{"id":1108,"date":"2020-04-29T09:26:37","date_gmt":"2020-04-29T09:26:37","guid":{"rendered":"http:\/\/gulis.at\/schreiben\/?p=1108"},"modified":"2021-02-19T09:36:59","modified_gmt":"2021-02-19T09:36:59","slug":"verschwundene-orte-teil-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/verschwundene-orte-teil-4\/","title":{"rendered":"Verschwundene Orte 4:  Babenbergerstra\u00dfe"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Marienplatz, Babenbergerstra\u00dfe 34-36<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Tante Anna war eigentlich gar keine richtige Tante sondern die angeheiratete Frau vom Gro\u00dfonkel Rudi. Sie war von ihrer Physiognomie ganz anderes als die Abk\u00f6mmlinge des Gulis Clans. Gro\u00df, hager, resolut, laut. Sie erscheint mir, wenn ich an sie denke, immer rauchend, mit einem Staubmantel angetan, die gro\u00dfe knollige Nase hervortretend. Sie tr\u00e4gt ein Kopftuch und an ihrem Unterarm baumelt l\u00e4ssig ein Schirm. F\u00fcr all die Jahre, die ich Tante Anna kannte, konnte das nat\u00fcrlich nicht stimmen, denn ich sah sie ja nicht nur im Regen, im Herbst oder im Fr\u00fchling, sondern wir waren auch gemeinsam auf Ausfl\u00fcgen, fuhren gemeinsam zum Baden oder waren auf der Alm unterwegs. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20181012_072136-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1113\" width=\"204\" height=\"272\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20181012_072136-1-768x1024.jpg 768w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20181012_072136-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20181012_072136-1-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20181012_072136-1-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20181012_072136-1-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 204px) 100vw, 204px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>\u201eMarienplatz\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Gegend in der der Marienplatz lag, war mir\nwenig vertraut. Sie war auch nicht sehr einladend. Das langgestreckte\nB\u00fcrogeb\u00e4ude der Arbeitsmarktverwaltung (AMV), wie das Arbeitsmarktservice\ndamals noch hie\u00df,&nbsp; gab es schon. Gegen\u00fcber\nder AMV standen einige alte H\u00e4user, die nach den Kriegssch\u00e4den, da diese rund\num den Bahnhof besonders schlimm ausgefallen, wieder renoviert worden waren. Es\nfolgte ein Bretterzaun. Gleich zu Beginn dieser Zaunreihe gab es ein\nwindschiefes, knarzendes und knarrendes Holztor. Durchschritt man es, tat sich\neine, f\u00fcr das ansonsten dicht besiedelte Viertel, ungew\u00f6hnlich weitr\u00e4umig abfallende\nWiese auf, die in der Senke in den Fu\u00dfballplatz auslief. Am n\u00f6rdlichen Rand\nstanden einige hohe B\u00e4ume. Ein gemauerter Weg mit Stufen f\u00fchrte hinunter. Rechts\ndann die Fu\u00dfballumkleidekabinen, die Abstellr\u00e4umlichkeiten f\u00fcr die Maschinen\nf\u00fcr den Platzwart und die kleine Kantine. Der Weg endete im s\u00fcdlicheren Teil des\nPlatzes, etwa auf der H\u00f6he des 16ers \u2013 des Strafraums. Im Hintergrund ragten die\nT\u00fcrme der Kloster- und Marienkirche auf. Inmitten der rauschenden Stadt ein\nkleine Idylle. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Platz war sogar f\u00fcr Meisterschaften der unteren\nKlassen kommissioniert, hatte also einen Platzwart, Tore mit Netzen, war mit\nLinien versehen und mit Eckfahnen. Gro\u00df genug nach den FIFA-Regeln war er auch,\num Meisterschaftsspiele zu spielen. Zumindest der FC-Wickenburg \u2013 den Verein\ngibt es schon lange nicht mehr \u2013 tat dies dort. Den Rest der Zeit wurde er von\nJugendmannschaften und diversen Hobbytruppen genutzt. Solche Pl\u00e4tzen gab es fr\u00fcher\neinige in Graz; etwa der K\u00f6rner Platz in der Sch\u00f6naugasse, dann das Heimstadion\ndes Grazer Sportklubs in der Conrad von H\u00f6tzendorfstrasse und in Mariatrost,\neinige hundert Meter hinter der Kegelbahn Gruber. Au\u00dfer dem Mariatroster\nSportplatz, der jetzt allerdings wo anders liegt, gibt es von all den Pl\u00e4tzen\nkeinen mehr. Genauso wenig wie es viele Grazer Teams noch gibt, die mit der\nZeit so ganz nebenbei, still und heimlich verschwanden. <\/p>\n\n\n\n<p>Mein Gro\u00dfonkel Rudi, der von vielen Freunden gar\nnicht Rudi gerufen wurde, sondern Peter, war ein typischer &nbsp;Vertreter der Gulis Gattung. Klein, rundlich,\nstattliche Geheimratsecken. Dick aber nicht fett, von der Sorte klein und\nkompakt. Die beiden \u2013 Anna und Rudi \u2013 passten also rein optisch gar nicht\nzusammen. Sie war um einiges gr\u00f6\u00dfer als er. Bis zu Tante Annas Tod, einige\nJahre bevor Rudi in Pension ging, waren sie trotz aller Unterschiede, die nicht\nnur ihr \u00c4u\u00dferes betrafen, ein Ehepaar. Gemeinsame Kinder hatten sie nie. \u00dcbrigens,\nein Merkmal der sich durch den Gulis Zweig zieht. Wir vermehren uns nicht so\ngerne, deswegen wird die Familie auch immer kleiner und stirbt demn\u00e4chst aus. Die\neinzige Nachkommin, die Tochter meiner Schwester tr\u00e4gt zwar einen Teil der Gene\naber nicht den Namen weiter. <\/p>\n\n\n\n<p>Warum der Onkel Rudi Peter gerufen wurde, hat\nsich mir nie erschlossen. Ich