen wurde \u00d6sterreich doch noch eigenst\u00e4ndig und hatte sich zur \u201eimmerw\u00e4hrenden Neutralit\u00e4t im Sinne der Schweiz (Verpflichtung zur bewaffneten Neutralit\u00e4t) verpflichtet\u201c. Aufgrund der politischen und geografischen Lage, stellte \u00d6sterreich so etwas wie eine \u201ediplomatische und politische\u201c Pufferzone dar (siehe auch Demokratiewebstatt\/Der Staatsvertrag).<\/p>\n\n\n\n<p> <span class=\"has-inline-color has-black-color\"><strong>Historische Einbettung der GFK<\/strong> <\/span><\/p>\n\n\n\n<p>Um die Mechanismen im Asylverfahren und die Architektur der <strong>GFK<\/strong> zu verstehen, ist es n\u00fctzlich diesen historischen Entstehungskontext mit einzubeziehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Verfasser \u2013 ausschlie\u00dflich M\u00e4nner, Politiker und Diplomaten \u2013 waren in ihren Verhandlungen und ihrem Verst\u00e4ndnis von diesen Ereignissen und Polen stark gepr\u00e4gt.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Sie verstanden, die in den folgenden Jahren verabschiedeten Menschenrechtspakte (Allg. Erkl\u00e4rung der Menschenrechte, EMRK, GFK) als eine direkte Antwort auf den Nazismus und die Verfol-gungshandlungen (insb. Judenverfolgung), die noch intensiv pr\u00e4sent waren und erst langsam &#8212; zumin-dest juristisch &#8212; aufgearbeitet wurden (etwa in den N\u00fcrnberger Kriegsverbrecherprozessen). Aber die rasche Konfliktentwicklung der Nachkriegszeit wirkte auf die Verhandler und die daraus entstehenden Dokumententeile und Artikel ein. <\/p>\n\n\n\n<p>Und daher ist es nicht verwunderlich, dass auch die GFK in diesem, neuen Kontext bereits gelesen und diskutiert worden ist und werden muss. Die GFK wurde auch zu einem Instrument des Ost-Westkon-fliktes mit ideologischer Fundierung. Jede Formulie-rung und jeder Paragraf der GFK steht unter dem Eindruck der bipolaren Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel: \u00a0In der Definition der GFK, was ein Fl\u00fcchtling ist, steht ausdr\u00fccklich der Begriff der Rasse, als Grund warum jemand verfolgt werden kann und Schutz vor Verfolgung nach der GFK erhalten kann. Mit der Betrachtung aus heutiger Sicht, ein v\u00f6llig unhaltbarer Begriff, der weder wissenschaftlich noch politisch zu rechtfertigen ist und in kein juristsches bindendes Dokument Einzug halten sollte. Aber unter der damaligen Nachkriegs-diskussion hatte das Narrativ der Nazis, es g\u00e4be \u201eMenschen-Rassen\u201c, eine wirkm\u00e4chtige Funktion und wurde auch von Demokrat*innen und Antirassist*in-nen als Kategorie verwendet und fand daher Eingang in die GFK. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenngleich sich die GFK und deren Auslegung mit den Jahrzehnten der Verwendung gewandelt und entwickelt hat \u2013 wie etwa der sich herausbildende Status von De-Facto Fl\u00fcchltingen und des Subsidi\u00e4ren Schutzes \u2013 so bleibt doch der Grundtext und die -intentionen der GFK aufrecht und dieser l\u00e4sst sich nicht einfach neu schreiben, aber auch nicht einfach ignorieren (Siehe auch Brickner, 2015). <\/p>\n\n\n\n<p>Im <strong>Kalten Krieg (1946 \u2013 1989)<\/strong> und mit der Gebietserweiterung und Ausdehung des Asylbegriffes (1967) \u2013 eine n\u00e4here Erkl\u00e4rung folgt im Kapitel 1, Teil 2 der Serie \u2013 wurde potenziell jede\/r, der\/die aus einem Staat des Warschauer Paktes (UdSSR und Satellitenstaaten) nach \u00d6sterreich \u2013 sprich Westen \u2013 gefl\u00fcchtet war, ein Fl\u00fcchtling im Sinne der GFK. Ob das im Detail stimmte, wurde in der Regel nicht n\u00e4her untersucht. Die eigenen Regeln der GFK wurden mitunter gebrochen, jedoch damals im positiven Sinne f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge<a href=\"#_ftn1\">[5]<\/a>. In der politischen Auseinandersetzung war der \u201eFl\u00fcchtling vor dem Kommunismus\u201c als ideologischer Faustpfand wichtiger, als die Rechtsstaatlichkeit (siehe Volf, S. 415-435).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-admin\/post.php?post=1483&amp;action=edit#_ftnref1\">[3]<\/a> USA, Gro\u00dfbritannien, Frankreich und die Union der sozialistischen Sowjetrepubliken, 1991 aufgel\u00f6st und in eine Gemeinschaft der Unabh\u00e4ngigen Staaten\/GUS umgewandelt, aus der jedoch zahlreiche Staaten ausgetreten sind oder ihre Mitgliedschaft ruhend gestellt haben.