Sturm Echo Nr. 357

Kunstschuss

Wenn das kein Kopfballungeheuer ist!

„Papa, der Mann hat einen Fußball als Kopf. Wie isst´n der?“
„Der isst nicht, der schießt Tore, das reicht.“

Einen Horst Hrubesch, für den der Begriff erfunden wurde, hatten wir nie, aber einige gute Kopfballstürmer; den Robert Kaiser, den Harry Krämer, den Roman Kienast. Der Klemen Lavric erzielte das Goldtor im Cup Finale in Klagenfurt (2010) mit dem Kopf und der Mario Haas das 1:0 in der 3. Minute gegen Real Madrid in der Champions League-Gruppenphase. Er lief nach dem Tor zu den Fans, jubelte und klopfte sich mehrmals auf die Stirn. Die ganze Aktion mit dem Tor machen, hätte er lieber bleiben lassen sollen: Er hat das Real-Monster erst geweckt. 1:5 stand es am Ende.

Das eine ist das, was wir in unserem Hirnkastl abspeichern. Das andere ist das, worauf wir starren können: Es ist scharf, es ist das „leine itung“ und das „Puntig“ zu lesen, die angespannten Muskeln an der linken Hand von Bekim Balaj, die verkrampfte Haltung der Finger zu sehen. Meister seien sie genannt, die im richtigen Moment auf den Auslöser drücken, ihre Linse richtig postieren und die besten Szene „einfangen“: Fotografen und Fotografinnen, zuständig für echte Kunstschüsse.

Text: Wolfgang Gulis
Autor und Musiker
Foto: GEPA pictures
WAC-Sturm, 04.08.2019