habe auch versucht nachzufragen, aber es kam dabei\nnie etwas raus. Komisch ist es aber schon, denn Peter w\u00e4re ja nicht so ein viel\nanderer Name als Rudi, weder ausgefallen oder irgendwie auf einen Spitznamen hin\ndeutend. Vielleicht hatte er zwei Identit\u00e4ten? Gar nicht abwegig der Gedanke. Es\nblieb und bleibt f\u00fcr immer ein R\u00e4tsel, wenn auch ein kleines, unbedeutendes. In\nder Fu\u00dfballerrunde riefen ihn jedenfalls alle Peter. <\/p>\n\n\n\n<p>Was mich mit Tante Anna und Onkel Rudi\nverband, waren Treffen an so manchen Wochenenden zum Fu\u00dfballspielen und\n-schauen. Wenn Sie sich das genauer vorstellen wollen, dann kommt es am ehesten\nhin, wenn man Happening dazu sagen w\u00fcrde. Die Angeh\u00f6rigen \u2013 Freundinnen,\nEhefrauen, sonstige Verwandte und Bekannte,&nbsp;\ndie dazu geh\u00f6renden Kinder, sie alle sa\u00dfen auf den Holzb\u00e4nken auf der\nSeite der Pl\u00e4tze, wo auch immer die Mannschaft gerade spielte; manchmal auch im\nGastgarten der Kantine \u2013 wenn es eine gab \u2013 unter einem Schirm und wohnten dem\nMatch bei. Wobei die Redewendung nicht sehr treffend ist, weil ich kann von den\nmeisten nicht wirklich behaupten, dass sie \u201edem Spiel beiwohnten\u201c. Vielmehr\nging es darum, sich zu treffen. W\u00e4hrend sich die M\u00e4nner \u00fcber den Rasen m\u00fchten,\nsa\u00dfen die Angeh\u00f6rigen zusammen, tratschten, a\u00dfen, wenn es was gab, tranken und\nschleckten Eis. Die Kinder rauschten ab, tollten auf der angrenzenden Wiesen\numher; waren in der N\u00e4he, standen aus den Augenwinkeln unter Beobachtung,\nst\u00f6rten aber nicht und wurden nicht gest\u00f6rt; es sei denn, es gab Zoff. Wenn das\nWetter sch\u00f6n war, war es wie ein Familienausflug. Der Wind rauschte durch die\nB\u00e4ume. Gegen sp\u00e4teren Nachmittag l\u00e4uteten die Glocken der Marienkirche. Alles\nperfekt. Fast. Nicht ganz?<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20181206_072009-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1115\" width=\"219\" height=\"164\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20181206_072009-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20181206_072009-300x225.jpg 300w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20181206_072009-768x576.jpg 768w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20181206_072009-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20181206_072009-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 219px) 100vw, 219px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Tanta\nAnna<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nicht einmal kam es vor, dass es an so einem\nidyllischen Samstag, Aufruhr gab. Irgendetwas war auf dem Spielfeld passiert. Es\ngab eine Rudelbildung. So fing das an. Das sonst \u00fcbliche Geschrei auf dem Platz\nhatte sich ver\u00e4ndert. Die unaufmerksame Tante Anna \u2013 sie interessierte sich\nnicht wirklich f\u00fcr Fu\u00dfball \u2013 war pl\u00f6tzlich hellwach, sah auf das Feld, sondierte\nblitzschnell die Lage, z\u00f6gerte daraufhin keine Sekunde mehr, sprang auf,\nschl\u00fcpfte unter dem Gel\u00e4nder zum Spielfeld durch und lief auf das Spielfeld dem\nRudel entgegen. Den Schirm hatte sie von einem Accessoire zu einer Waffe umgewandelt,\nmit der sie schwingend auf die streitenden, schupfenden und manchmal auch\nschlagenden Kicker zulief. <\/p>\n\n\n\n<p>Sie m\u00fcssen sich das jetzt wie aus einem\nAsterix Comix vorstellen, wenn Obelix auf die R\u00f6mer-Phalanx trifft und diese\nauseinander sprengt. Tante Anne machte keine Gefangenen. Sie hieb und stach auf\ndie Raufenden ein. Regelm\u00e4\u00dfig war das Tohuwabohu schnell zu Ende. Die einen\nwaren froh, dass Tante Anna dazwischen gegangen war, die anderen \u2013 meist die\ngenerischen Mannschaftsmitglieder \u2013 waren so \u00fcberrascht \u00fcber den fremden \u2013 noch\ndazu weiblichen \u2013 W\u00fcterich, das alle rasch voneinander ablie\u00dfen. Die am Boden Liegenden\nrafften sich auf, die Spieler beruhigten sich gegenseitig. Rasch herrschte\nwieder Spielbereitschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Tante Anna schrie noch mit einigen, straffte\nschlie\u00dflich ihre Schultern, wandelte ihre \u201eeffektive Waffe\u201c wieder in ein\nAccessoire um und stolzierte vom Platz. Ganz einer Lady gleich, die ihren\nEinkauf abgeschlossen hatte, setzte sie sich auf die Bank, rauchte sich eine an\nund nahm das Gespr\u00e4ch wieder auf. Sie rauchte im \u00dcbrigen immer Falk.<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal kam es vor, dass irgendwo in der N\u00e4he\nder Sitzb\u00e4nke ein Foul gegen einen unserer Spieler begangen wurde. Auch da\nverwandelte sich Tante Anna in eine Furie. Sie sprang auf, klammerte sich an\ndie Eisenrohre, die als Gel\u00e4nder fungierten an und schrie in kreischender, rauchiger,\nsich \u00fcberschlagender, aber sehr lauter Stimme, Unfl\u00e4tiges hinein. Vieles davon\nkann man einfach nicht wiedergeben, aber \u201eheast Deppata! I hau das Kreiz o\u201c war\nvergleichsweise milde, was aus ihrem Mund zu h\u00f6ren war. Drohungen, was mit ihm\npassiere, wenn sich das wiederholte, waren obligatorisch. Das Gem\u00e4cht \u2013 und was\nsie damit machen w\u00fcrde \u2013 des \u00dcbelt\u00e4ters spielte dabei nicht selten eine Rolle. Die\ngro\u00dfe Mehrzahl der Spieler lie\u00dfen das \u00fcber sich ergehen, sie legten sich mit\nTante Anna nicht an. Sie war eine Respektsperson, gef\u00fcrchtet und bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Tante Anna hatte drei Schwestern. Zwei davon\nwaren ausgewandert, eine nach \u00dcbersee in die Staaten, die andere nach England.