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[4]<\/a> Korea (1950 \u2013 53) und Vietnamkrieg (1955 \u2013 1975), Kubakrise stehen stellvertrend f\u00fcr diese Periode.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[5]<\/a> Der Begriff wurde synonym verwendet f\u00fcr Fl\u00fcchtende aus dem UdSSR Einflu\u00dfbereich.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/IMG_20191119_150103-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1485\" width=\"355\" height=\"266\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/IMG_20191119_150103-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/IMG_20191119_150103-300x225.jpg 300w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/IMG_20191119_150103-768x576.jpg 768w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/IMG_20191119_150103-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/IMG_20191119_150103-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/IMG_20191119_150103-750x563.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 355px) 100vw, 355px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;<strong>Festung Europa<\/strong>&#8220; <\/p>\n\n\n\n<p>Nach 1989 wurde im Zuge der zunehmenden Europ\u00e4isierung und der Transformation der EG zur EU dem Asylrecht und der -politik verst\u00e4rkte politische Bedeutung beigemessen. Auf europ\u00e4ischer Ebene entstand ein EU-Regime, das unter dem Begriff der \u201e<strong>Festung Europa<\/strong>\u201c bekannt wurde. Damit wurde bildlich verdeutlicht, dass es innerhalb der EU-Staaten einen zunehmenden Abbau von Grenzen und Kontrollen geben, Freiz\u00fcgigkeit entwickelt und die Harmonisierung der Staaten voranschreiten sollte. Im selben Atemzug, in dem dies passierte, werde durch verst\u00e4rkte Kontrolle der Au\u00dfengrenzen (Schengen System), Abschottung zur Nicht-EU Region entwickelt (siehe Europ\u00e4ische Union 2014, BMEIA 2013). In einem folgenden Teil der Serie wird dieses System noch genauer beschrieben. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Inneren entstand nach 1989 ein Asyl-Verwaltungssystem, das die Einzelfallpr\u00fcfung auch tats\u00e4chlich durchf\u00fchrte, aber damit wenig vertraut war. Eine relativ oberfl\u00e4chliche generelle Beurteilung \u2013 wie dies bei Fl\u00fcchtlinge etwa aus Polen (1980\/81) oder Tschechoslowakei (1968) noch der Fall war \u2013 reichte ab den Jahren 1988-89 nicht mehr aus. Auch und insbesondere nach 1989 deshalb, weil sich die Fluchtbewegung nach \u00d6sterreich diversifizierte. Es waren eben nicht mehr nur salopp gesagt \u201eOstblockfl\u00fcchtlinge\u201c sondern Asylwerber*innen kamen aus dem Iran, dem Irak, aus Ghana, Nigeria \u2026<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Unter dieser Doktrin entwickelte sich der Abschot-tungs- und Sicherheitsgedanke immer st\u00e4rker und dominierte f\u00fcrderhin die Asylpolitik. Auch deswegen, weil auf EU-Ebene die Innenminister die Asyl und Migrationsagenda in die Hand genommen hatten. Innenpolitisch wurde dieser Weg in den jeweiligen L\u00e4ndern mehr oder weniger, schneller oder langsamer mit vollzogen und f\u00fchrte nach und nach zu Versch\u00e4rfungen der Asyl- und Fremdengesetze. Besonders deutlich wurde dies in den Einschr\u00e4nkun-gen zur GFK und den Interpretationen von Flucht-gr\u00fcnden in den jeweiligen (nationalen) Asylgesetze. Die Definitionen sowie Regelungen, die in der GFK festgeschrieben wurden, wurden unterschiedlich aber immer aufgrund von aktuellen Ereignissen angepasst und interpretiert; in der Regel nicht zugunsten des Menschenschtsschutzes, sondern mit dem Ziel der Abschottung und Versch\u00e4rfungen. Dies betraf etwa die Frage der innerstaatlichen Fluchtalternative<a href=\"#_ftn1\">[6]<\/a>, oder des Schutzes vor Zur\u00fcckschiebungen (sichere Drittstaaten) oder der Fristsetzungen im Verfahren. (siehe auch Standard Der, Kickl stellt Menschenrechtskonvention in Frage, 23.2.2019)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[6]<\/a> Ein Begriff, der meint, dass es Fl\u00fcchtlinge m\u00f6glich sei, innerhalb ihres eigenen Heimatstaates in eine friedliche und ruhige Region\/Provinz zu fl\u00fcchten und sie daher Asyl in Europa nicht ben\u00f6tigen w\u00fcrden. Die Interpretation wurde in den Jahren weidlich ausgedehnt, wie unl\u00e4ngst debattiert wurde, Fl\u00fcchtlinge nach Syrien zur\u00fcckschicken zu k\u00f6nnen, da sie ja in sichere Gebiete zur\u00fcckkehren k\u00f6nnten.