\nAnnas Schwester in den USA kannten wir nur von Fotos und sp\u00e4rlichen Erz\u00e4hlungen.\nDie Erinnerung und das Wissen \u00fcber sie blieb bruchst\u00fcckhaft. <\/p>\n\n\n\n<p>Die zweite ausgewanderte Schwester kannten wir\netwas besser. Sie hie\u00df Rose oder Rosa und sie lebte in London. Sie war das\netwas kleinere Abbild ihrer Grazer Schwestern, mittelgro\u00df, hager, resolut,\nlaut. Mit einem englischen Einschlag dazu; etwas schriller, weniger rauchig, etwas\nkitschiger, etwas farbiger, mehr toupiertes, schillernd bl\u00e4ulich schimmerndes Haar.\nMit einem lustigen steirischen Dialekt, gepr\u00e4gt von einer britisch-englischen\nIntonation. Wie bei vielen Auswanderinnen war der Wortschatz nicht mehr so\npr\u00e4sent. Nach manchem Wort musste Rosa schon suchen oder sie ersetzte es\neinfach kurzerhand durch den englischen Begriff. Das war f\u00fcr uns Kinder lustig.\n<\/p>\n\n\n\n<p>Fast ebenso exotisch-lustig war ihr\nLebensgef\u00e4hrte, der bei den Besuchen meist mit kam. Der war, als wir ihn\nkennenlernten, Arbeiter in einem K\u00fchllager in London, sp\u00e4ter dann am Flughafen\nin der Gep\u00e4cksortierung besch\u00e4ftigt. Er hie\u00df Tunde und er war dunkelh\u00e4utig. Na,\nSie k\u00f6nnen sich wohl vorstellen was das in den 1970 f\u00fcr eine \u00dcberraschung war. Tunde\nsprach wenig Deutsch, aber verstand sehr viel, sogar Dialektw\u00f6rter; nicht nur\ndie schl\u00fcpfrigen. Rosa behauptete, dass er ein Prinz sei, ein Abk\u00f6mmling eines Stammesk\u00f6nigs\nund aus Nigeria stamme. Mit der Geschichte spielte er auch gern und bediente\nnahezu jedes Klischee, das einem so dazu einfiel. Tunde konnte mit seiner\nunkomplizierten und lustigen Art schnell die sprachlichen, sozialen und\nsonstigen (?) Barrieren abbauen und wurde in die Familie aufgenommen. Was nicht\nso schwer war, da es sich ja immer nur um einige Treffen und wenige Tage\nhandelte, die sie in Graz verbrachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Tunde war das Gegenteil zu Rosa. Sprach sie\nununterbrochen, h\u00fcpfte auf und ab und konnte keine Minute still sitzen und a\u00df\nkaum was; so war er der Typ: gem\u00fctlicher, phlegmatischer Biertrinker, der alles\na\u00df, was man ihm vorsetzte. Stellen sie sich das Bild vor! Tunde, mittelgro\u00df,\nrundlich und sehr dunkelh\u00e4utig sa\u00df in einem typischen 1970er Jahre Wohnzimmer auf\nder Couch, beobachtete das Treiben, a\u00df und trank vor sich hin, w\u00e4hrend Rosa\nsich \u201edie Haare machen\u201c lie\u00df. Die Frauen gingen in die K\u00fcche und ins Bad und\nf\u00fchrten ihre eigenen Gespr\u00e4che, w\u00e4hrend die Farbe aufgetragen oder die Wickler\neingedreht wurden. Wenn Rosa unter der Trockenhaube sa\u00df, war sie noch lauter,\nals sonst. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann sa\u00dfen die M\u00e4nner im Wohnzimmer, tranken\nBier und hatten Teller mit Snacks und zwischendurch Imbissen vor sich stehen.\nDie M\u00e4nner sprachen generell weniger, kommentierten eher das Geschrei aus der\nK\u00fcche und da gab Tunde von Zeit zu Zeit irgendeinen kurzen Kommentar ab.\nManchmal auf Deutsch, meist auf Englisch. Die waren meist witzig, manchmal auch\nschl\u00fcpfrig und sexistisch angehaucht, ohne dass es b\u00f6se gemeint war. Wie das im\nglobalen Patriachat halt so ist. Sofern man ihn verstand. Da ich ein bisschen\nmehr Englisch konnte als meine Eltern, kapierte ich eher, was er sagte. <\/p>\n\n\n\n<p>Das mit der Abstammung k\u00f6nnte durchaus gestimmt\nhaben. Man wei\u00df ja nie. Auf jeden Fall lebte er schon viele Jahre in England,\nbevor er Rosa kennenlernte. Rosa kam des \u00d6fteren nach \u00d6sterreich, um sich\nmedizinisch behandeln zu lassen. Das fing bei den Z\u00e4hnen an und ging bis zu\naufw\u00e4ndigeren medizinischen Behandlungen und Eingriffen. Wenn Rosa \u00fcber das\nenglische \u201eHealth Care System\u201c erz\u00e4hlte, wurde uns damals schon bewusst, wie\ngut wir es in \u00d6sterreich eigentlich hatten und wie gut unser System war und das\nbetonten alle Erwachsenen st\u00e4ndig. Es machte deutlich, dass das National Health\nSystem damals schon kaputt gespart wurde und von neoliberalem Gedankengut\nzerfressen wurde. <\/p>\n\n\n\n<p>Beide Schwestern hatten eine nicht so robuste Gesundheit, ganz im Gegensatz zu ihrer nach au\u00dfen gestellten Robustheit. Tante Anna hatte schon einmal einen diagnostizierten Brustkrebs, den sie im ersten Anlauf besiegte, wenn auch zum Preis einer totalen Brustabnahme. Aber der Tumor hatte nur Pause gemacht \u2013 wenngleich eine l\u00e4ngere. Daf\u00fcr kam er umso heftiger zur\u00fcck und f\u00fchrte schlie\u00dflich auch zu ihrem raschen Tod. Rosa laborierte auch an vielen anderen Krankheiten und sie starb einige Zeit nach Tante Anna, auch weil sie nicht mehr nach \u00d6sterreich fahren konnte und die Behandlung in London f\u00fcr sie zu teuer kam. Bald nach dem Tod von Rosa verlief sich die Spur zu Tunde. Das letzte, was wir h\u00f6rten, war, dass er als Nachtw\u00e4chter arbeitete. Obwohl er eine Pension hatte, reichte diese f\u00fcr den Lebensabend nicht aus. Mit dem Tod von Onkel Rudi riss auch der letzte Faden zu diesem entfernten Teil der Familie. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20190116_163917-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1119\" width=\"267\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20190116_163917-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20190116_163917-300x225.jpg 300w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20190116_163917-768x576.jpg 768w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20190116_163917-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/IMG_20190116_163917-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 267px) 100vw, 267px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Onkel\nRudi <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Gulis Fama lautet, der Onkel Rudi sei ein\nHallodri gewesen und w\u00e4re sicher auf der schiefen Bahn gelandet, wenn nicht die\nTante Anna die Z\u00fcgel in der Hand genommen und gehalten h\u00e4tte. Evident ist, dass\ner gerne Karten spielte, nicht \u201eSchwarzer Peter\u201c, wenn Sie wissen, was ich meine,\nsondern er eine Menge Geld in diversen Hinterzimmern von diversen Kaschemmen im\nGries und Lend<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> liegen\ngelassen hatte. Auch belegt ist, dass er das eine oder andere Mal von Tante\nAnna aus einem Puff \u201eabgeholt\u201c \u2013 oder ausgel\u00f6st \u2013 werden musste. Ger\u00fcchten\nzufolge war er gerne im damals noch existierenden und f\u00fcr mich als Kind\nreichlich absto\u00dfend klingenden \u201eKleinen Pelz\u201c zu Gange.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Sie erz\u00e4hlte das mit gro\u00dfer Offenheit und ohne\nScheu, allerdings nur, wenn die Frauen unter sich waren. Ich h\u00f6rte das immer\nmit Freuden, weil ich auf der anderen Seite auch bei den M\u00e4nnerrunden schon\ndabei sa\u00df und so auch die andere Seite der Geschichte h\u00f6rte. Der Vorteil war,\ndass man als m\u00e4nnliches Kind noch nicht als Mann angesehen wurde und ich daher\noft daneben sa\u00df und alles h\u00f6rte, was es \u00fcber die Ehem\u00e4nner zu berichten gab. Da\n&nbsp;war dann der Wettbewerb er\u00f6ffnet, wer\nden schlimmeren, schlechteren, d\u00fcmmeren Mann hatte. So schien es mir damals\nschon. Aber ich hielt immer dicht. Ich erz\u00e4hlte den M\u00e4nnern, wenn ich bei ihnen\nsa\u00df, nie, was die Frauen \u00fcber sie sprachen und dachten. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach Annas Tod war Onkel Rudi noch einige\nJahre mit einer wesentlich j\u00fcngeren, dunkelh\u00e4utigen Frau aus der\nDominikanischen Republik zusammen, die wie er selbst sagte, aus einem Etablissement\n\u201eheraus geholte hatte\u201c. Allzu lange war ihm das neue Gl\u00fcck jedoch nicht\nverg\u00f6nnt. Kaum ein Jahr, nachdem er mit 60 Jahren in Pension gegangen war,\nverstarb er. Sie \u2013 leider wei\u00df ich den Namen nicht mehr \u2013 hatte einen Sohn in\nder Dominikanischen Republik und nachdem sie ein bisserl ein Geld von ihm\nvermacht bekommen hatte, kehrte sie zur\u00fcck nach Hause. Auch diese Spur verliert\nsich damit; nicht ohne, dass sie in der Erz\u00e4hlung der Familie Gulis als Phantom\nmit schlechtem Leumund zur\u00fcck blieb. Sie habe es doch nur auf das Geld von Rudi\n(Peter) abgesehen gehabt und als er starb, hatte sie ihr Ziel erreicht und sei\nabgehauen. Sonstige Ger\u00fcchte? Aber sicher. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch will ja nichts sagen, aber ganz okay war das alles nicht, mit\nseinem Tod. Er sah doch noch gut aus und f\u00fchlte sich fit.\u201c&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas willst du damit sagen, etwa dass \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e\u2026ach Gott, nein, daf\u00fcr gibt es ja keinerlei Hinweise. Ich sag\u00b4 ja nur,\nwas man so h\u00f6rt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In unserer Familie wurde gerne der Halbwahrheiten\nund Ger\u00fcchten gefr\u00f6nt, Aufkl\u00e4rung und evidenzbasierte Fakten waren keine Handlungsmaxime\nin der Familie. Heute w\u00fcrde man dazu Fake News sagen. <\/p>\n\n\n\n<p>Tante Anna und Onkel Rudi wohnten in der Kapellenstra\u00dfe.\nIch war einige Male dort zu Besuch. Eine kleine, nette, recht helle Wohnung.\nVorraum mit Bad und WC, eine ger\u00e4umige K\u00fcche mit Tisch, Sesseln und Eckbank, in\nder sich das gesellschaftliche Leben abspielte und ein Schlafzimmer. Das Haus\nwar das vorletzte in einem 2 Stock H\u00e4user Ensemble, direkt an der\nKapellenstra\u00dfe. Das Haus der beiden lag an der Ecke zur\nSiebenundvierzigerstra\u00dfe. Ein Haus weiter, brach das Reihenhausensemble abrupt\nab. Es fing eine Wiese an und weiter hinten standen recht sch\u00e4bige H\u00e4user, ja\neigentlich Baracken. Alle Erwachsenen, insbesondere Onkel Rudi, warnten mich\nimmer wieder davor, dort ja nie hinzugehen, weil da dunkle Gesellen leben\nw\u00fcrden, arbeitsscheues Gesindel, Kriminelle und vor allem Zigeuner. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich kam nie auf die Idee, bei Besuchen bei\nOnkel Rudi das Haus zu verlassen, um herumzustreunen. Aber die Aussagen der\nErwachsenen und insbesondere von Onkel Rudi, der es ja schlie\u00dflich wissen\nmusste, blieben tief eingebrannt. Auf die damals br\u00fcchige soziale Hierarchie,\ndie zwischen Onkel Rudi und dem angeblich arbeitsscheuen Gesindel auf der Wiese\njenseits der Kapellenstra\u00dfe, wurde ich erst sp\u00e4ter aufmerksam und war\nverbl\u00fcfft, wie abf\u00e4llig Onkel Rudi \u00fcber die Leute zu sprechen in der Lage war.\nEr, der selbst, \u201edas Arbeiten nicht erfunden\u201c hatte, wie sein \u00e4lterer Bruder \u2013\nalso mein Opa \u2013 einmal nebenbei fallen lie\u00df. In seinen jungen Jahren war er viele\nJahre lang mehr arbeitslos, als dass er arbeitete, bis er bei der Arbeiterkammer\nin Graz seinen Lebensjob fand. <\/p>\n\n\n\n<p>Als ich \u2013 dann schon etwas \u00e4lter \u2013 mehr \u00fcber\ndie famili\u00e4ren und sozialen Zusammenh\u00e4nge mit kriegte, war Onkel Rudi Betriebsratskassenpr\u00fcfer\nder steirischen Arbeiterkammer und \u2013 wie sagt man so sch\u00f6n \u2013 stabil. Das blieb\ner auch bis zu seiner Pensionierung. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/babenberg-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1120\" width=\"261\" height=\"196\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/babenberg-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/babenberg-300x225.jpg 300w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/babenberg-768x576.jpg 768w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/babenberg-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/babenberg-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 261px) 100vw, 261px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>\u201eEin\nH\u00e4ferl\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Onkel Rudi war seit seiner Jugend\nFu\u00dfballspieler. Er verdingte sich in diversen unterklassigen Ligen, bei Klubs\nwie Hausmannst\u00e4tten oder Steirerbus Liebenau. An sich war er ein ganz passabler\nSt\u00fcrmer, f\u00fcr Kopfballtore etwas zu klein geraten, aber er hatte einen guten\nSchluss. Er war wendig und schnell. Sein gro\u00dfes Defizit war, dass er ein\nsogenanntes \u201eH\u00e4ferl\u201c war. Abf\u00e4llige Bemerkungen, Schimpf oder vermeintlich\nhartes Einsteigen gegen ihn vertrug er ganz schlecht. Da war er schnell in\nRage; cholerisch bis zum Anschlag. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann fing er Wortgefechte mit seinen\nGegenspielern an. Bei Zweik\u00e4mpfen und Attacken packte er alle \u201edreckigen\u201c\nTricks aus, die im Amateurfu\u00dfball \u2013 aber nicht nur dort \u2013 gang und g\u00e4be waren:\nBei einem Sprungduell auf die Zehen treten, bei einem Get\u00fcmmel im Strafraum in \u201edie\nEier zwicken\u201c oder mit dem Knie in den Oberschenkel ausschlagen, Nachtreten und\nvieles mehr, was es da noch so alles gab. Kurzum, er provozierte. Die anderen,\ndie ihn kannten, wussten schon: Oje, das geht nicht lange gut. Es war nur eine\nFrage der Zeit, wie lange sich der Gegner das gefallen lie\u00df. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn der selbst Ma\u00dfnahmen zu setzen begann, dann\nwar der n\u00e4chste Schritt der Eskalation eingeleitet. Rudi bekam regelm\u00e4\u00dfig einen\nroten Kopf, die Bewegungen von ihm wurden ruckartig und kantig. Beim n\u00e4chsten\nMal hinblicken lag der Spieler der gegnerischen Mannschaft schon am Boden,\nhielt sich das Gesicht. Peter oder Onkel Rudi hatte zugeschlagen. Wenn es in\nden Mannschaften nicht besonnene Mitspieler gab, die die Hei\u00dfsporne b\u00e4ndigten, konnte\ndas rasch eskalieren. Denn nat\u00fcrlich entstand ein Rudel, die gegnerischen\nSpieler wollten ihren Sportskameraden r\u00e4chen. Und Tante Anna war auch nicht\nimmer zugegen. Dann konnte daraus rasch eine Massenschl\u00e4gerei werden. Mein\nVater war ein besonnener, der konnte Onkel Rudi manchmal beruhigen und weg\ndr\u00e4ngen vom Gew\u00fchl. <\/p>\n\n\n\n<p>Das war das eine, aber er war nicht nur mit\nsich selbst besch\u00e4ftigt, sondern er schwang sich in der Mannschaft auch als R\u00e4cher\nauf. Wenn andere b\u00f6se gefoult oder unfair behandelt wurden, dann war es genauso\num Rudi geschehen. In einer Saison wurde er vier Mal wegen Raufhandel\nausgeschlossen. In dieser Saison spielte er nicht oft. Sp\u00e4ter, als er nicht\nmehr Vereinsfu\u00dfball spielte, sondern nur mehr bei der Hobbytruppe \u201eSchramke Santner&amp;\nCie\u201c und schon in seinen 40er war, spielte er Verteidiger, machte den damals\nsehr modernen und beliebten Libero, frei nach Franz Beckenbauer. Aber auch da\nendeten nicht wenige \u201eFreundschaftsspiele\u201c \u2013 was f\u00fcr ein Euphemismus \u2013 im Raufhandel\nund Abbruch. Onkel Rudi musste vom Platz oder das Spiel war \u00fcberhaupt zu Ende,\nweil die gegnerische Mannschaft abtrat. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich sehe heute noch eine Szene vor mir. Es war\nam besagten Marienplatz. Onkel Rudi stand am eigenen Tor am 16er und plauderte\nmit dem Tormann \u201eZepferl\u201c \u2013 ein weitschichtig Verwandter von ihm. Der\nSchwerpunkt des Spiels lag in der anderen H\u00e4lfte des Spielfeldes. Irgendwas war\npassiert. Es wurde laut, Hannes \u2013 unser zweiter \u201eProblemb\u00e4r\u201c in der Mannschaft\n\u2013 auch ein H\u00e4ferl und Auszucker, lang am Boden und schrie. Es bildete sich\nsogleich ein Rudel, es wurde geschupft, geschrien und wild gestikuliert. Aus\ndem rechten Augenwinkel sah ich Onkel Rudi als kleinen, roten Blitz nach vorne\nschie\u00dfen. Er war auf kurze Distanzen noch wieselflink. Angekommen bei der\nGruppe konnte niemand so schnell reagieren, um ihn davon abzuhalten, den vermeintlichen\nMisset\u00e4ter mit einem Kinnhaken niederzustrecken. Dann ging\u00b4s richtig los. Das\nSpiel konnte man vergessen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ob die beiden \u2013 Anna und Rudi \u2013 den sprintschnellen,\nraschen \u00dcberraschungsangriff in ihrer Freizeit \u00fcbten, wei\u00df ich nicht.\nWahrscheinlich war es einfach nur eine gegenseitige Adaption einer\nerfolgreichen Angriffssituation. Sie lehrten mich, mit deftigen, derben und\ngewaltvollen Umgangsformen umzugehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Hannes \u2013 das zweite H\u00e4ferl im Verein \u2013 der selten\nein Spiel absolvierte, das er nicht mit Wort- und K\u00f6rpergefechten absolvierte,\nwar \u201eprivat\u201c \u2013 also wenn er nicht auf dem Platz stand \u2013 ein friedlicher und\nwitziger, wenn auch einfach gestrickter Zeitgenosse. Am Platz verwandelte er\nsich in eine tickende Zeitbombe. Das Problem an Hannes war, dass er sein\nVerhalten auf dem Platz auch noch f\u00fcr richtig hielt. Er nahm mich nicht einmal\nauf die Seite und vertraute mir sein Geheimnis an. Er meinte, man m\u00fcsse weder\ngro\u00df noch stark sein, man m\u00fcsse nur schnell und der Erste in einer drohenden\nk\u00f6rperlichen Auseinandersetzung sein. Das war sein Motto. Die \u00dcberraschung\nausnutzen und gleich zuschlagen. <\/p>\n\n\n\n<p>So k\u00f6nne man auch weitaus st\u00e4rkere und gr\u00f6\u00dfere\nGegner niederstrecken und siegen. Und so handelte er auch. Wenn er \u201ein Saft\nging\u201c, dann flog gleich einmal eine \u201eWatschen\u201c oder ein Kinnhaken.\n\u00dcbergangslos. Wenn das, den zum Feind gewordenen Gegenspieler, nicht wirklich\nbeeindruckte, weil er etwa schlecht traf oder der andere einfach robuster war,\ndann war Hannes einer der schnellsten, beim Antritt der Flucht. Dar\u00fcber konnte\ner sp\u00e4ter im Gasthaus stundenlang erz\u00e4hlen und Witze dar\u00fcber rei\u00dfen: Ich hab\nden eine \u201ebetoniert\u201c und der hat sich nur gesch\u00fcttelt. &nbsp;Da war mir klar, \u201e jetzt aber nix wie weg\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich war ein Vertreter der dritten Generation aus dem Gulis-Clan, die bei \u201eSchramke Santner&amp; Cie-Santnter\u201c spielte. Entstanden war die Hobbytruppe, weil unser Nachbar bei der Firma arbeitete und&nbsp; auf die Idee kam, dass man eine Hobbytruppe gr\u00fcnden k\u00f6nnte; eine \u201eWirtshausmannschaft\u201c \u2013 in unserem Fall war es eine \u201eKracherlzustellfirma-Mannschaft\u201c f\u00fcr Gasth\u00e4user, Caf\u00e9s und Bars. Gef\u00fchrt wurde Schramke Santner&amp; Cie damals von zwei Frauen und die waren von der Idee angetan. Sie sponserten die Dressen. Wei\u00dfe Hosen, gr\u00fcne Trikots, mit wei\u00dfen, runden Kragen und mit rundem Logo. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/schlossberg-im-nebel-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1121\" width=\"312\" height=\"234\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/schlossberg-im-nebel-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/schlossberg-im-nebel-300x225.jpg 300w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/schlossberg-im-nebel-768x576.jpg 768w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/schlossberg-im-nebel-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/schlossberg-im-nebel-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 312px) 100vw, 312px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>\u201eSp\u00fc\u00b4\nher, schick eam, Schiass, st\u00f6 di frei\u201c <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Firma gibt es nicht mehr. Ihren Sitz hatte\nsie in der Leonhardstra\u00dfe \u2013zwischen Beethovenstra\u00dfe und Merangasse, auf der\nrechten Seite stadtausw\u00e4rts. Es war eine ziemlich enge Einfahrt, in der die LKWs\nrein und raus man\u00f6vrieren mussten. Rudi oder Peter, mein Gro\u00dfonkel, war von\nAnfang an dabei, die erste Generation. &nbsp;Ebenso\ndabei waren mein Vater und Onkel Andi, die zweite Generation. Mein Cousin und\nich stiegen sp\u00e4ter ein, wir waren die dritte. Als wir gro\u00df genug waren, um\nk\u00f6rperlich mitzuhalten, durften wir dann auch. Aber ich war als Bub immer schon\ndabei, auch wenn ich nicht mitspielen durfte; oft auch meine Mutter. Denn wie\nschon gesagt, es war eine Freizeitbesch\u00e4ftigung f\u00fcr die Familie. Nach dem Kick\ngingen viele noch gemeinsam in ein Lokal. <\/p>\n\n\n\n<p>Damals gab es viele solcher Hobbytruppen, die\nin Freundschaftsspielen aufeinander trafen. Auch eine rege Turnierszene existierte\nin der Steiermark, sowohl am Feld als auch in der Halle. Man konnte als\nHobbytruppe nahezu jedes Wochenende spielen, im Winter in der Halle. Es war\nzwar Hobby, aber der Fu\u00dfball, der da zeitweise gespielt wurde, wenn gespielt\nwurde, war gar nicht so schlecht. Bei \u201eSchramke Santner&amp; Cie &amp; Santner\u201c\nspielten auch einige Kickern, die bei Vereinen in h\u00f6heren Ligen aktiv waren.