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Verwendete Literatur:<\/h4>\n\n\n\n<p>Brickner, Irene: Fl\u00fcchtlingskonvention: Hart umk\u00e4mpftes Schutzbekenntnis. In: Der Standard. 19.09.2015, [<a href=\"http:\/\/derstandard.at\/2000022431603\/Fluechtlingskonvention-Hart-umkaempftes-Schutzbekenntnis\">http:\/\/derstandard.at\/2000022431603\/Fluechtlingskonvention-Hart-umkaempftes-Schutzbekenntnis<\/a>], (Zugriff, 27.08.2021).<\/p>\n\n\n\n<p>BMEIA: Gemeinsames Europ\u00e4isches Asylsystem. Wien 2013.<\/p>\n\n\n\n<p>C.E.D.R.I.: Asylrecht ist Menschenrecht. Internationales Symposium in Memoriam Christian Broda. Eigenverlag C.E.D.R.I., Basel, 1987.<\/p>\n\n\n\n<p>Demokratiewebstatt: Das viergeteilte Land. \u00d6sterreich w\u00e4hrend der alliierten Besatzung. [https:\/\/www.demokratiewebstatt.at\/thema\/thema-der-staatsvertrag\/was-lange-waehrt-wird-gut-oesterreichs-weg-zum-staatsvertrag] (Zugriff am 27.08.2021).<\/p>\n\n\n\n<p>Europ\u00e4ische Union: Das Gemeinsame Europ\u00e4ische Asylsystem. Br\u00fcssel 2014.<\/p>\n\n\n\n<p>HDG \u2013 Haus der Geschichte, Deutschland: Geteiltes Deutschland, 1949 \u2013 1989. LeMo \u2013 Lebendiges Museum Online. [http:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel.html] (Zugriff am 27.08.2021)<\/p>\n\n\n\n<p>Judt, Tony: Geschichte Europas. Von 1945 bis zur Gegenwart, Frankfurt\/Mai, Fischer Verlag 2011.<\/p>\n\n\n\n<p>Rathkolb Oliver: Die paradoxe Republik, \u00d6sterreich 1945 \u2013 2015. Wien 2015.<\/p>\n\n\n\n<p>Standard, Der: Kickl-stellt-Menschenrechtskonvention-in-Frage (<a href=\"https:\/\/derstandard.at\/2000096888042\/Kickl-stellt-Menschenrechtskonvention-in-Frage\">https:\/\/derstandard.at\/2000096888042\/Kickl-stellt-Menschenrechtskonvention-in-Frage<\/a>, 21.9.2021).<\/p>\n\n\n\n<p>UNO &#8211; United Nations Organisation\/Vereinte Nationen: Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenrechte. Resolution 217 A vom 10.12.1948 der UNO-Hauptversammlung, New York 1948. [<a href=\"http:\/\/www.un.org\/depts\/german\/menschenrechte\/aemr.pdf\">http:\/\/www.un.org\/depts\/german\/menschenrechte\/aemr.pdf<\/a>] (Zugriff am 23.08.2021)<\/p>\n\n\n\n<p>Volf, Patrik-Paul: Der politische Fl\u00fcchtling als Symbol der Zweiten Republik. Zur Asyl- und Fl\u00fcchtlingspolitik seit 1945. Zeitgeschichte, Heft 11-12\/1995, S. 415-435.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Anf\u00e4nge Beginnen wir chronologisch. Jede gute Geschichte hat nat\u00fcrlich auch einen Vorlauf, eine Entstehungsgeschichte, die weit zur\u00fcck reicht und nich selten die ganze Sache, die danach folgte, noch komplizierter macht. Aber die lassen wir vorerst einmal au\u00dfen vor. Unser Film beginnt mit dem Ende des 2. Weltkrieges (2.WK) im Mai 1945. Europa liegt in &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/spiel-mit-dem-leben-der-anderen-kapitel-1-teil-1\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[374,403,368,427],"tags":[426,425],"class_list":["post-1483","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-migration-flucht","category-rassismus-diskriminierung","category-serien","category-spiel-mit-dem-leben-der-anderen","tag-kalter-krieg-nie-wieder","tag-asyl-zuwanderung-oesterreichische-migrationspolitik-gfk-europaeische-menschenrechtskonvention","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1483","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1483"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1483\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1524,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1483\/revisions\/1524"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1483"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1483"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1483"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}