\nDas ging \u00fcber die Landesliga bis zu Nachwuchsspielern des ESK (Eggenberger\nSportklub, damals Landesliga) und bis zu Sturm und GAK. Ich kann behaupten,\ndass ich mit dem Bundesligaspieler Mario Zuenelli vom GAK zusammen in einer\nMannschaft gespielt habe. Damals war er allerdings erst 18 Jahre und in der GAK\nReserve engagiert. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Team von \u201eSchramke Santner&amp; Cie\u201c bestand\nin seinem Grundger\u00fcst aus Gulis Abk\u00f6mmlingen. Onkel Rudi als Libero. Mein Vater\nim zentralen Mittelfeld (6er Position), mein Onkel Andi etwas weiter nach vorne\ngeschoben (8er), ich auf der rechten Fl\u00fcgelseite und Manfred, der ein Linksfu\u00df\nwar, auf der Linksau\u00dfenposition. So spielten wir nicht sehr oft, denn es war\nf\u00fcr uns \u2013 &nbsp;Angeh\u00f6rige der 3. Generation \u2013\nalles andere als erbaulich und wir gaben bald auf. Alle \u00e4lteren Gulisse f\u00fchlten\nsich bem\u00fc\u00dfigt uns Tipps und Ratschl\u00e4ge zu geben, br\u00fcllten am Spielfeld auf uns\nein, was wir gerade, jetzt, im Moment zu tun h\u00e4tten: \u201eSp\u00fc\u00b4 her, schick eam,\nSchiass, st\u00f6 di frei\u2026\u201c usw. <\/p>\n\n\n\n<p>Es wurde generell in der Mannschaft gerne\ngeraunzt und gemeckert. Bei den S\u00f6hnen, Neffen und Cousins glaubten sie aber\nnoch viel mehr, dass das angebracht war und man die \u201eJungen eben f\u00fchren\u201c m\u00fcsse.\nUnd all die anderen Freunde in der Mannschaft, die wir nat\u00fcrlich auch von klein\nauf kannten und mit am Platz standen, hielten sich auch nicht zur\u00fcck. Wenn man\nden Ball gestoppt hatte und f\u00fchrte, dann br\u00fcllte das halbe Team auf einen ein.\nVom Gegner, der auf einen zust\u00fcrzte, um einem den Ball zu entrei\u00dfen, rede ich\nnoch gar nicht. <\/p>\n\n\n\n<p>Wehe, wenn wir zur\u00fcckredeten oder selbst\nkritisierten. Na dann, aber hallo. Dann ging die Keiferei erst richtig los.\nNiemand von den Alten vertrug es, wenn uns was gelang und wir vielleicht sogar so\ngut oder gar besser als die Alten waren. Dann war der Rest des Tages dahin.\nNeid und Eifersucht \u2013 demonstrative Ignoranz; schlichtweg niedere Instinkte und\nGef\u00fchle regierten bis zum dritten Bier im Gasthaus die Stimmung. <\/p>\n\n\n\n<p>Also, in Wahrheit machte das Kicken bei\n\u201eSchramke Santner&amp; Cie\u201c \u00fcberhaupt keinen Spa\u00df. 90 Minuten Ungemach,\ngenerationale, famili\u00e4re und fu\u00dfballerische Ausnahmesituation, diese Samstage.\nMein Cousin und ich waren generell Fremdk\u00f6per in der Truppe von V\u00e4tern und\nFreunden von V\u00e4tern, die meisten schon in den Vierzigern. Nachwuchs gab es\nnicht so viele, denn entweder interessierten sich die Kinder nicht f\u00fcr Fu\u00dfball,\nwas f\u00fcr einige der V\u00e4ter eine tiefe Kr\u00e4nkung war. Andere, etwa Hannes und\nEwald, hatten nur T\u00f6chter. Die waren zwar mit dabei, spielten aber viel lieber\nauf der Wiese nebenan \u2013 und ganz anderes. Mit jedem Jahr, in dem ich \u00e4lter\nwurde, wurde mir die Truppe unheimlicher, fremder. Ich ging auch immer seltener\nmit, um am Wochenende zu spielen. Ich hatte besseres zu tun. Zumal wir es kaum\nmehr schafften, ein Spiel wirklich einmal ohne Raufhandel oder Abbruch zu Ende\nzu spielen. Ich ging vom Platz und war frustriert, weil Fu\u00dfball zur Nebensache geriet.\n<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bei-nacht-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1122\" width=\"252\" height=\"189\" srcset=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bei-nacht-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bei-nacht-300x225.jpg 300w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bei-nacht-768x576.jpg 768w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bei-nacht-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bei-nacht-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 252px) 100vw, 252px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Wie im\nKleinen, so im Gro\u00dfen\u201c <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch auf der gr\u00f6\u00dferen B\u00fchne \u2013 den\nBundesligaspielen \u2013 ging es nicht viel besser zu. Auf dem Platz hielten sich\nalle einigerma\u00dfen ans Regelwerk und die Autorit\u00e4t der Schiedsrichter reichte,\num das Spiel in geordnete Bahnen abzuwickeln. Aber auf den Stehpl\u00e4tzen in der\nGruabn ging es oft zur Sache. Einmal, ich war ziemlich jung \u2013 vielleicht 7-8\nJahre \u2013 fingen, mitten im Spiel zwei Zuseher einige Reihen hinter mir, zu\nraufen an. Der Stehplatz war sch\u00fctter besetzt. Die anderen Zuseher machten\nPlatz und so konnten die zwei sich austoben. Nicht nur, dass das Bier im hohen\nBogen samt Becher durch die Luft flog, sie lie\u00dfen auch die F\u00e4uste sprechen. Ich\nh\u00f6re heute noch die Ger\u00e4usche, wenn eine Faust auf den Sch\u00e4del auftrifft. Sie\nstolperten im Schwitzkasten \u00fcber die Stufen, krachten gemeinsam gegen die\nStehplatzhalterungen, schlugen sich, keuchten und schrien atemlos. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Geschehen am Platz selbst war unwichtig\ngeworden. Alle schauten nur auf die Raufenden. Nicht einer versuchte die beiden\nStreith\u00e4hne zu trennen, man lie\u00df sie einfach k\u00e4mpfen. Irgendwann hatte der eine\nden andere auf einer der Halterung festgenagelt, verdrehte seinen ganzen K\u00f6rper\num die dicken Eisenstangen und w\u00fcrgte ihn damit. Der war bereits ganz rot im\nGesicht, und das nicht nur vom Blut. Dann riefen einige Zuseher, dass die\nPolizei anr\u00fccke und sie aufh\u00f6ren sollten, was auch zum Gl\u00fcck geschah, denn\nlange h\u00e4tte der Unterlegene nicht mehr durchgehalten. Die L\u00fccken schlossen sich\nwieder. Alle taten so, als w\u00e4re nichts geschehen. Als die zwei Polizisten zur\nStelle kamen, war nahezu nichts mehr zu sehen vom Kampf. Der rotgesichtige,\nBlut verschmierte, unterlegene K\u00e4mpfer, hatte sich in der Menge verdr\u00fcckt. &nbsp;Der andere holte sich ein neues Bier.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ein weiteres Erlebnis ist mir noch lebhaft\nin Erinnerung. Es war ein Fan, ausnahmsweise nicht in der Gruabn, sondern im\nLiebenauer Stadion. Der SK Sturm spielte zwischen 1974 und 1982 dort. Ich war\nmit Stiftingtaler Freunden am Platz. Wir standen ganz vorne am Zaun, ich war\nschon \u00e4lter als 12. Etwas von mir entfernt stand ein ganz normal\ndreinblickender und unauff\u00e4lliger Mann, im mittleren Alter. Er sang die Ges\u00e4nge\nmit, manchmal schrie er was rein; nix auff\u00e4lliges, \u201eSchieber\u201c oder Foul\u201c oder\nsowas. <\/p>\n\n\n\n<p>Aber jedes Mal, wenn sich das Spielgeschehen\nin unserer N\u00e4he befand, dann rastete er vollkommen aus. Sein Bier, das er in\nder Hand hielt, spritzte rum. H\u00f6hepunkt war, als ein gegnerischer Spieler\ngefoult wurde und der ganz in unserer N\u00e4he beim Spielfeldrand lag. Er begann zu\nbr\u00fcllen: \u201eSteh auf du Sau\u201c. \u201eMarkierer\u201c kam es von den R\u00e4ngen. Dann verfiel er\nin einen Sermon, der so absto\u00dfend, wie faszinierend war: \u201eTrogts eam ausse de\nLeich, der stinkt jo scho.\u201c Das wiederholte er immer wieder. Der Spieler wurde auf\ndem Spielfeldrand behandelt und schlie\u00dflich davon getragen. Danach war der Mann\nwieder ganz normal, unauff\u00e4llig, unterhielt sich mit den umstehenden. Bis die\nn\u00e4chste Spielszene in unserer N\u00e4he vorbei kam. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Marienplatz, an dem wir so viel Zeit in der Kindheit verbrachten, verschwand schon bald. Bald nachdem ich mich von der Truppe Schramke Santner&amp;Cie mehr oder weniger verabschiedete hatte. Die Wiese und der Platz wurden verkauft. Es entstand eine neue H\u00e4userzeile an der Babenbergerstra\u00dfe und ein Studentenheim von Wist. Dass ich heute in unmittelbarer N\u00e4he zum ehemaligen Marienplatz wohne, ist ein kleiner seltsamer Zufall, den es im Leben \u00f6fters gibt.&nbsp; <br><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Fr\u00fcher schlecht beleumundete\nBezirke, in denen es viele Nachtklubs mit Prostitution und Hinterzimmer-Caf\u00e9h\u00e4user\ngab, in denen das illegale Gl\u00fccksspiel florierte. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gegend in der der Marienplatz lag, war mir wenig vertraut. Sie war auch nicht sehr einladend. Das langgestreckte B\u00fcrogeb\u00e4ude der Arbeitsmarktverwaltung (AMV), wie das Arbeitsmarktservice damals noch hie\u00df,  gab es schon. Gegen\u00fcber der AMV standen einige alte H\u00e4user, die nach den Kriegssch\u00e4den, da diese rund um den Bahnhof besonders schlimm ausgefallen, wieder renoviert worden waren. Es folgte ein Bretterzaun.<\/p><p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/verschwundene-orte-teil-4\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[379,360,359,368,370],"tags":[348,347,268,318],"class_list":["post-1108","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erinnerungen","category-essays-kurzgeschichten","category-literarisches","category-serien","category-verschwundene-orte","tag-babenbergerstrasse","tag-hobby-fussball","tag-sk-sturm","tag-verschwundene-orte","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1108","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1108"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1108\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1406,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1108\/revisions\/1406"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1108"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1108"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gulis.at\/schreiben\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1108"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}